Na toll...

KurzgeschichteDrama, Fantasy / P12
Hei
31.08.2013
19.03.2014
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31.08.2013 2.549
 
(Das ganze entstand vor vermutlich schon einem halben Jahr, ist aber immer noch nicht zuende geführt. Hoffe das ganze regt ein wenig euer Interesse, und viel Spaß beim Lesen)



Tokyo, 18 Uhr 26. Einige Wolken zogen über den Himmel. Ein angenehmer Spätsommerabend, schön kühl.
Ich lehnte an der Mauer die das Dach des Gebäudes umgrenzt und beobachtete das rege Treiben auf der Straße etwa 25 Meter unter mir. Ein leichter Wind frischte auf. Ich seufzte lautlos und strich mir einige Strähnen meines kinnlangen Haares aus dem Gesicht als mir der schwarze Schleier die Sicht nahm. Viel verpassen würde ich nicht, wenn ich einfach hier oben stünde und die angenehme Luft genießen würde. Aber naja, ich hatte einen Auftrag zu erledigen und würde mich danach an einen ruhigen Ort zurückziehen.
Ich legte den Kopf zur Seite und streckte mich. Mir war langweilig, die wussten doch eh genau, wann sich der Kerl wo aufhielt. Wozu musste ich dann schon zwei Stunden bevor er überhaupt herkam hier warten? Na gut, inzwischen war er sicher dort angekommen. Ich schob den Ärmel meiner Jacke zurück und sah auf meine Armbanduhr. 18:29... Jetzt müssten sie sich bald melden. Die ganze Aktion im Restaurant sollte um 19 Uhr beginnen und ich hatte noch ein paar Sachen vorzubereiten. Sicher ist sicher.
Ich zog den Verband, der sich um mein Handgelenk und meinen Unterarm wand nochmals fest und sah dann hoch in den Himmel. Hier oben starb man ja fast vor Langeweile.
Ein leises Knacken drang aus dem Mini-Kopfhörer, den ich im Ohr trug.
„Es ist so weit. Mach dich auf den Weg.“, die emotionslose Stimme der Doll wirkte wie immer eher verschlafen und weltfremd. Ich drückte einen Knopf an meinem Kragen und bestätigte kurz. Wieder ein Knacken und ich war allein... Moment, allein? Ich drehte mich um, ach ja, die Taube hatte sich ja gerade am anderen Ende des Daches niedergelassen. Ich ging zur Rückseite des Gebäudes, dort befand sich auf jedem Stockwerk ein Balkon und dort würde ich schnell nach unten gelangen, ohne durch das Haus zu gehen oder beim Sprung vom Dach mit etwaigen Verletzung rechnen zu müssen. Ich zog mein Walkie-Talkie, ein dunkellilanes Hemd und eine schwarze Krawatte aus der Tasche und legte diese an der Mauer auf dem Dach ab.
Sie hatten mir den Kram extra eingepackt, damit ich nicht so auffallen würde unter den ganzen Gästen. Mit einer Lederjacke wäre ich zugegeben mehr aufgefallen als nötig. Falls es Schwierigkeiten mit der Zielperson geben sollte, was im Fall dieses Contractors sehr wahrscheinlich war, würde ich spätestens dann sowieso bemerkt werden. Bis dahin brauchte mich aber keiner zu beachten. Mir wurde von Anfang an gesagt, es wäre sehr riskant. Bisher war es bekanntlich niemandem gelungen den Black Reaper zu beseitigen. BK-201... welch Ehre sich diesem Gegner stellen zu dürfen. Ha, von wegen, irgendwie war mein Selbsterhaltungsdrang nur nicht ganz so stark ausgeprägt wie bei anderen Contractors. Wenn dadurch etwas spannenderes in meinem Leben geschah setzte ich dieses durchaus auf Spiel.
Wieder seufzte ich, erst vor 4 Jahren war ich zum Contractor geworden, mit 15, auch wenn ich keine Emotionen mehr empfand war klar, dass diese minimale Regung die ich spürte definitiv genervt war.
Das Hemd und die Krawatte hatte ich bereist angezogen und mein T-Shirt und die Jacke im Rucksack verstaut, mal sehen ob ich die wieder abholen könnte.
Ich sprang auf die Mauer und sah zu der Taube. Sie legte den Kopf schief und gurrte leise. Irgendwie passte es mir nicht, dass mich dieses Tier so ansah, es wirkte intelligent. Vom Syndikat war mir oft genug zur Vorsicht geraten worden. Es gab Contractors die die Körper anderer Wesen übernehmen konnten. Diese Taube schien mir ganz danach ein solcher zu sein.
Ich zuckte mit den Schultern und deutete mit einer kurzen Geste auf das Tier, während ich schon von der Mauer sprang und mich zum ersten Balkon fallen ließ.  An mir vorbei stürzte der zierliche Körper in die Tiefe und ich folgte ihm. Ich fragte mich ob ich es heile überstehen würde mich einfach so fallen zu lassen, aber rational gesehen war es zu riskant und ich stoppte meinen Fall indem ich das Geländer des letzten Balkons in vielleicht 4 Metern Höhe packte. Von dort konnte sich auch ein Mensch mit ein wenig Erfahrung ohne Gefahr fallen lassen.
Die Gasse hinter dem Haus lag im Schatten. Ich strich Hemd und Krawatte zurecht und kontrollierte nochmal meine komplette Ausrüstung und ob alles sorgfältig verstaut war, zumindest das was ich in meinen Stiefeln und Hosentaschen verstauen konnte. Niemandem würde es was bringen, wenn ich aufgehalten würde, weil der Griff eines Messers aus meinem Stiefel ragte.
Außer BK-201, der könnte in dem Fall zuerst mich und dann ganz in Ruhe seine Zielperson ausschalten und verschwinden. Gerade das sollte ich verhindern, mir einen Fehler zu erlauben hätte ich teuer bezahlen müssen. Was geschehen würde, sollte sich noch zeigen.

Ich machte mich auf den Weg um die Ecke des Hauses, vorbei am leblosen Körper der Taube. Ich würdigte sie keines weiteren Blickes, es war klar, dass sie das nicht überlebt hatte. Hätte meine Attacke sie nicht ausgeschaltet hätte es der Aufprall getan, dementsprechend sah sie auch aus. Das kleine Messer steckte noch in der zierlichen Brust.
Ehe ich zur Straße ging bog ich in eine Seitengasse ein und folgte dieser ein Stück. Zur Täuschung sollte ich so tun als würde ich mit demjenigen telefonieren der mich eigentlich hatte begleiten sollen. Dieser würde sich verspäten, als Alibi falls jemand vom Syndikat nachträglich eingreifen müsste. Albernes Schauspiel.
Am Ende der Gasse drehte ich zur Straße und zog mein Handy aus der Tasche als ein nerviger Klingelton erklang. Klar hatte er sich eine möglichst auffällige Melodie ausgesucht. Schnell nahm ich den Anruf an, „Ja?“. Das Mobiltelefon mit der Schulter ans Ohr geklemmt, krempelte ich die Ärmel meines Hemdes hoch und knöpfte sie wieder zu. „Wie sieht's aus? Du müsstest gerade auf dem Weg sein, richtig?“, schon plapperte er los, konnte er ja. Ihn hörte niemand. „Sicher, wir wollten uns doch gleich treffen...“, ich klang leicht misstrauisch, gehörte ja dazu. Ich lief weiter die Straße entlang und seufzte genervt, während ich mir von Matt einige weitere Informationen geben ließ. Die Leute um mich herum hörten nur einen leise grummelnden jungen Mann, der sich anscheinend über jemanden beschwerte der ihn sitzen ließ. Genauso sollte es ja auch wirken. „Ich bin in weniger als 2 Minuten da, wenns sein muss.“, ich schnaubte gespielt. Matt fuhr die ganze Zeit in einem Taxi durch die Stadt und wartete darauf, dass ich ihm ein Zeichen gab. Oder darauf, dass das Syndikat kein Lebenszeichen mehr von mir erhielt über den Chip der mir implantiert worden war. Es war natürlich unglaublich wichtig, dass sie wussten wie es mir geht. Wäre ja furchtbar gewesen mich zu verlieren.
Hauptsache sie wussten wo ich war. Immerhin gehörte ich erst seit einem Jahr wirklich zum Syndikat. Wäre ich verschwunden, war es Matt möglich mich durch den Chip außer Gefecht zu setzen, er hatte irgendwelche Materialien gefunden, die Strom sehr gut leiteten und verstärken konnten. Er hatte mir den Chip im Hals implantiert, nahe der Schlagader, so dass er zusätzlich Strom erzeugen konnte. Dann konnte mich irgendwer vom Syndikat unbehelligt auflesen und durch ME hätten sie meinen Verrat/Fluchtversuch/von Gegnern erzwungenen Schritt gegen das Syndikat oder was auch immer ausgelöscht. Misstrauischer Haufen, das Oberhaupt schien mir eine leichte Paranoia und ziemliche Abneigung gegen eigenbrötlerische Contractors zu haben. Ich hatte kein Interesse daran mich mit ihnen anzulegen. Gegen einzelne Contractor zu kämpfen war kein Problem, auch gegen Gruppen, doch wäre das ganze Syndikat hinter mir her würden sie mich irgendwann erwischen. Rational gedacht, war es das beste ich bliebe bei ihnen.
Von Seiten Matts erklang ein Rascheln, das mich aus den Gedanken riss. Ich sah hoch und betrachtete die Leuchtschrift über dem Eingang des Restaurants. „Ich bin jetzt da, wir sehen uns später. Klar?“, gespielt genervt wartete ich die Bestätigung ab und ließ das Gerät dann zurück in meine Tasche gleiten. Ich sah mich kurz auf der Straße um und betrat dann das Gebäude.
In weniger als einer halben Stunde würde BK-201 aktiv werden, er war bereits hier.
Ein Mädchen mit blonden hochgesteckten Haaren und einen süffisanten Lächeln kam auf mich zu. Sie trug eine weiße Bluse, sowie schwarze Hose und Schürze. „Sie haben reserviert?“, klar sie wusste von allem. Sie stammte aus Matts Abteilung und wurde vor kurzer Zeit als Angestellte hier eingeschleust. Ihr Arbeitsplan war so beeinflusst worden, dass sie für den selben Bereich zuständig war wie BK-201. Auch er arbeitete heute als Kellner hier. Ich lächelte ihr zu und nannte ihr den Namen, den ich während dieser Aktion nutzen sollte, und die Tischnummer die mir zugeteilt worden war. Sie nickte und führte mich zum Tisch. Zugegeben gefiel mir der Gedanke heute Gast eines gefährlichen Contractors zu sein, da der ja quasi für mein Wohl als Gast zuständig sein würde. Schöpfte er jedoch Verdacht war ich schon bei der Vorspeise erledigt, doch das war ziemlich unwahrscheinlich. Selbst wenn, gegen die meisten Gifte hatte man mich immun gemacht. Eineinhalb Jahre zurecht gezogen.
Ich bedankte mich bei dem Mädchen und erwähnte, dass der zweite angemeldete Gast sich verspäten würde und setzte mich so an den Tisch, dass ich einen guten Überblick über den Raum hatte. Ein schicker Laden, mir ein wenig zu ausgeschmückt, auf jedem Tisch Blumen und Kerzen, überall Bilder und Statuen. Zu welchem Zweck war das Zeug da? Mangelnde Objektivität der Menschen eben, was sollte man bitte damit anfangen können, als es anzusehen? Okay, vielleicht war es auch das, was die Menschen daran so faszinierte, der lebensfrohe Gedanke.
Ich schmunzelte. So lange war es noch gar nicht her, dass ich ihnen überlegen wurde. Jetzt schien es mir selbstverständlich, dass sie nur ein schwacher Abklatsch der Contractors waren. Auch, wenn die Contractors ursprünglich Menschen waren.
Mein Blick wanderte durch die Reihen der anderen Tische und ich entdeckte einige Paare, die einander verträumt entgegen sahen. Ich zog eine Augenbraue hoch, das war doch die Zielperson? Mit einer Frau? Ach, war ja gesagt worden das Syndikat würde ihm eine auf den Hals jagen die sie bestochen hatten zu schweigen.
Ein Bankier, der sich heimlich bei der Mafia beteiligte und zwar ganz ganz oben. BK-201 lief gerade an dem Tisch vorbei.Gleichgültiger Blick, ein aufgesetztes Lächeln. Jede Bewegung des Mannes schien er aus den Augenwinkeln zu beobachten. Ebenso die Frau, die demjenigen gegenüber saß.
Jetzt wendete er sich in meine Richtung und trat an den Tisch.
„Haben sie sich schon entschieden?“, die Karte hatte ja auf dem Tisch gelegen. Nicht schweres, sich vollzustopfen war bei dem was ich heute noch vorhatte nicht der beste Gedanke – hatte Matt mir ja auch gefühlte 100-mal eingeprägt. Ich bestellte ein Wasser und eine Suppe zur Vorspeise. Eine Gemüseplatte als Hauptgang ging ganz gut. Heute also mal Vegetarier, ein Lächeln breitete sich auf dem Gesicht des Black Reaper aus. „Wäre das dann alles?“, Förmlichkeiten. Ich nickte und er wandte sich ab um die Bestellung der Küche zu überbringen.
Das Wasser brachte wiederum das Mädchen, die mir in einer unauffälligen Geste zuzwinkerte. Sehr gut, es war sichergestellt, dass BK-201 nicht durch die Küche abhauen würde. Andere Hinterausgänge gab es nicht, es sei denn er wäre durch ein Fenster gesprungen, und zwischen der Zielperson und der Tür saß ich. Es lief alles nach Plan - Bis jetzt.

Nach wie vor war mir klar, dass alles mögliche schief gehen könnte. Das Glas das klirrend am Boden zerbrach war noch das geringste Problem. Mein Blick huschte zum Black Reaper. Er war, natürlich nur aus Versehen, mit dem Mädchen aus meinem Syndikat zusammen gestoßen und entschuldigte sich wie wild, während er ihr half die Scherben aufzusammeln. Sie wirkte extrem blass und beobachtete ihren kurzzeitigen Kollegen ängstlich, was nicht grad der beste Weg war ihre eigentliche Rolle zu verbergen. Ich beobachtete die beiden skeptisch, irgendwas war da faul. Es war unwahrscheinlich, dass er wusste wer sie war, aber weshalb sonst sollte er so etwas tun, so ungeschickt konnte er ja nun echt nicht sein. Was für ein Aufruhr... Er lächelte ihr noch einmal entschuldigend zu und machte sich wieder auf seinen Weg zu den anderen Tischen. Das Mädchen sah ihm noch einen Moment beunruhigt hinterher und schlurfte in Richtung Küche zurück. Sie wirkte unsicher auf den Beinen. Wankte sogar leicht nach wenigen Schritten. Na toll, wieso schickte man mir auch niemanden mit der irgendwie schon Erfahrung in solchen Missionen hatte!? Kontaktgifte, Betäubungsmittel, oder Kräfte der Contractors die einen ausschalten konnten, ohne dass jemand es bemerken würde... Außer denjenigen, die darauf angesetzt waren dergleichen zu bemerken.
Das scheppern des Tabletts das das Mädchen fallen lies als sie zusammenbrach war wie ein Startschuss für das Chaos gewesen. Ich war aufgesprungen, versuchte irgendwie schockiert und besorgt zu wirken, nur leider noch mehrere Sekunden bevor auch nur jemand anderes das ganze bemerkt hatte. Na toll, er musste es ja eh schon wissen. Mein Blick huschte zu BK 201. Er starrte mich mit ausdrucksloser Miene. Das war's mit dem netten Kellner, ich war aufgeflogen. Na toll...
Er zog ein Messer aus der Tasche und hieb es über sich in die Decke während ich mich schon hinter die Trennwand zum nächsten Tisch duckte. Ich blinzelte leicht, das Licht war sofort verschwunden als er mit seinen Kräften alle elektrischen Geräte im Restaurant überstrapaziert hatte und die Lampen durchbrannten. Im schwindenden Abendlicht war zwar immer noch alles zu erkennen, aber für einen Augenblick verlor man die Übersicht. Einen Moment zu lang wie es schien. Ich hörte wie eine Frau verzweifelt aufschrie, kurze Zeit später verstummte und in sich zusammensackte. Ich sah wie sich der Black Reaper gerade über die Zielperson beugte als ich wieder über die Trennwand blickte um herausfinden wo genau er sich befand. Er hatte den Mann am Hals gepackt schien ihn aber nicht direkt umbringen zu wollen. Verdammt, soviel zu meiner Aufgabe! Mein Ziel war zu verhindern, dass dieser Mann getötet wurde, aber dass BK 201 Informationen aus ihm raus quetschte war auch nicht besser. Ich packte das Messer in meinem Stiefel und einige metallene Kugeln aus meiner Tasche, die ich immer bei mir trug.
Der tatsächliche Grund wieso ich damit beauftragt wurde mich gegen den Black Reaper zu stellen war, weil ich mit meiner Fähigkeit magnetische Felder zu erzeugen angeblich fähig sein sollte seine Kräfte auszugleichen. Das wäre ja noch das geringste Problem, aber die Elektrizität zu nutzen ist auch nur ein kleiner Teil seiner Möglichkeiten jemanden zu beseitigen. Ich sprang aus meinem notdürftigen Versteck hervor und baute mich im Gang auf. Seine kalten Augen richteten sich direkt auf mich. „Hey, Mistkerl! Ich  sollte doch wenigstens versuchen dich aufzuhalten, nicht wahr?“, rief ich ihm zu, und obwohl mir klar war, dass meine Chancen nahezu gleich null waren grinste ich ihn an. Er schaltete den Mann den er gepackt hatte mit einem kurzen Schock aus und drückte diesen zurück und die Bank. Er erhob sich langsam und leichtes Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen. „Ganz wie du willst...“
Das rote Glühen das den Raum erfüllte begleitete mich bei jeder Bewegung die ich auf ihn zu machte...

(Soo, dass  ihr das hier gelesen habt ^o^, wie gesagt, hoffe es gefällt. Ein weiteres Kapitel ist schon in Arbeit. Mann bin ich kreativ bei diesen Kommis am Anfang und Ende .-.)
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