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100 Filmzitate - Projekt

von yomii
KurzgeschichteDrama, Mystery / P12 / Gen
30.08.2013
17.08.2016
20
13.461
 
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Dieses Kapitel
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30.08.2013 802
 
„Ich muss sagen, Sie machen auf mich den Eindruck, als ob Sie sich verlaufen haben. Aber vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die überall fehl am Platz wirken." Indiana Jones und der Tempel des Todes
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Da war ich nun. Allein in der großen Stadt, umringt von unzähligen Menschen, ohrenbetäubenden Lärm und Gerüchen, die ich nicht hätte zuordnen können, selbst wenn ich es gewollt hätte.
Großstädte haben mich noch nie wirklich gereizt. Weder in meiner Heimat, noch im Ausland. Ich fühle mich unbehaglich, eingeengt und unsicher, was mir den Aufenthalt nicht gerade vereinfacht.

Warum war ich eigentlich hier?
Hätte mich meine beste Freundin nicht auf einen spontan Trip mit ihrer Familie eingeladen, würde ich jetzt wohl im Garten sitzen und ein gutes Buch lesen. Aber dem war nicht so.
Ihre Familie besaß schon immer etwa mehr Geld, sie prahlten nicht unbedingt damit, aber verstecken taten sie es auch nicht. Sie haben mich schon des Öfteren mit in den Urlaub oder spontan Ausflüge, wie diesen hier, genommen.
Und obwohl ich weiß, dass ich schon fast zu ihrer Familie mitgehöre, fühle ich mich jedes mal unwohl und fehl am Platz. Ich versuche so bescheiden zu sein wie möglich, damit sie nicht denken, ich würde ihre Großzügigkeit ausnutzen. Natürlich sind meine Sorgen, eigentlich, total unbegründet, jedoch bin ich der Meinung, dass es eine Art menschlicher Reflex ist und sich jeder schon mal in so einer Situation wiedergefunden hat, oder liege ich da falsch?
Nun denn, jedenfalls fragte sie mich am Mittwoch, ob ich nicht Lust hätte auf ein Wochenendtrip in die Großstadt überhaupt – natürlich sagte ich ja.

Nun zur zweiten Frage.
Wenn ich doch mit meiner Freundin und ihrer Familie hergekommen war, warum befand ich mich just in diesem Moment allein an einer der größten und berühmtesten Straßen überhaupt.
Und da liegt das Problem – ich weiß es nicht.
Eigentlich wollten wir uns alle einen Kaffee kaufen und danach die Sehenswürdigkeiten begutachten.
Mal abgesehen davon, dass ich immer noch keinen Kaffee habe, breitet sich langsam Panik in mir aus.
Vielleicht habe ich geträumt und sie sind in einen Shop, oder haben die Kreuzung überquert – Gott weiß in welche Richtung – oder sie beobachten mich aus einer Ecke und lachen mich aus... Gut, das letzte wohl eher nicht.
Das ganze ist jetzt bestimmt schon 10 Minuten her, irgendwann müssen sie doch bemerken, dass ich nicht da bin... Oder?

Ich seufzte tief und drehte mich langsam um die eigene Achse, dabei ließ ich den Blick über die Menschenmasse gleiten und versuchte mir irgendwie einen Überblick zu verschaffen – zwecklos.
Die Nervosität steigt.
Während ich an meiner Unterlippe nagte, ging ich einige Schritte, und kontrollierte mein Handy. Kein Signal... Soll das ein Witz sein? Ich dachte hier würde es überall WiFi & Co geben?
„Ich muss sagen, Sie machen auf mich den Eindruck, als ob Sie sich verlaufen haben. Aber vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die überall fehl am Platz wirken."
Ich hatte wohl die Aufmerksamkeit eines älteren Mannes erweckt. Er mag um die 70 Jahre sein, relativ groß und in einem älteren Anzug gekleidet. Alles in allem sah er sehr elegant und stattlich aus, was vor allem an seiner geraden Haltung lag. Seine Haare waren unter einem Hut versteckt, und mit der linken Hand stützte er sich auf einen Gehstock – Zierde oder Notwendigkeit?
Ich musste schmunzeln und hob die Schultern an.
„Jaha, mag sein...“
„Mag sein, dass Sie sich verlaufen haben, oder mag sein, dass Sie fehl am Platz sind?“ Er lächelte freundlich, wobei ich nicht sagen kann, ob es wirklich Freundlichkeit war, oder ob es ihn amüsierte.
„Ich denke... Ein wenig vom beiden... Ich bin kein Großstadtmensch und ich habe meine Truppe aus den Augen verloren.“
Jetzt lachte er. Herzlich. Irgendwie war er mir nun doch sympathisch.
„Ich seh schon... Ich sehe viel über den tag, wissen Sie?“
Ich verstand nicht.
Er räusperte sich und ging einen Schritt auf mich zu.
„Eine junge Frau, ihren Alters, mit einem Ehepaar und einem kleinen Hund. Liege ich da richtig?“
Ich zögerte. Diese Aussage traf auf gut 40% der Menschen hier zu. Dennoch nickte ich.
„Hmhm. Die Herrschaften sind vor gut 15 Minuten in den Coffee-Shop auf der anderen Seite der Kreuzung gegangen...“ Er hob seine rechte, freie Hand und deutete auf ein kleines, kaum merkliches Schild mit der Aufschrift „Coffee-Shop“.
Und tatsächlich!
Mittlerweile haben sie wohl mein verschwinden bemerkt und stehen außerhalb des Geschäftes und bewegen ihre Köpfe suchend hin und her.
Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich mich dieser Anblick machte!
„Haben Sie vi-i....?“ Zum bedanken war es wohl zu spät. Der ältere, adrette Herr war verschwunden.
Verwundert und irritiert sah ich umher, doch keine Spur.
Ich lächelte noch einmal, sagte ein tonloses danke und begab mich zur Kreuzung.
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Für Anregungen bin ich wie immer offen und vielen Dank fürs lesen! c:
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