Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Tagebuch eines Verrückten

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
China Dänemark Norwegen Russland
28.08.2013
03.11.2014
31
40.126
4
Alle Kapitel
83 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
 
28.08.2013 338
 
Prolog

Geschlossene Klinik für akut Suizidgefährdete. Ich hasste den Begriff. Er klang zu formell, zu kalt für den Sinn dahinter. Vielmehr handelte es sich um ein Gebäude, in dem Jugendliche von dreizehn bis zwanzig Jahren eingesperrt wurden, bis sie es schafften, glaubhaft eine seelische Besserung vorzuspielen. Dann wurden sie mit Glückwünschen entlassen und neue traten an ihre Plätze. Und ab dem heutigen Tag bin ich auch hier.

„…und wenn Sie Ihren Sohn nicht einweisen lassen, müssen wir ihn zwangseinweisen. Es tut mir wirklich schrecklich leid, dass wir sein Leiden nicht vorher schon bemerkt haben. Wir hätten natürlich sofort eingegriffen.“ Meine Mutter saß weinend neben mir und nickte schluchzend, auch wenn ich ihren Hass auf die Schulpsychologin uns gegenüber spüren konnte. Es war ja nicht so, dass wir schon mehrfach – eindeutig zu oft, für jemand in meinem Alter – hier gesessen, dieser Dame meine Problem erzählt und auf Eingreifen gewartet hätten. Nun, jetzt ist es zu spät, um es zu bereuen. Sie war schuldig, nicht nur meine Klassenkameraden, meine gesamte Stufe, eigentlich alle Schüler dieser verdammten Schule. Doch niemand hatte etwas gemerkt, nicht einmal die, denen ich es erzählt hatte. Warm hatte ich es nicht meiner Mutter erzählt, oder ihr wenigstens die Wahrheit gesagt, als sie mich fragte, wie mein Tag war. Ich sah zu ihr herüber. Ihr Make-up war verschmiert, die Wimperntusche lief zusammen mit dem Eyeliner in schwarzen Streifen ihre Wangen hinab. Ihre Hand klammerte sich fast schon schmerzhaft an meine. „D-Danke für Ihr Mitgefühl“, brachte sie heraus und stand auf, um der Lehrerin die Hand zu schütteln und mich aus de Raum zu ziehen. Im Auto betrachtete sie sich missbilligend im Rückspiegel und lächelte dann. „Ich sollte mir wohl wasserfeste Wimperntusche besorgen“, meinte sie mit einem freudlosen Kichern. „Du siehst aus wie ein Emo, aru“, bemerkte ich trocken, woraufhin sie lachte und den Wagen startete. Während der Fahrt sprach keiner ein Wort und zuhause packte ich schon mal meine Tasche während meine Mutter in der Klinik anrief um mich als Notfall einliefern zu lassen.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast