Johanna

KurzgeschichteHumor / P16 Slash
Benjamin Barker
27.08.2013
27.08.2013
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„And if I never hear your voice,
My turtledove,
My dear“,
singt Sweeney Todd, als es gerade klingelt und ein Gast reinkommt. Dennoch singt Sweeney noch weiter und nimmt den Mann den Mantel ab, bittet ihn auf dem Stuhl, wo immer seine Opfer sitzen: „I still have reason to rejoyce,
The way ahead is clear.”

Der Gast guckt Sweeney schon verwirrt an, dennoch setzt er sich und lässt sich von dem Barbier bedienen. „Johanna“, singt dieser und setzt gerade sein Messer an die Kehle des Mannes, welcher aber die Hand hebt. „Moment“, sagt sein Gast.
Sweeney ist verwirrt und zieht seine Klinge zurück, gleichzeitig setzt sich der Mann auf und schaut Sweeney an. „Ich heiße nicht Johanna“, meint er dann. „Ich heiße zwar Johan, doch nicht Johanna.“
Sweeney ist verwirrt. Noch nie hatte jemand so mit ihm geredet. Er starrt den Gast einfach nur an, weiß nicht, was er sagen soll. Er weiß, dass er nett sein muss, wie immer. Doch der Drang diesen Mann umzubringen lodert in ihm und diesen Drang muss er unterbrechen.
Gerade möchte der Barbier was sagen, er hat schon die Verbeugung angedeutet, als der Gast etwas sagt: „Wobei, dieses Ambiente ist doch nichts für Sie, für jemanden so gut aussehendes.“ Der Besucher steht auf und kommt Mister Todd ein bisschen näher. „Ihr Haar. Wir bekommen Sie ihr Haar so hin? Es ist so voluminös und wild. Ihr Gesicht ist so schön. Alles passt und ist perfekt symmetrisch. Ich wette Ihre Haut ist ganz weich“, der Gast streckt seine Hand aus, um das Gesicht von Sweeney zu berühren, doch zieht er sie zurück. „Sie sollten hier nicht arbeiten. Dieses Ambiente ist Ihrer nicht Würdig. Ich betreibe selber ein Barbiergeschäft, wie wäre es, wenn Sie bei mir anfangen?“, fragt der Mann. Er lächelt dem Barbier freundlich an, doch in seinen Augen ist noch was anderes zu sehen.
Sweeney, weiß dass der Mann noch einen Hintergedanken hat, doch kann er sich nicht vorstellen, was der Gast denkt. Er weiß nur, dass dieser Mann ihn anwidert und er ihn am liebsten hier und jetzt umbringen möchte, doch so schnell geht das nicht. Sein Angebt scheint Sweeney verlockend, doch möchte dieser nicht wissen, was er dafür für den Gast unternehmen soll. Außerdem arbeitet der Barbier nur hier, weil er sich an den Richter rächen will. Mister Todd ist nicht sicher, ob er dieses Ziel in einem anderen Geschäft verfolgen kann. Hier hat er Miss Lovett, die von seiner Aufgabe weiß. Diese Frau ist wirklich praktisch für Sweeney und wenn er mit dem Mann geht, dann hat er Miss Lovett nicht mehr und auf sie kann er schlecht verzichten. Außerdem muss er wo anders sein Morden einstellen, darauf möchte der Barbier auch nicht verzichten. Sein Entschluss steht also fest, er wird hier bleiben. Wieder deutet Mister Todd eine Verbeugung an. „Ich bin Ihnen dankbar, für ihr Angebot. Es ehrt mich wirklich zu tiefst, doch muss ich es leider Abschlagen. Ich kann hier einfach nicht weg“, antwortet der Barbier voller Respekt vor dem Mann.
Enttäuschung liegt im Auge von dem Mann. „Oh“, meint dieser. „Ich verstehe.“ Er kommt einem Schritt auf Mister Todd zu. „Darf ich … Sie dann wenigstens einmal berühren? Ihre Haut ist sicher sehr weich“, sagt er und sieht den Barbier flehend an.
Dieser weicht kurz zurück, unbeabsichtigt. Schmerz leuchtet in den Augen von seinem Gast auf. „Sir“, fängt Mister Todd an und verbeugt sich wieder leicht. „Wie wäre es, wenn wir weiter machen?“, er deutet auf den Stuhl.
Der Blick von dem Mann rutscht zuerst von Sweeney dann auf den Stuhl und langsam nickt er, setzt sich wieder. „Wissen Sie …“, er stockt kurz und legt den Kopf nach hinten, damit Sweeney ihn eincremen kann. „Sie sind wirklich was ganz Besonderes. So ruhig und höfflich. Jemanden wie Sie trifft man nicht jeden Tag und ich bedauere es wirklich sehr, dass Sie nicht in meinem Geschäft arbeiten wollen, dennoch verstehe ich es, wenn sie lieber hier arbeiten wollen. Ich … ich wollte nur, dass Sie das wissen.“
Sweeney hört dem Mann zu, doch haben seine Worte keine Bedeutung für ihn. Er ist dabei seine Rasierklinge zu schärfen. So langsam fängt der Mann an ihn zu nerven. Er möchte ihn so schnell wie möglich umbringen, dann ist er ihn wenigstens los.
„Überlegen Sie doch mal …“, fängt der Mann wieder an. „Was wir beide zusammen hätten machen können“, ein leichtes Lächeln huscht über seine Lippen.
Für einen Moment ist Sweeney geschockt. Er unterbricht das Schärfen von seiner Rasierklinge. Vor seinem inneren Auge spielt sich eine Szene ab. Sweeney kommt erschöpft von der Arbeit nach Hause, setzt sich auf eine Bettkannte. Er achtet gar nicht auf das was hinter ihm ist. Plötzlich spürt der Barbier zwei Hände auf seinen Schultern, die diese Massieren. „Du bist ja völlig angespannt“, raunt der Gast von hinten. Sweeney kann sehen, dass der Mann in seiner Fantasy komplett nackt ist, nur eine Decke bedeckt seinem Unterleib.
Der Barbier muss sich schütteln von dieser Fantasy. „Widerlich“, denkt er nur und setzt dann die Klinge am Hals des Mannes an. Dieser Lächelt immer noch glücklich gegen die Decke.
Sweeney Augen fühlen sich mit Hass und er schneidet schnell und sauber dem Mann die Kehle durch. Sein Arm wird rot vom Blut, was aus seiner Kehle dringt. Der Gast keucht und stöhnt seine letzten Laute. Das Blut spritzt einfach nur von seinem Körper und nach einer kurzen Weile fällt sein Kopf nach hinten. Seine kalten, leeren, toten Augen starren die Decke entgegen. Noch immer hat er ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
Währenddessen drückt Sweeney auf den Knopf und der Leichnam landet in dem Keller. Angewidert schaut er zu seinem ehemaligen Gast runter, während sich die Lucke schließt.
Der Barbier dreht sich seinem großen Fenster zu, welches in der Schräge vom Dach ist und starrt nach draußen. Er wischt das Blut mithilfe von einem Tuch von der Klinge ab. So etwas, wie dieser Mann soll nie wieder passieren, dass schwört er sich. Das war der erste Gast, welcher aufdringlich zu ihm war. So etwas möchte ihm nie wieder passieren. Nächstes Mal wird er es schneller beenden.
Doch im tiefsten Inneren weiß er, dass die Fantasy Wahrheit werden kann, nur ein bisschen verändert. Er kennt eine Person, die nur zu gerne seine Schultern nach einem langen Arbeitstag massieren würde, doch würde er das nicht zu lassen. Und diese Person ist ein Stockwerk unter ihm und backt gerade, in diesem Moment Pasteten.
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