Männer in Mainhatten

GeschichteRomanze / P18
26.08.2013
19.04.2019
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Hallihallo ihr Lieben!


Ich bin zwar schwerst anglophil (merkt man ja gar nicht) , aber auch wir haben einiges zu bieten. Und irgendwie ist das der Versuch, das zu beweisen, indem ich mich mal an einer Geschichte versuche, die tatsächlich in good old Germany spielt :D


Für alle die sich wundern, weshalb es Mainhatten und nicht Manhattan, in der Überschrift heißt: Mainhatten ist der geläufige Spitzname für Frankfurt am Main, das mit seiner Skyline angeblich an Manhattan erinnert.


So, und nun bleibt mir nur noch zu sagen: Schön das ihr hergefunden habt. Ich hoffe euch gut unterhalten zu können und ihr kritisiert wo es zu kritisieren gibt und haltet mit euren Meinungen nicht hinterm Berg, egal ob positiv oder negativ.


Gebetat wird diese Geschichte von RainyRose und blumenstrausss. Ein riesen Dankeschön, dass ihr euch die  Zeit dafür nehmt!




Liebe Grüße


eure Shatiel




Disclaimer: Natürlich freue ich mich, wenn ich jemanden inspirieren kann - aber das heißt nicht, dass ich damit einverstanden wäre, wenn jemand meine Geschichten klammheimleich klauen würde und als eigene Arbeiten ausgäbe [Nur zur Info: diese Geschichte steht auf bookrix.de , myfanfiction.de, wattpad.com und hier, findet ihr sie anderswo, solltet ihr laut schreien :D ]




So, jetzt aber viel Spaß mit Kapitel 1!


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Der Tag, an dem mir klar wurde, dass aus meinem Traumapartment vielleicht eine Vierer- WG werden würde, war ein schwüler Dienstag im September vor zwei Semestern.
Um ehrlich zu sein, war eine WG mit einer Dame, die bereits das Rentenalter erreicht hatte, nicht gerade meine erste Wahl, doch in Anbetracht der Tatsache, dass erschwinglicher Wohnraum in einer guten Gegend mindestens so schwierig zu finden war wie der richtige Kerl, musste ich Abstriche machen. Und als mein Blick schließlich nach einem Dutzend Wohnungsbesichtigungen und einem halben Dutzend WG- Castings auf das alte Stadthaus in der Nähe des Grüneburgparks fiel, habe ich nicht mehr lange überlegt.
Seitdem wohne ich bei der verwitweten Inge, die nach dem Tod ihres Mannes beschloss, ihr Leben noch einmal über den Haufen zu werfen und sich das Leben zurück zu erobern. Zurzeit ist sie deshalb mit Egomanen- Egon zusammen, einem ehemaligen Polizisten, der zu jedem Thema etwas zu sagen hat, sich für die Krone der Schöpfung hält und viel zu viel Zeit in unserer ungewöhnlichen WG verbringt.
Doch Rottenweilerweg Nr. 5 mit seiner hohen, cremefarbenen Fassade im Gründerzeitstil ist nicht nur beinahe jeden Abend Schauplatz des Showdowns zwischen dem Lautstärkeregler von Inges Fernseher, Egomanen- Egons liebstem Spielzeug und Inges, am Lautsprecher des Telefons geführten, Streitereien mit ihrer besten Freundin Lore, die zwei Seitenstraßen weiter wohnt, sondern auch Heimat von Tilda, Anne und mir.
Seit ich vor zwei Semestern hier eingezogen bin, hat Anne Gollert bereits drei verschiedene Praktika hinter sich, nachdem sie ihren Magister in Germanistik und  ihrem Nebenfach Anglistik erfolgreich abgelegt hatte. Jedes einzelne Praktikum war mies bezahlt. Das neue, das sie vor einem Monat in einem Verlag begonnen hat, macht da keine Ausnahme, aber wie immer ist sie voll der Hoffnung, es möge in einer Festanstellung enden. Außerdem ist sie heillos in den dortigen Chef- Lektor verknallt. „Gideon Wölke. Abgott der Germanistik, ein jedes seiner Worte so durchdacht und surrealistisch, dass man sich nach drei Minuten in seinem Dunstkreis wie der dümmste Mensch diesseits und jenseits des Rheins vorkommt.“ Tilda gibt sich keine Mühe, Annes Schwärmerei schön zu zeichnen, während sie ihren Löffel in das Joghurtglas rammt und Anne und mich mit jenem Gesichtsausdruck bedenkt, den sie sonst nur für Romantiker und den neuen Freund ihrer Mutter übrig hat. „Krall ihn dir endlich und bring es hinter dich. Ich kann es nicht mehr hören. Die Chancen, dass du eingestellt wirst, sind ohnehin unterirdisch, genauso wie dein Gehalt.“
„Ist das jetzt deine neueste Philosophie? Kaum einen halben Tag BWL studiert und schon bist du so verbittert?“, hake ich verdattert nach, während Anne sich einen zweiten Löffel aus der Schublade holt.
„Politik, Lila. Ich studiere Politik“, korrigiert sie mich. „Ich habe mich umentschieden. Dieses Jahr gehe ich unter die Politologen. BWL war mir dann doch zu seriös.“ Sie lässt einen großen Löffel des Kirschjoghurts in ihrem Mund verschwinden und wischt sich nachlässig eine Strähne aus der Stirn.
Tilda, einziges Kind eines bayrischen Psychologen und einer chinesisch stämmigen Zahnärztin wechselt Studienfächer mit beinahe ebenso großer Begeisterung wie ihre Männer, die sie hauptsächlich in ihrem Job als Barkeeperin im „Empire“ aufreißt. „Proletarier erhebt euch!“, juchzt sie. „Das wird spitze. Linke sollen super im Bett sein.“
Ich runzele die Stirn, während Anne sich offenbar gerade vorstellt, wie sich Tilda mit dem Vorsitzenden der Linkspartei in den Kissen wälzt, denn sie verzieht angewidert das Gesicht.
„Ich sehe schon, ihr beide versteht mal wieder meine Witze nicht. Der kleine Mann erhebt sich? Kommt schon, so mies ist der Witz nun wirklich nicht.“
„Bitte sag mir, dass du nicht deshalb Politik studierst“, spricht Anne das aus, was wir beide denken.
„Nein, auch wegen Max. Er stand heute vor mir in der Schlange im Sekretariat. Und bitte, ich habe mich schon wegen wesentlich dümmeren Gründen in Studienfächer eingeschrieben.“ Tilda wirft mir einen überheblichen Blick zu. „Jura zum Beispiel. Bei der Blonden mit dem Chihuahua sah es so einfach aus. Oder denkt an meinen Versuch mit Mathematik, der auf dem Addieren von Rotphasen der Ampeln auf dem Weg zu Ikea fußte.“
„Politik, also“, seufzt Anne, bevor Tilda all ihre Studienfächer aufzählen kann, an denen sie sich schon versucht hat. „Und bei dir, Lila? Was macht die Chaosgöttin höchstpersönlich, während Tilda nun Politikerin wird?“
„Ich habe mir heute beim Nichtstun den Fuß gezerrt, Umut hat mit mir Schluss gemacht und ich habe wieder mit dem Rauchen angefangen.“
„War Umut nicht der Schwule, der seiner Familie nicht sagen konnte, dass er auf Jungs steht?“, überlegt Anne, während Tilda mich von oben bis unten mustert. „Was war der Grund für eure Trennung? Eine andere Frau?“, feixt sie, während ich um den Tisch herumhumpele und ihr das Joghurtglas aus der Hand reiße.
„Er sagt, ich würde ihn wahnsinnig machen. Nie wäre ich pünktlich und mein Ordnungssinn sei eine Katastrophe. Außerdem mag mich seine Mutter nicht.“
„Oha.“ Anne schiebt sich eine gelockte Strähne hinters Ohr und grinst.
„Nichts, oha. Ich wurde von einem Schwulen abgeschossen! Und ich habe mir beim absoluten Nichtstun am Schreibtisch einen Muskel in meiner Wade gezerrt. Und nun humpele ich wie eine alte Frau.“
„Das habe ich gehört!“, beschwert sich Inge im Wohnzimmer, was Egon ein protestierendes Schnauben entlockt.
„Jedenfalls habe ich wieder mit dem Rauchen angefangen und nun gebt mir einen Löffel.“
Tilda reicht mir einen mit einem verschmitzten Lächeln. „Wenn du mit nach draußen kommst, gebe ich dir sogar noch eine Kippe.“
„Du bist so liebenswürdig zu mir. Immer noch  einen Sargnagel mehr bei der Hand, wann immer sich die Gelegenheit bietet“, bemerke ich amüsiert.
„An irgendetwas müssen wir sterben und an übermäßigem Joghurtkonsum ist noch keiner krepiert“, lächelt Tilda. „Kommst du auch mit raus, Anne? Du darfst auch das Glas mitnehmen.“
Tilda und Anne sind miserable Krücken. Tilda ist fünf Zentimeter zu groß und Anne fünf Zentimeter zu klein in der Schulterhöhe, um mir mein Laufen zu erleichtern, doch irgendwie schaffen wir es nach draußen, ein jeder mit einem Löffel in der Hand.
Die Ligusterhecke hinter dem schwarz gestrichenen Eisenzaun ist akkurat gestutzt und der Treppenaufgang zur Haustür hinauf ist mit einer Reihe von Rosenbäumchen gesäumt. Alles in allem wirkt hier jedes Detail wie einem Magazin entsprungen und nicht wie ein Ort, um eine Treppenconnection, wie wir sie seit zwei Semestern pflegen, zu beherbergen.
„Setz dich, Lila“, murmelt Anne, die es sich bereits auf den Stufen bequem macht.
„Mh“, stimme ich ihr zu, während Tilda zwischen den Töpfen nach dem Aschenbecher kramt und mir der silberne BMW auffällt, hinter dem ein dicker schwarzer Mercedes in der Einfahrt des leer stehenden Nachbarhauses parkt. „Ist das Haus verkauft?“
„Keine Ahnung. Herr Nowak ist ja schon eine Weile im Heim. Vielleicht zieht seine Tochter ein, oder so“, murmelt Anne, die mir den Joghurt entgegenhält. „Ich sage es euch gleich, wenn ihr erst einmal eure Glimmstängel anhabt, gibt es nichts mehr. Also nehmt euch jetzt oder lasst es.“
„Behalte es“, grinst Tilda und öffnet die rote Packung ihrer Lieblingszigaretten. „Lila?“
Doch ich bin abgelenkt von dem Mann, der gerade aus der Eingangstür des Nachbarhauses tritt. Groß gewachsen und gutaussehend, mit dunklen Haaren und einem finsteren Blick.
„Holla, die Waldfee. Nett“, kommentiert Anne den Fremden, während Tilda und ich ihn unverhohlen anstarren.
„Heiß“, schluckt es plötzlich hinter uns und keiner von uns muss sich umdrehen, um herauszufinden, dass Inge ebenfalls das Objekt unserer Begierde entdeckt hat. „Bei der Hauseigentümerversammlung werde ich definitiv ein gutes Wort für diesen Kandidaten einlegen.“
„Zigarette, Inge?“, will Tilda wissen, während wir vier noch immer unseren hoffentlich-sehr-bald-Nachbarn fressen.
„Gerne, Mäuschen. Wie geht es deinem Fuß, Lila?“
„Besser“, bringe ich raus, während der heiße Fremde um den Mercedes herumgeht und ohne uns zu grüßen, in seinen Wagen steigt. „Ich glaube, er ignoriert uns.“
„Du würdest auch vier Frauen ignorieren, die dich anstarren, als würdest du Süßigkeiten verkaufen. Eine davon Schwerstinvalide, eine auf dem Selbstverwirklichungstrip, eine Neu-Politikerin und eine graue Maus“, fasst Anne unsere Treppenconnection zusammen. „Wenn er klug wäre, würde er so schnell davonlaufen, wie er kann.“
„Ja, aber zum Glück kennt er uns noch nicht. Also lächelt Mädels und winkt freundlich. Ich habe keine Lust auf noch so eine alleinerziehende Bankerfurie als Nachbarin“, murmelt Inge und hebt die Hand, um ihm begeistert zuzuwinken wie wir auch. „Ich denke, er hält uns für wahnsinnig“, kommentiere ich, nachdem sein Mercedes verschwunden ist und wir immer noch wie die Irren winken.
„Können wir uns auf exzentrisch einigen?“, erwidert Inge und zündet sich ihren Glimmstängel an, bevor sie mir das Feuerzeug reicht und ihr schwarzer Toypudel Nepos seinen Kopf in Annes Joghurtglas steckt.
„Nein“, antworten wir drei wie aus einem Munde.


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