Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Decision.

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P12 / MaleSlash
Eliot Nightray
25.08.2013
25.08.2013
1
1.074
1
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
25.08.2013 1.074
 
Disclaimer: Elliot und Leo gehören nicht mir, auch PandoraHearts ist nicht mein Eigentum und ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte.

Mein Tribut an Elliot Nightray.




_________________________________________________________________________________________________

Liebst du mich ... ?

~*~







Schwarz.

Alles war verdammt schwarz.

Wenn es noch eine Welt um ihn herum gab – sie war komplett in die Farbe der Hilflosigkeit getaucht.
Und obwohl sie vor ein paar Minuten noch schmerzend hell und weiß gewesen war, so klar, wie all die Tatsachen, jetzt war sie verdammt nochmal schwarz.
Und so sehr er auch die Augen aufriss, sie wurde nicht mehr sichtbar.

Die Welt, die ihn bis gerade eben noch mit ihren zerstörerischen Tatsachen zu Boden gedrückt hatte; erstickt hatte.

Umgebracht hatte.

Oder, nein.
Er selbst, er selbst hatte es ja getan, er, er, er, er –
Er hatte seinen Chain abgelehnt.

Und somit sein Schicksal besiegelt.
Das Blut, das ihn umgab, die Wunden, die ihn so sehr schmerzten, die Leiche seiner Mutter …
Das alles hatte ER verschuldet.

Nicht das dunkle Schwarz.

Und … auch nicht Leo.

Leo.

Leo.

Er konnte ihn sehen, ja, da war er.

Seine wunderschönen, schwarzen Haare fielen ihm sachte ins Gesicht und er atmete tief ein und aus, er war ohnmächtig, weggeschleudert worden, von der Macht, die IHM gehörte.

Ihm, Elliot Nightray.

Warum?

Warum, warum, warum, warum –

Warum hatte er vergessen?

Warum hatte er verdrängt?

Obwohl das alles, all dieser Schmerz, all diese Erinnerungen, all diese Tatsachen, mehr als einmal so klar sichtbar gewesen waren, so, so, so, so klar –

Er war manipuliert worden.

Er.

Er, als Adliger.

Er, als ausgebildeter Schwertkämpfer.

Er, als Elliot Nightray.

Vergiss es doch einfach.
Dann schmerzt es nicht mehr.


Nein.
Nein, nein, nein, nein –

Wenn er vergaß – Wenn er vergessen wollte – was für ein Häufchen Dreck wäre er dann?
Wenn er diesen Schmerz, diese Gewissheit nicht aushielt – wer war er dann?

"Ich bin Elliot Nightray! UND ICH WERDE MIR DAS NICHT VON DIR WEGNEHMEN LASSEN!"

Sein Name, seine Ehre, sein Stolz – sie waren noch da.
Auch wenn er sich davor wie ein elender Wurm verhalten hatte und die falschen Schmeicheleien willkommen geheißen hatte – vergessen hatte – jetzt war er anderer Meinung.


Er war Elliot Nightray. Und er konnte seine eigenen Entscheidungen treffen.

Selbst, ja selbst,  wenn das bedeutete, zu sterben.

Er nahm einen tiefen, wenn auch zittrigen Atemzug, zum letzten Mal.
Das letzte Mal.
Und, als seine Stimme ein letztes Mal klar erklang, waren es Worte, die schrecklicher waren, als diese zerstörerischen Tatsachen selbst.

Humpty Dumpty.
Ich lehne dich ab.



_________________________________________________________________________________________________


Er hatte immer gedacht, er würde im Kampf sterben.

Als Retter.

Als Held.

Bis zum letzten Atemzug mutig – lebendig.

Aber jetzt …

Musste er ausgerechnet wie der verdammte Edgar enden, dem der Knirps so nahe kam?

Warum, warum, warum, warum –
Warum hatte er sich nicht einmal für eine einzigst wahre Liebe opfern können?

Warum musste es so enden?

Warum hatte er es dem Anderen nie gesagt?
Warum hatte er nicht den Mut gehabt?
Warum hatte er diese Angst gespürt …
… und auf sie gehört?

Früher dachte er, das Schlimmste, was ihm je passieren könnte, war, sich zu verlieben.
Denn, wenn man jemanden liebte und ihn dann verlor, das hatte er schon viel zu oft erlebt, viel zu oft.
Wenn man sich jederzeit für jemanden opfern würde, dann wäre er doch genauso wie Edgar, genauso, genauso.

Und jetzt?

Jetzt, jetzt, jetzt, jetzt –
Jetzt bereute er, dass er Leo nie sagen konnte, was er fühlte.
Nie hatte er dem Anderen sagen können, was er selbst immer unterdrückt hatte.

Wie wäre es wohl verlaufen, wenn er sich anders entschieden hätte?

Wenn er gehandelt, und nicht nur unterdrückt hätte, sich nicht selbst angelogen hätte?

Was, ja was, was wäre dann passiert?

Er liebte Leo. Das wusste er jetzt.

Aber jetzt, jetzt war es zu spät, jetzt konnte er nicht mehr sprechen, jetzt hatten ihn seine Kräfte verlassen.

Jetzt starb er.
Und trotzdem stellte er sich immer dieselbe Frage:



Liebst du mich auch?
Hättest du mich geliebt, wenn ich es dir früher gesagt hätte …
Leo?



Elliot wusste, warum er sich geopfert hatte.
Er hatte es getan, um seine Freunde, die alles waren, was er hatte, zu schützen.
Vor sich selbst.
Und ihm Gegensatz zu dem vermaledeiten Edgar war ihm auch schmerzlich bewusst, wie sehr er ihnen damit wehtat.
Wie sehr er Leo wehtat.
Gab es einen Weg, das wieder gut zu machen?

Nein.

Nein, nein, nein, nein, dafür war es zu grausam, zu kalt, zu einsam, zu schrecklich.

Aber lindern, lindern konnte er ihn, diesen schrecklichen Schmerz, der die letzten Augenblicke seines Lebens füllen würde.

Selbst im Tod noch.

Er konnte dafür sorgen, dass sie es verstehen würden.
Seine Entscheidung.

Die Entscheidung eines Adligen.

Die letzte Entscheidung von Elliot Nightray.



„Es tut mir leid … Leo.“



Und es tat ihm wirklich leid, so sehr, dass man es nicht in Worte fassen konnte.

Diese Trauer, die man wegen ihm erleiden musste, diese Trauer die er nur zu gut kannte, aber nie offen gezeigt hatte.

Aber nicht seine Entscheidung.
Seine Entscheidung war die Richtige gewesen, auch wenn er sie nicht wahrhaben wollte, auch wenn sie bedeutete, dass er Leo verlassen musste, dass er Leo wehtun musste –

Es war seine Entscheidung gewesen.

Und er hatte sie getroffen.

Denn er, er hatte die Kraft dazu.



Meine Kraft besteht darin, mich nicht vor Verletzungen zu fürchten … Ha! Das ich nicht lache.



Seine Kraft bestand darin zu kämpfen.
Zu retten.
Ein wahrer Held.
Bis zuletzt.

War er das?

War er ein Held, er, der seine einzige Liebe verlassen hatte, der sie verletzt hatte?

Er wollte nicht, nein, nein, nein, nein.

Er wollte nicht gehen, nicht weg von ihm, nicht weg von Leo.
Aber er musste.

Er war kein Held, nein, und vielleicht war er auch nie einer gewesen.

Aber, er war immer mehr gewesen als ein willenloser Vertragspartner, immer mehr.
Immer mehr.

Er spürte, wie der Schmerz beinahe unerträglich wurde, wie er langsam zu zerbrechen begann.
Und er erhaschte einen letzten Blick auf seinen Diener, seinen Freund, seine große Liebe.

Warum, warum, warum, warum.

Warum hatte er es erst jetzt verstanden?

Warum hatte er dieses starke Band, diese Zuneigung nie offen zeigen können?



Warum hatte es nicht anders enden können?



Und dann, dann, dann, dann –
Dann, als er immer tiefer in das nun so sanfte Schwarz sank, das Schwarz, das der Haarfarbe von Leo so ähnelte…





Wurde ihm klar, dass Leo sein Leben war …


… Und es immer, immer, immer hätte sein sollen.






Liebst du mich?

...

~*~

Ja. Ja, ja, ja, ja --

Ich liebe dich, Elliot.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast