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"Was wünscht ihr, mein Herr?"

von Kara-sama
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
L Watari
25.08.2013
02.01.2015
16
22.095
1
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25.08.2013 848
 
Es war eines Morgens, als… Ach nein… Es war schon um 12 Uhr… Aber ich war halt eben erst aufgestanden und kaute an einem Nutella Toast. Mein Abiball war schon einen Monat her und ich gammelte zu Hause rum. Den ganzen verdammten Tag. Gelangweilt blätterte ich durch die Tageszeitung, die meine Mutter täglich nach Hause geliefert bekam, seitdem sie ihr Büro hier eingerichtet hatte. Meine müden Augen glitten über die mehr als einfallslosen Überschriften und die schwarz weißen Bilder von irgendwelchen alten Menschen oder Grundschulkindern. Ich blätterte weiter. Oh! Ich lächelte. Die Kontaktbörse. Die Anzeigen dort waren immer interessant.
„Bist du DIE eine? 43 Jahre, männlich. Du solltest mindestens 16 sein. Bin tierlieb, kuschel gern und auch mal gern mit Natur. Bin immer für einen Spaß zu haben und genieße intime Stunden sehr. Melde dich bei Interesse bei folgender Nummer…“ Ich lachte. „Aha. Er kuschelt also gerne mit Bäumen, ja? Wozu brauch er dann noch ‚ne Frau? So ein Pädobär… Tss..“, nuschelte ich vor mich hin und blätterte dann eine Seite weiter. Stellenanzeigen. Normalerweise beachtete ich diese Seite gar nicht, doch diesmal viel mein Blick unwillkürlich auf eine der Anzeigen. „Butler/Maid Aushilfe für 4 Wochen gesucht. Täglich 11h Arbeitszeit. Ausbildung nicht notwendig. Lohn 500€ pro Woche. Bei Interesse melden Sie sich bitte unter folgender Nummer ….“ In der Ecke der Anzeige war ein großes W in der Schriftart ‚Old English‘ abgedruckt. Meine müden Augen weiteten sich. 500? 500 EURO pro WOCHE? Das wären 2000€ für alle vier Wochen. Und das ohne Ausbildung! Ich schluckte und schaute mich im Wohnzimmer um. Ein leises Tippen kam aus dem Büro meiner Mutter und ich stand mit der Zeitung in der Hand auf. „Mutti? Lies dir das hier mal durch… Denkst du..“ „Jetzt nicht…“ Sie hob abweisend eine Hand und schien vollkommen in einen Artikel vertieft, den sie gerade schrieb. „Leg es mir auf den Tisch. Wenn ich fertig bin les ich es mir durch.“ Ich huschte wieder aus ihrem Büro und hoch in mein Zimmer. „Tss.. Dann eben nicht… Dann mach ich es halt ohne deine Erlaubnis… Bin schließlich volljährig…“ Mein Handy aus der Hosentasche angelnd schmiss ich die Zeitung auf den Boden, schloss die Tür hinter mir und tippte dann unsicher die Nummer ein.
„Ich hoffe da geht jetzt jemand ran, der sich nicht wie ein verrückter Wissenschaftler oder Vergewaltiger anhört…“ Es wählte. Ich setzte mich auf den Fußboden, lehnte mich gegen die Tür und wartete. Nach einigen Tut-Geräuschen hörte ich endlich, wie jemand den Hörer abnahm, doch es meldete sich niemand. „Ähm… Guten Tag, Kara, mein Name… Ich rufe wegen der Stellenanzeige aus der Schleibender Rundschau an. Ist die Stelle noch zu haben?“ Kurze Stille. Dann antwortete mir die warme Stimme eines alten Mannes. „Guten Tag, Miss Kara. Die Stelle ist noch nicht vergeben. Ich würde Sie bitten morgen um 12 Uhr bei der Adresse zu erscheinen, die ich ihnen im Anschluss mitteilen werde. Da wir viele Anwärter für die Stelle haben, werden wir eine Art Casting veranstalten. Habe Sie jetzt bereits einige Fragen?“ Ich schaute mich im Zimmer um und überlegte. „Nun… Sie betiteln das Jobangebot als Aushilfe als Butler bzw. Maid. Welche Aufgaben fallen alles darunter?“ Der alte Mann auf der anderen Seite der Leitung schien die Frage amüsant zu finden. Zumindest glaubte ich das Schnauben eines unterdrückten Lachens gehört zu haben. „Miss Kara… Die Aufgabe eines Butler ist vor allen Dingen seinem Herrn zu dienen. Ihm seine Wünsche zu erfüllen, sein Haus sauber zu halten, sein Essen zuzubereiten und Besucher zu empfangen. Die Wünsche des Herren zu erfüllen kann aber sehr vielseitig sein und Ausmaße annehmen, die ich nicht vorhersehen kann.“ Ich reagierte sofort und ohne darüber nach zu denken. „Wenn sie damit auf Prostitution anspielen, so kann ich ihnen versichern, dass ich selbst für diesen Lohn dankend ablehne. Ich habe meine Prinzipien.“ Der Mann schien verwirrt, denn es herrschte erneut eine kurze Stille, dann lachte er. Es war ein wirklich schönes Lachen. Wenn mein Großvater so lachen würde, würde ich diesen alten Tattergreis vielleicht sogar gerne besuchen. „Oh, ich bezweifle, dass mein Herr sie darum bitten würde. Er ist nicht an solchen menschlichen Bedürfnissen interessiert.“ Ich verzog überrascht das Gesicht. Vermutlich war der Herr ein alter Mann, eben wie dieser Mann am Telefon, der schon lange keinen mehr hoch bekam. Oder aber es war einer dieser verrückten, fetten Nerds, die sich selbst als A-Sexuell bezeichneten, was vermutlich eher darauf beruhte, dass sie eh keinen Partner abbekämen. „Darf ich fragen, wer ihr Herr ist?“ „Nein.“ Die Antwort kam prompt und barsch. „Gibt es noch weitere Fragen?“ Ich schüttelte den Kopf, bis mir einfiel, dass mein Gegenüber mich ja nicht sehen konnte. „Ähm. Nein.“ Erneut Stille. „Dann kommen Sie bitte morgen zur Drakenfelderstraße 57. In Schleibensdorf, versteht sich. Auf Wiedersehen, Miss Kara.“ Er legte auf, bevor ich die Adresse noch einmal überprüfen lassen konnte, die ich mir notiert hatte. Nun gut. Ich strich durch meine Haare. Tss… Schon wieder fettig. Wenn ich morgen einen guten Eindruck hinterlassen wollte um den Job zu bekommen sollte ich heute Abend wohl am besten mal wieder Baden gehen…
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