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So nah

von Maede
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Balin Dis Dwalin OC (Own Character) Thorin Eichenschild Thráin II.
25.08.2013
15.04.2021
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So nah

Kapitel 1
Der Klang der Spieluhr


Leise Musik drang aus der Spieluhr, welche auf der Kommode stand. Beide Mädchen beobachtete die Bewegungen des kleinen tanzenden Paares, während  sie auf den Bäuchen lagen und die Beine in der Luft baumeln ließen. Neben Dís saß ihren Mutter Kycina am Rande des Bettes und bürstete behutsam die Haare ihres jüngsten Kindes, während diese den angenehmen Klängen lauschte. Ein warmes Lächeln zierte das Gesicht der künftigen Herrscherin. Die goldverzierte Spieluhr war ein Geschenk ihres ältesten Sohnes an Dís gewesen. Er hatte sie von einer Reise mitgebracht, wie stets, wenn er für mehrere Tage fort war. Niemals vergaß Thorin seiner Schwester etwas mitzubringen, was ein Lächeln auf ihr kindliches Gesicht zauberte und den Schmerz der vorübergehenden Trennung linderte. Und obwohl Dís diese Melodie schon auswendig kannte, faszinierte sie das junge Mädchen immer noch. Kurz trafen sich die Blicke von Mutter und Tochter im Spiegel, welcher nicht weit von ihnen an einer Wand hing, und sie lächelten einander an. Diese Melodie war ihren Kinder so vertraut, wie die Stimme ihrer Mutter. Seit dem Tag ihrer Geburt, begleitete dieses Lied ihr ganzes Leben. Ein Wiegenlied. Von Generation zu Generation weitergereicht.

„Wie soll ich euer Haar flechten?“, fragte sie mit ruhiger Stimme und legte die Bürste bei Seite.
Wie so oft war die engste Vertraute ihrer Tochter ihr heutiger Gast. Morna war ein aufgewecktes Mädchen in Dís Alter. Sie kannten sich nun schon seit drei Jahren und ihre Freundschaft zueinander war jeden Tag gewachsen, bis sie schließlich unzertrennlich waren. Doch auch Thráins Gemahlin bekam das kleine Mädchen gern zu Gesicht. Morna hatte sechs ältere Brüder und ihre Mutter war vor zwei Wintern im Kindbett gestorben. Seitdem war das kleine Mädchen stiller geworden. Es gab Tage, da sah man in dem Gesicht des Kindes noch immer die Trauer über diesen schweren Verlust. Umso mehr wärmte es das Herz der künftigen Königin, wann immer sie die Mädchen miteinander spielen sah. Und hin und wieder nahm sie sich die Zeit, den beiden etwas vorzulesen oder ihnen Zöpfe zu flechten.
„Ich hätte gerne zwei dünne Zöpfe an der Seite, die man zusammenstecken kann. Und dazu...“
Schnell war die Prinzessin vom Bett gesprungen und öffnete eine kleine Kiste auf ihrer Kommode. Suchend, schob sie den Inhalt beiseite, ehe sie fündig wurde und das Objekt ihrer Begierde triumphierend in die Luft hielt.
„...diese Schleife.“
„Also gut.“, nickte ihre Mutter und blickte anschließend, dass rothaarige Mädchen neben sich an.

„Und du Morna? Möchtest du auch Zöpfe und eine Schleife im Haar?“
Die Angesprochene nickte eifrig.
„Dann müssen wir nur noch die passende Farbe für dich finden.“, sprach Thráins Gemahlin, während sie mehrere Schleifen an das rote Haar des zehnjährigen Mädchens hielt, um festzustellen, welche am besten zu ihrem dunkelgrünen Kleid passen wollte.
„Blau wäre schön.“, kam es wie ein Flüstern aus Mornas Mund und die künftige Königin nickte zufrieden.
„Ich weiß warum Morna blau möchte.“ verkündete Dís mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Ihre Mutter kannte diese Miene ganz genau. Wann immer das kleine Mädchen ihre Brüder zur Weißglut brachte, mit ihrem vorlauten Geschnatter, trat ein ebenso übermütiges Funkeln in ihre Augen. Leider schien dieses Mal die Rothaarige ihr Opfer zu werden. Diese warf ihr einen bösen Blick zu, hatte Morna den stichelnden Unterton in der Stimme der Prinzessin keineswegs überhört. Sie mochte es gar nicht, wenn die Schwarzhaarige sie aufzog.
„Es sind Thorins Farben.“
Für einen kurzen Moment herrschte Stille im Raum. Die künftige Königin schaute verwundert in den Spiegel und erblickte Mornas gerötete Wangen. Der Schreck über die Worte ihrer Tochter, standen dem Mädchen in den Augen und erst jetzt bemerke Kycina, dass sie auch ihre Arbeit unterbrochen hatte.

Rasch begann sie wieder das rote Haar ineinander zu verschlingen, während sich ein wissendes Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete. So war das also. Deswegen hielten sich die Mädchen so häufig in der Nähe des Thronsaales auf.
„Das hat gar nichts damit zu tun.“, verteidigte sich Morna vehement und warf erbost ein Kissen nach der Prinzessin.
Diese war dem Geschoss geschickt ausgewichen und setzte sich neben ihre Freundin.
„Und ob, man sieht es doch in deinem Gesicht. Du willst nur, dass er zu dir sieht, wenn du eine blaue Schleife trägst. Nicht wahr Mutter?“
Kycina versuchte ein Lachen zu unterdrücken. Natürlich stimmte es. Man sah es Morna an, dass sie Thorin gern hatte. Nicht nur, weil sie errötete, wenn sein Name zur Sprache kam. Bereits vor einiger Zeit war Dís Mutter aufgefallen, dass sich die Freundin ihrer Tochter anders benahm, wann immer sich die Mädchen nicht im Zimmer aufhielten. Doch wäre Kycina niemals darauf gekommen, dass Thorin der Grund dafür sein könnte.
„Aber ich denke nicht, dass Morna dafür die Hilfe eines Stück Stoffs brauchen wird. Keiner von euch beiden. Selbst in einem Kartoffelsack wäre euch die Aufmerksamkeit aller gewiss und wisst ihr auch weswegen?“
Die Mädchen schüttelten nur stumm die Köpfe.
„Weil ihr beide bezaubernd seid. Genau so, wie ihr jeden Tag lacht und lebt.“
Mit einem Blick auf Morna fügte sie hinzu:
„Und Thorin weiß das gewiss.“
„Oder aber, weil sich die Leute über uns lustig machen würden.“, murmelte die Rothaarige und verzog das Gesicht kurz zu einer Grimasse.

Nun, dem konnte die künftige Königin nicht widersprechen. Die kleine Prinzessin und ihr unverwüstlicher Schatten in Kartoffelsäcken gekleidet, würde wohl jeden im Erebor erheitern. Ein leises Klopfen an der Zimmertür unterbrach die Unterhaltung der Damen. Nach wenigen Augenblicke wurde diese ein Stück geöffnet und Frerin blickte in den Raum.
„Es ist alles vorbereitet Mutter, wie du es gewünscht hast.“
Vorsichtig legte Kycina eine Hand auf den Deckel der Spieluhr und schloss diese, als sie ihre Arbeit beendet hatte.
„Nun gut, es wird Zeit. Zieht eure Schuhe an und lasst uns nach unten gehen.“
Die zwei Wirbelwinde sprangen förmlich von dem edlen Bett herunter und griffen nach ihren Schuhen, welche sie auf nur einem Bein stehend anzogen und dabei bereits Richtung Tür hüpften, um keine Zeit zu verlieren.
„Dís.“, ermahnte ihr Bruder streng und seine Miene verfinsterte sich ein wenig.
„Pass auf, sonst stürzt du noch die Treppe herunter und Mutter wird wütend werden, wenn du das neue Kleid zerreißt. Es wird langsam Zeit, dass du lernst, wie sich eine richtige Prinzessin benimmt.“
Doch die Angesprochene reagierte gar nicht erst. Morna jedoch, gaben Frerins Wort zu denken.

Ihre engste Freundin sollte sich benehmen wie eine Prinzessin? Nun, Dís Verhalten war nicht immer schicklich, wie auch ihr eigenes. Doch war ihre Freundin so zart und ihre Schönheit machte der Linie Durins alle ehre. Morna sah für einen kurzen Moment an sich selbst hinab. Neben Dís wirkte sie wie ein Höhlentroll. Ihr rotes Haar und die braunen Augen, waren so unscheinbar, wie das grüne Baumwollkleid, welches sie trug. Ihr Gesicht überseht mit Sommersprossen, beneidete sie ihre Freundin für ihre  makellose Haut, die aussah wie zerbrechliches Porzellan. Es gab keinen einzigen Tag, an dem sie sich nicht wünschte, ein wenig mehr wie Dís auszusehen. Auch etwas Besonderes zu sein. Vielleicht würde Thorin sie dann einmal ansehen. Nur ein einziges Mal wahrnehmen, als das Mädchen, dass sie war. Und nicht nur als engste Freundin seiner Schwester. Plötzlich griff Dís ihre Hände und zog sie mit einem Ruck hinter sich her.
„Worauf wartest du Morna?“
Dankbar für die Ablenkung, stahl sich nun doch ein Lächeln auf das Gesicht der Rothaarigen. Schnellen Schrittes und mit gerafften Röcken, eilten die Mädchen die Steintreppen hinunter und machten einen gewagten Sprung von den letzten drei Stufen, ehe sie weiter spurtete. Kopfschüttelnd, doch mit einem Lächeln auf den Lippen, beobachtete Kycina die kleinen Wildfänge, die so lebensfroh durch den Erebor sprangen, während ihr Sohn pflichtbewusst an ihrer Seite folgten.

An einer der vielen Brunnen vorbeirennend, fuhren die Mädchen kurz mit den Händen hindurch und ließen es sich nicht nehmen, einander etwas Wasser entgegen zu spritzen. Anscheinend machten sich die jungen Mädchen überhaupt keine Gedanken, über nasse Kleider und eiskalte Füße. Was würde Kycina nicht alles dafür geben, diese verzauberte Welt noch einmal mit den Augen eines Kindes sehen zu dürfen. Die vielen bunten Lichter im Erebor zu bewundern. Vollkommen sorglos und mit unzähligen Träumen. Erst vor dem Thronsaal stoppten die Kinder und versuchten ihr Temperament zu zügeln. Als Kycina in der Hörweite der Mädchen war, wandte sie sich an ihren Sohn.
„Frerin, sag mir, Balin hat doch noch immer Wache?“
Der Angesproche nickte zustimmend.
„Würdest du dann Thorin in meinem Namen bitten, Morna im Anschluss an Balins Wache zu ihm zu begleiten. Es wird gewiss schon dunkel sein und ich möchte nicht, dass sie den Wehrgang ganz allein nach oben geht.“
„Natürlich Mutter.“
Morna drehte sich überrascht zur Mutter ihrer Freundin herum, welche sie mit einem warmen Lächeln bedachte. Die Wachen, welche das große Tor zum Thronsaal flankierten, verneigten sich vor der künftigen Königin, welche ihnen anerkennend zunickte, ehe sie die Mädchen an ihre Hand nahm.

Fortsetzung folgt...
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