Atheismus – der Luxus der Reichen?

von Gillian
GeschichteAllgemein / P12
24.08.2013
24.08.2013
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Religion ist ein Thema, das in unsere Gesellschaft eine sehr große Rolle spielt, sowohl in der Antike als auch heute. Und das gilt auch für die Zukunft. Ob Gott, Allah oder Zeus – im Endeffekt sind doch alle gleich. Kopfgeburten der Menschheit. Fantasien und Beteuerungen. Wunschvorstellung und Fata Morgana. Ich will keine Religion beleidigen oder  verleugnen -  denn alles, woran ihr glaubt, existiert. In euren Gedanken kann alles leben. In meinen lebt es nicht. Ich halte Götter und den Glauben an die göttliche Tugend für einen nicht gehörten Hilferuf. Menschen – ob in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, wenden sich an Gott, weil sie keinen anderen Ausweg mehr finden. Wenn man keinen Weg in der realen Welt sieht, der einem helfen kann, glaubt man an das Fantastische – an das Unmögliche.  Ob es nun ein Mann ohne Gestalt ist oder einer, der mit einem Zepter Blitze herbeiruft. Solange er uns im Geiste beteuert, dass sich das Leben noch zum Besseren wenden kann, würden wir auch ein Schwein mit Flügeln anbeten. Vor sechs Jahren ist der Mann meiner Nachbarin gestorben. Ich hatte sie früher nie nach Gott gefragt, aber ich war zehn Jahre alt und ihr Mann ein Jahr tot, als sie mir das Vater Unser beigebracht hat und ich es ihr immer, wenn ich sie besuchen kam, aufsagen musste. Ich bin keine Christin und kann es trotzdem immer noch perfekt.
Ich bin der Meinung, dass der offene Atheismus durch den Wandel der Welt entstanden ist. Veränderte Staatsformen, multikulturelle Zusammenschlüsse und besonders wichtig: Meinungsfreiheit. Hättest du im Mittelalter gesagt „Ach übrigens, ich glaube nicht an Gott“, wärst du in weniger als zwei Sekunden mit der Begründung „Ketzer!“ enthauptet worden. Und heute? In Deutschland bringt einem diese Aussage oft nicht mehr als ein müdes Schulterzucken ein. Doch wie ist es in anderen Ländern? Man wird dort wohl nicht mehrenthauptet, denn die Pistole ist wohl die gängigere Methode. Wenn man mehr Ungläubige auf einem Haufen findet, nimmt man halt einfach eine Bombe und stellt sie in den nächsten Flughafen. Es kann zwar sein, dass man Kinder oder doch ein paar Gläubige mit in den Tod reißt. Aber der Zweck heiligt die Mittel und man tut doch sowieso alles für die Religion.  
Natürlich werden nicht alle Menschen wegen ihrer misslichen Lebenslage gläubig. Bei den meisten reicht schon Unwissen und mangelnde Bildung. In einem Land. in dem alles fehlt, in dem man nicht lesen lernt und einem nicht der Ablativ im Lateinischen erklärt wird, in dem es keine Schule gibt, was hat man dort mehr als die Geschichten, die einem seit Kindertagen erzählt werden. In welchem Philosophieunterricht soll man - im wahrsten Sinne des Wortes - über Gott und die Welt reden, mit welchen verschiedenen Kulturen soll man sich das Pausenbrot teilen und dabei lernen, was es heißt, zu tolerieren und zu verstehen? Lieber kämpft man für das Einzige, was einem bleibt: die eigene Religion!
Im Gegensatz dazu ist der Atheismus ein Luxus. Man darf sagen, dass man an eine Welt ohne Götter glaubt. Es geht einem gut genug, um nichts zu fürchten oder Angst zu haben. Und obwohl ich es nie zugeben würde, lasse ich mich manchmal selber dazu hinreißen, glauben zu wollen. Ganz selten fahre ich mit meinem Fahrrad zur Kirche und zünde eine Kerze für die Toten an, wie es dem christlichen Brauch entspricht. Damit sie eine schöne Existenz im Himmel haben dürfen, die für mich in Wirklichkeit gar nicht da ist. Das Leben nach dem Tod wurde, wie alles andere, aus Angst erschaffen. Denn was soll passieren, wenn wir sterben? Wo gehen wir hin und wo kommen wir her? Wiedergeburt oder Überleben im Himmel? Für immer weg sein, wirklich und wahrhaftig sterben kommt nicht in Frage! Nicht solange wir beten und glauben und Götter haben, die uns beschützen. Die uns in ihren Olymp einladen und mit der schönen Aphrodite ein Gläschen Wein trinken lassen. Nicht, solange wir auf dem Schwein mit Flügeln durch die Wolken in den Himmel reiten und schreiend die lebenden Atheisten  auslachen, die von Attentätern in die Luft gesprengt werden. Singt das Vater Unser und werft Zeus` Blitze auf die Nachbarin. Vielleicht bist du dann bereit, die Kerze in der Kirche auszupusten und aus der Kirche zu rennen. Auf dein Fahrrad aufzuspringen und wegzufahren. Denn am Ende ist der Himmel einfach nur blau und dahinter ist das Weltall.
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