Definitiv eine falsche Entscheidung ... ?

von Valtilaka
KurzgeschichteRomanze / P12 Slash
Shibuya Yuri Wolfram von Bielefeld
23.08.2013
23.08.2013
1
3357
4
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Hey ihr Lieben,
schön, dass ihr euch hierher verirrt habt. Dieser kleine OS brannte mir irgendwie unter den Nägeln, und da ich es schade finde, dass es nur so wenige Kyou Kara Maou-Fanfiktions gibt, hoffe ich, ein paar Leuten damit eine kleine Freude zu machen.

Anmerkung:
Die Personen und Orte gehören nicht mir, ich leihe sie mir bloß aus.
Einzuordnen ist die Geschichte etwa in der Mitte der zweiten Staffel (des Animes).
Ach – was die verschiedenen (japanischen, englischen und deutschen) Schreibweisen der Namen betrifft, halte ich mich hier nicht an die Vorgaben von FanFiktion, sondern an die Schreibweise, die ich vom Anime gewöhnt bin, vergebt mir also, falls euch das stört ;)

Und nun viel Spaß!

~*~


Manchmal fragte ich mich, ob der Einzigartige etwas gegen mich hatte. Zum Beispiel jetzt, genau in diesem Moment.
Zugegeben, es war nun wirklich nicht meine beste Idee gewesen, spät abends noch baden zu gehen, aber ich konnte es mir ja auch schlecht leisten jedwede Wasserquelle zu meiden, bloß um nicht in den ungünstigsten Augenblicken ins neue Dämonenkönigreich gezogen zu werden. Zumal der Wille des Einzigartigen für Ulrike anscheinend das höchste Gut war – nennt es Schicksal, aber bisher war ich noch immer ins neue Dämonenkönigreich gelangt, wenn es wohl so sein sollte, ob ich wollte oder nicht.
Spüren tat ich den Sog zuallererst am kleinen Zeh meines rechten Fußes. Ganz schön tückisch – da ich inzwischen schon so paranoid geworden war, dass mich selbst ein eingeschlafener Fuß in Panik versetzen konnte.
„Nicht schon wieder!“, fluchte ich und krallte mich am Rand der Badewanne fest – als ob das etwas bringen würde. Wofür hatte ich denn bitte diese nervtötenden Mathematikformeln auswendig gelernt – bis ich zurückkommen würde, wären die längst im Nirwana verschwunden.
Es half nichts. Mein einziger Halt in dieser Welt wurde mir aus den Fingern gerissen, als ich unter Wasser gezogen wurde.
Es dauerte nicht sehr lange, bis der Sog abnahm und ich prustend und nach Luft schnappend meinen Kopf nach oben riss.
Ich lag bäuchlings in den Bädern meines Schlosses.
„Hat Ulrike Euch wieder einmal hierher geholfen?“
Ich sah nach links.
Und wurde rot.
Lady Anissina saß am Rande des Beckens und sah mich mehr oder weniger interessiert an. Schnell blickte ich zur Seite – ich wusste ja schließlich zu Genüge, wie sie mit Gwendal und Günter umsprang und wie sie von Männern allgemein dachte – und ich zweifelte keine Sekunde daran, ob sie bei mir eine Ausnahme machen würde, bloß weil ich der derzeitige Dämonenkönig war, wenn es darum ging, dass sie sich in irgendeiner Weise belästigt vorkäme. Eigentlich hatte ich ja das Glück, von ihr respektiert zu werden, und sei es nur, weil ich in vielen Fällen ihre Meinung teilte – aber wie sagte man so schön? Man soll sein Glück nicht überstrapazieren.
„Äh … ja“, antwortete ich und legte meine Hände schnell in meinen Schoß. Im Grunde konnte ich schon glücklich sein, Anissina und nicht Cecilie von Spitzberg oder Günter anzutreffen.
„Gibt es etwas Neues?“, fragte ich, teils aus Neugierde, ob es einen bestimmten Grund für mein Hiersein gab, aber auch um mein Verlassen des Beckens zu verzögern. Gräfin Anissina schien sehr viel gelassener als ich zu sein, denn sie beugte sich vertrauensselig vor und das altbekannte Glitzern tauchte in ihren Augen auf.
„Allerdings! Ich habe eine meiner Erfindungen komplett überholt. Sie erinnern sich sicher an meinen „Kann man 10000 Freunde machen?“, oder?
„Äh …“
Sie erfand definitiv zu viel unnützes Zeug. Nicht, dass ich das laut aussprechen würde.
„Meinen Sie diesen Apparat, durch den es ermöglicht werden sollte die Gedanken anderer Wesen zu verstehen?“
Anissina lachte auf.
„Jemand, der meine Erfindungen schätzt.“
Ach wirklich?
„Ich habe die letzten beiden Tage daran gearbeitet, Eure Majestät. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen die überholte Version jetzt gleich -“
„Ach, wissen Sie, Lady Anissina, ich habe leider unglaublich viel zu tun … ähm … ja … genau.“
Ich biss in den sauren Apfel, sprang schnell aus dem Becken und wickelte mich in ein großes Badetuch ein, dann verließ ich die Bäder, bevor sie auf die Idee kommen konnte mir zu folgen.
Während ich den Gang Richtung meiner Gemächer hinablief, fragte ich mich, wieso noch keiner aufgetaucht war. Sonst begrüßte mich immer ein mal kleiner, mal größerer Suchtrupp. Nun ja, es war spät, das Schloss lag in Stille und wenn ich ehrlich war, war ich glücklich darüber, dass die meisten Bewohner wohl zu schlafen schienen, denn ich wollte auch einfach nur noch in mein Bett.
Als sich die Türen meines Zimmer hinter mir schlossen, atmete ich erleichtert aus, strebte Richtung Ankleidezimmer und zog den obersten meiner Schlafanzüge hinaus. Mit einem müden Lächeln betrat ich danach wieder mein Zimmer, blieb aber vor meinem Bett stehen, als ich im Zwielicht blondes Haar erkannte, das sich aus der Nähe im Mondlicht klar von dem dunklen Kissen abhob.
Mir entkam ein leicht genervtes Seufzen.
Anscheinend machte sich Wolfram auch in meinem Bett breit, wenn ich gerade nicht anwesend war.
Als hätte er meine Gegenwart bemerkt, drehte er sich auf den Rücken und strampelte die Decke fort. Fast zeitgleich wirbelte sein rechter Arm durch die Luft und landete hart auf der Matratze. In diesem Moment war ich irgendwie froh, noch nicht in diesem Bett zu liegen.
Zugegeben, irgendwie sah Wolfram ja schon niedlich aus, wie er sich auf seine charmante Art und Weise ein fremdes Bett zu eigen machte, auch wenn mich das Rüschennachthemd irgendwie irritierte. Wenigstens war es dieses Mal nicht rosa.
„Yuri …“
Ich horchte auf und betrachtete sein Gesicht genauer. Er war doch nicht aufgewacht? Nein, er schlief definitiv tief und fes-
„Du Waschlappen.“
Ich musste grinsen und hielt mir die Hand vor den Mund, um mein Lachen zu dämpfen.
Ja, Wolfram und charmant. Natürlich. Es ärgerte mich zwar von Zeit zu Zeit, wenn er mich mit seinen Vorstellungen von Verlobten und das Bett teilen belehrte, von der Tatsache, dass er mich andauernd als Waschlappen und Weichei bezeichnete mal ganz abgesehen, aber irgendwie konnte ich diesem schlafenden, für seine Verhältnisse dabei erträglichen Wolfram in diesem Moment nicht böse sein.
Kurz überlegte ich, ob ich den Versuch wagen sollte, ihn auf die andere Seite zu rollen und mich einfach danebenzulegen, verwarf diese Idee aber ziemlich schnell wieder. Soweit nichts wichtiges anstand, dürfte ich morgen eine von Günters Lehrstunden über mich ergehen lassen, und die waren auch schon anstrengend genug, ohne dass man von Rückenschmerzen geplagt wurde. Und das würde ich, würde ich mich jetzt zu Wolfram legen. Entweder ich würde mich in ein paar Stunden auf dem Boden wiederfinden, oder mit dem Oberkörper aus dem Bett hängend, und beides war nichts, worauf ich sonderlich Lust hatte. Da wäre es mir ja fast schon lieber gewesen, wenn er nachts friedlich Nähe suchen würde – wobei weder das eine, noch das andere von Belang wäre, schließlich war dieses Bett ja groß genug um meine ganze Familie darin zu beherbergen.
Ich seufzte noch einmal, drehte mich dann um und verließ den Raum. Es fand sich immer etwas anderes.
Ich musste nicht weit gehen. Nur ein paar Schritte, dann drückte ich eine weitere Türklinke hinunter und schlüpfte in den dahinter liegenden Raum.
Greta lag still und leise in ihrem Bett. Ich lächelte, als ich sie betrachtete. Sie hatte genug Platz und würde sich sicher freuen, wenn sie am nächsten Morgen aufwachen würde, und das erste, was sie sähe, wäre ihr geliebter Pa-
Beinahe stieß ich einen Schrei aus, als etwas – oder eher jemand – mich fest am Ohrläppchen packte und meinen Kopf grob ein Stück zurückriss.
„Yu-ri.“
Das war nicht gut.
Ich drehte mich gezwungenermaßen um.
„W-Wolfram. Wie schön dich zu sehen.“
Mein Verlobter zog noch einmal an meinem Ohrläppchen – au, was für ein starker Griff, und wann war der überhaupt aufgewacht und mir gefolgt?! – dann ließ er von mir ab und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Yuri, was machst du hier?“
Unschuldig sah ich auf.
„Schlafen?“
Falsch, ganz falsch.
Die schönen grünen Augen schickten Blitze in meine Richtung. Oh ja, es wäre mir lieb, wenn ich jetzt tatsächlich einfach umfallen könnte. Tat ich leider nicht.
„Du bist wieder da, aber deinen Verlobten begrüßt du nicht zuallererst? Willst nicht bei mir schlafen?“
Ich griff mir ans Ohr und rieb über die malträtierte Stelle.
„Ach, weißt du … ich wollte dich nicht wecken.“
Der Blick, der darauf folgte, war eindeutig. Wolfram war nun eben auch nicht dumm.
Ich zuckte zusammen.
Hey, Moment mal! Wieso schaffte Wolfram es, mich zusammenzucken zu lassen? Ich war der Dämonenkönig, ich -
„Du kommst jetzt sofort mit ins Bett!“
Furchteinflößend.
Sehr viel furchteinflößender als Lady Anissina in ihren experimentierfreudigen Minuten oder Lady Gisela, wenn jemand sich nicht nach ihren Anweisungen richtete.
„Aber -“
Man halte mir zugute, dass ich zu widersprechen ansetzte. Von wegen Waschlappen, oh ja!
„Du wolltest mich nicht wecken, hast du eben gesagt? Nun gut, jetzt bin ich wach, dann kannst du ja mitkommen.“
„Aber -“
„Was glaubst du, werden die Leute denken, wenn sie erfahren, dass du nicht mit deinem Verlobten in einem Bett schlafen willst?“
Seit wann interessierte es Wolfram denn bitte schön, was Leute dachten?
Außerdem war ja wohl nicht ich derjenige, der sich des nachts in ein fremdes Bett schlich.
„Du kommst jetzt mit!“
Da ich nicht schnell genug ausweichen konnte, hatte er sich wieder mein Ohrläppchen geschnappt und zerrte mich hinter sich her aus dem Raum hinaus. Notgedrungen folgte ich ihm. Er war nicht wirklich wütend – wenn er wütend war, war er noch sehr viel furchteinflößender und außerdem lauter – dennoch verärgert, aufgrund der Tatsache, dass ich mich rausgeschlichen hatte.
Ich musste daran denken, wie ich diesen aus einem Missverständnis entstandenen Antrag hatte zurücknehmen wollen, als wir auf meiner ersten großen Reise wegen Morgif gewesen waren. Er hatte gesagt, es würde seine Ehre verletzen, täte ich das. Anscheinend glaubte er dies wäre ebenso der Fall, wenn jemand erfuhr, dass -
Ich wurde in meine Gemächer gestoßen. Gleich darauf schloss Wolfram die Tür und strebte das Bett an. Auch ich ließ mich nach einem Augenblick des Zögerns darauf nieder.
„Wolf. Du weißt genau, dass das nur ein Versehen -“
„Sei still!“
Er musste nicht fragen – er wusste auch so, dass ich den Antrag meinte.
Ich hätte das Thema nicht anschneiden sollen. Ich wusste ja, wie er darauf reagierte. Aber was dachte er sich denn? Dass wir ernsthaft heiraten würden?
Ich konnte es mir nicht vorstellen, aber was ich durchaus in Betracht zog war die Tatsache, dass es nicht mehr sehr lange dauern würde, bis ihm in den Sinn kam, dass wir auch nicht ewig bloß verlobt sein könnten.
Wolfram rutsche unter die Decke und zerrte sie auch über meine Beine.
„Du bist so ein Waschlappen!“
Daraufhin schwieg ich. Das genuschelte Waschlappen des träumenden Wolfram vor wenigen Minuten hatte ich sehr viel schöner gefunden.
„Ich bin kein Waschlappen! Schön, dann trete und schlage ich dich nächstes Mal auch, wenn du im Schlaf mal wieder gewalttätig wirst!“
Er funkelte mich an.
„Gut! Dann tu das!“
„Ja, das werde ich auch! Das Bett ist nun wirklich groß genug.“
Er schnaubte.
„Kann ich doch nix für“, grummelte er dann.
„Ach, aber ich bin schuld, dass du dich so weit ausbreitest?“
Ich rechnete schon mit einem weiteren Waschlappen, aber es kam nicht.
„Was soll ich denn deiner Meinung nach machen?“, setzte ich noch einen drauf. „Hat ja gar keinen Sinn, dass du dich immer in mein Zimmer schleichst, wenn du mich dann sowieso aus dem Bett trittst.“
„Dann nimm mich, wenn ich das das nächste Mal mache, einfach fest in den Arm.“
Ich traute meinen Ohren nicht.
Bitte was?
Äh … sicher nicht.
Im Grunde hatte ich nichts dagegen, dass Wolfram hier schlief. Natürlich, es nervte meistens schon, er störte mich bei der Nachtruhe und seine Annäherungsversuche waren auch nicht gerade das, was auf meiner Wunschliste ganz oben stand. Wenn er sich nicht immer so breit machen würde …
Ich riskierte einen Blick zur Seite und hätte beinahe zum dritten Mal an diesem Abend laut aufgeseufzt.
Ach Wolf.
„Es gibt hier doch genügend Zimmer. Schließlich hast du ja auch irgendwo geschlafen, bevor ich in diese Welt kam. Such dir eins aus.“
„Du weißt doch, dass die Räume im Schloss von Soldaten bewohnt werden.“
„Immer noch?“
Als ob.
„Ja.“
„Sicher nicht alle.“
Wolfram schwieg. Wie es schien steckte ich in einer Sackgasse fest. Ich wurde ihn einfach nicht mehr los – genau genommen wollte ich ihn ja auch nicht loswerden, sondern bloß aus meinem Bett heraus kriegen.
„Was muss ich tun, damit du mir endlich mein Bett überlässt?“, seufzte ich laut.
„Du kannst …“
Er brach ab. Ich sah auf, erkannte, dass das hübsche Gesicht durch die Stirnfalte und die sich kräuselnde Nase nur noch anziehender wirkte – auf platonische Weise versteht sich – und fragte mich, über was Wolfram da wohl so nachgrübelte.
„Wolf?“
„Ja, da gibt es allerdings wirklich etwas, das du tun kannst.“
Überrascht rutschten meine Augenbrauen nach oben.
„Echt? Was soll ich tun?“
Seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen.
„Küss mich.“
„Wa-?“
Beinahe wäre ich aus dem Bett gefallen, so schnell, wie ich zurückgerutscht war.
„Du hast schon richtig gehört.“
„Aber -“
Jetzt war ich es, der die Stirn runzelte.
Wolfram hatte das bestimmt bloß gesagt, weil er dachte, ich würde sowieso nicht darauf eingehen. Er hielt mich ja für ein Weichei. Dem würdʼ ichʼs aber zeigen! … Würde ich? Mmh. Ein Kuss gegen ewige Ruhe beim Schlafen?
„Versprich es mir.“
Verwundert sah Wolfram mich an.
„Yuri … ?“
Nun griff ich zu einem gemeinen, aber hoffentlich effektivem Mittel. Danach würde ich ihn für immer aus meinem Bett haben! Ha, ein Angriff auf seine Ehre!
„Schwöre, dass du mir mein Bett und mein Zimmer überlässt, wenn ich das tue.“
Er würde niemals sein Wort brechen.
Einen Moment sah er mich an, dann grinste er – ein Grinsen, das mir nicht sonderlich gefiel – und nickte enthusiastisch. Irgendwie bekam ich gerade das Gefühl, dass das eine ganz, ganz blöde Idee gewesen war. Definitiv eine falsche Entscheidung.
„Okay. Ich schwöre es.“
Wir starrten uns an.
Wolfram setzte sich aufrecht hin. Was erwartete er jetzt von mir?
„Jetzt mach!“
Ehh – wieso ich? Er war derjenige mit über achtzig Jahren Lebenserfahrung! Ich wollte das nicht mal wirklich, also -
„Yuri!“
Ich schwieg. Und blieb sitzen. Sollte er sich seinen Kuss doch holen, wenn er ihn unbedingt wollte.
„Bist eben doch ein Waschlappen!“, knurrte er, beugte sich dann vor und nahm mein Gesicht in seine Hände.
Schnell schloss ich die Augen.
Was? Nein, besser doch hinsehen – oder? Oh mein Gott, Wolfram würde das wirklich tun – oh je, war es mir das wert? Wollte ich das wirklich? Waren seine Augen schon immer so wunderschö – hey, wo kam das denn auf einmal her?
„Yuri …“
„Mmh?“
Seine linke Hand rutschte in meinen Nacken, dann zog er mich mit einem Ruck an sich, griff um meine Hüfte und … unsere Lippen berührten sich. Ganz leicht, ganz sachte.
Nichts geschah.
Ich hatte es mir weitaus schlimmer vorgestellt, einen Jungen zu küssen. Wobei … das hier war Wolfram. Auch ein Junge … aber eben auch Wolfram.
Der Kuss war sogar überraschend … angenehm. Fast schon schön. Wolframs Lippen waren unglaublich weich, schmusten über meine, und alles, was diese Berührung in mir auslöste, war ein ganz kleines Unwohlsein, das allerdings von dem starken Gefühl der Geborgenheit einfach so weg gewaschen wurde.
Wolfram nahm meine Unterlippe zwischen seine und saugte leicht daran. Dann öffnete er seinen Mund. Ich riss meine Augen auf – Moment, wann genau hatte ich die denn wieder zugemacht?! – Und was passierte hier gerade? Seine Zunge strich ganz vorsichtig über meine und … aus warʼs mit den schönen Gefühlen. Fremder Speichel … irgendwie schmeckte Wolfram überraschend gut. Aber … das waren definitiv zu viele Überraschungen für einen Tag! Was machte er da mit seiner Zunge? Nein, das gefiel mir ganz sicher nicht!
Schnell hob ich die Arme und drückte den Blonden von mir fort. Die Hand, die meinen Nacken gekrault hatte, rutschte ebenfalls herunter. Seine Wangen waren leicht gerötet und sein Blick wirkte irgendwie … enttäuscht.
„Das r-reicht!“
Er besah mich einen Moment – dann grinste er. Vermutlich, weil ich so lange gebraucht hatte diesen Satz von mir zu geben und dabei auch noch hatte stottern müssen.
„Und jetzt halt auch dein Versprechen!“
„Ach Yuri“, seufzte Wolfram, schälte sich aus dem Bett und griff nach einem Kissen. Ich sah ihn verwundert an. Irgendwie hatte ich nicht damit gerechnet, dass -
„Du hältst dich wohl für ganz schlau, wie, Yuri?“
„Hä?“
Jetzt grinste er wieder.
„Du hast wirklich geglaubt, du hast mich in der Hand. Aber ich sag dir jetzt mal was!“ Dabei näherte sein Gesicht sich mir wieder. „Ich stehe zu meinem Wort.“
Damit richtete er sich wieder auf und grinste mich an.
Ich konnte ihn nur ungläubig anstarren, diesen blonden Schönling in seinem Rüschenkleidchen, wie er dastand, das Kissen im Arm und mich so überlegen ansah.
„Ich freue mich schon auf morgen Abend.“
Mir schien die Verwirrung ins Gesicht geschrieben, denn ich hatte nicht mal Zeit mit meiner Frage anzusetzen, da sprach er schon weiter.
„Ganz schön dumm, Yuri, mmh? Aber was sollte man sonst schon von einem Waschlappen wie dir erwarten?“, setzte er großspurig nach.
„Wie?“
„Du hast vergessen einen Zeitrahmen aufzusetzen, du Dummerchen.“ Er tippte mir auf die Nasenspitze, als wäre ich ein kleines Kind. „Aber du kannst ja gerne versuchen, dich jeden Abend mit einem Kuss freizukaufen.“ Er warf mir einen bedeutungsschweren Blick zu. „Aber ob ich mich mit der Zeit damit zufriedengeben werde … ?“
Damit drehte er sich um und ging tatsächlich Richtung Tür. Ich brauchte einen Moment, fand meine Stimme aber wieder, bevor er den Raum verlassen konnte.
„Wolfram! Wolf, du bist so -“
Er drehte sich um.
„Hast du wirklich gedacht ich würde dich tatsächlich in Ruhe lassen, wenn du mich freiwillig küsst? Jetzt erst recht nicht!“
Ich wusste nicht, ob ich belustigt oder verärgert sein sollte. Eigentlich war ich einfach nur … fassungslos.
„Aber -“, setzte ich verzweifelt an. Wolfram schickte mir von der Tür aus einen Kuss.
„Dann schlaf gut. Und hab süße Träume …“
Das von mir konnte er sich sparen. Es stand in seinen Augen, als er sich umdrehte und den Raum verließ.
Und das schlimmste daran war … selbst wenn ich seine Worte, sowohl die gesagten, als auch die unausgesprochenen, vor wenigen Stunden noch lachend abgetan hätte … jetzt war ich mir nicht sicher, ob es nicht wirklich passieren könnte …

Dieser verfluchte Wolfram!
Review schreiben