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Der Wunsch einer kleinen Prinzessin

von Alona
KurzgeschichteAllgemein / P6
23.08.2013
23.08.2013
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A/N: Ich möchte anmerken, dass dieser Text noch aus dem Jahr 2009 stammt. Ich mag ihn aber sehr und das Fandom hat viel Liebe verdient, deswegen verbreite ich ihn mal. =)
Anmerkungen zum Stil müssen daher nicht gemacht werden, ich schreibe heute nicht mehr so. ;)


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Der Wind trug den salzigen Geruch des Meerwassers und das verirrte Schreien einer Möwe herüber.
Lächelnd schloss das blonde Mädchen die Augen und ließ die neuen Eindrücke auf sich einwirken. Noch nie zuvor war sie so nah am Meer gewesen, wie in diesem Moment. Und vielleicht würde sie das auch nie wieder. Also sollte sie jede Sekunde auskosten. Der Schrecken und die Angst bei der Passkontrolle steckte noch in ihren Gliedern, ließ ihr Herz schneller schlagen und ihre Knie weich werden.
Die anderen blieben stehen und drehten sich zu ihr um.
„Alles okay, Nina?“, fragte Momo, eine junge Frau mit langem roten Haar, das zu zwei Zöpfen gebunden war.
Die Prinzessin nickte lachend. „Ja, alles bestens. Ich bin nur so froh, endlich das Meer sehen zu können. Können wir an den Strand gehen? Bitte~“
Garr legte eine Hand an sein Kinn.
„Für so etwas haben wir keine Zeit“, knurrte er. „Wir sind hier nur auf der Durchreise.“
„Aber ich will an den Strand“, schmollte sie.
Die anderen warfen sich ratlose Blicke zu. Schließlich sahen sie den blauhaarigen Jungen an, der trotz seines jungen Alters eine Art Anführer für sie zu sein schien, er war derjenige, der die Gruppe zusammenhielt, ohne ihn hätten sie keinen Grund gemeinsam zu reisen. Er erwiderte die Blicke verunsichert. „Na ja... wenn sie unbedingt will. Es wird doch bald dunkel, warum also nicht?“
Glücklich umarmte Nina ihn. „Danke, Ryu!“
Garr schüttelte seinen Kopf. Der Junge konnte ihr einfach keinen Wunsch abschlagen.
So begab sich die Gruppe gemeinsam an den nahegelegenen Strand der Rhapala-Region, wenngleich Peco der Sand gar nicht zu gefallen schien, so dass er mit Garr und Momo im Zeltlager, einige Meter vom Strand entfernt, zurückblieb.
Garr blickte die Erfinderin an. „Warum interessiert dich der Strand eigentlich nicht?“
In seiner Welt waren Frauen und Mädchen alle gleich. Machte sie da wirklich einen Unterschied?
„Ich habe ihn von meinem Turm aus gesehen“, antwortete sie schulterzuckend. „So besonders finde ich das nicht. Mich würde mehr das richtige Meer, im Osten, interessieren – und natürlich die Schiffe, mit denen man sie befährt.“
Ihre Augen leuchteten, als sie an die Maschinen dachte, die nur darauf warteten, von ihr auseinandergenommen und wieder zusammengebaut zu werden. Früher oder später würde das auf jeden Fall so kommen, das hatte sie im Blut.
Garr gab sich mit dieser (für ihn doch sehr überraschenden) Antwort zufrieden und blickte wieder zu Peco, der inzwischen eingeschlafen zu sein schien.
Lediglich Ryu und Nina, die beide das erste Mal einen Strand besuchten, standen genau dort. Vereinzelte Möwen kreischten über ihren Köpfen, auf dem Weg zur richtigen Küste, weiter im Nordosten.
Ob sie wohl jemals etwas anderes als dieses Festland gesehen hatten?
Inseln? Ein anderer Kontinent? Wenn sie doch nur sprechen könnten, wie viele Geschichten wüssten sie zu erzählen?
Die Prinzessin hatte ihre Schuhe ausgezogen und genoss das Gefühl des Sandes zwischen ihren Zehen und das Spielen der Wellen. Sie kicherte leise. „Das ist so toll~ Du weißt ja, im Schloss habe ich nie so viel erlebt. Wir haben es ja auch nie verlassen.“
Ryu nickte verstehend. „Aber es ist doch dein Zuhause. Ist es nicht schön, ein Zuhause zu haben?“
Er hatte nur für einige Monate ein Zuhause gehabt, damals als er noch gemeinsam mit Rei und Teepo zusammengelebt hatte. Was war nur davor gewesen?
Warum erinnerte er sich nicht daran?
„Schon... aber eine Prinzessin zu sein ist eher ein Leben wie in einem Käfig. Und das hat dir auch nicht gefallen, oder?“
Er dachte wieder an die Zeit zurück, als Balio und Sunder ihn in einen Käfig gesperrt hatten und wie er danach vom König von Wyndia ins Gefängnis gesteckt worden war. Schließlich schüttelte er seinen Kopf. „Nein, hat es nicht.“
Gedankenverloren sah sie aufs Wasser hinaus. „Ryu... hättest du mich wirklich allein gelassen?“
„Aber du bist doch die Prinzessin und Prinzessinnen wohnen immer in Schlössern.“
Er wusste nicht, was er sonst darauf sagen sollte, für ihn war es selbstverständlich. Außerdem lebte in dem Schloss doch auch ihre Familie. Hätte er mit Rei und Teepo in einem Schloss leben können...
Bei dem Gedanken an die beiden verfinsterte sich sein Gesicht wieder. Würde er sie jemals wiederfinden?
Nina schien seine Gedanken zu erraten. Sie nahm seine Hand und drückte diese. „Mach dir keine Sorgen. Ich habe dir doch versprochen, dass wir deine Freunde finden. Hast du das vergessen?“
Wieder lächelnd schüttelte er den Kopf. „Nein, habe ich nicht.“
„Hmmm~ Wenn ich verschwinden würde... würdest du mich dann auch suchen?“
Sofort nickte er. „Natürlich. Wir sind Freunde, da ist das klar.“
Erleichtert lächelte er sie an. „Danke, Ryu.“

Mitten in der Nacht wachte Momo auf, als Garr zu schnarchen anfing. Sie versuchte, ihn aufzuwecken, aber er ließ sich nicht stören und schnarchte weiter. Tagsüber wirkte er so stolz und unbesiegbar, aber nachts war er genau wie jeder andere.
Ihr Blick fiel auf Ryu, der seelenruhig schlief und sich dabei an den leise seufzenden Peco ankuschelte. Die beiden konnte anscheinend gar nichts stören, wenn sie erst einmal schliefen.
Sie lächelte unwillkürlich, aber ihr Lächeln erlosch auch genauso schnell wieder, als sie feststellte, dass die Prinzessin fehlte.
Vielleicht ist sie noch draußen. Bestimmt konnte sie nicht schlafen, kein Wunder.
Hastig setzte Momo ihre Brille auf und stand dann auf, um nachzusehen. Das Lagerfeuer war erloschen, von Nina war keine Spur zu sehen.
Wo kann sie nur sein?
Honey, der kleine Roboter, kam ebenfalls aus dem Zelt heraus.
„Kannst du mich vielleicht zur Prinzessin bringen?“, fragte Momo.
Der Roboter sah sie nicht an, sondern lief zielsicher in Richtung des nahegelegenen Waldes davon. Momo folgte ihm eilig. Honey hatte so eine Art Faible für die Prinzessin, schien es, also war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er sie direkt zu ihr führen würde.
Und tatsächlich: Auf einer Lichtung entdeckte Momo das Mädchen, das mit seinem Stab zu üben schien. Immer wieder konzentrierte sie Angriffe auf einen Baum, den das nicht im Geringsten zu stören schien. Er wackelte kein bisschen, zeigte nicht einmal die kleinste Schramme, obwohl Nina bereits erschöpft zu sein schien.
„Was machst du da?“
Momo ging näher, worauf Nina inne hielt und sich umdrehte. „Oh, du bist es. Warum schläfst du nicht?“
Honey begab sich direkt zur Prinzessin, die ihn auf den Arm nahm. Dem kleinen Roboter schien das zu gefallen, warum auch immer.
„Das könnte ich dich fragen. Was machst du denn da?“
Nina senkte den Blick. Das bedrückte Schweigen der sonst so fröhlichen Prinzessin ließ Momos Herz schwer werden. Was beschäftigte sie nur so sehr?
„Garr hat gesagt, dass Ryu sich verwandelt, um mich zu beschützen...“, sagte sie leise.
Momo schob ihre Brille zurück. „Ach ja, der Kleine kann sich in einen Drachen verwandeln...“
Andere Leute waren darüber schockiert, doch Nina und Momo machten sich nichts daraus. Die Erfinderin vergaß es sogar hin und wieder, weil es sie so wenig kümmerte. Doch offensichtlich machte sich die Prinzessin Sorgen um Ryu. Bei der Vergangenheit der beiden konnte sie sich das auch gut vorstellen. Wäre sie enger mit Ryu befreundet, hätte sie sich mit Sicherheit auch Sorgen um ihn gemacht. Aber für Momo war er nur ein kleiner Junge, der in ihr Leben gestolpert war und dem sie ein wenig aushalf – zumindest für eine Weile.
Nina fuhr fort: „Und wenn er sich verwandelt, sind böse Leute, wie Balio und Sunder, hinter ihm her. Ich will nicht, dass er wegen mir in Schwierigkeiten gerät. Also muss ich stärker werden, damit er mich nicht mehr beschützen muss.“
Momo lächelte verstehend. „So ist das. Das ist... so süß.“
Normalerweise hatte sie nichts für solche Dinge übrig, aber bei den beiden Kindern erschien es ihr... einfach um einiges niedlicher und unschuldiger. Sie lachte leise, Nina dagegen wurde ein wenig rot. „Nein, gar nicht. Ich will nur nicht, dass ihm etwas passiert. Und ich will auch selbst nicht mehr so hilflos sein. In meinem Schloss war es egal, wie stark oder schwach ich war, aber hier bin ich nur eine Last, wenn ich zu schwach bin.“
Dagegen wusste Momo nichts zu sagen, außer: „Aber du bist eine gute Zauberin. Deine Magie ist für dein Alter bereits sehr ausgeprägt.“
Diese Magie hatte sie sogar einige Male aus der Bredouille gerettet. Noch nie zuvor hatte Momo von einem Mädchen gehört, das so talentiert darin war.
Nina lächelte. „Danke, aber ich will mich nicht nur darauf verlassen.“
„Das kann ich verstehen. Aber für heute solltest du erst einmal wieder schlafen gehen. Es nützt niemandem etwas, wenn du vor Erschöpfung umfällst.“
Im ersten Moment wollte Nina widersprechen, aber dann nickte sie. „Du hast recht. Lass uns zurückgehen.“
Gemeinsam gingen die beiden in Richtung des Zeltlagers zurück, um wieder zu schlafen.

Am nächsten Morgen saßen Nina und Ryu aneinandergelehnt an Peco und aßen ihre Brote. Garr und Momo verzichteten auf das Frühstück, beide wollten so schnell wie möglich nach Rhapala, um weiter in den Osten zu kommen – und Maschinen zu sehen. Außerdem stand der Erfinderin der Sinn mehr nach frischem Fisch und den würden sie auch erst in Rhapala bekommen. Ryu war zwar ein guter Angler, aber der Rest der Gruppe dafür schlechte Köche und noch einmal wollte sie nicht einen halbrohen Fisch auf ihrem Teller finden.
Peco dagegen schien nie irgend etwas zu essen – ob das für eine mutierte Pflanze normal war?
Ryu und Nina lächelten sich gegenseitig an, während sie ihre Brote aßen. Die beiden Kinder schienen völlig in ihre eigene Welt voller Abenteuer und Wunder versunken zu sein.
Momo schmunzelte. Wenn die beiden schon älter wären, wären sie bestimmt ein hübsches Paar. Na ja, mal sehen, was in ein paar Jahren sein wird.
Sie grinste über sich selbst, als sie sich diesem Gedanken bewusst wurde.
Garr schnaubte. „Seid ihr dann bald fertig?“
„Gleich!“, riefen die Kinder einstimmig.
Sie stopften sich die Reste des Essens in den Mund und standen auf. „Gehen wir!“
Garr und Momo erhoben sich ebenfalls und auch Peco schien endlich aktiv zu werden.
Nina nahm wie selbstverständlich Ryus Hand und lief mit ihm voraus. Sie lächelte zuversichtlich.
Ich werde stärker werden, ganz sicher und dann werde ICH Ryu beschützen!
 
 
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