Ein Zusammenstoß der anderen Art

KurzgeschichteAllgemein / P12
Kai Norge
21.08.2013
05.09.2013
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Mal wieder etwas neues und etwas anderes von mir. Es geht mal um unseren lieben Kai Norge. Ich weiß nicht wie lang die Story wird, aber länger als 3 Kapitel wird es nicht werden.
Viel Spaß beim lesen.
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Ein Zusammenstoß der anderen Art

Kai Norge, Sanitäter und Smutje, auf dem Küstenwachschiff Albatros 2, schwang sich auf sein Fahrrad. Endlich hatte er Feierabend. Der heutige Tag war sehr anstrengend, denn der Sommer hatte Neustadt fest im Griff. Die Temperaturen waren, am Tage, Jenseits der 35 Grad und auch jetzt am Abend war es noch sehr warm. Er setzte sich seinen Schutzhelm auf und in kurzen Shorts und Shirt radelte er los.
Viele Familien und Hobbysegler waren heute mit ihren Booten unterwegs gewesen. Viel gab es zu tun. Motoren die den Geist aufgegeben hatten, mit Luftmatratzen abgetriebene Leute, aber das beste war, dass es keinen Mord, keine Leiche oder andere unvorhergesehene, kriminalistische Situationen gab.
Wie sehr beneidete er in diesem Moment Kapitän Thure Sander und WO Saskia Berg. Die zwei waren im Urlaub. Entspannen von dem harten Alltag als Polizeibeamter, der Küstenwache. Wie gerne würde auch er nun, mit nem kühlen Bier, auf der Sonnenliege liegen und einfach nur relaxen.
Ganz in Gedanken vertieft fuhr er den Weg nach Hause. Weit hatte er nicht zu fahren. Seine Wohnung lag nur 30 Fahrminuten vom Geländer der Bundespolizei entfernt. Das plötzlich herannahende Auto nahm er nicht war.

Ein Schlag, gegen den Hinterreifen seines Rades, riss ihn schlagartig aus seinen Gedanken. Es ging alles ganz schnell, Zeit zum reagieren blieb ihm nicht. Das Auto war nicht schnell, doch der Zusammenstoß war so heftig, dass Kai im hohen Bogen von seinem Rad flog. Er landete recht unsanft auf dem Grünstreifen, neben der Straße. Sein Rad blieb unter dem schwarzen BMW liegen.
Erst jetzt realisierte der Sani-Smutje was gerade passiert war. Welch ein Verkehrsrowdy war das? Einen Polizisten anfahren, der kann was erleben.
Während er sich aufrichtete warf er ein Blick auf dem Wagen unter dem sein, nun total zerbeultes, Rad lag. Kai stockte. Er kannte den Wagen und der Blick auf das Nummernschild bestätigte seine Ahnung. Es war der schwarze BMW von Kapitän Thure Sander. Aber wie war das möglich? Er war doch seit einer Woche auf Teneriffa. Wurde der Wagen etwa gestohlen?

Die Wagentür öffnete sich und das erste was Kai erblickte, waren schwarze Stöckelschuhe. Zum Vorschein kam eine Frau. Kai schätzte sie auf Anfang 30. Sie hatte braune, lockige Haare die ihr weit über die Schultern fielen. Ein sehr kurzes, enganliegendes Kleid betonte ihre, wie Kai fand, sehr gute Figur.
Aufgeregt kam sie auf ihn zugelaufen. "Oh Gott, ich hab Sie nicht gesehen. Das tut mir so furchtbar Leid. Haben Sie sich verletzt? Kann ich was für Sie tun? Sie irgendwo hinbringen? Ins Krankenhaus vielleicht?" Kai kam gar nicht zu Wort, denn als die Frau seinen Schutzhelm sah, drehte sie sich zum Wagen um und sah Kai sein Rad unter diesem liegen. Sie schlug die Hände vors Gesicht und begann zu fluchen: "Oh scheiße, oh scheiße. Wo hatte ich nur meinen Kopf. Ihr Rad ist hinüber und das Auto, shit, das Auto, die Delle und die Schrammen. Ich bin geliefert, ich bin sowas von geliefert. Was mach ich denn nun?"
Kai blickte sie die ganze Zeit über an. Auch wenn sie es war, die ihn soeben unsanft vom Rad geschossen hat, gefiel sie ihm auf Anhieb. Sie hatte etwas an sich.
Schnell verwarf er das aufkommende Interesse, straffte sich und sprach die aufgewühlte Frau an: "Ist alles gar nicht so schlimm wie es aussieht. Mir ist ja nichts passiert und das Rad, ja, naja Hauptsache ist ja das es keinen Personenschaden gab. Geht's Ihnen denn auch gut? Ich bin übrigens der Kai." Er reichte ihr die Hand, welche sie dankbar, aber leicht zitternd ergriff. "Kjella" war ihre kurze Antwort.
Das Interesse des Polizisten richtete sich nun wieder auf den, ihm so bekannten, schwarzen Wagen. Doch wieder einmal kam er nicht zum reden. "Sind Sie sich sicher, dass es Ihnen gut geht? Wir sollten sonst lieber die Polizei rufen, oder nein besser doch nicht. Sagen Sie, könnten wir das so klären? Wissen Sie, der Wagen gehört mir nicht und..." sie stockte und wirkte recht verzweifelt.
Kai fühlte sich in seinem Verdacht bestätigt, es war nicht ihr Wagen, es war definitiv der Wagen seines Chefs.
"Keine Sorge, wir benötigen die Polizei nicht, denn die ist bereits hier. Ich arbeite bei der Küstenwache und..." weiter kam er nicht, denn  der Gesichtsausdruck der Frau wechselte nun in pures Entsetzen. "Küstenwache? Oh Shit. Na Super, erst fahre ich jemanden über den Haufen, was schon schlimm genug ist und dann auch noch einen Beamten der Küstenwache. Bitte, können wir das klären ohne das es irgendwer mitbekommt? Ich bitte Sie. Ich komme selbstverständlich für den entstandenen Schaden auf."
Kai war verwirrt, was war denn nun los? Was hatte sie zu verheimlichen? Er musste der Sache auf den Grund gehen, wozu war er denn schließlich Polizist.

"Ich bin ja nicht im Dienst. Aber warum sind Sie so nervös? Mein Rad ist zwar nicht mehr zu reparieren, aber es war auch nicht mehr das neueste. Der Schaden an Ihrem Wagen ist ja auch nicht so schlimm." Das "Ihrem" betonte Kai besonders.
Hektisch wühlte Kjella in ihrer Handtasche, suchte etwas. Sie drückte Kai plötzlich eine Karte in die Hand und 200 Euro. "Da sollte für ein neues Rad reichen. Es tut mir echt Leid. Wenn es Ihnen doch noch schlechter geht, auf der Karte steht meine Nummer. Bitte behalten Sie diesen Unfall für sich." Mit diesen Worten ging die Frau, mit schnellen Schritten, zurück zum Auto. Doch bevor sie einsteigen und wegfahren konnte, stand Kai schon neben ihr. Wollte sie nun tatsächlich einfach so abhauen? Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht. Entweder jetzt, oder gar nicht. "Es fällt mir schwer das ganze für mich zu behalten, wenn ich mit dem Wagen meines Chefs über den Haufen gefahren werde, es nicht mein Chef ist der den Wagen fährt und Sie sich nun so komisch verhalten."
"Das geht Sie nichts an!" sie schlug die Wagentür zu, fuhr Rückwärts von Kai seinem Rad und brauste davon.
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