KüWa Oneshots/Songfiction von Bobbelchen

SongficFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
21.08.2013
27.12.2015
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Liebe schafft Zukunft

Benjamin Asmus, von allen nur Ben genannt, war gerade in der Umkleide der Einsatzzentrale, der Bundespolizei See, damit beschäftigt sich seiner Einsatzuniform zu entledigen. Der Tag war anstrengend gewesen. Die Sonne schien bis in die späten Abendstunden und es war fast unerträglich warm.
Ein Blick auf seine Armbanduhr verriet ihm, das es bereits 20:15 Uhr war, er seufzte.
Erst wenn die Kollegen nicht da waren, merkte man wie sie fehlten, Saskia Berg war bereits seit einer Woche krank zu Hause und Kai Norge war im Urlaub.
Ben musste schmunzeln, er vermisste tatsächlich den furchtbaren Kaffee seines Sani-Smutje Kollegen.
Kapitän Ehlers war, am heutigen Tage, auf einem Lehrgang, so übernahm Kapitän Thure Sander das Kommando auf der Albatros 2.
Morgen würde Holger Ehlers wieder zurück sein.
Noch ganz in Gedanken warf er sich den Träger seiner Laptoptasche über die Schulter, als sich die Tür der Umkleidekabine öffnete und Kapitän Sander eintrat.
Er setzte sich auf eine der Bänke und fuhr sich mit der Hand einmal durch das braune Haar. Auch er war erschöpft.
"Alles in Ordnung, Kapitän?"
"Asmus, darf ich Sie um einen Gefallen bitten?" Ben setzte sich neben Thure Sander auf die Holzbank. "Klar, worum geht's? Soll ich mich irgendwo reinhacken? Oder..." "Nein, es geht um Saskia," fiel er dem Kommunikationstechniker ins Wort, "Ich weiß, dass Sie seit der Entführung vor zwei Jahren wo Sie beide fast in den, mit Wasser gefüllten Fässern, ertrunken wären, Saskia sehr nah stehen. Seit einer Woche ist sie nun schon zu Hause und seit einer Woche geht sie mir aus dem Weg. Ich komme nicht an sie ran." Er stützte seine Kopf in seine Hände. Ben merkte, dass es seinem Gegenüber sehr belastete. "Und nun soll ich mit ihr reden?" "Ich wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie es zumindest versuchen würden. Ich komme nicht mehr weiter. Vielleicht geht es auch um mich und sie geht mir deshalb aus dem Weg. Asmus...ich mache mir Sorgen." Ben sagte seine Hilfe zu und versprach noch an diesem Abend, auf seiner Heimfahrt, bei Saskia Berg vorbei zu schauen. Er und auch die anderen Kollegen, der Albatros 2, wussten um die Beziehung zwischen dem Ersatz-Kapitän und der Wachoffizierin.

Erst nach dem dritten mal klingeln sah er, durch die große Fensterscheibe, seine langjährige Kollegin zur Haustür kommen. Langsam öffnete sich diese und Ben blickte, leicht entsetzt, auf die Person die dort im Türrahmen stand. Er konnte sich nicht daran erinnern, nicht einmal als sie damals fast gestorben wären, dass Saskia so schlecht, krank und müde aussah. Sie war ungeschminkt, ihre Haare durcheinander und sie trug ein weites Shirt und eine weite Stoffhose. Braune glanzlose Augen, aus denen in letzter Zeit sichtlich viele Tränen geflossen waren, blickten ihn an.
"Ben," es war nur ein flüstern.
"Darf, darf ich rein kommen?" Saskia ging, mit einem leichten nicken, ein wenig zur Seite und Ben trat ein.
Hinter ihm schloss sie die Haustür wieder.
Wortlos lief sie durch die Küche auf die Treppe zu, welche ins Wohnzimmer im ersten Stock führte. Sie hatte die erste Stufen bereits hinter sich gelassen, als sie plötzlich stehen blieb und sich am Geländer festhielt. Ihr war schwindelig.
Ben der ihr gefolgt war, half ihr nach oben und brachte sie zu ihrer großen, weißen Ledercouch. Er setzte sich neben sie.
"Saskia...was ist los mit dir? Was..."
"Thure hat dich geschickt oder?" unterbrach sie ihn, ihre Stimme klang monoton und sie schaute beim sprechen starr aus dem Fenster.
"Nein, ja, also...auch. Er macht sich Sorgen, wie wir alle. Sonst hast du dich wenigstens mal gemeldet, als du krank warst. Wir wussten was du hattest, wann du wieder kommen würdest. Nun vergräbst du dich hier seit einer Woche und auch Kapitän Sander, dein Lebensgefährte, weiß nichts, du lässt ihn ja nicht einmal mehr in deine Nähe" Ben hatte damit gerechnet, dass er nun Konter bekommen würde, aber nichts. Seine Kollegin blickte weiter aus dem Fenster, auf die Ostsee.
Ben sein Blick fiel auf den Tisch vor ihm, es war wohl Ermittlerkrankheit sich immer umsehen zu müssen. Doch das was er dort liegen sah, ließ ihn überrascht auf seine Kollegin und Freundin blicken und dann wieder zurück zu dem länglichem weißen Gegenstand.
Zwei Striche, positiv.
Wieder fiel sein Blick auf Saskia, sah das ihr Stille Tränen über das Gesicht liefen. Er wusste nicht recht was er sagen sollte, denn glücklich über diese frohe Botschaft schien seine Kollegin nicht zu sein. Sie starrte weiter gebannt nach draußen.
Ben handelte aus einem Impuls heraus, er zog Saskia in seine Arme, hielt sie fest. Sie legte ihren Kopf auf seine Brust.
Die passenden Worte mochten ihm einfach nicht einfallen. Doch sagen musste er auch nichts, der Trost, den eine Umarmung spendete, war in diesem Moment viel mehr Wert. Er spürte wie sein Hemd, durch ihre Tränen, nass wurde.
Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit, in der sie einfach nur da saßen und er sie festhielt.
"Ben, ich habe Angst...," durchbrach Saskias Stimme die Stille, "wie kann ich eine gute Mutter sein, wenn ich mich selbst nicht einmal richtig daran erinnere...wie es ist eine Mutter zu haben? Ich war 10 Jahre alt, als meine Eltern bei einem Autounfall starben. Außerdem, Thure und ich sind beide Polizeibeamte, unser Job ist nicht ungefährlich. Was ist, wenn einem von uns etwas passiert? Ich will nicht, das mein Kind genauso leiden muss wie ich es getan habe, wie ich es zeitweise heute noch tue. Diese Wunden verheilen nie..." Wieder begann sie zu schluchzen und Tränen bahnten sich den Weg über ihre Wangen.
Das war es also.
Ben war überrascht. Er kannte Polizeioberkommisarin Saskia Berg bis jetzt nur als die selbstbewusste, zielstrebige und manchmal etwas spitzzüngige Kollegin. Doch jetzt war sie nichts davon. Ben sah zum ersten mal die zerbrechliche und emotionale Seite der Wachoffizierin.
Er versuchte ihre Sorgen und Ängste zu verstehen, doch für jemanden der wohl behütet im Kreise seiner Eltern und Geschwister aufgewachsen war, war es schwer nachzuvollziehen.
"Saskia, ich verstehe deine Bedenken, aber...du und Thure, ihr habt schon so viel zusammen durchgemacht und gemeistert. Ihr schafft das, zusammen. Ein Kind ist doch etwas schönes, freu dich. Ich weiß, die Angst kann ich dir nicht nehmen, das schafft allein das Vertrauen. Vertraue auf dich, auf Thure, das eurem Kind ein anderes Schicksal bestimmt ist, als dir."
"Danke..." es war mehr ein flüstern, doch Ben verstand.
Wieder schwiegen beide und Ben vernahm nach kurzer Zeit ein gleichmäßiges Atmen, Saskia war in seinem Arm eingeschlafen.
Nun stand, oder besser saß er vor einem neuen Problem. Wie sollte er jetzt aufstehe, ohne sie gleich wieder aufzuwecken? Und vor allem, was würde Kapitän Sander denken, wenn er sie in dieser Position vorfinden würde?
Lange brauchte Ben sich darum keine Gedanken machen, denn bereits 10 Minuten später hörte er wie jemand die Haustür öffnete, diese wieder schloss und kurz danach Schritte auf der Treppe.
Ein wenig verlegen blickte Ben in Thures Gesicht. Dieser lächelte, kam auf ihn zu und half ihm unter, der friedlich schlafenden Saskia, heraus.
Er legte ihren Kopf auf eines der großen Sofakissen und deckte sie mit einer Wolldecke zu. Mit einer Kopfbewegung gab er dem Kommunikationstechniker ein Zeichen, mit zu kommen. Ben griff nach etwas und beide gingen leise die Treppe runter, in die Küche.
Noch bevor Thure Sander die Möglichkeit hatte etwas zu sagen, sprudelte es schon aus seinem jungen Kollegen heraus: "Kapitän, ich...erst einmal, sie hatte geweint und ich wollte sie trösten, dann ist sie in meinem Arm eingeschlafen und ich wollte sie nicht wecken..." Thure Sander legte seinem jüngeren Kollegen eine Hand auf die Schulter, lächelte und sagte nur zwei Worte, die den nervösen IT-Fachmann sofort beruhigten: "Schon ok"
Erleichtert hob Ben die Hand in der er den länglichen, weißen Gegenstand, mit der blauen Schutzkappe auf der einen Seite, hielt. "Kapitän, ich weiß...ich bin nicht die Person die Ihnen das jetzt sagen sollte, aber Saskia...ist sehr durcheinander und verzweifelt...und sie...ich weiß nicht recht wie ich es erklären soll..."
"Asmus, kommen Sie zur Sache" Thure Sander war leicht gereizt, da wusste sein gegenüber was mit der Frau die er liebte los war, und rückte dann nicht so recht mit der Sprache heraus.
"Herzlichen Glückwunsch, Sie werden Vater!" Ben hielt seinem, nun erschrocken drein blickenden Kapitän den positiven Schwangeschaftstest vor die Augen.
Zwei Striche, positiv.
Von dieser Nachricht vollkommen erfreut und überfordert zugleich musste er sich erst einmal auf einen der Küchenstühle setzen.
Schwanger, Saskia war schwanger. Sie würden ein Kind zusammen bekommen, eine Familie sein.
Nun war es wieder an Ben weiter Aufklärungsarbeit zu leisten. Er berichtete von Saskias Bedenken, ihren Ängsten. Nun verstand Kapitän Thure Sander das Verhalten seiner Freundin, in der letzten Woche und er wusste, er konnte ihr ihre Sorgen nur nehmen, wenn er mit ihr darüber sprach.
Ben verabschiedete sich, denn seine Arbeit war getan, nun war es an den beiden, mit der neue Situation um zu gehen.

Thure saß noch ein wenig auf dem Stuhl, bis er sich schließlich erhob und die Treppe zum Wohnzimmer hinauf ging. Saskia lag noch immer schlafend auf dem Sofa. Er setzte sich neben seine Lebenspartnerin, gab ihr einen Kuss auf die Wange und flüsterte:
"Unsere Liebe hat uns eine neue Zukunft geschaffen."


Ende
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