Geschichte: Fanfiction / Bücher / Zamonien / Dullsgard

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Dullsgard

von No Cookie
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
18.08.2013
18.08.2013
20
24.020
 
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18.08.2013 1.314
 
Gut gelaunt wanderte ich durch die gewundenen Gänge der Bücherburg und summte ein fröhliches Liedchen vor mich hin. Die Sonne schien warm durch die hohen Fenster und ihre Strahlen malten lustige Muster auf den steinernen Boden. Wie die gesamte Burg bestand auch dieser aus versteinerten Büchern, oder besser aus deren einst ledergebundenen Deckel, säuberlich zusammengefügt wie feinstes Mosaik.
Ich war auf dem Weg zu Hans von Käses, seines Zeichen Burgherr, Räumlichkeiten um ihm das Buch zurück zugeben, welches er mir freundlicherweise ausgeliehen hatte. Es handelte sich um eine ledergebundene Prachtausgabe der „Erklärungesbedürftigen Wunder“ von Professor Abdul Nachtigaller. Trotz des beträchtlichen Gewichts dieses Schmökers und der schier unüberschaubaren Anzahl von Seiten hatte ich es seit Tagen kaum aus der Hand legen können. So viel wissenswertes stand darin zu lesen.
Urplötzlich wurde eine der vielen Türen  die meinen Weg säumen, aufgerissen und eine groß gewachsene, in einen schwarzen Umhang gehüllte Gestalt trat zu mir hinaus auf den Flur. Der große Hut war tief in die Stirn gezogen worden und das Glöckchen daran klimperte aufgeregt.
„Da bist du ja endlich“ blaffte diese zornig als sie meiner ansichtig wurde „Was fällt dir ein so herum zu trödeln? Wenn ich dich rufe hast du dich zu sputen“
Ich blinzelte meinen Gegenüber verwirrt an und warf unwillkürlich einen Blick zurück über die Schulter. Doch dort entdeckte ich nichts und niemanden als den langen, gähnenden Gang. Ich runzelte die Stirn und kratzte mich am Kopf. Meinte er mich?
Offensichtlich war dem so, denn im gleichen Moment packte mich eine gewaltige Pranke mit festem Griff am Kragen und riss mich  mit ordentlich Schwung beinahe von den Füßen.
Der Burgschrecksimist, zerrte mich, aufgebracht keifend, hinter sich her in sein Labor, wo bedrohliche Schwaden wie Quallen in der Finsternis schwammen.
„Hör auf Löcher in die Luft zu starren, Migel. Du bist hier als mein Assistent angestellt, also assistiere gefälligst“ befahl er mir harsch und verschwand in dem trüben Zwielicht hinter einem der breiten Regale, die hier jeden freien Zentimeter Raum für sich zu beanspruchen schienen. Mich lies er stehen wo ich war, wie ein gescholtenes Kind.
Migel? Ich dachte angestrengt nach, den Namen kannte ich doch. War das nicht der Bruder des Zeremonienmeisters? Ebenfalls ein Hempel. Ich war ihm sogar schon einmal begegnet, damals bei dem Detektivwettbewerb. Leider hatte er damals kein Wort mit mir gewechselt sondern mich immer nur so merkwürdig angestarrt. Da ging mir ein Licht auf und Erleichterung überkam mich. Ich war schlicht das Opfer einer unglücklichen Verwechslung geworden.
„Aber ich...“ setzte ich an um den Schrecksimisten über seinen Irrtum aufzuklären, doch ich kam nicht weit.
„Kein Aber“ keifte dieser zwischen zwei Regalbrettern hervor und schnitt mir damit nachhaltig das Wort ab. „Du hast doch wohl verstanden was der Burgherr gesagt hat. Entweder machst du dich hier nützlich so wie jeder andere auch, oder du und dein faules Hinterteil werdet postwendend an die Luft gesetzt“
Ich biss mir auf die Unterlippe und zog den Kopf ein wenig tiefer zwischen die Schultern. Du meine Güte Lukukian hatte heute aber denkbar schlechte Laune und ein falsches Wort von mir würde ausreichen dem hier beheimateten Anverwandten in größte Schwierigkeiten zu bringen.
Etwas klirrte und riss mich aus meinen kreisenden Gedanken. Der Schreckser war wieder zu mir herangekommen und steckte mir Auffordernd etwas entgegen. Es waren drei Bauchige Einmachgläser aus feinstes Kristall.
Ich schöpfte tief Atem und hub zum sprechen an. Doch als mir seine  Mine gewahr wurde erstarben mir die wohlgewählten Worte erbärmlich auf meinen Lippen, und ich würgte den Protest mit klopfendem Herzen hinunter. Wenn Blicke töten konnten.
Mit zitternden Finger nahm ich die Behältnisse aus reiner Hilflosigkeit entgegen, auch um einer neuerlichen Schimpftirade zu entgegen. Was sollte ich nur machen?
„Die leidener Männlein sind mir ausgegangen und ich muss frische Erschaffen. Dafür brauche ich allerdings Dullsgarder Friedhofserde. Der Händler wartet wie immer an der großen Eiche“ trug der Schreckser mir mit geschäftiger Stimme und unter ungeduldigem Fußgetrappel auf. Dann traf mich ein gestrenger Blick von der Sorte die Lehrmeister ganz gerne an ihre dumme Schülerschaft verteile.
„Und lass dich diesmal nicht wieder über den Tisch ziehen“
Mein Herz klopfte laut und auch wenn ich mich noch so darum bemühte wagte ich es kein weiteres Mal die Stimme zu heben. Troztdem bewegte ich mich kein Stück, sondern starrte den Schreckser weiterhin verzweifelt an.
Da riss diesem der Geduldsfaden endgültig.
„Jetzt!“ brüllte er mich an und versetzte mir einen harschen Stoß unter dem ich heftig ins taumeln geriet.
Rücklings stolperte ich zur Tür hinaus, nur um dort schmerzhaft mit meinen vier Buchstaben voran, dem Boden anvertraut zu werden. Der Wissenschaftler warf die Tür schwungvoll ins Schloss, so dich vor meinem Gesicht, sie hätte mir sicher die Nase eingeklemmt, würde ich als Hempel über eine solche verfügen.
Ich rieb mir brummend das schmerzende Hinterteil und schob meine Hempelkappe wieder an ihren Platz zurück die mir aufgrund der rüden Behandlung über das Auge gerutscht war. So ein Rüpel, sprang der etwa mit allen Besuchern der Bücherburg so um? Da sollte er sich noch mal wundern wenn ihn keiner besuchen kommen wollte. Allerdings, ich zog eine verächtliche Grimasse, wollte ich lieber nicht wissen was er mit denen anstellte die ungefragt in sein Labor eindrangen.
Seufzend rappelte ich mich auf und machte mich daran die zerfleddernden Seiten des Lexikons, die über den gesamten Gang verstreut lagen, wieder aufzulesen. Mein Fuß stieß gegen etwas hartes und lies es sanft klingend über den Stein rollen. Ich hob es auf. Es war eins der Einmachgläser  Die übrigen lagen noch genau dort wo sie mir bei meinem Sturz entglitten waren und glänzten matt in der Sonne.  Ich klemmte mir die traurigen Überreste des einst herrlichen Nachlagewerkes unter den Arm und raffte die Behältnisse zusammen. Was nun?
Solle ich die ganze Sache einfach ignorieren und zu einem Kaffee, begleitet von einem netten Plausch in die Nachtschule zurückkehren? Beim Burgherrn vorsprechen und in bittere Klage über seinen Schrecksimisten ausbrechen? Oder wäre es nicht am einfachsten den richtigen Migel ausfindig zu machen um ihm den Auftrag seines Brotherren zu übergeben? Ich schnaubte verächtlicht und winkte dieser Idee selbst ab. Das hatte doch wirklich keinen Sinn. Woher sollte ich denn wissen wo sich der Bursche gerade herumtrieb. Zudem hatte ich das ungute Gefühl das es dem Hempel ziemlich egal war was Lukukian ihm so alles zu sagen hatte. Seufzend verdrehte ich das Auge gen Himmel, lies die Gläser aber doch in meinen tiefen Hosentaschen verschwinden. Zur Untenwelt  mit meiner Gutmütigkeit, aber dann würde ich ihm das Zeug eben selbst besorgen.
Es schien es ja wirklich dringen zu brauchen und war bei seinen Besuchen in der Nachtschule doch stets nett zu mir gewesen, wenn man von dem heutigen Vorfall einmal absah. Den Gefallen konnte ich ihm ruhig tun. Der Tag war noch jung und die Sonne schien warm, da gab es an einen Ausflug in den großen Wald im Grunde nichts auszusetzen.
Das geschundene Lexikon hingegen stopfte ich ziemlich lieblos so tief es mir möglich war in eine enge Mauernische und hoffte hier würde es niemand finden. Ich würde bei Zeiten Ersatz beschaffen müssen bevor ich es dem Burgherrn zurückgab.
Dann tappte ich den Weg zurück den ich hierher gekommen war.
Vorsichtig schob ich den dichten Eufeuvorhang, der den Zugang der Nachtschule sicher vorborgen hielt, zu Seite und schlüpfte rasch durch die Blätter. Die kleine Lichtung die nun vor mir lag war hell von der Sonne beschienen  und wurde von einem murmelnden Wasserlauf durchschnitten. Ich sog die würzige Sommerluft ein und lauschte dem Gesang der Vögel. Ein wehmütiges Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, als mich die liebevolle Erinnerung an eine gewisse Tratschwelle überkam. Es war jetzt schon so lange her, dass ich genau an dieser Stelle Abschied von Quassella hatte nehmen müssen. Wie es ihr wohl ging? In welchem Teil der Welt mochte sie sich in diesen Augenblicken herumtreiben? Und wusste sie überhaut noch wer ich war?
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