Der Hüter des Mondauges

GeschichteAbenteuer, Thriller / P12
17.08.2013
06.02.2015
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17.08.2013 887
 
Der Wachmann sah sich gelangweilt um. Er machte diesen Job nun schon seit fast 10 Jahren, ohne dass je irgendwas in seiner Schicht passiert war. Klar, vor einiger Zeit waren zwei seiner Kollegen spurlos verschwunden, doch es wurde geflüstert, dass sie einfach aus Langeweile abgehauen waren.    
  Für ihn jedenfalls gab es noch Hoffnung: es war der erste November und der Direktor hatte ihm versprochen ihn zu befördern, sobald dies alles erledigt war. Also gab er sich heute Nacht besonders viel Mühe. Er wusste nicht was genau er bewachte, nur dass es sehr wertvoll sein musste, wenn der Museumsleiter, Bertram Cromwell, gleich drei zusätzliche Wachmänner abstellte, um darauf aufzupassen. Der Wachmann, der im Übrigen Lukas West hieß, blickte auf seine Armbanduhr: viertel vor drei. Ein guter Zeitpunkt um sich zu Räkeln. Nachdem er sich ausgiebig gestreckt und gegähnt hatte sah er wieder auf die Zeiger seiner Uhr: zehn vor drei.
  West starrte eine Weile geradeaus, als er ein Geräusch hinter sich hörte, das verdächtig nach leisem Atmen klang. Er drehte sich um, wollte sehen wer da war und sah sich selbst, gespiegelt in den Gläsern einer dunklen Sonnenbrille. Noch bevor er irgendwie reagieren konnte legte sich eine behandschuhte Hand über seinen Mund und erstickte jeden möglichen Schrei. West dachte gar nicht daran zu schreien, im Gegenteil, die Worte  ‘Ach du heilige Scheiße, was geht denn jetzt ab?!’ beanspruchten sämtlichen Platz in seinem Gehirn. „Ruhe sanft!“ zischte die dunkle Gestalt, die zu der Hand gehörte, mit rauer Stimme, bevor sie das das Messer sanft an Wests Kehle ansetzte...
  Den zweiten Wachmann, der im Treppenhaus postiert war, tötete der Fremde wie den ersten, indem er leise von hinten an ihn heran trat und ihm die Kehle durchschnitt. Der Dritte starb direkt vor der Tür des Raumes, in dem die ägyptische Ausstellung stand, mit einem Messer im Rücken. Sauber, leise und schnell, er war ein Profi…
  Das Sicherheitsschloss, das die Tür zum ägyptischen Raum in Santa Mondegas Museum für Kunst und Geschichte verschloss, hielt die ganz in Schwarz gekleidete Gestalt nur für wenige Sekunden auf. Der Mann hinter der Sonnenbrille erlaubte sich ein zufriedenes Lächeln, als das Schloss zu Bruch ging. Nicht umsonst war er im ganzen Land als einer der besten Safeknacker und Söldner bekannt. Egal worum es ging, Diebstahl, Mord, Entführung, für das richtige Entgelt tat er alles. Er wollte nicht für unehrenhaft gehalten werden, aber er war halt flexibel. Diesmal war er beauftragt worden eine kleine Figur aus dem gutbewachten Raum der ägyptischen Ausstellung “Das Grab des Pharao“ im Museum dieses Kaffs zu holen, und sie zu seinem Auftraggeber in ein Hotel an einem verlassenen Highway irgendwo in der Wüste zu bringen. Dort würden vier Männer auf ihn warten und ihn bezahlen.    
  Doch nicht mehr heute, der Weg von hier bis zu diesem verfluchten Hotel dauerte auch bei Höchstgeschwindigkeit mehrere Stunden. Er musste seine Beute [eh]sowieso erst morgen Abend abliefern, also würde er sich ein Zimmer in irgendeinem billigen Hotel nehmen und bis dahin warten. Dann würde er von irgendwo her ein Auto klauen und damit zu dem Hotel fahren, um die Belohnung zu Kassieren.
  Der Fremde öffnete leise die Tür und trat in den Raum. Bewundernd schaute er sich  um. Die Wände waren mit Bildern von ägyptischen Göttern und Tierfiguren bemalt  und überall standen Statuen und Sarkophage herum, was hier lagerte musste Millionen Dollar wert sein. Und alles nur geschützt von drei unfähigen Wachmännern und einer albernen Metalltür? Was war der Museumsdirektor doch für ein leichtsinniger Mann.
  Die kleine Figur, die er aus einer Vitrine genommen hatte sah im Gegensatz dazu nicht wirklich spektakulär aus. Es war eine typische ägyptische Darstellung eines Gottes : Etwa zwanzig Zentimeter hoch. Ein menschlicher Körper, ein Vogelkopf und eine runde Scheibe auf der Stirn, wie eine Krone. Sie war weder bemalt noch sonst irgendwie geschmückt oder verziert. Prüfend blickte der Einbrecher noch einmal auf das kleine Pappschild neben dem die Figur gestanden hatte, doch es war das richtige. Auf dem Schild standen genau die Worte die sein Arbeitgeber ihm bei ihrem Treffen genannt hatte:



Thot - Herr des Mondes,
ägyptischer Mondgott, auch Thoth,
Tehut, Tahuti oder Djehuti
Thot wird meistens mit einem Ibiskopf dargestellt und trägt eine Mondscheibe als Krone auf der Stirn. Er gilt auch als Herr der Zeit, Rechner der Jahre und
Wächter des Mondauges.



  Was sollte an dieser Figur so wertvoll sein, dass dieser Mr.E ihm eine so große Geldsumme zahlen wollte? Augenscheinlich nichts, doch es musste einen Grund geben. Entweder hatte diese Figur einen ungeahnten Wert oder sein Arbeitgeber wollte ihn verarschen und ihm gar nicht die Summe Zahlen, die er ihm versprochen hatte - wenn er ihm überhaupt etwas zahlen wollte. Wie auch immer, er würde verdammt vorsichtig sein müssen. Doch wenn er in diesem Dreckskaff den Mörder seines Cousins finden wollte würde er das Geld gut gebrauchen können.
  Er wickelte die kleine Figur in ein Tuch und steckte sie in die Manteltasche. Dann nahm er die Sonnenbrille ab und machte er sich auf den Weg nach draußen.
Oh, er war ja sooo gut!

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Ich hoffe der erste Teil hat euch gefallen (schreibt mir doch bitte eine kleine Review)
Ein Bild der Statue oder jedenfalls einer ähnlichen (eine bessere hab ich nicht gefunden) gibt es hier:
http://www.ebay.com/itm/Egyptian-Statue-THOTH-Hand-Carved-Made-in-Egypt-/321333760374
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