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Leben heißt...

GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Amerika Deutschland England Frankreich Italien Kanada
13.08.2013
30.06.2014
50
162.126
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13.08.2013 3.044
 
Arthur hatte Louise erreichen können und Alfred wurde mit einem weiteren Kuss verabschiedet.
Allerdings bekam am Abend einen Anruf von Allistor. Er und Eve hatten heute um 19:30 einen Termin im Krankenhaus. Allistor meinte, er wollte die beiden Mal von Grund auf untersuchen. Arthur war nicht krank. Und Eve auch nicht. Aber bevor Allistor einen Aufstand machte, kam Arthur nachhause, zog Eve etwas anderes an und Louise fuhr die beiden hoch. Das es ziemlich spät war für ein kleines Kind, schien Allistor vermutlich entfallen zu sein.
„Ach Arthur. Er macht sich doch einfach nur Sorgen.“
„Ja. Er macht sich Sorgen, dass ich noch nicht genug tyrannisiert werde.“
„Arthur!“
„Ist doch so.“
„Er macht sich wirklich Sorgen!“
Arthur rollte mit den Augen. Das kam ihm irgendwie nicht richtig vor. Allistor sollte sich um sein Wohlergehen sorgen?
„Tse.“
„Eve? Hast du Daddy schon erzählt, was wir heute alles gemacht haben?“
„Ähäh.  Hab ich nich'. Daddy… ich und  Lusi haben heute zusammen was gemalt.“
„So? Was denn?“
„Osca. Dann haben wir zusammen Prinzessin geguckt.“
„Welche Prinzessin war das denn?“, fragte Arthur.
„Puttel.“
Arthur musste lachen.
„Wir haben Aschenputtel geschaut.“
„Aha. Schönes Märchen.“
„Du kannst dich noch sehr gut an den Zauberspruch erinnern, Eve.“
„Ja! Bibbedi Babbedi Bu!“
„Sehr schön Eve. Sag mal Arthur…warum kommst du nicht mit Allistor aus?“
„Warum? Weil er jede Gelegenheit ausnutzt mir eins reinzuwürgen. Er liebt es mich zu schikanieren.“
„Das stimmt nicht. Er neckt dir doch nur.“
„Necken? Er will mir wehtun! Seelisch, moralisch und körperlicher Schaden! Das ist sein Ziel.“
„Dann würde er dich ja nicht untersuchen.“
„Er will mich sicher mit Arsen oder Blei vergiften.“
„Arthur…er ist doch dein Bruder.“
„Ich will sein Erbe nicht. Er muss mich nicht töten.“
„Dich tötet keiner. Schau, da vorne ist auch schon das Hospital.“
„Können wir umdrehen? Ich will ihn nicht sehen.“
„So schlimm ist das doch nicht. Du kannst ihm doch erzählen, wie die Abendschule ist.“
„Er wird mich umbringen. Er wird mich umbringen, wirklich! Ich hatte noch nicht eine Stunde Unterricht. Aber bitte sag ihm das nicht! Ich hab so viel zu tun!“
„Allistor versteht das sicher.“
„Nein! Es war nämlich Bedingung: Wenn ich Musik mache, muss ich auch einen Abschluss machen, sonst lässt er mich nicht.“
„Du schaffst das.“
„Ich? Ich werde ihm das nicht sagen. Ich warte noch meine 3½ Monate ab und dann mache ich was ich will.“
„Arthur…“
„Nein. Ich sag ihm das nicht.“
„Sei doch vernünftig. Im Sommer sagt er dann, dass er dein Zeugnis sehen will. Es wird mit der Zeit nicht weniger Arbeit.“
„Ich brauch doch gar keinen Abschluss. Ich mach doch schon eine Ausbildung…“
„Arthur…“
„Nein. Ich brauche Keinen.“
„Ich an deiner Stelle würde mit ihm reden.“
„Du an meiner Stelle würdest es nicht. Glaub mir. Mit Allistor kann man nicht reden.“
„Denke nicht so schlecht über ihn. Er kann auch ganz anders sein.“

Arthur wurde von Louise nach oben in die 3. Etage befehligt. Er trug Eve auf dem Arm. Sie hatte die Augen geschlossen und schien eingenickt zu sein.

„Oh, Arthur. Schön dass du kommen konntest.“
„Konnte? Du hast mich regelreicht gezwungen.“
„Ich hab das was festgestellt.“
„Und was?“
„Ich würde mir gerne mal dein Handgelenk ansehen.“
„Ähm. Hier.“
Arthur hielt ihm seine Hand hin.
„Ich müsste sie röntgen.“
„W-Warum? Röntgenstrahlung ist nicht grade gesund, das müsstest du doch wissen.“
„Wie du willst.“
„Um was geht es.“
„Mum war 1,79cm und Dad 1,80cm groß.“
„Und? Beide waren halt nicht klein.“
„Du bist ausgewachsen und kleiner als unsere Mutter.“
„Passiert schon mal. Nicht jede Erbanlage ist gleich.“
„Hoffentlich.“
„Warum?“
„Ich befürchte es könnte mit deiner Zeit auf der Straße zusammenhängen.“
„Was? Das ich nur 175cm groß bin? Stört mich doch nicht. Sind doch nur 4cm.“
„Ich würde das gerne ausschließen. Knochen, die in der Wachstumsphase nicht genügend Vitamin B und Calcium bekamen sind nicht so stabil, brechen leichter und es wird vermutet, dass sie sich eher abnutzen. Das gibt entzündete Gelenke und solche schöne Sachen.“
„Also willst du schauen, ob ich genug von allem in mir hab oder wie?“
„Ja. Hast du in den letzten Jahren vielleicht wenig an Fisch, Leberprodukten, Milchprodukten, Brokkoli, Spinat oder Grünkohl gegessen?“
„Ab und an mal Fisch. Fleisch eher weniger. Milch so gut wie gar nicht. Spinat auch nicht wirklich. Brokkoli….ähm… nicht das ich wüsste.“
„Du weißt, dass ein Mangel davon Verdauungsprobleme, Krämpfe, Kopfschmerzen, Hautrisse, Lichtempfindlichkeit, Durchfall, Appetitlosigkeit, Depressionen, taube Muskeln, Blutarmut, Müdigkeit, Reizbarkeit, Haarausfall, Unfruchtbarkeit, Immunschwäche und Störungen des Nervensystems zur Folge haben kann?“
„Äh … auch da muss ich passen.“
„Aber Unfruchtbarkeit schließe ich einfach mal bei dir aus“, gab Allistor zu und warf einen Blick an Arthur vorbei auf das Kind.

„Und was hat das jetzt mit meiner Größe zu tun?“
„Eine Kombination aus Calcium und Vitamin B Mangel können Grund dafür sein, dass dir ca. 10 cm fehlen. Immerhin ist mir auch zu Ohren gekommen, dass du nur Schuhgröße 39 hast. Das ist ungewöhnlich klein für Männer.“
„Ich kann doch noch wachsen. So zwei oder drei Zentimeter.“
„Denke nicht. Du bist vermutlich ausgewachsen. Ein halber cm. Mehr nicht.“
„Hast du mich eigentlich nur herbestellt, dass du mir sagen kannst, was an mir nicht stimmt?“
„Nein. Dafür brauchst du nicht herkommen.“
„Danke. Sehr nett von dir.“
„Ich würde dir gerne Blut abnehmen.“
„Wozu?“
„Damit ich den Grund feststellen kann.“
„Aber es kommt doch vor, dass manche Gene nicht funktionieren.“
„Trotzdem. Vielleicht steckt mehr dahinter.“
„Wenn es denn sein muss.“
„Ja.“
„Wozu sollte ich Eve mitbringen?“
„Kontrolluntersuchung. Lenk aber nicht vom Thema ab.“
„Darf ich nicht fragen, oder was?“
„Doch. Aber dir selbst ist nichts Seltsames aufgefallen?“
„Inwiefern?“
„Starke Gewichtsabnahme? Hast du viel zugenommen? Schmerzen? Krämpfe, Übelkeit?“
„Nein. Nichts davon. Ich hab 2 Kilo zugenommen. Aber nichts Drastisches.“
„Machst du Sport?“
„Nicht direkt Sport aber ich renne viel in der Wohnung hin und her.“
„Wie viel wiegst du?“
„So um die 60 Kilo.“
„Schau mal, dass du auf 65 kommst.“
„Wie befohlen.“
„Pass nur auf, dass du nicht wieder abnimmst.“
„Bekomme ich hin.“
„Und wie läuft es mit der Therapie?“
Arthur fühlte sich wie beim Kreuzverhör.
„Gut, denke ich. Aber ich will dass du mir sagst woran unsere Eltern gestorben sind. Und sag jetzt nicht es war ein Unfall. Das hilft mir nicht weiter.“
Allistor schien zu überlegen. Ernsthaft nicht einfach, wie er es formulierte, nein, er schien zu überlegen ob er es machen sollte.
„Du willst es mir immer noch nicht sagen. Ich komme damit schon klar.“
„Es ist nicht einfach. Es hat mehr Folgen, als du glaubst.“
„Warum?“
„Es ist der Grund warum unser Elternhaus nie entrümpelt wurde.“
„Hä?“
„Ich nehme dir erstmal Blut ab.“
„Warte! Warum wurde es nicht entrümpelt?“
„Weil man sich nicht lange darin aufhalten soll. Vor allem nicht ohne Mundschutz.“
Arthur wurde blass.
„Ist es verstrahlt?“
„Nein. Darin sind Sporen. Nicht nur Schimmel und Staub.“
Arthur antwortete nicht.
„Stimmt was nicht?“
„I-Ich… ich war in dem Haus.“
„WAS!?“, rief Allistor so laut, dass Eve aufwachte. „Was um Himmels willen hast du darin gesucht?“
„Ich… äh… Alfred und ein paar Freunde haben gemeint, dass sie in ein Spukhaus gehen. Ich habe gesagt ich komme mit.“
„Wer war alles in dem Haus?“
„Äh…Alfred, Matthew… der eine hieß glaube ich Antonio und … äh… Kiku. Sie sind in Alfreds Schulklasse.“
„Na großartig. Hoffen wir mal, dass die Sporen mittlerweile keine Wirkung mehr haben.“
„Meinst du etwa die wirken noch? Und… was für Sporen?“
„Das erkläre ich dir später. Erst mal will ich Blut abnehmen.“
„A-Aber.“ „
„Nichts aber!“
„A-Aber… kann ich nicht Blut irgendwie anders spenden?“
„Durch die Nase? Oder soll ich dir einen Zahn ziehen? Ich bin kein Zahnarzt, aber das bekomme ich noch hin.“
„Ah! Nein schon gut. Hier hast du meinen Arm. Viel Spaß damit.“
Allistor grinste.
„Ärgere ihn doch nicht so, Liebling.“
Er schaute Louise vielsagend an.
„Das ist doch nur Spaß. Ich würde ihm doch keinen Zahn ziehen“, knurrte er.
„Wer weiß?“, meinte Arthur und wurde mit bösen Blicken bestraft.
„Und was ist mit den Sporen?“
„Louise, würdest du bitte mit Eve draußen warten?“
„Wie… äh, ja sicher“, stammelte sie verblüfft.
„Diese Sporen… eher Samenpollen haben unsere Eltern und Owen vergiftet“
„Pollen?“
„Ja. Sie haben eine Pflanze aus Südamerika importiert und nicht aufgepasst.“
„Nicht aufgepasst?“
„Sie wussten nicht, dass es eine giftige Pflanze ist.“
„Wie konnten sie das nicht wissen?“
„Es war eine völlig neue Blume.“
„Achso.“
„Wenn sie blüht, dann verbreiten sich giftige Pollen im Umkreis von bis zu 20 Meter. Tacit interfectore, heißt die Pflanze heute soweit ich weiß. Für Forschungszwecke haben sie sie vorübergehend bei uns im Büro gelagert. Owen hat damit so lange gespielt, bis die Blume ihre Samen abwarf. Unsere wollte ihn noch aus dem Zimmer holen, doch Mum und Dad konnten ihn nicht rechtzeitig rausholen. Owen hat zwar am meisten eingeatmet doch er lag nur im Koma.“
Arthur wurde blass.
„Und die Samen sind wirklich giftig?“
„Ja. Aber ich weiß nicht ob sie es immer noch sind. Man hat die Pflanze vernichtet. Nicht aber die Samen, die im Haus umherfliegen. Es wurde zwar angeblich gereinigt, aber das Gesundheitsamt hat veranlasst, dass man es nicht betreten soll. Nicht einmal zum Ausräumen. Denn in den Möbeln hätten sich Samen befinden können.“
„Muss ich sterben?“
„Ich denke nicht. Aber die Wirkung kann sich verzögern. Möglicherweise könntest du Fieber bekommen oder wieder eine Lungenentzündung. Aber ich will dich nicht schon wieder mit Antibiotika vollballern.“
„Wie…liebevoll von dir“, meinte Arthur und hob eine Augenbraue.
„Ich weiß.“

Allistor entnahm Arthur endlich etwas Blut. Er brauchte nicht viel um festzustellen, was Arthur alles fehlte. Äußerlich hatte er keine extremen Anzeichen, abgesehen von seinem geringen Körpergewicht erkennen können. Aber das würde sich vermutlich bald verbessern.
Eve wurde auch untersucht, ebenfalls mit Blutentnahme und war gesund, es machte immerhin den Anschein. Normaler Herzschlag, normales Lungenvolumen, normale Körpergröße für ihr Alter. Wenn Arthur nicht aufpasste, würde das Mädchen größer als ihr Vater werden.
Am liebsten hätte Allistor Arthur aber über Nacht hier behalten.
Das hätte zur Folge gehabt, Eve wieder in sein Bett zu nehmen. Und die Kleine war sehr anhänglich und für ihr junges Alter, hatte sie jetzt schon einen ganz eigenen Charakter. Unter vertrauten Personen laut und teilweise etwas frech. Sobald aber eine neue Person dabei war, sagte sie nichts und versuchte sich zu verstecken.
Allistor hatte nicht viel Erfahrung mit Kleinkindern. Eine seiner wenigen bestand aus einer Erinnerung, Arthur zu baden. Er hatte blutige Knie und hatte geweint und Allistor wünschte sich nichts sehnlicher, als endlich Zeit für sich. Er hatte ihn dann angeschrien, sodass Arthur ihn verängstigt, mit großen Augen angesehen hatte.
Alex hatte ihn ermahnt, er solle ihn nicht anschreien.
Und keiner von Alex, Allistor und Owen unternahm viel mit Arthur. Sie mieden ihn. Allistor hatte von Anfang an das Gefühl, dass mit Arthur was nicht stimmte. Heute tat es ihm Leid, dass er ihn so angeschrien hatte, aber man hört als Kind nie auf Erwachsene.
Schrei deinen Bruder nicht an! hörte er seine Mutter in Gedanken rufen. Und er hatte es getan. Wenn er sich von ihm genervt gefühlt hatte, schob er ihn aus seinem Zimmer, drohte ihm weh zutun und seine Spielsachen wegzunehmen. Einmal hatte er ihn richtig heftig erwischt. Er hatte ihm mit dem Ellenbogen an der Stirn getroffen. Es war ein Versehen gewesen, aber Alex hatte er erzählt, Arthur hätte ihn geärgert und blitzschnell reagiert.
Heute fühlte er sich schlecht deswegen.
Kinder können so grausam sein – und er war nicht besser gewesen. Es dürfte ihn nicht wundern, dass Arthur eine so schlechte Einstellung ihm gegenüber hatte. Er konnte nicht wirklich mit Kindern umgehen. Vermutlich war er deswegen auch Allgemeinmediziner und kein Kinderarzt geworden.
„Arthur. Wenn dir irgendwie komisch ist, Übel, Kopfschmerzen, Husten, egal was. Dann ruf mich an. Es könnte eine Nebenwirkung von den Pollen sein. Und ich will, dass du mir die Namen und Adressen von denen gibst, die mit im Haus waren.“
„Aber…außer Alfred und Matthew weiß ich die Adressen der anderen nicht. Am besten fragst du Alfred.“
„Gut. Morgen oder übermorgen mache ich noch Untersuchungen.“
„Du musst dich aber beeilen. Seine Eltern wollen wieder in die USA.“
„Wenn ihr wirklich infiziert seid, dann fliegt er nirgendwo hin. Wer weiß ob das vielleicht ansteckend ist.“
„Aber morgen hat er wieder Schule.“
Allistor sah ihn an.
„Hoffen wir mal nicht.“

Arthur schaute bei Eves Untersuchung zu. Er fühlte sich ein bisschen benommen durch die Blutabnahme.
Warum hatte Allistor nur so ein Geheimnis aus der Sache gemacht? Hätte er es ihm eher erklärt, wäre es vermutlich nie so weit gekommen, dass er jetzt mit Verdacht auf Gift-Pollen in dem Arztzimmer saß.
„Allistor? Wie waren unsere Eltern?“
„Beschäftigt.“
„Allistor…“
„Du kennst sie doch selbst.“
„Du kanntest sie besser als ich.“
„Sie waren selten zuhause. Es war fast so, als ob wir keine Eltern hätten. Sei froh, wenn du nicht erinnern kannst.“
„Das an was ich mich erinnern kann, ist, dass du mich immer wie einen Sklaven behandelt hast.“
Louise sah ihren Freund bitter an, schwieg aber.
Arthur gähnte und kuschelte sich an die Wand. Wenn man müde war, war einfach alles bequem.

Später drehte er sich um. Er war zuhause? Er konnte sich gar nicht daran erinnern zurückgekehrt zu sein. Er trug eine weite Jogginghose und ein altes T-Shirt. Es war dunkel im Zimmer aber der Rollladen war oben. Es war also mitten in der Nacht.
Neben ihm lag Eve eingerollt, mit Oscar kuschelnd.
Ein paar Elfen schwebten durch das Zimmer und ließen sich von ihm nicht beirren.
Umso länger er hier wohnte, desto mehr wurden es. Sie suchten seine Nähe, waren aber nicht immer da. Sie mieden geschlossene Räume. Er sah sie sehr oft in Parks über Blumen hinwegschweben oder nachts hoch über den Köpfen der Menschen.
„Was macht ihr hier?“, fragte Arthur.
Die kleinen geflügelten Wesen hielten an und schauten zu ihm.
„Du bist ja wach!“
„Ja…“
„W-Wir suchen Unterschlupf.“
„Warum? Und warum hier?“
„Draußen ist es zu kalt.“
„Zu kalt?“
„Wir haben -11°C!“
„Was!?“
„Ja. Es ist zu kalt draußen.“
„A-Aber… es wird doch kaum unter 0°C kalt. Und dann auch nicht gleich -11°C!
„Bitte schick uns nicht weg. Bitte.“
Arthur warf sich wieder auf den Rücken.
„Natürlich dürft ihr bleiben. Macht mir aber keinen Ärger.“
„Sicher nicht!“

Rose strich ihr Kleid gerade. Sie war die Elfe von Arthur. Sie fungierte quasi wie ein Schutzengel für ihn.
Aber es war eine schwere Zeit. Arthur kramte ihn seiner Vergangenheit herum, was er die letzten Jahre nicht gemacht hatte.
Sie als Elfe hatte dafür zu sorgen, dass Arthur sich an gewisse Sachen nicht erinnerte.
Und durch die Kälte hatte sie viel Energie verloren. Sie hoffte, dass es bei seinem schweren Grad eines Traumas nur zu ein paar wenigen Alpträumen führen würde.
Rose wusste nicht, wie schlimm es werden könnte. Aber manche Sachen schienen bei ihm wieder durch zu kommen. Es wurde immer mehr, an dass er sich erinnerte.
Hoffentlich würde es bei diesen wenigen neuen blieben.
Seine Brüder hatten ihn tagtäglich terrorisiert. Das war zwar üblich bei Geschwistern, besonders bei Brüdern, aber Arthur war schon immer das kleine Sensibelchen gewesen.
Er nahm vieles persönlich und manches zu ernst.
Wenn seine Brüder doch nur gewusst hätten, was sie anrichten. Eine zerstörte Persönlichkeit, die sich jetzt langsam wieder regenerierte.
All die Jahre hatte sie zugesehen und schweigend seine Entscheidungen hingenommen. Sie würde ihn jetzt aber zwangläufig damit konfrontieren müssen.
Das war wirklich nicht schön, aber bevor die Erinnerungen alle auf einmal herausplatzten, wollte sie lieber immer ein bisschen das Ventil öffnen.
Es würden viele schlaflose Nächte für beide werden.
Aber immer noch besser als eine Panikattacke seinerseits.
„Arthur?“, fragte sie.
„Hm?“
„Ich weiß du bist müde.“
„Was ist denn?“
„Ich will, dass du dich mit deiner Psychologin und deinem Bruder zusammensetzt. Ich bin schwach geworden. Wenn ich dich nicht mehr vor bösen Träumen beschützen kann, musst du es selbst übernehmen. Es tut mir so leid.“
Arthur verstand nicht. Alpträume? Er? Warum sollte er Alpträume haben. Schlecht geschlafen hatte er schon oft, aber wirklich richtige Alpträume?
Rose sah blass aus. Sie war oft bei ihm. Wenn auch stumm in der Ferne.
„Du bist auch erschöpft. Wenn es hell ist, mache ich euch allen einen Tee, damit ihr zur Kräften kommt.“
„Danke“, murmelte sie. „Da ist noch etwas…“
„Ja?“
„Alex und Owen sind auch hinüber gegangen.“
„Schön für die beiden.“
„Ich soll dir ausrichten, dass es ihnen Leid tut. Also… dass sie dich geärgert haben.“
„Warum bist du plötzlich so davon besessen, dass ich mit meiner Vergangenheit klarkomme? Ich kann mich an nichts erinnern.“
„Ich halt deinen Erinnerungen unter Verschluss.“
„Dann lass mich, mich erinnern. So schlimm kann das doch nicht sein. Die Kabbeleien mit meinen Brüdern sind doch nichts Besonderes.“
„Okay. Aber das ist auf deine eigene Gefahr. Wenn es dir nicht bekommt, brauche ich lange, bis man sie wieder unterdrückt.“
„Nein! Mach! Ich will mich an damals erinnern können! Es gibt immerhin auch schöne Zeiten!“
„Wie du willst. Aber ich hab dich gewarnt, klar?“
„Jaja… Ist gut.“
Plötzlich tauchen Unterhaltungen auf, Bilder – etwas verstaubt, aber okay – und Orte. Der Supermarkt in dem er mit Allistor einkaufen ging. Die Schaukel von der Owen ihn geschubst hatte. Wie er mit seinem Plüscheinhorn gegen Tränen in der Klasse ankämpfte, wie er sich auf die Rückkehr seiner Eltern freute. Es waren erstaunliche Erinnerungen.
Arthur merkte, dass er heute gut schlafen konnte. Es war vorbei. Was so lange vorbei war konnte ihm nicht mehr wehtun. Den Gedanken, den er hatte, er hätte ein Haus niedergebrannt, wurde so absurd und lächerlich, dass er sich fragte, wie er auf ein solches Hirngespinst kommen konnte. Er sah seine Pflegemutter vor sich. Und auch den Vater. Wie er sogar mit Allistor nachts im Bett gekuschelt hatte, weil er sich vor den Monstern im Schrank fürchtete. Er lachte bei der Vorstellung, wie Allistor ihn heute aus seinem Bett schieben würde.
Er war immer noch der Alte, nur … schlauer als vorher.  
„Danke Rose“, murmelte er und drehte sich auf die Seite. Er nahm Eve und Oscar in den Arm, decke sie richtig zu und gähnte ein letztes Mal bevor er endgültig einschlief.
Rose wünschte sich, dass es so blieb. Aber irgendetwas sagte ihr, dass nicht alles so friedlich bleiben würde.
Sie huschte zu den anderen Elfen und legte sich ebenfalls schlafen. Sie musste sich dringend ausruhen.
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