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Leben heißt...

GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Amerika Deutschland England Frankreich Italien Kanada
13.08.2013
30.06.2014
50
162.126
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Dieses Kapitel
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13.08.2013 4.083
 
Arthur saß nachdenklich über seinem Lied. Er konnte sich nicht wirklich konzentrieren etwas zu dichten. Eve spielte vor ihm auf dem Teppich mit einem Pony und gluckste und kicherte. Arthur zerkaute sich die Unterlippe. In einer Stunde war Naresh hier. Sein Lied war nicht fertig, aber er sollte es heute aufnehmen. Er raufte sich die Haare und stöhnte genervt. Cloudy Sky fehlte nur noch eine Strophe. Eine einzige Strophe. Er steckte den Kopf jetzt nicht in den Sand, aber es gab nichts was ihm noch einfiel. Musiker war echt anstrengend. Arthur schnappte sich ein neues Blatt. Ein komplett anderes Lied. Vielleicht ging es danach weiter. Und er hatte auch schon eine Idee. Er würde ein Lied über den König schreiben. Ohne ihn wäre Arthur vielleicht nie ein Punk geworden. Würde heute nicht hier sitzen und Eve gar nicht existieren. Der König war, aus politischer Sicht, kein König. Aber jeder, der unter seinem Schutz stand, brauchte sich um Bandenkriege keine Gedanken zu machen. Das war bisher ein enormer Vorteil gewesen, denn er konnte sich in London frei bewegen. Wann es ihm passte, gehen wohin er wollte. Der König lebte in Soho. Im Untergrund. Nicht so weit unten wie Undercity aber das war nicht wichtig. Er war der König von Soho. Vladimir Kogalniceanu war gebürtig aus London, hatte aber Rumänische Wurzeln. Mit seinem ganz einzigartigen Charakter war er der unangefochtene Herrscher der Punkszene. Hätte Arthur sich nicht für diesen Kerl die Nase brechen lassen, wären sie nicht befreundet. Insofern man es Freundschaft nennen konnte. Das Lied über ihn klappte deutlich besser. Schnell war ein Rhythmus gefunden und eine Melodie auf der Gitarre gemacht. Er überlegte, ob er ein bisschen mehr Pop-Rock dazugeben sollte. War beliebter unter den Hörern. Eve ließ sich davon nicht stören und rannte durch die untere Etage. Es klingelte und Arthur öffnete. Der Mann fuhr nach oben und kam in die Wohnung. Eve kam gerade zurück und ließ das Pony über die Sofalehne schweben.
„Hi, Arthur! Machst du Babysitter?“
„Gewissermaßen. Es ist Dauerhaft und sie bleibt, bis sie erwachsen ist.“
„Niedlich. Was macht das Lied?“
„Also… äh… mir fehlt eine Strophe. Dafür habe ich ein anderes fertig.“
„Prima. Lass uns hochgehen. Kannst du sie hier unten alleine lassen?“
„Ich bringe sie hoch in ihr Zimmer.“
Das Aufnehmen lief gut. Allerdings hatte Naresh an allem was zu meckern und zu verbessern. Arthur hatte das Lied am Ende über 130 Mal gesungen, manche Stellen noch öfter. Er war so froh, als sie dann um halb 9 fertig waren. Vorerst. Morgen wollte er wieder kommen. Für das nächste Lied wollte Arthur sich mehr Mühe geben. Wieder den ganzen Abend dafür aufbringen war total uncool. Aber er wusste auch, dass es oft, fast sogar immer viel länger dauerte.
„Sag mal Arthur, hast du eigentlich Aktien?“
„Ich hab doch keinen Garten für einen Baum“, meinte Arthur. Der Inder glaubte sich verhört zu haben.
„Was? Ach du meinst Akazien. Nein, die meine ich nicht.“
„Achso. ‘Tschuldigung.“
„Und? Spielst du mit Aktien?“
„Was? Nein. Ich spiel doch Gitarre.“ Meinte Arthur das ernst? Der Produzent rieb sich die Schläfen.
„Du hast also keine Aktien?“
„Nein. Weder Börsenalteile noch Bäume.“
„Alles was ich wissen wollte.“
„Okay. Ist sonst noch was?“, fragte Arthur.
„Ne. Schon gut.“ Arthur brachte ihn noch mit an die Eingangstür.
Irgendwas musste er sich für Alfred noch einfallen lassen.

Alfred saß 2 Tage lang wütend auf seinem Zimmer. Er sprach weder mit seinem Vater noch mit Ashley. Und rausgehen wollte er auch nicht. Kiku hatte ihn ein paar Male angeschrieben, aber Alfred war zu traurig um zu antworten. Er seufzte und wälzte sich auf seinem Bett herum.
„Alfred. Komm runter. Es gibt Essen.“ Alfred antwortete nicht. Eigentlich hatte er riesigen Appetit aber da war etwas, dass ihm der Hunger verging. Er schlug die Augen zu und drehte sich auf die Seite. Er konnte aus dem Fenster den Schnee fallen sehen.
„Alfred!“, rief es wieder von unten.
„Lasst mich in Ruhe!“, schrie er zurück und knallte die Tür zu. Daniel stand und seufzte. Er stellte sich an wie ein kleines Kind. Es war schrecklich.
„ALFRED! KOMM SOFORT RUNTER!“ „NEIN!“ Daniel stürmte nach oben und versuchte die Tür zu öffnen. Abgeschlossen.
„Mach die Tür auf!“
„Geh weg!“
„Alfred!“
„Hau ab!“
„Komm da raus! Jetzt!“ Alfred blieb still. Sein Dad hätte sicher gerne die Tür eingetreten, aber das würde dem Vermieter nicht gefallen.
„Alfred!“ Der Teenager aus Amerika verkroch sich unter seiner Decke.

Da fiel sein Blick auf den Laptop. Stimmt. Er sollte doch für Arthur einen Account erstellen. Sein Dad hämmerte weiter gegen die Tür. Alfred ignorierte es. Prima. Soweit so gut. Das erste Problem meldete sich aber umgehend. Der Brite besaß keine E-Mail-Adresse. Es dauerte weitere 5 Minuten, bis er eine erstellt hatte, die Arthur auch seinem Chef oder seiner Chefin geben könnte. Arthurs endgültiger Account blieb noch ziemlich leer. Name, Geschlecht und Wohnort hatte Alfred für ihn angegeben. Und da erhielt Arthur auch schon seine allererste Freundschaftsanfrage. Natürlich von Alfred. Er nahm sie stellvertretend für Arthur an. Daraufhin meldeten sich auch Francis und Ivan. Die nahm er nicht an, da das Arthur selbst entscheiden sollte. Im selben Moment klingelte Alfred‘s Handy. Eine SMS von Arthur.
„Hi! Komm heute Abend zum Mango Tree.
46 Grosvenor Place in Belgravia.
Sei aber pünktlich um halb 8 da.
Ich will nicht auf dich warten.
Und zieh dir was Schönes an!
-Arthur“ Warum unterzeichnete er seine SMS? Alfred konnte doch sehen, von wem die Nachricht war.

Belgravia?
Von hier aus waren das 20 Minuten.
Selbst mit der U-Bahn brauchte er 15. Wenn sie denn auch pünktlich kam.
Aber bis heute Abend um halb 8 war es glücklicherweise noch genügend Zeit. 6½ Stunden.
Doch… sein Dad würde ihm das sicher nicht erlauben.
Besonders nicht nach der Aktion eben. Er würde einfach gehen. Er würde sich ein Hemd anziehen und dann seinen Geldbeutel nehmen und das Haus verlassen. Das was Arthur ihm geschrieben hatte, klang sehr nach einem Date.
Brauchte er ein Geschenk? Wohl eher nicht. Aber der Name Mango Tree sagte ihm gar nichts. Mit Hilfe des allmächtigen Internets, fand Alfred heraus, dass es sich um ein Restaurant mit Bar handelte. Gut bewertet. Preise standen nicht auf der Homepage.
Und man musste einen Tisch reservieren. Wie lange Arthur das wohl geplant hatte?
Auch die eigentliche Lage konnte er auf einer Karte sehen. Soweit nordwestlich. Das war wirklich ein ganz schönes Stück zu laufen. Vielleicht sollte er wirklich die U-Bahn nehmen. Dann saß er wenigstens.

Er nahm sein Handy und schrieb Arthur zurück.
„Wow! Coole Überraschung. Dankeschön.“

Arthur schrieb:
„Nimm dir lieber noch Kleidung für den nächsten Tag mit. Es kann spät werden.“

Spät? Hieß das, Arthur lud ihn zum Übernachten ein?
Oh je. Sein Dad würde ihn in der Luft zerreißen.

„ALFRED!“, schrie er wieder und klopfte an.
Alfred stand auf und öffnete die Tür.
„Was ist denn los?“
„Komm jetzt essen!“
„Ich habe aber keinen Hunger.“
Alfred wollte die Tür wieder schließen.
„Rede doch nicht so einen Unsinn. Du hast seit gestern Mittag nichts gegessen.“
„Mir ist eben der Appetit vergangen. Man muss nicht alle Tage jemanden zurück lassen, den man wirklich sehr gern hat.“
Daniel rollte mit den Augen. „Alfred. Es ist nicht so, als ob ihr euch nie wieder sehen würdet.“
„Das weißt du doch nicht!“, motzte Alfred.
„Alfred. Stell dich nicht so an.“
„Nicht so anstellen? Du siehst Ashley doch jeden Tag 24 Stunden am Stück!“
„Und? Du kannst doch mit Arthur 3 ganze Stunden schreiben.“
„3 Stunden? Schon mal was von Zeitzonen gehört? Wenn er hier ins Bett geht, stehe ich in LA erst auf.“
„Vor und nach der Schule über Webcam. Es gibt viele Fernbeziehungen. Oder du suchst dir drüben einen anderen.“
„Einen anderen!? Bei dir stimmt doch was nicht.“
Alfred wurde aber von seinem Dad mit Taschengeld erpresst, dass sich Alfred wenigstens mit an den Tisch setzte. Er starrte in sein Mineralwasser und beobachtete wie die Bläschen aufstiegen.
„Wie wäre es, wenn wir heute Abend eine DVD sehen?“
„Keine Zeit“, meinte Alfred ohne aufzusehen.
Alle starrten ihn an.
„Was hast du denn vor?“, fragte Ashley, die ihm schräg gegenüber saß.
„Hab eine Verabredung.“
Daniel grinste.
„Dann musst du aber noch Blumen kaufen.“
„Blumen? Ich denke nicht, dass Arthur sich über einen Strauß rote Rosen freuen würde.“
Matthew fing an zu kichern.
„Halt die Klappe“, fuhr Alfred ihn an.
„Ich hab doch aber gar - “, begann Matthew überrascht.
„Sei einfach still“, unterbrach Alfred ihn.
„Und wo trefft ihr euch? Bei ihm?“
„Nein. In einem Restaurant in Belgravia.“
„Soll ich dich fahren?“, fragte Ashley.
„Wie sieht das denn aus. Ich fahre mit der Bahn hin.“
„Tu mir wenigstens einen Gefallen“, meinte Daniel. „Blamier dich nicht.“
Alfred wurde rot. „Werde ich schon nicht.“
Aber er wusste, dass es peinlich werden würde. Aus welchem Grund auch immer.
Nach dem Essen ging er duschen. Lange. Aber es waren noch immer 4 Stunden übrig. Vor dem Kleiderschrank, stand er nicht lange. Eine schwarze Hose, Weinrotes Hemd, schwarze Krawatte. Er überlegte ob er was im Fernsehen schauen sollte, aber dass er sich konzentrieren konnte war undenkbar. Also stellte er sich vor, wie wohl der Abend verlaufen würde.

Arthur hatte sich ebenfalls schon Sachen zurecht gelegt. Der Babysitter für Eve war organisiert. Er hatte Glück gehabt, dass er noch ein Tisch frei war. Normalerweise musste man mindestens eine Woche vorher die Reservierung bekannt geben. Er band sich gerade seine grüne Krawatte. Die hatte er heute Vormittag noch gekauft. Den Anzug hatte er schon länger von Eliza. Er musste ja einen Anzug besitzen, wer weiß schon was kommt.
Eve quengelte etwas, aber es war nur ein Abend.
Er zog sich den grauen Anzug an. Das Hemd war champagnerfarben und die Krawatte in einem freundlichen Grünton.
Um viertel vor 7 kam die Frau, eine Studentin, um auf Eve aufzupassen. Das Kind versteckte sich hinter ihm, aber er hob sie hoch und stellte sie einander vor. Glücklich war das Mädchen damit nicht. Ihr Daddy sollte nicht einfach gehen. Sie wollte mit, durfte aber nicht.

Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn und verabschiedete sich.
Arthur nahm die Buslinie 11. Die hielt nach einer halben Stunde schräg gegenüber des Restaurants. Unter dem Arm hatte er einen großen, schwarzen Regenschirm. Man wusste nie, wie das Wetter wurde und Alfred würde sicher keinen Schirm mitnehmen. Es war wieder wärmer geworden und der Schnee war Matsch auf den Straßen.
Im Bus eingestiegen begann es auch schon zu regnen. Nicht heftig, aber genug um alles nass und rutschig zu machen.
Es war schon lange stockdunkel und auch die Straßenlampen rissen nichts heraus.
Arthur wartete nicht lange auf Alfred. Der Regen hatte nachgelassen und er stolperte auf ihn zu.
„There he goes
my baby walks so slow
sexual tic-tac-toe
yeah, I know we both know
it isn't time, no
but could you be mine?”

Alfred wurde knallrot im Gesicht und war fassungslos. Arthur konnte doch nicht einfach auf der Straße mit dem Singen anfangen.
„Hallo Arthur.“
„Hi Alfred.“
„Könntest du bitte das singen lassen?“
“We'll never get too far
just you, me, and the bar
silly ménage à trois, sometimes.
Would you be mine?
Would you be mine?
Would you be mine?”

Das reichte jetzt vollkommen. Alfreds Kopf glühte vor Schamesröte.
„Weißt du eigentlich was du da singst?“
„Bis auf das Französische schon.“
„Dann sing das auch nicht. Das ist peinlich. Hast du dir das Lied selbst ausgedacht?“
„Nein. Das Lied von Adam Lambert. Es heißt Fever.“
„Bitte, sing das nicht. Das ist peinlich.“
„Hast du andere Klamotten dabei? Für morgen?“
„Ja. Ich hab die in der Tasche. Aber das sind normale Sachen. Also, kein Hemd und so.“
„Schon in Ordnung. Komm.“
Arthur ging voran und sofort kam ein Kellner.
„Guten Abend? Haben Sie reserviert?“
„Ja. Kirkland.“
„Sehr wohl.“

Arthur und Alfred hingen ihre Jacken auf.  Alfred fiel sofort auf, dass Arthur so Anzüge echt gut standen. Vielleicht sollte er Punk aufgeben und als Makler arbeiten. Alfred blieb bewundernd am Eingang stehen, bis der Brite sich umdrehte und zu ihm winkte. Es war super schön. Das thailändische Restaurant war nach Feng Shui eingerichtet. Eine ganz einzigartige Dekoration. In der Mitte des Raumes, gab es zwei lange, braune Ledersofas die mit der Lehne aneinander Standen. Dort gab es Tische für 2 Personen, die man aber auch zusammenschieben konnte. An der Fensterreihe gab es ebenfalls Tische. Auf der anderen Seite standen runde Tische für 4 Personen.
Und auf einer kleinen Erhöhung auch noch größere Tische für 6, 8 oder 12 Personen.
Das Restaurant war voll. Nicht alles, das man sich hier stapeln musste. Arthur setzte sich auf den Stuhl und wies Alfred auf den Platz gegenüber. Alfred setzte sich hin und sah sich weiter um.
Hinter ihm standen hohe, weise Vasen mit irgend so einem Grünzeug. Der Tisch glänzte fast schwarz und dann bekam er eine Karte hingelegt.
„Wissen Sie schon, was Sie trinken möchten?“, fragte der Kellner.
„Ich nehme ein Mineralwasser mit Sprudel“, antwortete Arthur sofort.
„Ich … ich hätte gerne eine Coca Cola.“
Der Kellner sah ihn kurz irritiert an, notierte aber dann die Bestellung und ging.
Auch Arthur schaute ihn komisch an.
„Was ist?“
„Das ist schon ein gehobenes Restaurant.“
„Ja und? Ich trinke gerne Cola.“
Arthur rollte mit den Augen.
„Weißt du schon was du nimmst?“, fragte er schließlich.
„Ich weiß nicht mal was das alles ist.“
„Ich nehme yum makuer yaw und gai pad med mamuang. Zum Dessert noch guay ob ma prow sod.“
Alfred sah bestürzt auf. „Was?“
„Den Auberginen Salat, Hühnchen mit Pilzen, Paprika, Zwiebeln mit Chili und Cashewnüssen. Und Kokosnusspudding mit Karamellisierter Banane und Bananeneis.“
„Klingt teuer.“
„Was soll‘s? Such‘ dir was aus, was du magst.“
„Dann nehme ich die scharfe Suppe mit Pilzen und Gemüse.“
„Thailändisch kann sehr scharf sein, ich wäre vorsichtig.“
„Gut. Dann nehme ich auch das Dschungelcurry.“
„Du isst wohl gerne scharf.“
„Geht.“
Arthur schaute etwas skeptisch. „Nicht dass du nachher noch die Blumenvase austrinkst.“
„Ach Quatsch. Und das Cremé Brulee mit Pistazien.“
„Noch einen Alkoholfreien Drink?“
„Wenn das nicht zu teuer wird…“
„Mach dir keinen Kopf wegen dem Geld, Alfred.“
Der Kellner brachte die Getränke.
„Haben Sie sich schon entschieden?“
Arthur nickte und bestellte für beide.
„Sag mal Arthur… warum ist das eigentlich eine kleine Cola?“
„Du hast keine Große bestellt.“
„Das muss ich hier extra sagen?“
„Ja.“
„In Amerika haben die das immer gemacht.“
„Wir sind nicht in Amerika.“
„Ich weiß.“
„Wie war es eigentlich, als Daniel dir gesagt hat, ihr für ein Jahr hier nach London zieht?“
„Ich war natürlich total sauer. Ich wollte meine Freunde nicht zurück lassen.“
„Dann bist du doch froh, dass du wieder zurück kannst.“
„Das ist es ja eben. Ich will noch nicht gehen. Ich würde dich zu sehr vermissen.“
Arthurs Herz machte einen kleinen Sprung.
„A-Ach ja?“

Alfred nickte. „Ich liebe LA und du liebst London. Ich kann es voll und ganz verstehen, wenn du nicht nach Amerika willst. Dir bekommt die Hitze nicht.“
„Also willst du wegen mir bleiben?“
„Ich… ich will beides. Ich will hier bleiben, aber mein altes Leben fand bis her nur in den USA statt. Ich… ich will doch nicht alleine sein.“
Arthur verstand. Er wollte unbedingt nach Amerika zurück, aber wegen ihm fühlte er sich schlecht.
„Hast du eigentlich schon immer in dem Haus gewohnt?“
„Nein. Wir wohnen vorher weiter östlich, aber Dad konnte das nicht mehr ertragen. Alles erinnerte ihn an Mom. Du vermisst deine Eltern auch, stimmt’s?“
„Es klingt vielleicht herzlos, aber ich vermisse sie nicht. Wenn du dich an kaum an sie erinnern kannst ist das so.“
„Hat deine Mom dir nie vorgelesen?“
„Mum? Nein. Nie. Sie war immer mit Dad unterwegs und hat mit ihm Pflanzen auf Inhaltsstoffe untersucht.“
„Sind… sind sie im Ausland… umgekommen?“, fragte Alfred vorsichtig.
„Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht wo oder wie. Ich weiß nur, dass es ein Unfall war.“
Alfred verzog das Gesicht. Er wusste wer seine Mutter umgebracht hatte. Dieses Unwissen war sicher schmerzhafter als zu wissen dass diese Person nie bestraft werden kann.
„Hast du nicht mit Allistor darüber gesprochen?“, fragte Alfred wieder.
„Ist mir nicht wichtig.“
„Sie fänden Eve sicher mega putzig.“
„Mum vielleicht. Dad hätte mir eins mit seiner Schaufel übergebraten.“
Alfred musste unwillkürlich lachen.
„Aber du kannst dich doch noch ein bisschen an sie erinnern, oder?“
„Klar. Mum hatte lange rote Haare, Sommersprossen, grüne Augen und hat Dad ganz schon den Marsch geblasen, wenn er nicht parierte. Dad war blond und hatte blaue Augen. Er war eher ruhig, aber wehe er wurde wütend. Außerdem habe ich Fotos von ihm gesehen, auf denen er einen furchtbaren Vokuhila trug.“
Alfred grinste. „Ich habe Jahrbücher von Dad gesehen, in denen er mal eine Dauerwelle hatte.“
„Was?“, fragte Arthur und musste sich das Lachen verkneifen.
Daniel mit Dauerwelle erschien ihm so witzig.
„Und als ich noch in der Vorschule hat er die noch gehabt. Dad hat mich von da abgeholt und meine Lehrerin meinte, sie würde sich freuen meine Mom kennen zu lernen.“
Arthur hätte am liebsten den Kopf auf den Tisch gelegt und laut losgelacht.  
Das war zum Schießen!
„In der 3. Klasse haben wir dann mal einem Lehrer so Klebesticker, mit der klebrigen Seite nach oben, auf den Stuhl gelegt.“
„Hat er sich drauf gesetzt?“
„Ja. Es war eine kleine Zielscheibe und manche haben dann mit so … Spuckröhrchen darauf gezielt.“
„Ihr wart ja gemein zu den Lehrern.“
„Hast du keine Streiche gespielt?“
„Klar hab ich. In der 2 Klasse im Reitunterricht, einem Pony mit der Gerte auf den Schenkel geklopft und dass ist dann in einem Affenzahn losgerannt. Die haben eine halbe Stunde gebraucht um das Tier wieder einzufangen.“
„Ihr hattet reiten als Unterrichtsfach?“
Arthur nickte. „Und… Bogen schießen, Werfen, Ballspiele… Klettern.“
„Klingt wie an der Militärschule.“
„Ja, aber es war eigentlich ganz nett. Man durfte zwischen Reiten und schwimmen wählen.“
„Und du wolltest reiten?“
„Nein, schwimmen. Aber das war voll. Ich saß dann mit den anderen 8 Mädchen einmal in der Woche am Stall. Ich habe das gehasst.“
„Und ihr konntet nicht tauschen?“
„Nein.“
„Das ist ja doof. Bei uns musste man wählen zwischen Pfadfinder und Gartenarbeit.“
„Und?“
„Ich habe Pfandfinder gelesen und hab gedacht es sei eine gute Sache.“
„Pfandfinder?“, kicherte Arthur.
„Ja. Ich habe angefangen alle Plastikflaschen aufzusammeln und hab sie Obdachlosen gebracht.“
„Wie lieb.“
„Bis mein Leiter dann meinte, ich wäre zwar sehr hilfsbereit aber ich sollte endlich meine Knoten binden. Dann hab ich verstanden worin der Unterschied war.“
„Wann war das?“
„Nach ca. einem halben Schuljahr.“
„Oh.“
„Sag schon, du wartest doch nur darauf mir unter die Nase zu reiben, dass ich dumm bin.“
„Das habe ich nie behauptet.“
Alfred wollte etwas erwidern, da bekamen sie auch schon ihre Bestellung hingestellt.
„Wow, das ging schnell“, meine Alfred.
„Wir haben die 20 Minuten gut ausgefüllt.“
„20 Minuten?“, fragte Alfred. „Solange kam mir das gar nicht vor.“
„Doch.“
Arthur nahm sein Besteck und aß den Salat. Alfred nahm den Löffel und nahm nur ein bisschen von der Suppe. Und es war scharf! Ihm tränten die Augen vor Schärfe. Die Suppe trug ihren Namen mit Recht.
„Schmeckt sie dir?“, fragte Arthur und sah auf. „Hm?“
„Sie ist gut gewürzt.“
„Ich sag doch, das Thailändisch scharf ist.“
„Ist ja gut.“
„Dein Curry wird sicher gerade zubereitet.“
Alfred schaute gequält.
„Ach… wird schon. Trink nur. Ich bezahle.“
„Ich komme mir blöd vor, wenn du mein Essen auch bezahlst.“
„Alfred, ich habe dich eingeladen. Wenn es scharf ist, dann trink.“
Zögernd nippte Alfred an seinem Glas.
Hoffentlich wurde der Hauptgang nicht allzu groß. Alfred war jetzt schon fast satt. Die Suppe war nicht wirklich groß, eine kleine Schüssel eben.

„Und? Was hast du noch so angestellt?“, fragte Arthur.
„Hm?“
„Klingelstreiche? Schneebälle auf Autos werfen? Kieselsteine nach Enten geschnickt?“
„Unteranderem.“
„Also doch.“
„Warum fragst du?“
„Du bist doch ein ganzer Kerl.“
Alfred schaute ihn skeptisch an. „Ah ja. Okay.“

Der Hauptgang von Arthur sah echt lecker aus. Alfred sah sich sein Dschungelcurry an. Dämonencurry des Höllentodes erschaffen vom Herrn der Unterwelt persönlich, traf es eher.
Es war so scharf, dass Arthur noch etwas Milch für Alfred bestellte, damit er es überhaupt essen konnte.
Arthur musste immer wieder kichern.
„Was ist denn heute los mir dir?“, fragte Alfred. „Sonst bist du doch auch nicht so kindisch.“
„Du siehst nur so niedlich aus, wenn du kaust.“
„N-Niedlich…?“
„Ja. Total goldig. Das erinnert mich an die Art wie Eve ist. So… enthusiastisch.“
Arthur ergriff Alfreds Hand. Die Leute von den Nebentischen begannen schon zu tuscheln.
Alfred wechselte zwischen der Hand und Arthurs Gesicht.
„Schmeckt es dir?“, fragte Alfred.
„Ja. Dir nicht?“
„Doch, es ist wahnsinnig lecker.“
„Dann freu‘ dich auf das Dessert.“
Ganz unvermittelt begann es in Alfred Magen zu kribbeln. Das hatte nichts mit dem Essen zu tun, eher mit seinem Gegenüber. Er machte gerade ein Gesicht, dass eine Mischung aus Bad Boy und Gentleman. Eine Hitzewelle pulsierte kräftig durch den Körper. Wie ein Erdbeben mit heftigen Nachbeben. Das Epizentrum schöpfte scheinbar wie aus dem Nichts Kraft für die nächste Welle.
„Alles gut? Du bist so rot im  Gesicht.“
„Nein… äh doch ja. Alles gut.“
Warum war ihm denn nur so warm? Hatte man hier die Heizung aufgedreht oder lag das an dem Curry?
Alfred nahm einen großen Schluck Cola.
Doch die Hitze verwand nicht.

Der Nachtisch sah unglaublich lecker aus. Alfred klopfte mit dem Löffel gegen die Karamellkruste. Als er aber auch noch die Pistazienkekse bekam, fragte er sich, ob er vielleicht zu undeutlich gelesen hatte. Er war jetzt davon ausgegangen, dass die Pistazien entweder oben auflagen oder in der Creme selbst sind.
„Stimmt was nicht?“, fragte Arthur und teilte mit einem Dessertlöffel etwas Eiscreme ab.
Es klickte leise und Alfred spürte eine Schweißperle im Nacken.
„Ach… nichts. Alles gut.“ Er zwang sich ein Lächeln auf. Arthurs Gedanken waren nicht leicht zu erraten aber heute war es besonders schwer.

Aber Arthur ging es auch so. Er dachte, er hätte vielleicht das falsche Restaurant ausgesucht. Außerdem schauten die Leute ständig rüber, seit er Alfred hat genommen hatte. Ob es ihm wirklich schmeckte? Und er war ganz rot. Er nahm noch seinen letzten Schluck Cola und starrte eine Weile in das leere Glas.
Sie saßen jetzt schon fast eine Stunde hier.
Er selbst war fast fertig, aber Alfred stocherte im Essen rum.
„Sicher, dass alles gut ist?“, fragte Arthur und drückte die Hand etwas fester.
„Ja. Mir geht es prima. Danke.“
Der Kellner kam erneut.
„Darf ich Ihnen noch einen Drink anbieten?“, fragte er.
„Warum nicht?“, meinte Arthur.
„Haben sie auch etwas Alkoholfreies?“
Alfred glaubte sich verhört zu haben. Alkoholfrei? Obwohl… doch nicht. Sie waren in Belgravia. Hier gab es keine Gangster, die an Minderjährige Alkohol verteilten.
„Sicher.“
Der Mann gab ihnen die Karte.
Arthur blätterte durch.
„Könnte ich den Himbeermojito, aber alkoholfrei bekommen?“
„Natürlich.“
Alfred bekam die Karte.
„Ich… nehme...den Serendipity, aber auch keinen Alkohol.“
„Sicher.“
Er nahm die Karte mit und auch Arthurs Teller sowie das Besteck.
„Sag mal Arthur… wo hast du eigentlich deine Taschenuhr hin?“
„Die Uhr… die liegt zuhause in einem Kästchen. Ich bin dir wirklich dankbar, dass du sie zurückgeholt hast.“
Alfred wurde rot wie ein reifer Granatapfel.
„Danke. Oscar hat mir den Pfandschein gebracht.“
„Oscar?“
„Ja. Der Kater ist unheimlich intelligent.“
„Ich weiß auch nicht. Aber Wunder gibt es überall.“
„Es war das Andenken an deinen Dad, hm?“
„Was? Äh.. ja.“
„Hast du auch was von deiner Mom?“
„Ähm… nein. Also jetzt hab ich ja Fotos und sowas… aber so wirklich was sie mir geschenkt hat, abgesehen von meinem Leben, habe ich nichts.“
„Das ist schade. Ich habe jede Menge von meiner Mom. War es für dich schwierig drüber hinweg zu kommen? So in einer neuen Familie und generell.“
„Sehe ich so aus, als ob ich drüber hinweg wäre? Aber… lass uns den Abend nicht Trübsal blasen. Schau nur. Da kommt unsere Bestellung.“
Man stellte den beiden die Gläser hin.
Sie schauten einander an. Beide hätten mit weniger Deko-Firlefanz gerechnet.
Aber okay. Arthur hob das Glas etwas und stieß mit Alfred an. „Auf den weiteren Abend!“

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Ich muss sagen: Ich bin wirklich keine Romantikerin. Deshalb viel es mir unglaublich schwer das Date zu schreiben. Ich hoffe es ist in Ordnung so.

Und auch ein Danke an Violet Kirkland, die mir geholfen hat, bei allen möglichen Sachen. (Restaurantwahl und Gesprächsthemen). Dankeschön! Vielen Dank!

Ich möchte anmerken, dass ich kein Französisch spreche und ich weiß nicht ob das stimmt, aber ménage à trois heißt Dreier, laut Google Übersetzer. Falls das nicht richtig ist, möchte ich eine korrekte Übersetzung dafür!

Vielen Dank für's Lesen

eure Tintenfass!
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