Show me the end of my (un)happy little world and I'll write you a song of love

von mimi-maus
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18
Heike Masaomi Kouji Nenene Fujiwara Rui Hachiouji Sakura Sakurakouji Yukihina
12.08.2013
14.01.2015
4
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Moin,moin,
ich weiß, an dieser Stelle sollte es eigentlich schon mit der Geschichte losgehen,
aber ich fühle mich dazu verpflichtet, euch mitzuteilen, dass ich den Manga Code:Breaker auf Englisch lese, weshalb bestimmte Begriffe, wie zum Beispiel die Namen von Special Powers, auch in dieser eigentlich deutschen FF auf Englisch sind, was nur an meiner Faulheit liegt, mir dafür eine vernünftige Übersetzung zu überlegen. ;P
LG Mimi-Maus
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Ihr Blick war starr auf die Tafel gerichtet, sie reagierte nicht, wenn jemand den Klassenraum betrat, sprach mit niemanden. Wie ungewöhnlich, sonst kamen neue Schüler doch immer erst mit dem Lehrer. Der Pullover, den sie trug, war mindestens eine Nummer zu groß, verdeckte fast ihren Rock. Keine Socken. Keine Schuhe. Das sandfarbene Haar war taillienlang, splissig, hier und da verfilzt und war definitiv schon lange nicht mehr gewaschen worden, der Ponie war am kürzesten, er war so lang, dass er ihre Augen verbarg, den Blick auf eine kleine Stupsnase aber zuließ. Und irgendetwas bräunliches klebte in ihren Haaren, manchmal färbte es ganze Strähnen, manchmal waren es nur bräunliche unregelmäßige Flecken, wie bei einer Kuh. Dasselbe braune Zeug klebte auch unter ihren Fingernägeln, am Nagelbett, in den feinen Furchen ihrer Haut, die, soweit sie sichtbar war, zerkratzt und ebenfalls äußerst dreckig war. Ein äußerst starker und sehr unangenehmer Duft ging von ihr aus, der penetrante Geruch von Blut. War das Braune in ihren Haaren und auf ihrer Haut etwa... Sakura musste einen heftigen Würgereiz unterdrücken. „Habt ihr schon von dieser ungewöhnlichen und äußerst grausamen Mordserie gehört? Gestern Nacht wurde schon wieder eine Gruppe Männer umgebracht!“, hörte Sakura einen ihrer Klassenkameraden fragen. „Mordserie?!“,rief sie entsetzt. „Hier gibt es einen Serienmörder?“ Zur Antwort wurde ihr eine Zeitung unter die Nase gehalten. Schnell überflog Sakura den Artikel. In den letzten Wochen waren offenbar mehrere Männer ermordet worden, die scheinbar alle als Gruppen unterwegs gewesen waren. Diese Männergruppen hatten nichts miteinander zu tun gehabt, abgesehen von der Tatsache, dass sie alle nachts und auf ziemlich grausame Weise ermordet worden waren. Einige waren enthauptet, anderen waren Körperteile abgetrennt und wieder anderen war mit einem unbekannten Gegenstand das Herz aus der Brust gerissen worden. Sakura wurde zum zweiten Mal an diesem Morgen übel. Sauübel. „Gott! Das ist grausam!“, stieß sie hervor. „Zeig mal her!“ Ogami pflückte ihr die Zeitung aus der Hand. „Sag, soll ich den Typen aufspüren und entsorgen?“, raunte er ihr zu, nachdem er den Artikel gelesen hatte. „Nein! Niemals!“, widersprach Sakura heftig. Dann ging sie zielstrebig und mit gestrafften Schultern auf das fremde Mädchen zu. „Hallo, ich bin Sakurakouji Sakura. Wie heißt du?“ Das Mädchen zuckte heftig zusammen. „Eeeeh?!“, machte es mit einer leisen, abwesend klingenden Stimme. Die Haare verdeckten ihre Augen, Sakura konnte nicht sagen, was in diesen Moment in dem Mädchen vorging. Langsam senkte es den Kopf in Richtung Tischplatte, ihre Hände, die auf dem Tisch lagen, waren zu Fäusten geballt. „E... Em... Ema...“, brachte das Mädchen schließlich stockend hervor. „Aha, das ist ein sehr schöner Name“, sagte Sakura freundlich, aber sie war verwirrt. Hatte das Mädchen ihr jetzt ihren Vor- oder ihren Nachnamen genannt? Es klingelte zum Unterrichtsbeginn. Seufzend wand Sakura sich von dem fremden Mädchen ab und setzte sich auf ihren Platz. Gleich darauf betrat ihre Lehrerin – Kanda - den Klassenraum. „Eigentlich wollte ich euch heute eine Austauschschülerin vorstellen, aber...“ Kanda stoppte im Sprechen. Dann begann sie zu lächeln. „Ah, du bist schon hier!“ Fröhlich sah sie zu dem fremden Mädchen, das wieder heftig zusammenzuckte. „Are you meaning me?“, fragte es mit zitternder Stimme. „Oh, äh, yes. Do you understand Japanese?“, wollte Kanda von ihm wissen, woraufhin das Mädchen zögernd nickte. „But I don't want to talk...“ Feuerrot waren ihre Wangen geworden. „Okay, schon in Ordnung.“ Kanda wand sich an die Klasse. „Nun, das ist Rutherford Ema, eine Austauschschülerin aus Europa. Sie wird etwa ein Jahr lang hierbleiben. Seid bitte nett zu ihr!“ Ohne große Überleitung begann Kanda dann mit dem Unterricht. Sakura erwischte sich dabei, wie sie immer wieder zu der Austauschschülerin schielte. Still saß das Mädchen da, schrieb nur manchmal etwas auf ihren Collegeblock. Doch kaum das es zur Pause klingelte, verschwand es auch schon aus dem Klassenraum. So ein merkwürdiges Mädchen. Es wirkte auf Sakura fast so, als wäre es aus dem Klassenraum geflüchtet, als wolle es keinen Kontakt zu ihnen haben.

Das Dach der Kibou-Oberschule war leer, abgesehen von zwei älteren Schülern, die an einem kleinen runden Tisch saßen, Tee tranken und Kuchen aßen. Sie setzte sich möglichst weit von diesen Schülern weg, ans andere Ende des Daches. Die Sonne hatte es aufgeheizt, sie spürte die Wärme an ihren nackten Füßen. Das tat gut. In der letzten Nacht waren sie so kalt geworden, dass sie sie nicht mehr gespürt hatte. Aber davor... Davor hatten sie höllisch geschmerzt. Langsam sank sie zu Boden, setzte sich mitten ins Sonnenlicht. Es war wunderbar warm. Sie öffnete die Brötchentüte, die sie dabei hatte und holte das darin verpackte Brötchen heraus. Ein kleiner Vogel setzte sich auf ihr Knie. Weitere Vögel folgten. „Hello, you“, murmelte sie. „Want to have a bit bred?“ Sie brach etwas von ihrem Brötchen ab, zerbröselte es und streute es neben sich auf den Boden. Die Vögel pickten die Krümel auf. Voller Vertrauen hüpfte ein kleiner Vogel auf ihre Hand. Vorsichtig strich sie über sein Federkleid. „Do you know, how cute you are? And you're free you can fly everywhere!“ Das Vögelchen tschirpte und sah sie mit schiefgelegtem Köpfchen an. Ein paar Mal hüpfte es auf ihrer Hand herum, dann flatterte es zu den anderen auf den Boden. Sie zog die Beine an und aß die verbleibende Hälfte ihres Brötchens. Wahrscheinlich war das das einzige, was sie in nächster Zeit essen konnte. Die Tatsache, das jeder, der auf das Dach kam, ihre Unterhose sehen konnte, bemerkte sie nicht. Sie wollte nur bequem sitzen. Die Wärme der Sonne genießen, bevor die Kälte der Nacht wieder über sie hereinbrechen würde. Wo sollte sie diese Nacht schlafen? Auf einer Parkbank? Versteckt unter Büschen? Aber egal wo sie schlief, es würde wieder teuflisch kalt werden. Und hoffentlich würde sie in dieser Nacht in Ruhe gelassen werden - nicht so, wie mehrmals in der letzten Woche. Sie hatte sechs Störungen gezählt, das bedeutete, sie hatte... Heftig schüttelte sie den Kopf, sie wollte nicht daran denken. Die Schulglocke schrillte zur nächsten Stunde. Sie streckte sich ausgiebig, sie verspürte in keiner Weise die Motivation, in den Klassenraum zurückzukehren. Dort war es so laut, zu laut, sogar wenn für alle anderen scheinbar Stille herrschte. Also blieb sie sitzen. Im warmen Sonnenlicht auf dem warmen Dach. Langsam schlossen sich ihre Augen, ihr Kopf kippte nach vorne,ihre angezogenen Beine und ihre Arme sanken zur Seite. Einige Vögel hüpften auf ihre Beine, ihre Schultern, ihre Hände, andere setzten sich um sie herum, als wollten sie alle gemeinsam ihren Schlaf bewachen.

Eine Woche später:
Schnaubend wie eine Dampfwalze lief Sakura durch die menschenleeren Flure der Kibou-Oberschule. „Sie muss hier doch irgendwo sein!“, schimpfte die Jugendliche lautstark. „Sie wird nach Hause gegangen sein“, meinte Ogami lapidar, der ihr in einigem Abstand gemächlich folgte. „Das glaube ich nicht! Sie wird wohl kaum ohne ihre Schultasche nach Hause gehen!“, protestierte Sakura und stieß die Tür zum Dach auf. Erschrocken erhob sich ein Schwarm verschiedenster Vögel. Im sachten Wind lag der leichte Geruch nach Blut. Sakura sah sich aufmerksam auf dem Dach um. Ihre neue Klassenkameradin lief unruhig auf dem Dach umher. „Hey, Rutherford-san!“, rief Sakura ihr zu. „Lass sie in Ruhe. Wie die ganze Woche über“, sagte Ogami kühl. Mittlerweile stand er neben Sakura. „Aber sie macht das schon die ganze Zeit über! Sie kommt zur ersten Stunde, verschwindet dann und Abends finde ich sie auf dem Dach wieder! Das kann doch nicht so weitergehen!“, erwiderte Sakura ungewollt aggressiv. „Rutherford-san!“ Die Mitschülerin zuckte zusammen, stolperte über ihre nackten Füße, stürzte und blieb auf dem Dach liegen. Sakura erschrak und beeilte sich, zu dem Mädchen zu kommen. „Hey, geht es dir gut? Hast du dir weh getan?“ Sie streckte eine Hand nach dem Mädchen aus, das sich mittlerweile aufgesetzt hatte. Beide Knie hatte sie sich aufgeschlagen. „Don't touch me...“ Die Worte des Mädchens waren nur ein leises Flüstern, welches sich im Wind verlor. „Was hast du gesagt?“ Sakura hielt in der Bewegung inne. Die neue Klassenkameradin rutschte mit ängstlicher Haltung von ihr weg. „Ich will dir doch nur helfen“, sagte Sakura sanft und folgte dem Mädchen langsam. Ruckartig sprang das Mädchen auf und rannte auf den Ausgang zu. „Jetzt warte doch!“, rief Sakura ihr nach und lief ihr hinterher. Sie erwischte die Hand des blonden Mädchens. Wie vom Blick der Medusa getroffen blieb es stehen. Plötzlich wirbelte es herum, Sakura sah zwei goldfarbene Augen im Licht der untergehenden Sonne aufblitzen. Dann spürte sie einen dumpfen Schmerz in der Magengegend. Ihr blieb die Luft weg. Japsend sank sie zu Boden. Was war geschehen? Noch bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte, schloss sich eine Hand mit stählernem Griff um ihren Nacken. Mit so viel Kraft. So viel Brutalität.Wo war Ogami? Wieso half er ihr nicht, wie er es sonst immer tat? Sie hob die Arme, um einen Selbstbefreiungsversuch zu starten. Schmerz schoss ihr brennend wie Feuer in die Muskeln. Panik ergriff sie. Was würde jetzt geschehen? Wieso attackierte ihre neue Klassenkameradin sie? Was hatte sie ihr getan? Plötzlich löste sich der stählerne Griff um ihren Nacken, sie stürzte zur Seite. Verwirrt rappelte Sakura sich hoch, sah sich auf dem Dach der Schule um. Ogami lehnte starr und abwesend an der Tür. Als sie ihn ansprach, reagierte er nicht. Sie gab ihm einen kräftigen Stoß. Er löste sich aus seiner Erstarrung. Sakura sah sich nochmals auf dem Schuldach um. Ihre neue Klassenkameradin war spurlos verschwunden.

Sie konnte sich nicht bewegen. Nicht die Arme, nicht die Beine. Der Untergrund, auf dem sie lag, war angenehm weich. Mühsam setzte sie sich auf. Irgendetwas hell leuchtendes hatte sich um ihre Fußgelenke gewickelt. Was war das? Und wo befand sie sich überhaupt? Unsicher sah sie sich in dem Raum, in dem sie sich befand, um. Er war hell und modern eingerichtet, durch eine große lange Fensterreihe fiel Mondlicht. Wie spät war es mittlerweile? Definitiv war es Nacht. Es war kühl in dem Zimmer, aber nicht unangenehm kalt. Wärmer als es draußen wäre. Aber weshalb befand sie sich überhaupt in diesem Zimmer? Wer hatte sie hergebracht? Und was war überhaupt auf dem Dach der Schule passiert? Waren ihre Klassenkameraden tot? Hatte sie wieder jemanden ermordet? Sie wollte ihre Hände sehen, ob neues Blut an ihnen klebte, aber sie waren ihr auf den Rücken gebunden. An ihrer Kleidung klebte jedenfalls keines. „Wie heißt du?“, fragte plötzlich eine männliche Stimme. Sie zuckte heftig zusammen. Wo kam diese Person her? Warum hatte sie sie nicht schon vorher bemerkt? „E... Ema...“, antwortete sie mit zitternder Stimme, den Blick auf ihre aufgeschlagenen Knie gerichtet. „Nein, nicht den“, sagte die männliche Stimme, „ich spreche von deinem richtigen Namen!“ Erschrocken riss sie den Kopf hoch, ein leiser Schrei entwich ihr. Ängstlich schielte sie zu der Person, die an der Tür lehnte. Er war vielleicht nur ein Jahr älter als sie, aber seine Augen funkelten, als lebte er doch schon länger. Ein Gedanke beschlich sie, den sie noch nie gehabt hatte. Irgendwie sah er ziemlich gut aus, ihr gefielen seine funkelnden Augen und sein Lächeln. Und irgendwie gefiel ihr die Art wie er an der Tür lehnte und sie ansah, ganz ohne Furcht, ganz ohne Angst, ohne Ablehnung, obwohl er einen Teil der Wahrheit – nämlich, was sie war – wusste. Warum? Warum hatte er keine Angst, warum verachtete er sie nicht? Sie senkte ihren Blick wieder auf ihre Knie. Er wollte ihren Namen wissen, ihren Namen, den sie um keinen Preis aussprechen durfte. „Also, wie heißt du?“ Sie schüttelte heftig den Kopf. „I... I can't.... I can't tell you my name... If I do that, she will find and kill me...“ „Wer ist sie?“ „My... My older sister...“ Warum fragte er sie das? Und weshalb antwortete sie? Ihre Fesseln lösten sich sich in Nichts auf. „Eeeeh?!“ Was war das für ein merkwürdiges Material? „Schreibst du mir deinen Namen auf?“ Er reichte ihr einen Collegeblock und einen Stift. Zögernd nickte sie, ergriff Block und Stift und schrieb nach weiteren Zögern ihren Namen auf. Erstaunen zeichnete sich auf dem Gesicht des jungen Mannes ab, als sie ihm Block und Stift zurückgab. „Du heißt Eden?“ Sie nickte erneut. Schweigen. „Das ist mein Name.“ Er reichte ihr erneut den Block. „Hei... Ke...“, entzifferte sie, seine lateinischen Buchstaben waren nicht die besten. „Heike? A girl's name? You are a girl?“ „Äh, nein, das ist mein Nachname, mit dem sprechen mich alle an.“ Sie hatte ihn scheinbar ein wenig verwirrt. „But Heike is a girl's name...“ Oder war sie die verwirrte Person? Sein Lächeln veränderte sich minimal. „Nenne mich einfach Masaomi, okay?“ „Masaomi“, widerholte sie langsam. „Sounds nice...“ „Darf ich dich Eden nennen?“ „No!“ Ihre Antwort fiel ungewollt heftig aus. „It's not a good name, I'm scared of it....“ Sie schlang ihre Arme um ihren Oberkörper. „Kein Problem. Dein wahrer Name wird unser Geheimnis bleiben. Wir werden schon einen neuen Namen für dich finden.“ „Why are you helping me?“ Er lächelte nur geheimnisvoll und und streckte ihr eine Hand entgegen. Zögernd hob sie ihre eigene Hand und näherte sie langsam seiner. Ihr Herz raste. Warum war sie so nervös? Lag es an der Ungewissheit, nicht kontrollieren zu können, was passieren könnte, wenn sie ihn berührte? Oder lag es einfach nur an seiner Anwesenheit, die sie sogleich glücklich, als auch nervös machte? Seine Hand war angenehm warm. Diese Berührung löste ein angenehmes Kribbeln in ihrem Bauch aus. Dann brachen seine Erinnerungen über sie hinein. Alte Erinnerungen. Erinnerungen an Krieg und Frieden. Freundschaft und Verrat. Hass und... Liebe... Erstaunt quietschte sie auf. „Stimmt etwas nicht?“ „How... How could you...“ , stammelte sie hilflos. „How could you fall in love with someone like me?“ „Hm, gute Frage...“, sagte er nachdenklich und legte die freie Hand an sein Kinn. „Aber die könnte ich dir auch stellen!“ „Eh?“ Sie sah ihn fragend an. „You mean, this strange feeling is love? To be happy and nervous at the same time? Having a fast-beating heart?“ „Eindeutige Anzeichen, würde ich sagen.“ Sie ergriff seine Hand mit ihrer zweiten. „But I don't know how to love, I'm only good at killing others.“ „Liebe ist keine Wissenschaft, weißt du? Man handelt dabei instinktiv.“ „Hö?“ „Tu einfach, was du möchtest. Simpel ausgedrückt. Du wirst es schon herausfinden.“ „Sure?“ „Ja.“ Keine Lüge, er meinte das absolut ernst. War sie wirklich noch fähig, etwas zu lernen? Sie war sich da nicht so sicher. Das Einzige, was sie in ihrem Leben wirklich gelernt hatte, waren Techniken, um andere Menschen umzubringen. Zeitweilig hatte sie auch Unterricht erhalten, Einzelunterricht, durch eine Panzerglasscheibe vom Lehrer getrennt. Aber den Obersten war ihre Schulbildung egal gewesen, viel wichtiger waren ihre Mordkünste gewesen. Und ja, darin war sie wirklich perfekt ausgebildet worden. Keines ihrer Opfer hatte überlebt, genauso wenig die Zeugen. „So, und jetzt ab in die Badewanne mit dir!“ Schwungvoll wurde sie herumgewirbelt. „Uhm... Eh... Wait!!!“ Sie drehte sich wieder zu ihm herum, streckte zögernd eine Hand aus und strich ihm langsam die Haare aus der Stirn. Ungewollt entschlüpfte ihr ein glückliches Kichern, dann ließ sie ihre Hand wieder sinken. Verwirrt, und dennoch lächelnd, sah er auf sie herunter, nach kurzer Zeit strich er ihr ebenfalls die Haare aus dem Gesicht. Schnell schloss sie die Augen. Sie spürte, wie sein Daumen sanft über die nackte Haut über ihren Augen strich. „Was für ein hübsches Gesicht...“ Zögerlich öffnete sie ihre Augen wieder. Musterte aufmerksam sein Gesicht. Diesmal ohne das ihr die Haare einen Teil der Sicht versperrten. Ihr Herz setzte einen Schlag lang aus. Er sah wirklich sehr gut aus, seine Augen funkelten leicht golden. So wie ihre eigenen. „Und noch hübschere Augen...“ Er lächelte sie an. Mit einem atemberaubenden Lächeln. „Do you really think so?“ „Ja. Und jetzt wirklich Zeit, dass du in die Badewanne gehst.“ Sie wurde erneut herumgewirbelt und in einen anderen Raum geschoben. „What is this for a room?“, fragte sie verwirrt. So einen Raum hatte sie in seinen Erinnerungen gesehen. Und da sie ihm zugleich ihre gezeigt hatte, müsste er eigentlich wissen, dass ihr dieses Zimmer absolut fremd war. „Das ist ein Badezimmer“, sagte er, während er einen Hebel zog und somit Wasser in einen großen Behälter fließen ließ. Sie trat neben ihn und beobachtete, wie sich der Behälter füllte. Vorsichtig tauchte sie ihre Hand hinein. Das Wasser war angenehm warm. „Ist die Temperatur so in Ordnung für dich? Nicht zu kalt, nicht zu warm?“ Sie sah ihn erst etwas ratlos an, dann nickte sie. „Okay, dann hinein mit dir!“ „Hö? What shall I do?“ Nochmals ergriff sie seine Hand. Sie spürte seinen Blick, der auf ihren Händen ruhte. Bis sie ihre Hand wieder von seiner löste. „Weißt du jetzt die Funktion eines Badezimmers?“ „Yes, thank you.“ „Okay. Du gehst baden, ich besorge dir einen Schlafanzug.“ Mit diesen Worten verließ er das Badezimmer. Für einen kurzen Moment starrte sie die Tür an, dann zog sie sich aus und stieg in das warme Wasser. Fröhlich kichernd planschte sie darin herum. Nach und nach löste sich der Schmutz von ihrer Haut. Die Badezimmertür wurde geöffnet. „Can you help me, please?“ Sie spürte seine Hemmungen, seinen Kampf mit sich selbst, zu ihr ins Badezimmer zu kommen. Ein weiteres Kichern entfuhr ihr, irgendwie fand sie das niedlich. „Na gut“, sagte er schließlich. „Aber ich wasche dir nur die Haare und den Rücken.“ „Thank you!“ Er betrat den Raum, legte etwas auf einer der Kommoden ab und nahm etwas aus einer Schublade. Währenddessen tauchte sie einmal im Badewasser unter. Als sie spürte, das er neben der Badewanne stand, tauchte sie wieder auf. Sanft legte sich eine seiner Hände auf ihr nasses Haar und bog ihren Kopf leicht nach hinten. Plötzlich tropfte etwas Kaltes auf ihren Kopf. Sie zuckte zusammen, damit hatte sie nicht gerechnet. „Keine Angst, das war nichts schlimmes.“ Vorsichtig strichen seine Finger durch ihr Haar, verteilten das Kalte, das auf sie getropft war. Doch nach kurzer Zeit war es nicht mehr kalt und sie hatte Schaum in den Haaren. Mit einem leisen Seufzer schloss sie die Augen und genoss es, wie er sanft ihre Kopfhaut massierte. Immer wieder schnappte sie etwas aus seinen Erinnerungen auf. Er hatte jeden ihrer Morde beobachtet, seit sie in Tokio angekommen war, er hatte ihren Handel mit der wahren Ema beobachtet und hatte mit dieser und einigen Personen in der Schule gesprochen, damit Ema und sie die Schule besuchen konnten. Warmes Wasser lief ihr durch die Haare, über die Kopfhaut, über das Gesicht. Es war so unglaublich angenehm und entspannend. Dann ziepte etwas an ihren Haaren. „Ouch!“, entfuhr es ihr. „Tut mir leid, aber trotzdem, das muss sein, sonst gehen deine Kletten nicht heraus und wir müssten dein Haar abschneiden lassen und ich glaube, du möchtest das nicht...“ Beruhigend tätschelte er ihr den Kopf. Langsam entspannte sie sich wieder, trotz des Ziepens, entspannte, bis sie fast einschlief.
Irgendwann kletterte sie aus der Badewanne, Masaomi hatte das Zimmer schon vor einiger Zeit verlassen. Sie trocknete sich ab und schlüpfte in den Schlafanzug, den er ihr gebracht hatte. Er war ihr zwar einige Nummern zu groß, aber das störte sie nicht, sie empfand zu große Kleidungsstücke als äußerst bequem. Und sie bildeten einen Schutzschild zwischen ihrer Haut und der anderer Menschen. Zögernd öffnete sie schließlich die Badezimmertür und lugte vorsichtig hinaus. Im Wohnzimmer, in dem sie aufgewacht war, war niemand. Sie verließ das Bad, zog leise die Tür hinter sich zu und trat an die lange Fensterreihe, hob den Blick, suchte mit den Augen nach dem Mond, dem stillen Zeugen ihrer Taten, ihres Lebens. Doch sie sah ihn nicht. Die Sterne, die sah sie. Aber nicht ihren geliebten Mond. Er musste doch irgendwo da oben sein, die nächste Neumondnacht war noch so weit entfernt! Kurzentschlossen öffnete sie ein Fenster, kletterte auf die Fensterbank und streckte den Kopf ins Freie, lehnte sich dann mit dem ganzen Oberkörper hinaus. Die Nachtluft war kühl, sie fröstelte in ihrem Schlafanzug, doch sie dachte nicht daran, in das Zimmer zurückzukehren. Nicht, bevor sie nicht den Mond gesehen hatte. Nach einigen Minuten und einigen Verrenkungen entdeckte sie ihn schließlich. Groß, rund und weiß hing er am Himmel. In einem Meer aus Sternen. „Thank you, my friend“, flüsterte sie. Plötzlich spürte sie eine Hand an ihrer Schulter und eine an ihrer Hüfte. Sie wurde sanft ins Wohnzimmer zurückgezogen, landete direkt in Masaomis starken Armen. Mit funkelndem Blick sah er sie an, bevor er leise sagte: „Mir ist gerade eine hervorragende Idee gekommen...“
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