Die Sonne im Gras

von baronesse
KurzgeschichteRomanze / P16
Draco Malfoy Lavender Brown
11.08.2013
11.08.2013
1
2487
 
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Und erneut ein Beitrag zum Harry Potter - Außergewöhnliche Pairingswichteln von lionell/monett.

Ich habe mich als Ersatzwichtel angeboten für gesichtslos!
Pairingwunsch: Lavender Brown x Draco Malfoy  
Schlagwörter: Gänseblümchen, Lippen und Zartbitterschokolade

Bislang hielt ich dieses Pairing für wirklich grotesk und merkwürdig, aber beim Schreiben wurd es immer faszinierender. Ich hoffe es gefällt dir!


___________________



We are not free


Das Haus hinter ihnen erhob sich imposant und düster. Die graue Fassade mochte irgendwann einmal gestrahlt haben, jetzt aber wirkte es wie viele der Herrenhäuser Englands ein wenig aus einer alten Gruselgeschichte entsprungen. Die vielen Erker und matten Fenster taten ihr übriges. Lavender hatte einmal mit ihren Eltern ein solches Haus besichtigt, in dem es angeblich spukte. Da war sie noch klein gewesen und hatte nicht gewusst, dass es Geister wirklich gab, oder dass sie eine Hexe war, und deshalb all die merkwürdigen Dinge um sie herum geschahen. Sonst hätte sie sich erklären können, warum der herrschaftliche Stuhl mit der hohen Lehne und den roten Bezügen plötzlich mehrere Meter nach vorn geschossen war. So waren sie alle, mitsamt dem Reiseführer, schreiend aus dem Raum geschossen, auf der Flucht vor Geistern und unerklärlichen übernatürlichen Phänomenen. Das Haus konnte sich in der nachfolgenden Saison vor Touristen kaum retten, während ihre Eltern ordentlich gelacht hatten. Erst da, als Lavender ihre Magie offenbart hatte, hatten sie ihr erzählt, was Muggel waren, und wer sie waren, und warum sie ihre Tochter bislang normal hatten aufwachsen lassen ohne ihr auch nur ein Sterbenswörtchen von der anderen Welt zu erzählen.

Das Haus war eindeutig Teil dieser anderen Welt, genau wie der junge Mann, der neben ihr auf der Wiese lag. Die hohen Bäume, die das Anwesen umrahmten, ließen nur wenig Sonnenstrahlen auf die Wiese niederfallen, doch einer hatte sich genau neben seinem Kopf verfangen und ließ sein Haar glänzen und helle Punkte in der Wiese entstehen. Lavender beugte sich vor, zupfte eines der Gänseblümchen ab und steckte sie dem Mann kichernd hinters Ohr.

„Lass das“, erklang es genervt und das Blümchen wurde aus dem Haar gezogen und weggerissen. „Ich hab doch gesagt, du sollst mich in Ruhe überlegen lassen.“
„Ja“, seufzte Lavender und drehte sich auf den Rücken. Am Himmel standen fast keine Wolken, nur dunkle Schatten der Äste bedeckten ihn und verkleinerten ihn. Wie die Dekoration einer Theaterbühne, wenn sie einen Sommertag aufführen wollen, aber auch etwas Unheilvolles dabei sein sollte. Sie kaute auf dem Gänseblümchen herum und versuchte, brav zu warten und eine Stelle auf dem Rasen zu finden, wo die Sonne ihren Körper erreichen konnte und sie zeitgleich nicht ewig weit von ihm weg war. Sie wollte schließlich schön braun werden, wenn der Sommer einmal so viel hergab in England. An diese Sache mit der indirekten Sonneneinstrahlung und braun werden durch im Schatten liegen glaubte sie nicht, das war garantiert nur eine geschickte Kampagne von Muggelhautärzten.

Als sie endlich eine Stelle gefunden hatte, suchte sie sich eine bequeme Position und schob die Bikiniträger von ihren Schultern. Wenn schon braun, dann auch richtig. Selbst wenn man es in Hogwarts nicht sehen würde, unter all den Uniformen und langen Röcken und hohen Blusen. Da konnte man ihr sagen was man wollte, aber in manchen Dingen war die Muggelwelt echt aufgeschlossener.
Er warf ihr nicht einmal einen Blick zu, also wagte Lavender es, die Träger noch ein wenig tiefer zu schieben. Eigentlich sollten sie hier im Garten sowieso unbeobachtet sein, seine Eltern waren auf Reisen, aber man konnte ja nie wissen. Soweit Lavender wusste, öffnete sich das Tor automatisch für jeden, der ein Todessermal trug und jeder von denen sollte sie am besten nicht hier sehen, aber schon gar nicht oben ohne. Das war zwar ein bisschen lächerlich, denn wenn man sie hier fand wäre Anstand ihr geringstes Problem, aber dafür war Draco zuständig, während Lavender sich Sorgen um ihre Hautfarbe machte.

Draco. Lavender spuckte das Gänseblümchen aus, was ziemlich bitter schmeckte und beobachtete den Slytherin, der sich auf die Unterarme gestützt hatte und ziellos am Haus vorbei schaute. Er hatte ziemlich viel zu überlegen, das hatte er immer, aber das mochte sie so an ihm. Nach ihrer Beziehung mit Ron Weasley hatte Lavender (und nur mit minimaler Hilfe ihrer besten Freundin Parvati und der Wahrsagelehrerin Sibyll Trelawney) herausgefunden, dass sie sich einen reiferen und erwachseneren Freund suchen musste. Jemand, der auch etwas im Kopf hatte und nicht nur klügeren hinterherrannte, wie Ron, der Hermine und Harry zum Denken hatte. Sie fand ihn ja immer noch süß, aber er war einfach nicht der Richtige für sie, denn Ron brauchte jemanden, der ihn führte, und Lavender brauchte das ebenso.

Die Erkenntnis hatte sie wie ein Schlag getroffen. Parvati auch, denn die war überhaupt nicht angetan von Lavenders Schlussfolgerung oder wen sie sich da als vermeintlich idealen Partner ausgeguckt hatte. Das hatte zu einem ordentlichen Streit zwischen den beiden geführt, und sie hatten sich letztlich mehr aus Gewohnheit vertragen, denn keine der beiden war von ihrer Position abgewichen. Parvati fand Draco immer noch die Verkörperung des größtmöglichen Übels, und Lavender ihn perfekt. Denn wer konnte ihr besser sagen, wo es lang ging als Draco Malfoy? Das erste Mal, als sie ihn aufgesucht hatte, hatte er höhnische Widerworte gegeben und gelacht. Das zweite Mal hatte er ihr allerlei Beleidigungen an den Kopf geschmissen, bis Lavender etwas frustriert erklärt hatte, dass sie zwar ein paar Jahre wie ein Muggel gelebt hatte, aber das nur, weil ihre Eltern wollten, dass sie beide Welten kennenlernte. Ansonsten war sie genauso reinblütig wie Draco selbst.

Sie wusste nicht, ob das den Anstoß gegeben hatte, denn immerhin war Blutstatus eine wichtige Sache für Draco. Das nächste Mal hatte er sie schweigend in einen Kerker gezogen und schwören lassen, dass sie, wenn er sich darauf einließ, nie nie niemals ein Sterbenswörtchen darüber verlieren würde, sonst… Lavender hatte nicht ganz begriffen, was er für eine merkwürdige Zeremonie durchführte, oder warum einer seiner Leibwächter als Zeuge anwesend sein musste. Ihr gefiel das Düstere und dass er die ganze Sache so wichtig nahm und sie hatte brav alles echot, was man ihr vorsprach. Erst später wurde ihr klar, was ein unbrechbarer Schwur war und was er für sie bedeuten würde, aber warum sollte sie Draco hintergehen wollen oder etwas von dem verraten, was er ihr anvertraute?

Jetzt konnte Lavender es nicht mehr, ohne dabei ihr Leben zu riskieren, aber das machte nichts. Draco selbst hatte ihrer Freundin aufgelauert, um sie vergessen zu lassen, was Lavender vorgehabt hatte. Seitdem stritt sie nicht mehr mit Parvati, denn die wusste nicht mehr, wie ihre beste Freundin ihre Trennung überwunden hatte. Sie wusste auch nicht, dass sie danach eine Grundsatzdiskussion über die gute oder böse Seite von Slytherinschülern angefangen hatten. Sie wusste nur das, was immer gewesen war: sie und Lavender waren beste Freundinnen, sie waren in Gryffindor, sie besuchten die DA, sie waren für Harry Potter und gegen Voldemort.

So einfach wie für Parvati war das Leben für Lavender nicht mehr, aber das war nicht ihr Problem. Den Kopf darüber zerbrach sich Draco. Alles was sie tun musste, war ihn abzulenken, wenn er sich, wie jetzt, umdrehte und ihr signalisierte, dass er fertig war mit seiner Bedenkzeit. Lavender rollte sich näher. „Hast du dir deinen hübschen Kopf zerbrochen?“, neckte sie ihn.
Er streckte die Hand aus und schob beiläufig das Bikinitop hinunter. „Darüber brauchst du dir deinen ebenso hübschen Kopf nicht zu zerbrechen, Brown.“
Sie kicherte. Sie mochte es, wenn er sie so ansprach, wie auch in der Öffentlichkeit, herablassend und arrogant. Überhaupt war Draco wenn sie allein waren nicht viel anders als der Draco, der sich in der Schule zeigte. Er war selbstbewusst, arrogant und rechthaberisch, er war der geborene Anführer und wusste immer einen Ausweg. So sah es Lavender zumindest. Dass er manchmal auch keine Lösungen für seine Probleme fand, wusste sie nicht, da er es ihr niemals sagte, sondern sie benutzte, um das zu vergessen. In Dracos Augen gab es niemanden, der so perfekt zur Ablenkung geschaffen war wie Lavender. Nicht einmal Pansy, mit der er das letzte Schuljahr über zusammen gewesen war, die ihn zwar verehrt hatte und die richtige Mischung aus hübschem Gesicht und anbetungsvollen Augen besaß, die als Slytherin aber genug eigenen Stolz besessen hatte um sich nicht zu allem herzugeben. Pansy hatte gezögert, als Draco von ihr verlangt hatte, sich vollständig hinzugeben. Sie hatte sich geweigert einen Schwur zu leisten.

Lavender nicht.
Draco strich der Gryffindor eine der Locken aus dem Gesicht. „Deine Lippen“, murmelte er.
„Was ist damit?“, Lavender stieß ein atemloses Kichern aus. Ihr war gerade aufgefallen, dass sie nun doch oben ohne da lag.
Dracos Lächeln war so kurz wie stets, als er sich über sie beugte. „…gehören verboten.“ Er senkte seinen Kopf noch näher und küsste sie. „Du schmeckst nach Zartbitterschokolade, weißt du das eigentlich?“, fragte Draco sie nach dem Kuss. Irgendwie war er währenddessen auf ihr gelandet und obwohl er nicht zu schwer war, war das doch nicht der Sinn des Sonnenbadens und Lavender stieß ihn von sich herunter. Er trug ja nicht einmal Sommerkleidung, sondern ein steifes Hemd und einen Umhang, den er unter sich gelegt hatte, damit das Hemd nicht vom Gras schmutzig wurde.

„Ja, du hast es mir schon mal gesagt“, Lavender kicherte.
Dracos Blick verweilte kurz auf ihrem Gesicht, dann wanderten seine Augen tiefer.
„Und du magst Zartbitterschokolade“, stellte Lavender fest. Das wusste sie mittlerweile auch, deshalb aß sie immer heimlich einen kleinen Bissen davon. Nicht zu viel, schließlich musste sie auf ihr Gewicht achten. Immerhin war das alles ja Teil ihrer Abmachung. Was sie von Draco wollte, war ja ziemlich klar, aber sie war überrascht gewesen, dass der Slytherin sie als hübsch bezeichnet hatte mit einer guten Figur und dass er das ernst gemeint hatte. Lavender, mit ihrer besten Freundin Parvati, war bislang neben der immer untergegangen. Und vor allem hatte sie geglaubt, dass den Slytherins ihre Hochnäsigkeit die Augen trüben würde oder sie Schönheit aufgrund von Hauszugehörigkeit und Reinblut beurteilten. Stattdessen hatte sich gezeigt, dass Draco sehr wohl aufgefallen war, dass Parvati und ihre Schwester recht hübsch waren, er aber mehr auf Frauen mit Kurven stand und braune Haare und geschwungene Lippen einem Moccateint und glattem schwarzen Haar vorzog.

„Ich komme einfach nicht weiter“, Draco seufzte.
Lavender fuhr mit seinen Fingern über seinen Unterarm. Er hatte das Hemd hochgekrempelt, was er nur tat, wenn sie allein waren. Das Mal, was auf seinem Unterarm eintättowiert war, berührte sie nicht. Das hatte sie nur einmal getan und der Stich, der sie dabei durchfahren hatte, war genug Schmerz für die nächsten Jahre. Vorsichtig fuhr sie daher die Konturen ein Stück entfernt entlang. „Hat es mit ihm zu tun?“, wollte sie wissen. Sie redeten nicht viel über ihn, denn obwohl Lavender nichts verraten konnte, hielt Draco diese Dinge von ihr fern. Er wusste, es war nicht ihre Welt und ließ sie schaudern. Lavender liebte ein kleines bisschen Gruseln und den Hauch des Verbotenen, aber sie konnte sich nicht vorstellen, was manche der Todesser trieben und wollte es auch gar nicht. Lieber war ihr, von Draco und seiner Familie als mysteriöse Angestellte zu denken, die organisatorische Dinge erledigten, aber nichts Böses taten. Lucius Malfoy war schließlich im Zaubereiministerium angestellt. Er konnte gar nichts Böses tun, das würden die da doch sofort merken.

„Kann ich etwas für dich tun?“, wollte sie wissen und ließ ihre Wimpern flattern. Draco bemerkte es leider nicht, dabei hatte sie dieses Kunststück wirklich lange vor dem Spiegel geübt. Sie hoffte, dass es verführerisch aussah.
„Nein, nicht in dem Sinne.“ Dracos Augen waren noch immer abwesend und verrieten, wie sehr ihn diesmal beschäftigte, was immer er mit sich herum schleppte. „Wir hatten das doch schon“, fuhr er in dem arroganten Tonfall fort. „Versuch nicht wie Pansy zu werden oder irgendeiner dieser … Hunde. Ich will deine Hilfe nicht. Ich will dass du deinen Mund hältst und mich denken lässt.“

Lavender ließ ihren Kopf hängen. Also war er noch nicht fertig mit denken? Sie hatte gehofft…
„Und verzieh nicht dein Gesicht, das steht dir nicht.“ Dracos Worte waren hart. „So ist es besser. Mach mal deinen Schmollmund.“
Lavender kam seinem Wunsch sofort nach. „Ja, das bringt mich auf andere Gedanken“, Draco erhob sich und reichte ihr eine Hand. Beim Aufstehen rutschte das Bikinioberteil völlig zu Boden und blieb dort liegen. Lavender achtete nicht darauf. Solange seine Eltern weg waren, war es unwahrscheinlich, dass jemand zu dem Herrenhaus der Malfoys kam. Sie hatten das Anwesen ganz für sich und sie könnte ihr Oberteil später holen. Manchmal fühlte sie sich hier wie in einer unwirklichen zweiten Realität, die vom Rest der Welt abgeschottet und vergessen war. Hier gab es keine Todesser und du-weißt-schon-wen und die Probleme, die das alles mit sich brachte. Hier gab es nur sie und Draco, oder hätte es gegeben, wenn seine Grübelei die Illusion nicht immer wieder stören würde.

Für heute war Draco mit dem Denken fertig. Er führte Lavender, die heimliche Freundin, das willige Ablenkungsmanöver, hinein in sein Elternhaus um für ein paar Stunden zu vergessen, dass diese Beziehung genauso unmöglich war wie sein restliches Leben. Er hatte sie etwas schwören lassen, was sie umbringen würde, wenn sie es brach und sie dennoch nicht retten würde, wenn sie sich daran hielt. Denn in diesem Krieg würde er sie nicht schützen können, und es war das Beste, wenn er sie nach den Ferien wegschickte und gehen ließ. Sein Geheimnis war bei ihr sicher, das wusste er, aber sie konnte es bei ihm niemals sein. Nur für heute würde er das noch eine Weile länger verdrängen und Lavender würde ihm dabei helfen…

We are lost and forgotten
Review schreiben