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Ein Schritt vor sind zwei zurück

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
09.08.2013
11.12.2017
48
98.282
43
Alle Kapitel
299 Reviews
Dieses Kapitel
12 Reviews
 
 
09.08.2013 1.516
 
Herzlich Willkommen zu meiner neuen Geschichte :)
Ich danke Marla Lovett und jammitoo, die mir bei der Auswahl eines Titels geholfen und sich mein Gejammer über ein Kreatief angehört haben, ebenso wie meiner Beta MiniMango ;)
Nochmals danke an jammitoo, die mir zusammen mit StoneHeard alle Fragen rund um Babys, Mütter und das ganze Drumherum beantworten :)

Diese Geschichte widme ich meiner lieben StoneHeard, durch die ich überhaupt weitergeschrieben habe, nachdem meine erste Zeit hier nicht wirklich erfolgreich war. Ich habe es keinen Tag bereut, meine Leidenschaft nicht aufgegeben und weitergemacht zu haben!

Schaut auch gerne mal bei meinem aktuellen Projekt Gefühle und andere Geschäfte vorbei!


Und nun viel Spaß!

Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit real existierenden Personen oder tatsächlichen Begebenheiten wären reiner Zufall



22. Februar 2012


„Mann, das gibt’s doch nicht“, stöhnte ich genervt, als der quietschgelbe Ford Ka vor mir herschlich.
Seit bestimmt fünf Minuten fuhr die Trantüte vor mir mit fünfzig Sachen durch die Gegend. Ich selbst war eigentlich kein Drängler, doch ausgerechnet heute hatte ich es  mal eilig. Und dann sowas!

Die Straße verlief leicht ansteigend durch einen Wald, doch das war noch lange kein Grund, sein Auto um die Kurven zu tragen!

Der Gegenverkehr ließ nicht zu, dass ich überholte, zu dicht aufeinanderfolgend kamen mir die Autos  entgegen geschossen. Es war sechs Uhr, stockdunkel und ich steckte mitten im Berufsverkehr.

Trotz des kalten Februars war es glücklicherweise nicht glatt, was also auch nicht als Ausrede für den Trödler vor mir gelten konnte.

Wütend trommelte ich mit den Fingern auf mein Lenkrad, unfähig dazu, etwas anderes zu tun als dem Verkehrshindernis zu folgen. Seufzend schaltete ich das Radio aus und rief meinen Bruder an.

„Hey, Nils, ich bin’s. Bin zu spät aus der Arbeit gekommen und jetzt schleicht auch noch so ein Sonntagsfahrer vor mir durch die Gegend! Ich schaffe es wahrscheinlich nicht pünktlich ins Kino“, sprach ich missmutig in den Hörer.

Hoffentlich hörte mein Bruder seine Mailbox ab, bevor er die Karten kaufte.
Ich weiß, telefonieren während des Autofahrens ist verboten und gefährlich, allerdings rollte ich hier mit gefühlter Schrittgeschwindigkeit die Straße entlang. Da hatte ich nicht wirklich ein schlechtes Gewissen.

„Scheiße!“, schrie ich entsetzt auf, als der Fahrer vor mir urplötzlich in die Eisen ging. Sofort tat ich es ihm gleich, sah mich nach einem Tier um, das vor die Motorhaube gelaufen war, konnte aber nichts erkennen.

Schlingernd fuhr der Kleinwagen weiter. Mein Ärger schlug in Besorgnis um.

So schlecht KONNTE doch kein halbwegs vernünftiger Mensch fahren!

Als auch noch unregelmäßiges Hupen zu mir durchdrang, war ich endgültig alarmiert. Irgendwas stimmte da nicht.

Gerade als ich fieberhaft nach einer Lösung suchte, riss der Fahrer das Lenkrad nach rechts und fuhr in den Straßengraben. Genug Schwung, um in die etwas höher gelegenen Bäume zu rauschen, hatte das gelbe Auto glücklicherweise nicht.

Lediglich einen Leitpfosten nahm es mit. Ich warf einen kurzen Blick in den Rückspiegel -wäre hinter mir ein Auto gewesen, wäre es mir sowieso schon aufgefahren. Ich hatte bereits scharf gebremst und heftig auf den Warnblinkknopf geschlagen.

Was muss man bei einem Unfall zuerst tun?  
Ich glaubte mich zu entsinnen, dass gleich die Unfallstelle zu sichern war, doch ich wollte erst nachsehen, wie es der Person im Wagen vor mir ging.

Schnell sprang ich aus meinem Auto, spürte die eisige Kälte nicht, weil das Blut vor Aufregung durch meine Adern rauschte.

„Hallo? Sind Sie verletzt?“, rief ich und riss die Tür auf. Zur Antwort bekam ich einen schrillen, schmerzerfüllten Schrei.

Das Gesicht der jungen Frau war knallrot und von Tränen überströmt, eine Hand presste sie auf ihren prallen Bauch, die andere umklammerte so fest das Lenkrad, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten. Ihre beige Hose war an den Beininnenseiten komplett durchnässt.

Panik überkam mich. Mit allem hatte ich gerechnet, aber nicht mit einer Schwangeren, die in den Wehen lag!

„Hilfe!“, schrie sie und griff nach meiner Hand. Ihre war schweißnass.
Konzentrier dich, ermahnte ich mich selbst.

„Ich rufe den Notarzt“, beruhigte ich sie und versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass sie mir gerade die Fingerknöchel zermalmte. Es wäre unpassend, sie darauf hinzuweisen, dass sie mir wehtat.

„Nein“, stöhnte sie. „Das dauert zu lang… Ich wollte…“, weiter kam sie nicht, eine neue Wehe erschütterte ihren schmalen Körper.
Ich ahnte, was sie vorgehabt hatte. Das nächste Krankenhaus war nur noch wenige Kilometer entfernt.

„Okay, ich fahre Sie.“ Sie nickte mehrmals zum Zeichen dafür, dass sie mich verstanden hatte.

„Ich muss nur schnell das Warndreieck aufstellen, sonst haben wir gleich den nächsten Unfall.“
Das Heck ihres Autos ragte ein Stück auf die Fahrbahn, der nächste würde vielleicht nicht mehr rechtzeitig bremsen können.

Ich sah die Panik in ihren Augen, die Angst davor, dass ich mich aus dem Staub machen würde.

„Ich komme gleich wieder“, versprach ich lächelnd und strich eine schweißnasse Strähne ihres hellblonden Haars aus ihrer Stirn.

Ich spürte, wie ungern sie meine Hand losließ, also sprintete ich so schnell ich konnte zu meinem Wagen, riss den Kofferraum auf und hatte wenige Augenblicke später das Warndreieck aus der Verbandstasche gepfriemelt.

Keuchend rannte ich mit meinen teuren Lederschuhen am Straßenrand entlang durch den Dreck, hielt das Warndreieck vor meine Brust, damit die anderen Autofahrer gewarnt waren.

Nach geschätzten hundert Metern stellte ich es auf.
Mein Gott, war ich unsportlich! Meine Lungen brannten von der eiskalten Luft.

Fürs neue Jahr hatte ich mir vorgenommen, mehr Sport zu treiben. Ab heute würde ich das auch durchziehen. Ganz bestimmt!

Wenige Augenblicke bevor ich schwer atmend den PKW der jungen Frau erreicht hatte, begann sie wieder zu hupen. Ich hörte sie schreien und war gleich darauf an ihrer Seite. Vor Schmerz schlug sie mit den Händen auf das Lenkrad.

„Ich bin wieder da. Kommen Sie, ich bringe Sie in mein Auto.“

Schnell zog ich den Schlüssel ab und schob ihn in meine Hosentasche. Dann betätigte ich den Warnblinker und ließ den Sitz so weit wie möglich nach hinten gleiten. Ihren linken Arm legte ich um meine Schultern und umgriff ihren schmalen Rücken.

Natürlich hielt niemand an, um mir zu helfen.

Unter viel gutem Zureden schaffte ich es, sie aus dem Wagen zu ziehen. Sie begann wieder fürchterlich zu schreien und verkrampfte sich, also schleifte ich sie mehr über die Straße, als dass sie ging.

Langsam bekam ich es mit der Angst zu tun. Sie durfte das Kind nicht bekommen, bevor wir im Krankenhaus waren!

Ich war Logopädin und keine Hebamme, verdammt nochmal! Und wenn ich nur ein wenig Blut sah, wurde mir sofort schummrig.

„Wir schaffen das. Sie machen das großartig. Noch ein paar Schritte, dann sind wir da“, wiederholte ich immer und immer wieder, betete es wie ein Mantra vor mich hin.

Tatsächlich hatten wir es bis zur Beifahrertür meines Golfs geschafft.
Mein Ohr klingelte beunruhigend, als sie erneut unter Schmerzen aufschrie.

„Meine Tasche“, keuchte sie, „in meinem Wagen! Rückbank!“

„Tasche…Rückbank“, murmelte ich vor mich hin, wetzte zurück zu ihrem Auto und griff nach ihrer dunkelgrünen Reisetasche.

Ich hastete auf meinen Sitz, startete den Motor und fuhr in Rennfahrermanier los.

Wenn ich nicht gerade schalten musste, hielt ich die ganze Zeit ihre Hand. Das war das einzige, was ich im Moment für sie tun konnte. Die andere hatte sie fest um den Türgriff gekrallt.

„Wie heißen Sie?“, fragte ich, um sie irgendwie abzulenken.
„Melanie“, stöhnte sie und kniff die Augen zusammen.
„Ich bin Katharina.“

Ich überfuhr eine dunkelgrüne Ampel und bog in abenteuerlicher Geschwindigkeit rechts ab, ignorierte die erbosten Autofahrer hinter mir, die hupten wie verrückt.

Wenn die wüssten!

„Soll ich Musik anmachen?“, fragte ich nervös. Unfallopfer sollte man unbedingt ablenken, auch wenn ich mir sicher war, dass sie nicht in Ohnmacht fallen würde.

„I will survive“, dröhnte aus den Lautsprechern meines altersschwachen PKWs. Ein denkbar ungünstiges Lied für diese Situation.

„Melanie, wir sind gleich da“, versuchte ich sie zu beruhigen.

Ich wusste nicht viel über Schwangerschaft und Geburt, doch dass die Wehen in immer kürzeren Abständen hintereinander auftraten, war selbst für mich ein Warnzeichen, dass das Ei bald schlüpfen würde.

„Atmen!“, rief ich panisch, als ich befürchtete sie würde mir vor Schmerz jeden Finger einzeln ausreißen. Das sagten die in den Filmen doch auch immer.
„ICH ATME DOCH!“, schrie sie zurück.
„Na gut, dann…. Weiteratmen!“
Ja, ich war ganz Herrin der Lage!

Wahrscheinlich war ich genauso erleichtert wie die junge Frau, als ich das Schild der Notaufnahme hell erleuchtet in wenigen Metern Entfernung sah.
Ich hielt mit quietschenden Reifen an, hupte zweimal lang und sprang aus dem Auto.

Die dumm gaffenden Passanten schrie ich an, dass sie Hilfe holen sollten.
Ich hatte die schmale, krebsrote und patschnass geschwitzte Frau gerade auf die Beine gezogen, als auch schon zwei Sanitäter mit einer dieser fahrbaren Tragen ankamen. Oder waren es Ärzte? Krankenpfleger?

Eigentlich war es mir auch egal, Hauptsache Melanie wurde endlich geholfen! Diese Schmerzen würde ich keine Minute ertragen!

Als wir sie zu dritt auf die Trage bugsiert hatten, ergriff sie meine Hand.
„Bitte… Kommen Sie mit!“

Unsicher sah ich das Krankenhauspersonal an. War das überhaupt erlaubt?

„Lassen Sie mich nicht allein!“, flehte sie.
Als diese nickten, lächelte ich sie schüchtern an.
„Ich bleibe bei Ihnen.“
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