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Der Plan seines Lebens

von - Leela -
GeschichteFantasy / P12
He-Man Man-At-Arms Orko Skeletor Teela
05.08.2013
05.08.2013
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05.08.2013 3.657
 
Skeletor stand über einen Plan gebeugt und starrte auf die Aufzeichnungen. Evil-Lyn und Triclops waren bei ihm und sahen ebenfalls skeptisch auf das Papier. „Wir müßten die Rotons hier und hier einsetzen!“ Er deutete auf zwei Stellen auf dem skizzierten Lageplan.
      Evil-Lyn strich sich mit dem Zeigefinger skeptisch über die Unterlippe. „Dein Plan klingt gut, Skeletor!“ sagte sie langsam, bewußt anerkennend. „Trotzdem bin ich besorgt, was die Durchführung angeht!“ setzte sie nach.
      „Wie meinst du das?“ Skeletors Tonfall hatte einen Unterton, der eigentlich keine Kritisierung seines Plans duldete.
      „Ganz einfach: Die Bewohner von Eternos sind nicht dumm! Wenn du jeweils drei unbemannte Rotons in diese Gebiete sendest, um die Wachen abzulenken, werden noch genug Wachen da sein, um die anderen Bereiche zu schützen. Selbst wenn du die Rotons nachher zerstreust und auf den Palast feuern läßt. Dazu sind die Wachen nämlich da, um den Palast umfassend zu schützen!“
      „Ja!“ pflichtete auch Triclops bei. „Außerdem werden sie die Rotons sehr schnell außer Gefecht setzen, und dann ist die Alarmbereitschaft noch höher!“
      „Hmm… Wir können noch drei Rotons hier oben einsetzen!“ überlegte Skeletor. „Mehr habe wir leider nicht zur Verfügung, die wir entbehren können!“
      „Wir können eigentlich keinen entbehren!“ fuhr Evil-Lyn auf. „Ich für meinen Teil halte sowieso den ganzen Plan nicht für durchführbar!“
      „Ich dulde keinen Widerspruch!“ donnerte Skeletor. „Man muß das ganze nur vernünftig planen, dann klappt das auch!“
      „Ja, da gebe ich Skeletor recht“, erwiderte Triclops langsam und schmeichelte dem Herrn von Snake Mountain damit. „Allerdings bräuchten wir für die Aktion ungefähr dreißig Rotons mehr, um unbemerkt in den Palast zu kommen!“
      Skeletor war einen Augenblick sprachlos vor Ungläubigkeit. Dann fuhr er auf: „Was soll der Unsinn? Der Plan ist gut! Und wir werden ihn auch durchführen!“
      „Skeletor, das ist nicht das einzige!“ sagte Evil-Lyn. „Ich unterstütze zwar deinen Plan, von innen anzugreifen. Aber nehmen wir mal an, dein Plan würde tatsächlich klappen, und die Rotons könnten die Wachen so weit ablenken, daß wir bis in den Palast vordringen können: Dort drinnen sind ebenfalls Wachen! Und ich befürchte, die warten nur auf uns! Allein durch die Rotons werden sie alarmiert sein!“
      „Willst du damit sagen, sie rechnen mit einem Angriff von innen?“ herrschte Skeletor sie an.
      „Ich sagte bereits, die Leute aus Eternos sind nicht dumm!“ wiederholte die Hexe fest.
      Einen Augenblick lang hielten sie den Blick. Dann sah Skeletor wieder auf den Plan. „Was habt ihr also für Vorschläge?“
      Triclops und Evil-Lyn schwiegen. Sie wechselten einen schnellen verhaltenen Blick. Keiner von beiden glaubte daran, daß diese Mission ein Erfolg würde. Aber das mochte keiner der beiden Skeletor so deutlich mitteilen.
      „Skeletor, vielleicht sollten wir über eine andere Möglichkeit…“
      Weiter kam Evil-Lyn nicht. „Ich habe diesen Plan ausgearbeitet! Und meine Pläne sind gut! Die werden nicht einfach so wieder verworfen!“ unterbrach Skeletor sie forsch.
      Evil-Lyn seufzte und verdrehte die Augen. „Na gut, probieren wir es! Auf einen Mißerfolg mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an!“
      „Wie bitte?“ Hätte es diese Möglichkeit gegeben, Skeletor wäre vor Zorn rot angelaufen.
      „Ich stimmte dir gerade zu, deinen Plan in die Tat umzusetzen!“ meinte Evil-Lyn leicht angenervt.
      „Das will ich dir auch geraten haben! Und ab jetzt wünsche ich nur noch konstruktive Beiträge zum Thema!“
      Evil-Lyn seufzte erneut. „Na gut! Also: Die unbemannten Rotons, die Trapjaw und Triclops entsprechend umbauen werden, sind dazu da, um die Wachen des Palastes abzulenken. Wenn diese abgelenkt sind…“ - ‚Was ich noch zu bezweifeln vermag’, fügte sie in Gedanken ein. - „… arbeiten wir uns unbemerkt in den Palast vor. Und dann?“
      „Und dann stürmen wir den Thronsaal und greifen uns direkt König Randor!“ führte Skeletor aus.
      „Klingt für mich wie eine Verzweiflungstat!“ kommentierte Triclops.
      „Was soll denn dieser unsachliche Kommentar?“ fuhr Skeletor erneut auf.
      „Woher willst du wissen, daß sich König Randor, wenn sein Palast gerade von einer Horde Rotons angegriffen wird, überhaupt im Thronsaal befindet?“ fragte Evil-Lyn.
      Triclops schickte ihr einen schnellen Blick, der ein stilles, ernstgemeintes ‚Danke!’ ausdrückte.
      „Es gibt Alternativen zu diesem recht simplen Plan!“ erklärte Skeletor.
      „Zum Beispiel?“ erkundigte sich Triclops neugierig.
      „Die eine ist: Wir schnappen uns an der Stelle des Königs seinen Sohn, Prinz Adam! Oder wir gabeln den König woanders auf und schnappen ihn uns dort!“
      Evil-Lyn konnte einen zweifelnden Blick nicht ganz vermeiden. Doch sie sagte nichts dazu.
      „Eine andere Frage: Was ist mit dem »He-Man-Faktor«?“ warf Triclops ein. Dieses Mal erntete er einen dankbaren Blick von Evil-Lyn.
      „Dafür ist ja die Geiselnahme des Königs oder des Prinzen gedacht!“ erklärte Skeletor mit schwindender Geduld. „Alternativ eignet sich hierfür auch Königin Marlena!“
      „Okay!“ sagte Evil-Lyn wie jemand, der angestrengt versuchte, einen Sachverhalt im Ganzen zu verstehen. „Also: Wir stürmen bis zum Thronsaal vor und schnappen uns ein beliebiges, gerade vorhandenes Mitglied der Königsfamilie. Soweit habe ich das begriffen! Aber wie genau geht es dann weiter? Wie soll uns das vor He-Man schützen?“
      „Du verstehst heute aber auch gar nichts!“ beschwerte sich Skeletor. „Wenn wir erst einmal jemanden aus der Königsfamilie haben, können wir jede Forderung stellen, die uns beliebt! Die Kapitulation He-Mans, die Übernahme des Palastes, die Auslieferung Graysculls, die Herrschaft über Eternia…“
      „Ah…“ Evil-Lyn nickte verstehend.
      „Du hast es jetzt verstanden?“ schloß Skeletor ungeduldig.
      „Ja!“ erwiderte sie. „Da ist nur eine Sache…“
      „Ja? Was ist denn jetzt noch?“ erkundigte sich Skeletor.
      „Die Sache mit der Ablenkung durch die Rotons, die nicht funktionieren wird, und die Wachen, die uns im Palast in Empfang nehmen werden, bevor wir überhaupt irgendwohin kommen werden!“
      „Du sollst nicht immer gleich alles so negativ sehen!“ grollte Skeletor.
      Triclops schüttelte leicht den Kopf. „Ich sehe das genauso. Der Plan ist zu einfach, Skeletor!“ Man merkte ihm an, daß er liebend gern noch mehr Einwände gebracht hätte als die, die Evil-Lyn noch einmal wiederholt hatte, davon aber vorsichtshalber absah.
      Die Hexe schickte ihm einen Seitenblick, der andeutete, daß auch ihre Liste noch nicht abschließend gewesen war.
      „Genau das ist ja der Punkt!“ erklärte Skeletor. „Der Plan ist so einfach, daß niemand darauf kommt! Allein das wird die Palastbewohner irritieren! Und uns zum Sieg verhelfen!“ Auf den skeptischen Blick von Triclops hin, fuhr er fort: „Wir sind noch nie auf den Gedanken gekommen, mal einen so einfachen Plan zu verfolgen! Bislang hatten wir - bekannterweise - noch nie Erfolg! Vermutlich deswegen, weil wir immer viel zu kompliziert gedacht haben!“
      Evil-Lyn haderte einen Moment mit sich, sagte dann aber doch: „Ja, Skeletor, aber das hier kann nicht klappen!“
      Skeletor beugte sich vor, so daß sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt war. „Das, meine liebe Evil-Lyn, muß erst noch bewiesen werden!“
      Evil-Lyn mußte sich bemühen, nicht erneut die Augen zu rollen. Als Skeletor sich wieder aufrichtete und den Plänen zuwandte, wechselte sie mit Triclops einen Blick, und beide hoben synchron die Schultern. „Wie geht es jetzt also weiter, Meister?“ Das letzte Wort betonte sie auf eine ganz besondere Art und Weise.
      „Zuerst muß der Umbau der Rotons abgeschlossen werden, damit sie unbemannt nach Eternos geflogen werden können. Trapjaw ist damit bereits beschäftigt. Evil-Lyn, du wirst den Fortschritt überwachen und mir Bericht erstatten. Und du, Triclops, bekommst noch eine andere Aufgabe. Wir benötigen einen Späher, damit wir überwachen können, wann wir in den Palast vordringen können. Bereite einen vor, der möglichst unauffällig ist!“
      Triclops nickte notgedrungenermaßen.
      „So, und nun laßt mich allein! Ich habe noch einiges zu erledigen. Berichterstattungen bitte nur, wenn es etwas wirklich wichtiges zu berichten gibt! Die nächsten Augenblicke möchte ich nicht gestört werden!“
      Die beiden nickten als Zeichen, daß sie verstanden hatten. Dann verließen sie die Zentrale.

Auf dem Weg von der Zentrale weg waren Triclops und Evil-Lyn zunächst einmal in tiefes Schweigen versunken.
      Triclops war der erste, der das Schweigen brach. „Das wird der Reinfall des Jahrhunderts!“
      „Mir mußt du das nicht erzählen!“ sagte Evil-Lyn.
      „Der Plan ist Irrsinn! Wenn wir mit heiler Haut davon kommen, dann können wir schon von einem Sieg sprechen“, fuhr er rhetorisch fort.
      „Ich wette, das weiß er auch. Laß ihn noch einen Augenblick nachdenken. Dann wird er vermutlich selber darauf kommen. Dann wirft er uns vor, was für einen kindischen Plan wir ausgearbeitet haben, präsentiert uns etwas neues und wir sind aus dem Schneider!“
      „Na, hoffentlich!“ ließ sich Triclops vernehmen. „’Der Plan ist so einfach, daß niemand darauf kommt!’ Daß ich nicht lache!“
      „Ich soll nicht immer gleich alles so negativ sehen!“ zitierte Evil-Lyn. „Wenn er mir keinen Grund dazu gibt, tue ich das auch nicht!“
       Triclops schüttelte den Kopf. „Ich hoffe sehr, daß er bald zur Vernunft kommt! Vielleicht kann man aus den Ansätzen wirklich einen guten Plan entwickeln. Aber so… Die Liste der Schwachstellen ist länger als die Liste der einzelnen Phasen des Plans!“
      „Mal sehen, was wir präsentiert bekommen, wenn wir das nächste Mal zu ihm zitiert werden. Ich vermute mal, dann haben wir vielleicht schon einen modifizierten Plan, der unseren Anforderungen sogar entspricht. Darauf wäre ich wirklich sehr gespannt. Jetzt sollten wir aber erst mal tun, was er sagt.“
      Triclops nickte. Gerade erreichten sie einen Quergang. „So, ich muß jetzt in meine Werkstatt!“
      „Ja, hier trennen sich unsere Wege erst Mal. – Trotz der Unsinnigkeit des Auftrags: Viel Erfolg!“ wünschte sie mit einem Schmunzeln.
      „Das wünsche ich dir auch!“ erwiderte er grinsend.
      Dann ging jeder seiner Wege.

Skeletor wanderte in der Zentrale auf und ab und dachte nach. Die Bedenken, die Evil-Lyn und Triclops geäußert hatten, waren nicht von der Hand zu weisen. Wenn sein Plan funktionieren sollte, mußte er noch einige kleinere Komplikationen aus dem Weg räumen. Das hatte er seinen Gefolgsleuten so natürlich nicht sagen können! Nicht zumindest, bis er die richtigen Ideen entwickelt hatte, um die Schwachstellen in dem Plan auszumerzen.
      Ein merkwürdiges Geräusch mischte sich in die unruhigen Schritte des Herrn von Snake Mountain.
      Skeletor wirbelte herum. „Wer wagt es, mich in meinen Gedanken zu stören? Ich werde…“
      „Ja?“ fragte eine dunkle Stimme. „Du wirst was?“
      Skeletor stockte und schaute sich suchend nach der Person zu dieser mysteriösen Stimme um. „Wer ist da? Zeig’ dich, du Feigling!“
      Die Schatten rissen auseinander, und aus der Dunkelheit trat eine hochgewachsene Gestalt in einer schwarzen Kutte hervor. In dem fahlen Licht von Snake Mountain blitzte die Klinge einer Sense auf.
      Skeletor sah die Gestalt und die Sense verständnislos an. „Soll das ein billiger Scherz sein?“
      „Ich mache selten Scherze, Skeletor!“
      Skeletor stolperte unwillkürlich einen Schritt rückwärts. „Evil-Lyn! Ist das ein Trick von dir? Laß den Unsinn! Heb’ dir solche Ideen für die Masters auf! …“ Er hielt inne. „Ja, das ist phantastisch! Du hast mich überzeugt, Evil-Lyn! Das können wir gut verwenden!“
      Die Gestalt lehnte sich lässig auf ihre Sense, als wartete sie, bis Skeletor mit seinen Selbstgesprächen fertig war.
      „Was ist das? Ein Trugbild? Eine Verwandlung?“ erkundigte sich Skeletor neugierig.
      „Eine Anthropomorphe Personifizierung!“ erklärte die Gestalt.
      Irgend etwas an ihrer Stimme ließ Skeletor erschaudern und unwillkürlich verstehen. Sekundenlang sah er den Tod schweigend an. „Willst du behaupten… Du bist…?“
      „So sieht es aus!“ erwiderte Tod gelassen.
      „Aber…“ stammelte Skeletor. „Aber wieso kommst du zu mir?“
      „Du bist mir irgendwie sympathisch“, erwiderte der Tod. „Wir haben einiges gemeinsam!“
      „Das ist doch kein Grund!“ fuhr Skeletor auf und stolperte noch ein paar Schritte rückwärts, von Tod weg.
      Tod richtete sich nun wieder auf, was Skeletor unwillkürlich in Angst und Schrecken versetzte. „Wovor hast du Angst, Skeletor?“ erkundigte sich Tod überrascht.
      „Dein Besuch hier kann nur eines bedeuten! Ich will aber noch nicht sterben! Ich habe noch so viel böses vor! Ich habe meine Ziele noch nicht erreicht!“
      Tod schritt gelassen durch die Zentrale. „Weißt du, Skeletor, wenn es danach ginge, würdest du ewig leben!“
      Skeletor sah Tod fassungslos an. „Wie bitte?“
      „Ich habe deine Biographie ein wenig mitverfolgt. Du faszinierst mich auf eine gewisse Art und Weise!“
      Skeletor wich immer wieder in die Richtung zurück, die von Tod wegführte. „Aber… Warum?“
      „Das kann ich auch nicht genau sagen. Irgendwie… ist es, als spürte ich eine leichte Seelenverwandtschaft.“ Als Tod sich bei Skeletors Thron wieder in seine Richtung drehte, blitzte kurz der weiße Schädel unter der Kapuze auf.
      Eine Sekunde war es für Skeletor, als würde er sein Spiegelbild sehen. Er schüttelte sich kurz und versuchte, das Bild aus seinen Gedanken zu verscheuchen. Es gab nicht viel, was ihn in innere Aufruhr versetzte, aber diese Situation machte ihm Angst. Wenn er sich auch sonst nicht in’s Bockshorn jagen ließ; eines wußte er: Im Tod würde er seinen Meister finden!
      Vom Gang her waren Geräusche zu hören. Kurz darauf wurde eine Tür geöffnet, und Evil-Lyn kam herein. „Skeletor, was die Sache mit dem Plan betrifft… Was tust du da?“
      Skeletor sah Evil-Lyn hilfesuchend an. „Gut daß du kommst, Evil-Lyn!“
      Evil-Lyn folgte Skeletors Blickrichtung, und sah ihn dann irritiert wieder an. „Warum klebst du da an der Wand des Konferenzraumes?“
      Skeletor warf ihr einen fassungslosen Blick zu. „Siehst du ihn nicht?“
      Sie sah sich erneut um. „Wen soll ich sehen?“
      Tod hatte sich mittlerweile wieder gemütlich auf seine Sense gelehnt und beobachtete das Schauspiel, ohne es zu stören. Er kam so selten in’s Theater, diese Vorstellung wollte er sich nicht entgehen lassen.
      „Na…“ Mit einem zitternden Zeigefinger zeigte Skeletor auf den Tod.
      Evil-Lyn verlor indes die Geduld. „Willst du mich zum Narren halten?“ Sie ging forsch auf Skeletor zu, und dabei – direkt durch die Gestalt des Todes hindurch.
      Skeletor ließ sich einen erstickten Aufschrei vernehmen.
      „Was ist denn jetzt schon wieder? Hast du nicht genug Schlaf bekommen? Also, was die Umsetzung deines Planes anbelangt, es gibt da ein kleines Problem…“
      „Vergiß doch meinen Plan!“ jammerte Skeletor. „Das da ist viel schlimmer!“
      Wider besseren Wissens drehte sich Evil-Lyn erneut um und sah stirnrunzelnd in’s Leere.
      Tod starrte Skeletor an. „Sie kann mich nicht sehen!“ erklärte er unnötigerweise.
      „Und hören vermutlich auch nicht!“ mutmaßte Skeletor.
      „Nein! Das siehst du richtig!“
      „Aber… Wie kann das sein? Sie ist eine Hexe, spüren Hexen nicht die Präsenz des Todes?“
      „Ihre Zeit ist noch nicht gekommen!“ erklärte Tod. „Und sie ist eine ehrgeizige Hexe! Da hat man nicht so viel Zeit, um sich über banale Dinge wie den Tod Gedanken zu machen!“
      Evil-Lyn wandte sich wieder zu Skeletor um. „Mit wem sprichst du da?“
      „Mit dem Tod!“ brach es aus ihm heraus.
      Evil-Lyn sah ihn einen Augenblick verwundert an. Dann fing sie herzhaft an zu lachen. „Manchmal bist du echt witzig! – Also, willst du den Plan wirklich canceln?“ fragte sie hoffnungsvoll. Als sie sich dazu entschlossen hatte, doch noch einmal allein mit Skeletor darüber zu reden, hatte sie nicht vermutet, daß es so einfach sein würde.
      „Zumindest verschieben! Und jetzt…“ – ‚… geh!’ hatte er sagen wollen, doch das Ende des Satzes blieb ihm im Halse stecken. Wenn er genau eines in diesem Augenblick nicht wollte, dann mit Tod allein zu sein. „… bleib einen Moment hier. Wir können uns unterhalten!“
      Evil-Lyns Argwohn stieg von Minute zu Minute. „Das wäre das erste Mal, daß du dich mit mir unterhalten willst!“
      „Nun… Jetzt will ich es! Erzähl mir etwas von dir, Evil-Lyn!“
      Evil-Lyn konnte gar nichts sagen, so sprachlos war sie. Die Situation war ihr selbst ohne die Anwesenheit Tods zu bemerken so unheimlich, daß sie einen diplomatischen Rückzug vorzog. „Äh, Skeletor… Nimm es mir nicht übel, aber ich habe noch so viel zu tun! Ich muß zu meinen Pflichten zurückkehren!“ Damit wandte sie sich um und ging zurück zu der Tür.
      „Halt, warte…“ Hilflos streckte Skeletor eine Hand nach ihr aus, doch da durchschritt sie Tod auch schon ein zweites Mal und war aus der Zentrale verschwunden. Skeletor hielt in seiner Geste inne, dann sah er den Tod an und straffte plötzlich die Gestalt. „Aha! Eine Illusion!“ stellte er fest, und in seinem neuen Glauben verankert ging er demonstrativ auf Tod zu. Dabei prallte er gegen die Gestalt, die so standhaft wie ein Felsen in der Brandung war. Es kam für Skeletor einem Schock gleich. Als er sich umwandte, um wieder Abstand zwischen sich und den Tod zu bringen, blieb sein Umhang an der Sense hängen und riß mit einem häßlichen Geräusch ein, das ihm das Mark erschüttern ließ. Elektrisiert drehte er sich zu Tod um.
      „Glaubst du mir nun?“ fragte der.
      „Wenn du mich unbedingt willst, warum machst du es nicht kurz und schmerzlos?“
      „Du hast noch ein wenig Zeit!“ erklärte Tod. „Ich dachte mir, ich komme ein bißchen früher und studiere dich noch ein wenig. Habe ich schon erwähnt, wie sehr du mich faszinierst?“
      Skeletor sah Tod geschockt an. „Zeit? Wieviel… Zeit?“
      Tod nahm eine Sanduhr zur Hand, die wie eine Taschenuhr an einer Kette mit seiner Kutte verbunden war und schaute prüfend hinein. Es war nur noch wenig Sand in der oberen Hälfte des Glases enthalten, und der rieselte unaufhörlich. „Nun, ich würde schätzen… Allenfalls fünf Stunden!“
      „Fünf Stunden!“ rief Skeletor aus. „Was soll das? Willst du mich quälen?“
      „Studieren!“ korrigierte Tod noch einmal. „Laß dich von mir nicht stören, mach’ einfach ganz normal deine Arbeit!“
      „Wie kann ich ganz normal meine Arbeit machen, wenn mir der Tod im Nacken steht?“ wetterte Skeletor.
      „Oh, ich habe dich schon viele Male begleitet!“ erwiderte Tod. „Du hast mich nur nie bemerkt!“
      Skeletor fröstelte, als er an die vielen Situationen dachte, in denen er beinahe das Zeitliche gesegnet hätte. Dann keimte Hoffnung auf. „Moment mal! Wenn du schon so oft bei mir warst, dann gibt es jetzt vielleicht auch einen Ausweg!“
      „Tststs…“ Tod schüttelte seufzend den Kopf. „Du verstehst es nicht, oder? Ich habe dich begleitet, weil ich an dir und deiner Arbeit interessiert war! Ich wußte, daß deine Zeit zu diesen Gelegenheiten noch lange nicht abgelaufen war!“ Er betrachtete abwesend seine Knochenfinger. „Jetzt allerdings ist es an der Zeit, daß du mich nicht mehr ignorieren kannst!“
      Skeletors Blick war auf die Sanduhr geheftet, in der die Minuten zerrannen wie Butter in der Sonne. Dann stürzte er in einer wüsten Idee vor. „Und ob es noch eine Möglichkeit gibt!“ Er riß Tod das Glas aus der Hand und drehte es um.
      Tod beobachtete ihn fasziniert dabei.
      Skeletors Blick war goldwert, als er nun beobachtete, wie der Rest des Sandes nach oben durch das Glas rieselte. „Das ist nicht fair!“
      „Was ist schon fair im Leben?“ sagte Tod.
      Wenn Skeletor genauer darüber nachdachte, hatte Tod recht. Dies war nur eine der vielen Sachen, die nicht fair in seinem Leben verlaufen war. Zum Beispiel die Eroberung von Castle Grayscull, der Sieg über He-Man, die Kapitulation von König Randor… Alles Ziele, die er noch nicht erreicht hatte. Das war nicht fair. Als er so darüber nachdachte, war er Alternativen gegenüber gar nicht mehr so abgeneigt. „Eine Frage: Wo gehen wir hin?“
      „Du meinst, wenn deine Zeit abgelaufen ist?“ erkundigte sich Tod rhetorisch. „Dann geht du in eine andere Welt über!“
      „Und kann ich dort Welten erobern und Leute unterwerfen?“
      „Aber ja!“ versprach Tod.
      „Hmm…“ Skeletor strich mit einem Zeigefinger über seine nicht vorhandenen Lippen.
      „Dir scheint die Idee mehr und mehr zuzusagen!“ bemerkte Tod.
      „Es hat etwas reizvolles!“ bestätigte Skeletor. Dann jedoch machte er eine resolute Handbewegung. „Trotzdem! Ich habe hier noch so viel zu erledigen, bevor ich gehe! Die Eroberung von Castle Grayscull, der Sieg über He-Man…“
      „…die Kapitulation von König Randor… Ich weiß, ich weiß!“ meinte Tod, beinahe gelangweilt.
      „Ich kann doch nicht gehen, ohne ein Stück Geschichte zu hinterlassen, in der ich nicht wie ein Depp dastehe!“ bekräftigte Skeletor.
      Tod sah wieder auf die Sanduhr, die er wieder zur Hand genommen hatte. „Dann würde ich mich an deiner Stelle beeilen!“
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