That’s what friends are for

von - Leela -
GeschichteFreundschaft / P6
Eddie Jake Tracy
03.08.2013
03.08.2013
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Als Tasha von der Gerichtsverhandlung nach Hause kam, war sie eigentlich sehr gut gelaunt – dieser Zustand hielt genau so lange, bis sie in’s Wohnzimmer kam und geschockt stehenblieb. „Eddy! Um Himmels Willen! Was machst du da?“
      Eddy hielt in seiner Arbeit inne und sah von der Leiter zu ihr herunter. „Na, ich streiche das Wohnzimmer!“ erwiderte er etwas irritiert. „Das hatten wir uns doch vorgenommen, und ich dachte, ich fange schon mal mit der Decke an…“
      Tasha blieb sprachlos der Mund offen stehen, und es dauerte eine Sekunde, bis sie ihre Stimme wiederfand, um fassungslos auszurufen: „Bist du völlig von Sinnen? Du hast die Möbel nicht mal abgedeckt, geschweige denn den Fußboden! Und hast du mal darüber nachgedacht, daß die Möbel sowieso raus müssen, wenn wir die Wände streichen wollen? Es ist alles ruiniert!“ Ihre Stimme stand kurz davor, sich zu überschlagen.
      Eddy hielt etwas betreten inne, als er sich nun umsah.
      Tasha machte eine hilflose Geste. „Das ist jetzt nicht wahr!“ Es war nicht so ganz klar, ob sie es zu Eddy oder sich selbst sagte. Dann schlug sie die Hände vor den Mund und sah mit einem Ausdruck der Enttäuschung zu ihm hoch. „Du hast nicht einmal nachgedacht, bevor du angefangen hast, oder?“
      „Naja…“ kam es zerknirscht.
      Sie atmete durch. „Du hast dich nicht mal umgezogen!“ stellte sie fest und schüttelte den Kopf. „Okay, was mit deinen Klamotten ist, ist mir relativ egal, damit mußt du klarkommen. Aber die Sofagarnitur und die Schrankwand sind mir nicht egal! Die Farbe bekommen wir nie wieder runter, hast du dir das mal überlegt?“
      Eddy stieg derweil niedergeschlagen von der Leiter. „Ähm,…“
      Weiter kam er gar nicht, denn Tasha war so in Rage, daß sie fließend mit einer verzweifelten Geste fortfuhr: „Das muß man doch merken! Wenn man schon nicht von vorne herein nachdenkt!“
      „Entschuldige…“ ließ er sich kleinlaut vernehmen.
      Sie fing seinen Blick ungläubig ein. „Das ist jetzt deine ganze Antwort darauf!?“ Als sein Blick dem ihren begegnete, machte sie eine abwehrende Geste. „Oh, nein! Nein-nein-nein! Komm’ mir jetzt nicht mit deinem Hundeblick! Ich bin wirklich richtig wütend!“
      „Hey, Schatz…“ Er machte einen versöhnlichen Schritt auf sie zu, um sie in die Arme zu nehmen, doch damit goß er nur erneut Öl auf’s Feuer.
      „Bleib’ wo du bist!“ grollte sie ihn an. „Das glaubst du ja wohl selber nicht! Selbst wenn ich nicht gerade mein Gerichts-Kostüm tragen würde, ich lege keinen Wert darauf, mir meine Sachen zu ruinieren!“ Sie ging vorsorglich ein paar Schritte rückwärts, um den Abstand zu wahren und ließ ihn wie einen begossenen Pudel stehen, bevor sie ihn weiter auszählte: „Wenn du schon selbst nicht damit klarkommst, so etwas halbwegs professionell zu machen, dann laß so etwas gefälligst mich, oder meinetwegen auch Tracy machen!“
      Ihre Worte hatten die Wirkung einer Ohrfeige. Eddy blieb bestürzt stehen und wußte darauf gar nichts mehr zu antworten. Sein Blick ging demoralisiert an ihr vorbei zu Boden, während er nur knapp Tränen zurückhalten konnte. Eigentlich hatte er nur helfen und ihr Arbeit abnehmen wollen…
      Tasha indes war weit entfernt davon, sich zu beruhigen und machte kommentarlos, allein mit einem frustrierten Laut, eine hilflose Geste, die das Dilemma einschloß. Dann atmete sie durch und erklärte gleichermaßen resigniert und kompromißlos: „Ich werde mal versuchen, ob Yules gerade Zeit hat. Dann werde ich mich mit ihr auf einen Kaffee treffen und mich ein wenig mit ihr unterhalten. Und wenn ich wieder zurück bin, dann will ich hier alles in bester Ordnung vorfinden! Ich hoffe, wir haben uns verstanden!“
      Eddys Blick drückte seinen gesamten Kummer aus, doch das nahm sie schon gar nicht mehr wahr, als sie sich umwandte und in den Flur ging. Er atmete durch und lehnte sich resigniert an den Türrahmen, nur um gleich wieder zurückzuschrecken in der Befürchtung, diesem nun auch etwas von der neuen Farbe mitzugeben. Statt dessen verschränkte er die Arme auf dem Rücken, um nicht ganz so hilflos dazustehen. Er konnte Tashas Stimme hören, als sie mit jemandem am Telefon sprach. Offensichtlich hatte sie Yuliya erreicht und verabredete sich gerade mit ihr.
      Tatsächlich kam sie kurz darauf zum Wohnzimmer zurück und schickte Eddy einen ungehaltenen Blick. „So, ich bin dann mal ein Stündchen unterwegs! Wenn ich wiederkomme, hoffe ich, daß das Chaos beseitigt ist!“ Damit verließ sie postwendend das Zimmer wieder, und Eddy zuckte zusammen, als die Haustür in’s Schloß fiel.
      Panisch sah er sich um. Als er sich jetzt das Wohnzimmer ansah, mußte er ihr sogar Recht geben: Die Sofagarnitur hatte bereits größtenteils die Farbe angenommen, die eigentlich die Decke und die Wände haben sollten, die Schrankwand hatte einen Schlag von der Farbe wegbekommen und der Teppichboden war an mehreren Stellen von der gleichen ruiniert. Er sah an sich herunter und seufzte. Es war eine blöde Idee gewesen zu glauben, das könne man mal eben zwischendurch machen. „Was mache ich jetzt nur…?“ entfuhr es ihm leise, während er verzweifelt die Zähne aufeinanderbiß. Er schlug den Blick gen Himmel. Es gab nur eine Möglichkeit, die ihm jetzt mit viel Glück noch helfen konnte, das Desaster auf ein Minimum zu reduzieren. Es war nicht gerade der angenehmste Weg, aber ein anderer kam nicht in Frage. Das einzige was zählte war, seinen Fehler so gut es ging auszubügeln, um nicht ganz in Tashas Ungnade zu fallen, und dafür mußte er jetzt alle Register ziehen.
      Einen Augenblick später stand er ein Stockwerk höher in der Tür zum Büro. „Jake? Tracy?“
      Jake kam just aus seinem Zimmer und wollte ihn gerade begrüßen, als er verblüfft im Schritt stockte. „Wie siehst du denn aus…?“
      „Stell’ jetzt bloß keine blöden Fragen! Ich brauche unbedingt eure Hilfe!“
      „Was ist denn passiert?“ fragte Jake in einer Mischung aus Sorge und Neugierde.
      Indes kam auch Danessa auf die Szene zu und sah Eddy ebenfalls groß an. „Was hast du denn mit deinen Sachen gemacht?“
      Eddy machte eine hilflose Geste. „Kommt mit und seht es euch selbst an. Ihr glaubt gar nicht, wie tief ich in der… Farbe stecke. Tasha ist richtig wütend, und das leider nicht unberechtigt…“
      „Na, jetzt werde ich richtig neugierig“, kommentierte Jake und folgte ihm zusammen mit Danessa nach unten.

Als Jake das Wohnzimmer betrat, war der Ausdruck »staunen« gar kein Begriff mehr für das, was er empfand. Mit offenstehendem Mund ging er bedächtig durch den Raum und begutachtete in einer Mischung aus Entsetzen und Faszination die zu einem Großteil fertig gestrichene Decke und das Desaster, das sich einmal Wohnzimmer genannt hatte. „Du hast nicht… Nein, du hast nicht…“ begann er kopfschüttelnd.
      „Ich habe nicht nachgedacht!“ vollendete Eddy den Satz, mit dem Jake eigentlich etwas ganz anderes hatte sagen wollen.
      Jake schlug die Hände vor’s Gesicht. „Du hast nicht angefangen, das Wohnzimmer zu streichen, ohne vorher die Möbel und den Boden abzukleben“, hauchte er, als könnte er allein mit dieser Aussage den Wahrheitsgehalt dazu herstellen.
      „Ähm, doch…“ erwiderte Eddy zerknirscht.
      „Okay!“ Jake atmete durch und sah ihn an. „Und jetzt ist Tasha sauer auf dich!“
      „Das kannst du dir gar nicht vorstellen! Du hättest sie eben mal erleben müssen“, erwiderte Eddy verzweifelt. „Sie will sich mit Yuliya treffen. In der Zwischenzeit muß ich hier alles in Ordnung gebracht haben…“
      „Okay, gut…“ Jake legte nachdenklich einen Finger an den Mund. „Wo kriegen wir so schnell eine neue Wohnzimmergarnitur her…?“
      In dem Moment stand Eddy kurz vor einem Nervenzusammenbruch.
      Jake machte eine hilflose Geste. „Wie willst du das jemals wieder sauber kriegen?“
      „Egal wie, ich muß mir was einfallen lassen!“ jammerte Eddy. „Wenn sie zurückkommt, und es sieht hier immer noch so aus… Jake, wenn sie heute Nacht aus dem Schlafzimmer auszieht, laufe ich Amok!“
      Jake schaute sich nachdenklich um. „Hm, vielleicht hat Tracy ja eine Idee. Ich hole ihn mal dazu!“
      Eddy nickte dankbar, wenn auch verzagt, während Jake zur Werkstatt ging, um dem Gorilla Bescheid zu sagen.
      Danessa sah sich derweil aufmerksam um. „Ich weiß nicht, mir gefällt es“, meinte sie aufmunternd.
      Eddy mußte unwillkürlich lachen. „Versuch’ das mal deiner Tante zu erklären! Wenn dein Zimmer so aussehen würde, wäre Jake bestimmt alles andere als begeistert!“
      „Wahrscheinlich würde ich dann erst recht Hausarrest kriegen“, grinste sie.
      „Na toll. So etwas ähnliches habe ich auch gerade“, bemerkte Eddy schmollend.
      Indes kam Jake mit Tracy in’s Wohnzimmer von Eddy und Tasha zurück.
      Der Gorilla sah sich perplex um. „Nicht abgeklebt…“
      „Nein, ich habe die Möbel nicht abgeklebt!“ Eddy atmete durch und versuchte sich zu beruhigen. „Hast du zufällig eine Idee, was wir mit der Sofagarnitur machen können?“
      Tracy kratzte sich nachdenklich am Kopf. Dann schnippte er mit den Fingern.
      „Du hast eine Idee?“ fragte Jake aufgeregt.
      „Versuch!“ erklärte Tracy.
      „Na, und wenn schon! Schlimmer werden kann es ja nicht mehr!“ meinte Jake, was Eddy keinesfalls aufmunterte, aber dennoch ein bißchen Hoffnung schenkte.
      Tracy schoß aus der Wohnung und kehrte kurz darauf mit einer Flasche Geisterentfernungsspray wieder zurück. „Überlaßt die Möbel mir!“
      Jake und Eddy wechselten einen überraschten Blick.
      „Du willst die Möbel mit Geisterentfernungsspray sauber kriegen?“ fragte Jake ungläubig.
      „Sagte doch, Versuch!“ erinnerte Tracy.
      Jake beschloß, es nicht weiter zu kommentieren und es auf den Versuch ankommen zu lassen. „Gut! Dann kümmern wir uns um das Streichen, okay, Eddy?“
      Der nickte dankbar.
      Jake wandte sich Danessa zu. „Möchtest du auch etwas helfen?“
      Die Kleine nickte eifrig.
      „Okay! Dann laß dir von Eddy mal die schmutzigen Sachen geben, und dann gehst du Wäsche waschen! Aber halte dich genau an die Anleitung!“
      Danessa nickte. „Meinst du die, die groß über der Waschmaschine klebt?“
      „Genau die!“ bestätigte Jake. Er konnte sich ein kleines stolzes Lächeln nicht verkneifen. „Und du kannst versuchen, die Farbe vorher ganz vorsichtig mit klarem Wasser auszuwaschen.“ Er sah Eddy tiefgründig an. „Und wir ziehen uns jetzt mal Arbeitssachen an!“
      Eddy grinste verlegen. „Gute Idee, Partner…“

Damit waren die Aufgaben klar verteilt. Während Jake und Eddy sich umzogen, bugsierte Tracy so vorsichtig wie möglich die Möbel aus dem Wohnzimmer in das Treppenhaus, wo er gut arbeiten konnte. Er schaffte es sogar so, daß die Schränke und Vitrinen nicht ausgeräumt werden mußten – wie er das gemacht hatte, konnte sich zwar keiner erklären, aber es beschwerte sich auch niemand darüber.
      Während Tracy nun versuchte, die Möbel mit dem Geisterentfernungsspray zu behandeln, klebten Jake und Eddy den Boden ab, um nicht noch mehr Schaden als ohnehin schon zu verursachen.
      Danessa hatte sich inzwischen Eddys Anzug geschnappt und die Waschmaschine angeworfen.
      Derweil griffen Jake und Eddy zu den Malersachen und begannen, das Wohnzimmer fertig zu streichen.
      „Kannst du ungefähr abschätzen, wieviel Zeit wir haben?“ erkundigte sich Jake während dessen vorsichtig.
      Eddy schüttelte den Kopf. „Sie sagte, sie würde sich auf eine Stunde mit Yules treffen. Aber meistens bleibt es nicht bei einer Stunde. Ich hoffe nur, ihr Treffen zieht sich heute genauso lange hin, wie sonst auch, und sie geht heute nicht extra pünktlich, um ihr Ultimatum zu vollziehen.“
      „Ach, das glaube ich nicht!“ meinte Jake. „Wenn sie wirklich so gefrustet war wie du sagst, wird sie die Zeit nutzen und sich einen schönen Abend mit Yules machen, um sich abzuregen, je länger desto besser. Außerdem ist sie fair! Sie weiß, daß du es nie in so kurzer Zeit schaffen kannst. Ich wette, allein deswegen wird sie die Zeit ausgiebig mit Yules verbringen, damit du auch Gelegenheit hast, deinen Fehler auszubügeln.“
      „Na, ich hoffe, du hast Recht!“ bemerkte Eddy beklommen.
      „Ach, sicher! Ich kenne doch meine Schwester! Keine Sorge, eins von beidem zieht ganz gewiß. Sie wird sich bestimmt einen tollen Abend mit Yules machen!“ versuchte Jake, ihn zu ermutigen.
      „Ja. Und wahrscheinlich schildert sie ihr gerade in allen schillernden Farben, was für einen bescheuerten Ehemann sie hat!“ meinte Eddy frustriert.
      Jake lachte herzlich. „Das ist nur legitim. – Du wirst schon sehen, später könnt ihr drüber lachen. Du kennst doch Tasha, sie liebt dich abgöttisch, vor allem, weil du so schön unberechenbar bist!“
      „Ich hoffe so, du hast Recht!“ seufzte Eddy. „Vorhin ist mir ganz anders geworden, als sie mich ausgezählt hat.“
      „Sie war geschockt. Was willst du da erwarten? Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn Futura unser Wohnzimmer so verunstaltet hätte. Das wird schon wieder. Sie kann dir doch nie lange böse sein.“
      „Ja! Aber dafür muß ich jetzt auch etwas tun! Ich könnte mir nie verzeihen, wenn ich nicht wenigstens versuche, ihr auch einen Grund dafür zu liefern, nicht mehr böse auf mich zu sein.“
      „Siehst du, und allein deswegen schon brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Selbst wenn wir es nicht schaffen, alles fertig zu bekommen, der Versuch zählt. Und du weißt, das ist es, womit du Tasha immer wieder beeindruckst, und was sie so an dir schätzt. – Wer weiß, ob ihr sonst auch noch verheiratet wärt…“
      „Na, herzlichen Dank!“ entfuhr es Eddy verblüfft.
      Jake lachte. „Okay, das war gemein. Entschuldige. – Aber du weißt, daß es stimmt. Mit so etwas…“ Er schloß mit einer Geste das Wohnzimmer ein. „… haust du sie so schnell nicht aus den Socken, weil ihr ganz andere Sachen wichtig sind. Und was das angeht, machst du immer alles richtig. Und ich muß ganz ehrlich sagen, ich finde das bewundernswert. Viele können das nicht, was für dich selbstverständlich ist. Und allein das ist es schon, was dich so liebenswert macht.“
      Eddy konnte nicht anders, bei Jakes aufmunternden Worten konnte er eine gewisse Verlegenheitsröte nicht vermeiden. Er konnte gar nicht beschreiben, wie gut das in dem Moment getan hatte.
      In der Zwischenzeit sah Danessa zu ihnen in’s Zimmer. „Soll ich die Sachen gleich in den Trockner werfen?“
      „Nein, bitte nicht! Einfach nur schleudern und aufhängen, Danny“, sagte Jake. „Kommt Tracy gut voran? Weißt du das zufällig?“
      „Keine Ahnung, es schäumt so viel!“ erwiderte die Kleine.
      Jake und Eddy wechselten einen verblüfften Blick, doch da war Danessa schon wieder enthusiastisch aus der Wohnung verschwunden.
      „Müssen wir uns jetzt Sorgen machen…?“ warf Jake in den Raum.
      „Wir? Wenn überhaupt, ich!“ meinte Eddy verunsichert.
      Jake quittierte es mit einem aufmunternden Lächeln. „Keine Sorge, das stehen wir jetzt zusammen durch!“
      Eddy konnte gar nicht beschreiben, wie dankbar er war, allein dafür zu wissen, daß Jake ihm zur Seite stand, auch wenn er sich allein vor Tasha verantworten mußte. Es war ein gutes Gefühl zu wissen, daß man ein wenig Rückhalt hatte.
      Gemeinsam kamen sie gut voran - vor allem, da Eddy es schon bis zu Tashas Eintreffen fast geschafft hatte, die Decke fertig zu streichen - und einige Zeit später konnten sie den Raum in der neuen Farbe bewundern.
      „Wie lange braucht das Zeug eigentlich, bis es trocken ist?“ fragte Eddy.
      „Das kommt darauf an“, meinte Jake. „Die Möbel würde ich jedenfalls erst morgen wieder reinstellen.“ Als er Eddys entsetzten Gesichtsausdruck sah, konnte er sich ein Lachen nicht verkneifen. „Das ist ganz normal, Eddy! Das müßte auch Tasha klar sein! Daraus dreht sie dir bestimmt keinen Strick, solange alles wieder sauber ist.“
      „Geht das nicht schon eher?“ fragte Eddy verzagt.
      „Sicher! Ich sagte ja, ich würde es nur nicht empfehlen. – Komm’, laß uns mal zu Tracy nach draußen sehen!“
      Gemeinsam gingen sie in’s Treppenhaus, wo Danessa Tracy fasziniert zusah, wie er die Möbel bearbeitete. Die Schränke waren schon komplett sauber, und was Tracy mit der Sofagarnitur angestellt hatte, wagten die Jungs nicht einmal zu spekulieren, aber sie sah jetzt schon ganz anders aus, als noch vor dem Ausräumen.
      Jake betrachtete das Ergebnis fasziniert. „Hast du alles mit dem Geisterentfernungsspray behandelt?“
      „Oki Doki!“ bestätigte Tracy und grinste gewinnend.
      „Die Schränke glänzen ja richtig! Wie frisch gekauft!“ staunte Jake. „Sag’ mal… Kannst du das oben auch machen?“
      „In einer ähnlichen Notlage schon!“ gab Tracy süffisant zurück, und schaffte es so sogar, Eddy ein Lächeln zu entlocken.
      „Was ist denn mit der Sofagarnitur? Die siehst so feucht aus“, fragte Jake derweil weiter.
      „Bin noch nicht ganz fertig“, gestand Tracy. „Aber die Farbe ist raus!“
      „Ja, das sehe ich. Alle Achtung!“ meinte Jake beeindruckt.
      „Wie weit seid ihr denn mit dem Wohnzimmer?“ erkundigte sich Danessa derweil.
      „Die Farbe muß nur noch trocknen!“ erklärte Jake, ein wenig stolz.
      „Ja!“ knirschte Eddy. „So lange!“
      „Da habe ich was!“ sagte Tracy spontan.
      Die Jungs sahen ihn perplex an.
      „Ehrlich, Tracy?“ fragte Eddy, schon jetzt mit ehrfürchtiger Dankbarkeit in der Stimme.
      „Oki Doki! Kriegen wir schneller trocken!“ Damit ließ er die Sofagarnitur stehen und kam nach einer Weile mit einem großen, undefinierbaren Gerät zurück. „Eine Stunde sollte reichen!“ sagte der Gorilla.
      Jake und Eddy wechselten einen erstaunten Blick.
      „Dann laß uns die Folie eben rausschmeißen!“ sagte Jake. „Dann können wir gleich schauen, ob wir den Teppich sauber kriegen!“
      Eddy nickte, da bemerkten sie den sorgenvollen Blick von Tracy.
      „Was ist, Tracy?“ erkundigte sich Jake.
      „Kaum noch Geisterentfernungsspray da!“ erklärte der Gorilla. „Brauchen auch noch dienstlich etwas!“
      „Meinst du nicht, es wird übergangsweise ohne gehen?“ fragte Jake, als er Eddys verzweifelte Miene bemerkte. „Meistens arbeiten wir doch sowieso mit dem Dematerialisator!“
      Tracy schaute skeptisch und gab ihm mit etwas Widerwillen die Sprühflasche. „Aber beschwer dich nachher nicht!“
      Jake lächelte. „Danke, Trace!“
      „Oh, das will ich machen!“ Danessa sprang von den Stufen der Treppe.
      Und so teilten sich die drei den nächsten Arbeitsschritt im Wohnzimmer: Jake und Eddy falteten die Folie zusammen und lagerten sie wieder in der Werkstatt ein, dann stellten sie das Trocknungsgerät in der Mitte des Raumes auf, und Danessa bekämpfte die Farbe auf dem Teppich mit Geisterentfernungsspray, während Tracy sich wieder der Sofagarnitur widmete und in die nächste Phase der Reinigung ging. Erstaunt stellten sie fest, daß das Spray seinen Nutzen nicht verfehlte, denn sogar der Teppich hatte nie besser ausgesehen als nach der Prozedur.
      „Also, ich bin wirklich erstaunt!“ sagte Jake fasziniert.
      „Ja, unser Wohnzimmer wird besser aussehen, als wir es überhaupt geplant haben!“ freute sich Eddy.
      „Ich meinte das Spray! Ich hätte nie für möglich gehalten, daß man es als Putzmittel verwenden kann!“ bemerkte Jake.
      „Na, dem Himmel sei Dank!“ entfuhr es Eddy. „Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn das nicht geklappt hätte!“
      Sie sahen sich zur Tür um, wo noch immer geschäftige Geräusche aus dem Flur zu ihnen hereindrangen. „Tracy wird wohl noch einen Moment brauchen“, vermutete Jake.
      „Hört sich ganz danach an!“ bestätigte Eddy.
      „Okay! Dann würde ich sagen: Nutzen wir die Zwischenzeit um zu duschen, oder?“ schlug Jake vor.
      Eddy nickte, und so ging Jake nach oben, und Eddy verschwand im Badezimmer seiner Wohnung.

Alle zusammen hatten sie es geschafft, mit einer gekonnten Hand-in-Hand-Arbeit, das Fiasko zu beseitigen. Danessa hatte Eddy den frisch gewaschenen Anzug zurechtgelegt, nachdem sie erleichtert festgestellt hatte, daß sich die Farbe komplett hatte rauswaschen lassen, und er sogar in dem warmen Raum, wo die Wäsche aufgehängt wurde unglaublich schnell trocken geworden war, und Tracy baute gerade das Trocknungsgerät ab, als Jake sich wieder zu ihnen nach unten gesellte.
      Prüfend gingen Jake und Tracy durch den Raum und stellten begeistert fest, daß sie es tatsächlich wagen konnten, die Möbel wieder reinzustellen. Während Jake und Eddy nun mit der letzten Instanz der Teppichreinigung begannen und noch einmal alles durchsaugten, prüfte Tracy ein letztes Mal den Zustand der Möbel. Nach der letzten Behandlung hatte er die Sofagarnitur getrocknet, und auf welche Weise auch immer er sie bearbeitet hatte, auch sie sah aus wie neu.
      Nun schaffte der Gorilla so vorsichtig wie beim ersten Mal die Möbel wieder zurück an ihren Platz im Wohnzimmer.
      „Willst du die Möbel vielleicht auch umstellen?“ fragte Jake nebenbei. „Jetzt hättest du die Gelegenheit dazu!“
      „Nein, wir haben es so abgesprochen, daß sie so wie vorher stehen sollen“, meinte Eddy. „Und heute fordere ich mein Glück bestimmt nicht noch einmal heraus!“
      Jake lachte herzlich und ging Tracy aus dem Weg, der gerade das Sofa hereinbrachte.
      Kurze Zeit später war das Wohnzimmer wieder vollständig eingerichtet, und die vier sahen sich staunend um.
      „Das sieht phantastisch aus, Eddy!“ bemerkte Jake beeindruckt.
      „Ohne euch hätte ich das nie geschafft“, erwiderte Eddy atemlos. „Ich bin euch was schuldig! Vielen, vielen Dank!“ Fast ein wenig erschöpft ließ er es sich nicht nehmen, Jake in den Arm zu nehmen.
      „Keine Ursache, Kumpel. Mir hat’s jedenfalls Spaß gemacht!“ meinte Jake, als er die Geste beruhigend erwiderte.
      „Wahrscheinlich um einiges mehr als mir!“ meinte er mit einem verheißungsvollen, erleichterten Lächeln, bevor er Danessa ebenfalls in den Arm nahm. „Danke, Kleine! Du bist großartig!“
      Danessa lächelte stolz, und auch Jake konnte sich bei diesen Worten ein kleines, tiefgründiges Lächeln nicht nehmen.
      Eddy wandte sich indes Tracy zu, der gewinnend lächelte. „Und du bist unschlagbar, Trace. Ich weiß nicht, was du mit den Möbeln gemacht hast, aber ich könnte schwören, sie sahen selbst beim Kauf nicht besser aus! Ich könnte dich küssen!“
      „Was hindert dich daran?“ frotzelte Jake.
      Eddy grinste verschlagen, fiel dem Gorilla um den Hals und ließ den Worten tatsächlich Taten folgen.
      Tracy, der vorher schon Verlegenheit hatte niederkämpfen müssen, war nun doch sehr beeindruckt und grinste, während er nicht verhindern konnte rotzuwerden.
      Jake stand einen kurzen Moment mit offenem Mund da. „Und ich dachte, das funktioniert nur mit unseren Damen…“
      „Die Anerkennung einer Leistung darf er auch mal so genießen!“ meinte Eddy. Dann sah er unwillkürlich zur Uhr. Es waren einige Stunden in’s Land gegangen, und keiner hatte gemerkt, wie der Nachmittag langsam in den Abend übergegangen war.
      Jake grinste. „Siehst du, ich habe doch gesagt, das bleibt nicht bei der angekündigten Stunde!“
      Eddys sorgenvoller Blick änderte sich nicht. „Ich hoffe, sie kommt überhaupt wieder…“
      Jetzt lachte Jake herzlich. „Darum mache ich mir die wenigsten Sorgen. Mal abgesehen davon, daß sie sicher genauso wenig Zeitgefühl hat, wenn sie mit Yules auf Piste ist, wie wir hier beim Streichen, weiß sie auch, daß du mit einer Stunde nie hingekommen wärst. Und wie gesagt: Wenn man eines nicht von meiner Schwester behaupten kann, dann daß sie nicht fair ist. – Wie sieht’s aus, sollen wir hierbleiben und Beistand leisten, oder sollen wir dich mit deinem Talent jetzt allein lassen?“
      Eddy überlegte kurz. „Nein, geht nur. Ich muß noch ein bißchen was vorbereiten.“
      Jake nickte. „Na dann, alles gute!“ wünschte er und stieß sich vom Sofa ab. Er, Danessa und Tracy verabschiedeten sich wieder und ließen ihn allein.
      Eddy atmete noch einmal tief durch, sah sich in tiefer Erleichterung in dem neuen, phantastischen Wohnzimmer um und lächelte glücklich. Jetzt mußte er nur den Zwischenfall mit Tasha wieder in’s Reine bringen…

Als Tasha nach Hause kam, war es schummrig in der Wohnung. Irritiert ging sie den Flur entlang zum Wohnzimmer, vorsichtig, da sie nicht wußte, was sie dort erwarten mochte. Behutsam sah sie in den großen Raum und blieb erstaunt in der Tür stehen, als sie das Kerzenlicht auf dem Tisch bemerkte, und Eddy der sich gerade zu ihr umwandte.
      Er konnte eine gewisse Nervosität noch nicht ganz verbannen, als er zu ihr herüberkam. Sachte nahm er sie bei den Händen. „Keine Sorge, der Anzug ist frisch gewaschen…“
      Sie konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Ich sage doch gar nichts“, erwiderte sie, und ihr Tonfall hatte so gar nichts mehr mit dem Ärger gemein, dem sie ihm noch vor Stunden um die Ohren gehauen hatte. Trotzdem ließ sie den Blick vorsichtig durch den Raum schweifen, ohne wirklich etwas in dem abgedimmten Licht erkennen zu können.
      Das war der Moment, dem Eddy mit Herzklopfen entgegengesehen hatte. „Ich weiß, Kerzenlicht ist romantischer, aber ich muß dir eben etwas zeigen“, sagte er und machte das Licht an.
      Tasha blieb verblüfft in der Tür stehen und sah sich in dem makellosen Raum um. „Du meine Güte…“ entfuhr es ihr, als sie ihre Sprache wiederfand und ging wie in Trance ein paar Schritte in den Raum, bevor sie sich fassungslos zu Eddy umwandte. „Wie hast du das geschafft…?“
      Er sah betreten zu Boden. „Ich hatte Hilfe, von Jake, Danny und Tracy.“
      Sie konnte nicht anders, als liebevoll zu lächeln und ging wieder zu ihm herüber, um ihn in die Arme zu nehmen. „Das ist doch völlig in Ordnung!“ sagte sie mit einem sanften Blick in seine Augen. „Ich bin beeindruckt! Ich hatte damit gerechnet, daß wir das morgen zusammen wieder richten!“
      Er umfaßte sie erleichtert und erwiderte ihren Blick bedeutungsvoll. „Du sagtest, ich soll das wieder in Ordnung bringen, bis du zurück bist“, erinnerte er. „Und das nehme ich sehr ernst!“
      „Eddy!“ Sie lachte fasziniert. „Ich verlange doch nicht, daß du Wunder vollbringst!“
      Er hielt sie fest umfaßt und erklärte ernst: „Das wäre aber dein gutes Recht gewesen, nach der Aktion. Glaub’ mir, dessen bin ich mir durchaus bewußt.“ Etwas verlegen fügte er an: „Bei deiner Reaktion vorhin hab’ ich es wirklich mit der Angst zu tun bekommen.“
      Sie lächelte verhalten. „Vorhin war ich auch wirklich geschockt. Aber ehrlich gesagt, im Nachhinein betrachtet war es ein göttliches Bild, wie du völlig in Farbe in diesem vollgetropften Wohnzimmer auf der Leiter gestanden hast. Ich mußte schon auf dem Weg in die Stadt lachen, als ich darüber nachgedacht habe. – Übrigens, wo wir gerade dabei sind, ich soll von Yules grüßen! Es ist doch etwas später geworden, wir hatten so viel zu erzählen. Sie war richtig enttäuscht, daß ich ihr kein Bild liefern konnte!“
      „Na toll!“ lachte er und war ein weiteres Mal erleichtert, als er Jakes Worte in allen Instanzen bestätigt sah.
      „Das nächste Mal denke ich dran!“ prophezeite sie.
      „Ich hoffe, es wird kein »nächstes Mal« geben“, entgegnete er von Herzen. „Glaub’ mir, nächstes Mal passe ich bestimmt besser auf.“
      Tasha grinste. „Na, jetzt weißt du ja auch wie es geht!“ stellte sie fest, als sie den Blick durch das Zimmer schweifen ließ. „Aber…“ fuhr sie fasziniert fort. „Ihr habt ja das komplette Wohnzimmer fertigbekommen! Was habt ihr mit den Möbeln gemacht? Ich dachte, die Farbe geht da nie wieder raus!“
      „Tracy hat das irgendwie hinbekommen!“ erzählte Eddy. „Ich habe keine Ahnung wie, aber irgendwie muß ich mich noch bei ihm bedanken!“
      „Guter alter Tracy! Wir laden ihn mal auf eine Bananenpizza ein!“ schlug Tasha vor.
      Eddy verzog den Mund zu einem Schmollen. „Ja. Das ist dann Entschädigung genug. Apropos Einladung und Entschädigung, für dich habe ich auch noch was. Ich hoffe, du magst »Ben & Jerrys«!“
      Sie sah ihn fasziniert an. „Du bist schon verrückt. Alle Sorten, wenn’s drauf ankommt, und das weißt du!“
      „Ja, und ich weiß auch, welches deine Lieblingssorte ist!“ ergänzte er tiefgründig und machte eine einladende Geste zum frisch aufpolierten Sofa hin, ließ sie für einen kurzen Augenblick allein, und wenig später machten sie es sich gemeinschaftlich, eng aneinandergekuschelt und mit dem köstlichsten Eis der Welt in ihrem neuen Wohnzimmer gemütlich.
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