Die Schrecken einer Nacht

von baronesse
KurzgeschichteDrama, Angst / P16 Slash
Loras Tyrell Renly Baratheon
03.08.2013
03.08.2013
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Hier ist mein Wichtelbeitrag zum Ours is the Fury-Wichteln von social anxiety, gleichzeitig auch mein Wichtelkind.
Vorgaben waren:
Pair: Gendry / Arya Stark (Freundschaftlich)
Alternative: Renly Baratheon / Loras Tyrell (Liebesbeziehung)
Stichwörter: Blut, Tränen, Bart, Verband
Genre: Drama, Angst
zusätzlichen Vorgaben:
Farbe: Blau
Zahl: 39

Viel Spaß beim Lesen!
Ich hoffe der OS gefällt dir, auch wenn ich auf das Alternativpairing ausweichen musste und mit "Angst" erst überhaupt nichts anfangen konnte.


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Die Höhle entpuppte sich als nicht mehr als ein schmaler Felsspalt, doch die beiden Männer, die durch die Dämmerung rannten, hatten keine Wahl. Renly Baratheon, der ältere der beiden, zögerte nicht lange und schob seinen Knappen durch den schmalen Spalt. Loras Proteste waren nur ein heiseres Wispern und das lag nicht daran, dass er außer Atem war. Wenn man sie jetzt fand, waren sie tot.

Renly, der die breiteren Schultern der beiden hatte, musste die Luft anhalten um sich durchzuquetschen, dann saßen beide im Dunkeln.

„Hast du wen gesehen?“, flüsterte Loras.

„Nicht in der letzten Zeit. Wir können nur hoffen, dass sie unsere Fährte verloren haben.“ Auf ihrer hastigen Flucht hatten sie mehrmals kleine Bäche überquert und waren dem Lauf eine Weile gefolgt um ihre Spuren zu verwischen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, schließlich hatten die Männer, die sie überfallen hatten, keine Hunde dabei. Wenn sie Glück hatten, gaben sich die Strolche mit ihren Pferden und Geldbörsen zufrieden, doch die unbarmherzige Schnelligkeit, mit der sie Torm zerstückelt hatten, sagte den beiden, dass sie ihr Leben in der Flucht zu suchen hatten.

„Ich habe 39 gezählt“, wisperte Loras.
„Diese Bastarde“, fluchte Renly leise zur Antwort.

39 gegen 3, wenn man Torm mitzählte, der sie lediglich als Diener begleitet hatte, das war eine derartige Übermacht, dass selbst der beste Ritter der sieben Königreiche nichts hätte ausrichten können. Renly war nicht der Beste, aber zumindest ein guter, und sein Knappe versprach ihn noch weit zu übertreffen. Schon beim letzten Turnier war er von den jungen Damen wie ein Held gefeiert worden, wie Renly mit einem Schmunzeln beobachtet hatte.

„Wann kommen die anderen, was meinst du?“, Loras klang angespannt.
Von ihrer Jagdgesellschaft hatten sie sich vielleicht etwas leichtsinnig abgesondert, aber besonders weit konnten sie nicht hinter ihnen sein.

„Wir sind von der vereinbarten Route abgewichen“, meinte Renly. „Wenn wir nicht zurückkehren, werden sie nach uns suchen, aber es könnte eine Weile dauern, bis sie uns finden. Erst mal können wir nur warten.“ Sein Flüstern brach ab. Er stöhnte leise.

Sofort war Loras in der engen Spalte neben ihm. Es war kein Platz, dass sie sich wirklich ausstrecken konnten. Renly war halb an der Felswand herabgerutscht. Vorsichtig tastete Loras nach dem Kopf des Freundes. Obwohl seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte er nicht mehr als Schemen ausmachen. Vermutlich war die Sonne draußen nun völlig untergegangen.

Seine Finger tasteten über den dichten Bart des Freundes. Unwillkürlich musste Loras lächeln. Seine eigenen Wangen waren glatt und rasiert, obwohl er sich eigentlich immer einen Bart gewünscht hatte. Seit er dies Renly gegenüber erwähnt hatte, rasierte der sich nicht mehr – nun, im Gesicht.

Loras erschrak, als seine weitertastenden Finger in etwas Warmes griffen. „Renly!“, flüsterte er eindringlich.

„Das ist nichts“, kam die schwache Stimme seines Freundes.

„Du bist verletzt!“ Loras versuchte zu ergründen, woher das Blut stammte ohne dem anderen wehzutun. „Wie ist das denn passiert?“ Er erinnerte sich nicht, dass einer der Räuber bei Renly einen Treffer gelandet hätte. Darauf hatte Loras sehr geachtet und selbst einige Kratzer erhalten, bevor sich die Gelegenheit zur Flucht ergeben hatte.

„Nur ein Ast. Ich hab’s gar nicht gemerkt.“ Der matte Tonfall strafte Renlys Worte Lügen.

Emsig fingerte Loras an seinem Hemd. Er lauschte in die Nacht, und als er nichts hörte, was auf mögliche Verfolger hindeutete, riss er mit einem Ruck einen Streifen ab. Mit einiger Mühe bastelte er daraus einen Verband für Renly. Es war nicht einfach in der Enge, und er konnte weder sehen wo noch wie tief die Wunde an der Stirn des Ritters war. Loras musste alles ertasten. Jedes Mal, wenn seine Finger auf die Wunde trafen, gab der Freund ein leises Stöhnen von sich.

„Fertig“, erklärte der Knappe. Vom Baratheon kam keine Antwort. Dafür hörte er Stimmengewirr draußen, ein Pferd, was auf den Boden stampfte und laut schnaubte. Ihre Verfolger waren da!

„Renly“, Loras wagte es kaum zu flüstern. Er suchte sich eine halbwegs bequeme Position, in der er längere Zeit würde sitzen können und zog den Kopf des Freundes in seinen Schoß. Hoffentlich gab der ohnmächtige Freund nun keinen Laut von sich und hoffentlich war die Wunde nicht so schlimm, wie der Tyrell es befürchtete! Ihm blieb nur, dazusitzen und zu warten, während seine Wangen nass wurden, weil ihm stumm die Tränen herunterliefen. Er wagte gar nicht daran zu denken, dass sich die braunen Augen nie mehr intensiv in seine eigenen blauen bohren würden. Er konnte Renly nicht verlieren! Er war der einzige, der jemals etwas ausgelöst hatte in ihm, der jemals… Loras verlor sich in Erinnerungen.

* * *


Er war jünger und noch nicht lange in Storm’s End angekommen, wo er lernen sollte, ein Ritter zu werden. Lord Renly hatte sich seiner angenommen, ein hübscher und galanter junger Mann, der nur einige Jahre älter war als Loras selbst und einfach Freundschaften schloss. Loras konnte gar kein Heimweh empfinden, er fühlte sich bei Renly von Anfang an besser aufgenommen als er sich allein je mit seinen Brüdern verstanden hatte. Renly, das war ihm von Anfang an klar, verstand ihn instinktiv. Er war gerne sein Knappe. Sie waren Tag und Nacht zusammen, ritten gemeinsam aus, trainierten zusammen, genossen die Verbundenheit, tranken, lachten, schwitzten, ruhten und konnten über alles reden. So dachte Loras am Anfang. Natürlich war er sich da selbst nicht bewusst, warum er manchmal, wenn er Lord Renly aus seiner Rüstung half und dessen nackten Oberkörper sah, gezwungen war auf die glatte Brust zu starren und sich selbst bei Erinnerungen daran noch unruhig fühlte. Deshalb gab es auch nichts, was er verschwieg, weil er selbst nicht wusste, wie die Worte dafür sein sollten.

Und dann betrat er eines Abends Lord Renlys Schlafkammer, wollte eigentlich nur nach einem letzten Wunsch fragen oder etwas anderes belangloses und Renly stand leicht bekleidet am Fenster und trank Wein. An sich war das nicht ungewöhnlich. Männer gingen zwanglos miteinander um, er hatte den anderen baden sehen, er selbst war vor den meisten Männern in Storm’s End nackt gewesen, wenn es im Sommer warm genug war zu baden und die Abwesenheit der Frauen sittliche Bedeckung nicht erforderte.

Aber Renly trank nicht nur Wein, er hatte sich ein Buch angeschaut, was selten genug vorkam, denn wie Loras auch mochte der Ältere die Bücher nicht besonders und ließ sich lieber vortragen von Gelehrten als selbst die dicken Wälzer zu studieren. Darum hatte Loras neugierig in das offene Buch geschaut, was auf dem Bett lag. Und ihm war mit einer so enormen Geschwindigkeit das Blut ins Gesicht und andere Gegenden geschossen, dass Renly, als er sich umdrehte, gleich wusste, was er da gesehen hatte.

„Loras, ich hatte dich nicht noch erwartet“, war vielleicht entschuldigend gemeint gewesen.

Loras wusste nicht, was er sagen sollte. „Was…“ war alles, was er herausbrachte. Das war ekelerregend! Abscheulich! Ein Frevel gegen die Götter! All das schoss ihm durch den Kopf, als er die Zeichnungen betrachtete und er konnte den Kopf doch nicht abwenden oder vermeiden, dass sich eine Hitze in ihm ausbreitete bei der Vorstellung, der Vorstellung… bei allen sieben Himmeln und Göttern! Er hatte sich bislang nicht einmal vorstellen können, dass sich jemand etwas Derartiges vorstellte!

Und wenn er es gewusst hätte… wenn es ihn nicht derart überrascht hätte, wäre er dann in der Lage gewesen, das Buch empört zuzuschlagen und die unkeuschen und abartigen Gedanken zu vertreiben, die sich in seinem Kopf festsetzten?

Stattdessen blieb sein Kopf hochrot, als er sich zu Renly umdrehte, und seine Kehle so trocken, dass er laut schluckte. Er musste eine einzige Einladung gewesen sein, der junge, hübsche Knappe, der zum ersten Mal mit Bildern konfrontiert wird, die vielleicht das eigene Verlangen ausdrücken, und nicht weiß, was er machen soll, aber auch nicht davon rennt und zögernd vor dem Bett verharrt.

Renly hatte den Weinbecher abgestellt und war auf ihn zugekommen, langsam, ebenfalls etwas zögerlich. Es hatte keinen Kuss gegeben, keine zärtlichen Berührungen, bei diesem ersten Mal, das einzig von dem beidseitigem Verlangen geprägt war, sich etwas hinzugeben, was die Zeichnungen andeuteten. Zärtlichkeit und Liebe waren erst später in ihre Beziehung gekommen, als Loras es geschafft hatte sich einzugestehen, dass er diese Perversitäten allemal lieber mochte als allein die Vorstellung eine edle Dame heiraten zu müssen und ihr näher zu kommen.

Er hatte sich von Renly aufs Bett drücken lassen, der brave Knappe, der seinem Ritter gehorchte und nicht einmal in dieser Situation widersprochen konnte oder wollte. Das ausziehen hatte er selbst gemacht, beinahe fieberhaft das Hemd von sich gezerrt, während der Baratheon wesentlich weniger Arbeit gehabt hatte mit seiner leichten Bekleidung, die für die Nacht vorgesehen war.

In dieser Nacht hatte er gar nichts getragen und seitdem auch nur noch, damit Loras es ihm ausziehen konnte. Er hatte es lernen müssen, die Initiative zu übernehmen, selbst anzuregen, wofür er sich am Anfang noch schämte. Und er hatte es gelernt. Der Knappe war nicht zwangsläufig der devotere der beiden in der Beziehung, nachdem er erst einmal erfahren hatte, was es für Möglichkeiten gab, wenn sie erst die Türen zur Außenwelt geschlossen hatten und sie niemand mehr störte.

* * *


„Du bist die Sonne meines Lebens“, flüsterte Loras in der engen Felsspalte, als er wieder zu sich kam. „Du darfst mich jetzt nicht verlassen!“ Überrascht merkte er, dass er das Gesicht seines Liebsten erkennen konnte. Es dämmerte draußen.

Renly gab ein leises Stöhnen von sich und schlug die Augen auf. „Was ist passiert?“

„Ich hatte Angst, du würdest mich verlassen!“ Loras fühlte sich nach Lachen und Weinen gleichzeitig. Solche Gefühlsausbrüche erlaubte er sich nur, wenn er mit dem Baratheon allein war, doch die Stimmen in der Nacht waren schon vor langer Zeit wieder weitergezogen. Sie waren allein.

„Ich werde dich niemals verlassen“, Renly lächelte und hob eine Hand um nach oben zu langen. „Die Götter haben noch einmal gesprochen und uns ihren Segen gegeben. Und wenn die Sieben es gutheißen, wie könnten Menschen uns auseinander bringen?“

Draußen erklangen Stimmen, und für einen kurzen Moment wurden die beiden Männer wieder von Anspannung ergriffen, dann hörten sie ihre eigenen Namen aus den Mündern der Jagdgesellschaft. Sie hatten sie gefunden, und die Schrecken der Nacht waren vorbei.
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