Moonlight, ein neues Leben? (1. Teil)

von pewe1512
GeschichteRomanze, Fantasy / P18
Josef Kostan Mick St. John
29.07.2013
18.08.2013
8
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29.07.2013 1.915
 
1.

Es war der zehnte Jahrestag Ihres Todes. Wie jedes Jahr kam er hier auf dieses Dach, wo sie ihn das erste Mal geküsst hatte. Mick stand auf der Mauer und schaute über die Stadt, die Sonne war gerade untergegangen, und am Horizont war noch ein orangefarbener Schimmer zu erkennen. Plötzlich spürte er, dass er nicht mehr alleine war.

Ein Vampir kam näher!

Mick blickte sich um, und dann sah er sie. Ganz in schwarzes Leder gekleidet, sprang sie über die Dächer von Los Angeles, und kam ihm immer näher. Sie stutzte, als sie ihn bemerkte, zog sich aber nicht zurück. Noch zwei, große Sprünge und sie landete mit der Eleganz einer großen Raubkatze neben ihm.
„Hallo, auch auf einem kleinen Spaziergang?“, fragte sie leise. Ihre Stimme war angenehm weich und zart, so gar nicht zu dem dunklen Äußeren passend.
„Ich genieße die Aussicht, und erinnere mich an alte Zeiten“, warum hatte er das gesagt?
„Hoffentlich an schöne Zeiten?!“, sie blieb neben ihm stehen und schweigend blickten sie gerade aus. Eine merkwürdige Schwingung hing zwischen Ihnen. Mick drehte kurz den Kopf und sah zu ihr. Sie ging ihm gerade mal bis zur Schulter, ihr Haar reichte ihr bis zur Taille und war tiefrot.
Sie drehte den Kopf zu ihm und lächelte. Ein Lächeln das bis in ihre grünen Augen reichte. Dann drehte sie sich um und sprang auf das nächste Dach.
„Man sieht sich über den Dächern“, murmelte sie. Er hatte sie gehört mit seinem Vampirgehör und antwortete genauso leise: „Ja, über den Dächern.“

Drei Tage waren seit diesem außergewöhnlichen Treffen vergangen. Seinem Drang, sich jeden Abend auf die Dächer von Los Angeles zu begeben, hatte er bis heute widerstanden. Doch jetzt war er einfach zu neugierig. Er musste sie wiedersehen. Kurz vor Sonnenuntergang verließ er seine Wohnung und betrat das Dach. Im gleichen Moment landete sie auf diesem. Ein freudiges Lächeln erhellte ihr Gesicht. Sie benimmt sich nicht wie ein Vampir, dachte Mick. Sie wirkt offen und freundlich.
„Guten Abend!“, grüßte sie Mick freundlich.
„Guten Abend!“, grüßte er leise zurück.
Dann standen sie wieder nebeneinander und schauten über die Stadt. Wieder sprach keiner ein Wort, wieder sahen sie sich kurz an, und wieder drehte sie sich nach einer Zeit um und verschwand. Das ging mehrere Tage so, bis Mick sich traute sie zu Fragen wie ihr Name war.
„P!“
„Das ist kein Name, das ist ein Buchstabe!“, grinste er.
„Es ist der Anfangsbuchstabe meines Namens, ein Name der schon sehr alt ist. Genau wie ich.“
„Du hast dich gut gehalten“, meinte Mick schelmich. Jetzt lachte sie laut heraus.
„Über Dächer hüpfen, ist ein gutes Training“, noch ein leises Lachen und sie war wieder verschwunden.

P bewegte sich schnell über die Dächer, in ihrem Penthouse angekommen, stieg sie aus ihrer Lederkleidung und ging in die Dusche. Sie ließ die letzten Tage Revue passieren. Diese zufällige Begegnung mit diesem jungen Vampir. Der sich nicht wie ein üblicher Vampir verhielt. Er war zurückhaltend, ja fast schüchtern, und so attraktiv und anziehend. Sie würde ihn gerne besser kennenlernen, doch sie hatte sich vorgenommen keine Freundschaften mehr einzugehen. Weder mit Menschen, noch mit Vampiren. So viele Enttäuschungen und Verluste, sie konnte und wollte es nicht mehr ertragen. Doch jeden Abend, trieb es sie auf dieses Dach und er war auch dort.

Vier Wochen trafen sie sich jetzt schon, doch wussten sie immer noch nicht mehr voneinander als ihre Namen. Vielmehr, wusste Mick nur den Anfangsbuchstaben, er drang aber nicht in sie. Doch sie wollte das beenden, heute. Denn der Stichtag, den sie sich selbst gesetzt hatte, um allem ein Ende zu bereiten, rückte immer näher.
P wartete schon auf Mick. Er stellte sich neben sie, lächelte schräg zu ihr runter und dann schwiegen sie wieder miteinander.
„Mick!“
„Hm?“
„Das wird unser letzter Abend sein, ich werde nicht wiederkommen“, abrupt drehte Mick sich zu P.
„Warum?“
„Ich wollte eigentlich keine Freundschaften mehr schließen, doch du bist so anders, als die anderen Vampire und ich war neugierig. Aber ich habe mir etwas vorgenommen und davon lasse ich mich nicht abbringen. Darum werde ich das hier und heute beenden“, viele Worte aus ihrem Mund. Mick war überrascht.
„Es geht mir genauso, ich bin neugierig auf dich. Bitte lass es nicht so enden. Erzähl mir von dir, was hat dich so traurig und Melancholisch gemacht“, wenn er atmen würde, hätte er jetzt den Atem angehalten, ob seiner Fragerei. P sah ihn mit ihren durchdringenden Augen an, dann blickte sie wieder über die Dächer der Stadt und fing an zu erzählen.

P hatte es sich nicht ausgesucht, zu einem Vampir gemacht zu werden, man hatte es für sie entschieden. Ihre menschliche Familie hatte in alter Zeit, der führenden Vampirfamilie gedient. Die erstgeborene Tochter würde mit 25 Jahren übergeben und zum Vampir gemacht. P war die zweitgeborene gewesen und froh dem Schicksal entgangen zu sein. Doch ihre Schwester wurde getötet und so musste sie nachrücken, um ihrem Herr und Meister zu Diensten zu sein. Dabei war sie eigentlich schon zu alt. Mit 30 Jahren wurde sie verwandelt und die Lustsklavin von Jeremias, dem ältesten Sohn. Sie hatte ihn gehasst. Als er sie zwang einen Menschen zu verwandeln, war ihr Hass so übermächtig geworden, das sie seinen Tod und ihre Flucht bis ins Detail plante. Sie entkam den Häschern, und verließ das Land. Für eine Frau war es nicht leicht, alleine zu Reisen in dieser Zeit. Aber sie war ja nicht nur eine Frau, sondern auch ein Vampir. Sie machte sich Männer gefügig, trank von ihrem Blut, brachte aber nie jemanden um, oder verwandelte ihn. Oft war sie kurz davor aufzufliegen. Doch ihr Einfallsreichtum und Überlebenswille, brachte sie immer wieder aus der Gefahr heraus. So vergingen die Jahre. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie, mit dem einzigen was sie gelernt hatte, Männern Lust zu schenken. Sie war die geliebte von Herrschern und Königen, die sie reich beschenkten. Irgendwann hatte sie es nicht mehr nötig, ihren Körper zu verkaufen. Über zwei Jahrhunderte ließ sie keinen Mann mehr an ihren Körper. Dann traf sie die Liebe ihres Lebens, besser gesagt ihres Untoten Lebens. Doch er war ein Mensch. Sie konnte und wollte sich nicht in einen Menschen verlieben. Zu viele Menschen waren gekommen und gegangen, es tat weh sie zu verlieren. Julian ließ aber nicht nach, in seinem Werben um sie. Selbst als sie ihm das Gesicht des Monsters zeigte, das in ihr steckte, schreckte es ihn nicht ab. Irgendwann gab sie seinem Werben nach. Viele glückliche Jahre verbrachten sie zusammen, bis er in ihren Armen einschlief. Nie wieder hatte sie sich auf eine Beziehung eingelassen, und nur wenige Freundschaften gepflegt, jetzt war sie Müde. Müde des Alleinseins, Müde auf die Welt, Müde ihres Untoten Lebens.

„Wie alt bist du? Ich weiß, das fragt man eine Lady nicht, aber ich würde es gerne wissen.“
„In fünf Wochen werde ich 999 Jahre. Eine Schnapszahl“, sie lächelte doch diesmal reichte es nicht bis in ihre Augen.
„Wow!“, ein Jahrtausend hatte sie durchlebt. Mick konnte den Blick nicht von ihr wenden. Wie viel Schmerz sie durchlitten hatte. Da war seine verlorene Liebe nicht von Bedeutung.
„Erzähl mir von deinem Verlust, Mick! Du bist auch nicht freiwillig, zu dem geworden, was wir sind.“
„Nein, bin ich nicht“, Micks Blick schweifte ab und verschleierte sich, als er anfing zu erzählen. Von Coraline, die er so geliebt hatte, die ihn heiß gemacht hatte, dann abblitzen ließ und ihn wieder heiß machte. Die ihn in ihrer Hochzeitsnacht verwandelt hatte, ein kleines Mädchen entführte um mit ihn eine Familie zu gründen. Wie lange hatte er nicht darüber gesprochen, es tat gut alles raus zu lassen. Als er auf Beth zu sprechen kam, wurde seine Stimme weich und P konnte die Liebe darin hören, die er empfand, doch dann wurde seine Stimme schwer von Trauer. Auch seine Liebe, war in seinen Armen gestorben, als die Zeit sie eingeholt hatte. Es war schon zehn Jahre her, doch er konnte nicht loslassen.
„Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man, doch das stimmt nicht. Wie alt sollen wir noch werden, das unsere Wunden heilen?“, P hatte sich zu Mick gedreht und schaute in seine schönen Augen, mit diesen unglaublich langen Wimpern. Sie legte eine Hand an seine Wange und lächelte ihn an.
„Lebwohl Mick, du bist noch ein Baby und ich hoffe du findest noch mal Glück und Liebe. Wenn du so alt bist wie ich, darfst du auch das Handtuch werfen“, sie stellte sich auf die Zehenspitzen und berührte ganz zart seine Lippen mit ihren. Sekunden später war sie verschwunden.
Micks Lippen prickelten, seine Finger berührten seine Lippen. Er war zu perplex um ihr zu folgen. Langsam ging er in sein Apartment.
Grübelnd setzte er sich auf sein Sofa. Er wollte nicht, dass sie aus seinem Leben verschwand. Sein ´Leben´ gewann doch grade wieder an Bedeutung. Er würde sie suchen, schließlich war er Privatdetektiv.

Heute war ihr Geburtstag. Es war so weit. Alles war vorbereitet, sie betrat den Keller des Hauses, das sie gekauft, und hatte umbauen lassen. In der Mitte des Raumes stand ein Steinsarkophag, in den sie jetzt rein kletterte. In dem Sarkophag war in Höhe des Herzens, ein Pflock befestigt. Sie setzte sich hin und brauchte sich nur nach hinten fallen lassen. Dadurch war sie paralysiert und heute Nacht würde das Haus in Flammen aufgehen und sie wäre von ihrem Schicksal erlöst.
Ihr letzter Gedanke galt Mick, sie hatte sich in ihn verliebt, doch er trauerte noch um seine Beth. Ein Träne lief ihre Wange hinab als sie sich fallen ließ. Mick!

Mick raste am späten Nachmittag, quer durch Los Angeles. Er hatte ewig gebraucht sie zu finden. Sie war sehr geschickt, im Verwischen von Spuren. Doch er hatte sie gefunden. Noch eine Stunde brauchte er, bis er da war. Ein kleines Haus, in einem einsamen Waldstück. Mick sprang aus dem Auto und lief auf das Haus zu. Die Vordertür war verschlossen, die Fensterläden zu. Er hatte ein ungutes Gefühl, lief zurück zu seinem Auto und holte eine Brechstange raus. Mick brauchte eine halbe Stunde bis er endlich die Tür aufgebrochen hatte. Im Haus roch es nach Benzin. Was hatte sie nur vor? Er durchsuchte die Zimmer und fand sie nicht. Er fand auch keine Kellertür, verzweifelt klopfte er die Wände ab und rief laut nach ihr.
Da! Hörte sich das nicht anders an, hohler! Wie verrückt schlug er mit der Brechstange die Wand ein, der Vampir in ihm, kam durch und verlieh Mick noch größere Kraft. Endlich hatte er es geschafft und kletterte durch das Loch in der Wand, lief die Treppe runter und stand vor ihrem Sarg.
Geschockt schaute er sie an. P hatte sich in einen Pflock gestürzt, auch hier roch es überall nach Benzin. Das hatte bestimmt nichts Gutes zu bedeuten.
Mick beugte sich in den Sarkophag, schob seine Arme unter sie und hob sie raus. Er hörte ihr verzweifeltes Seufzen, doch er lief schon mit ihr auf den Armen die Treppe hoch, und zwängte sich durch das Loch. In dem Moment hörte er das Zischen von Feuer hinter sich.
„Mick, lass mich hier und lauf. Bitte lass mich sterben.“
„Nein, ich habe dich doch grade erst gefunden!“, flüsterte er und lief aus dem Haus. Keine Minute zu spät und eine ohrenbetäubende Explosion zerriss die Stille des Waldes.
„Warum Mick? Warum lässt du mich nicht sterben?“, mit Tränen in den Augen sah sie ihn an.
„Du hast gesagt, du hoffst für mich, dass ich noch mal Glück und Liebe finde. Das habe ich!“, er beugte sich zu ihr und küsste zart ihre Lippen.
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