Now you see me - Magie im Verhörraum

von Nightalp
KurzgeschichteHumor / P12
28.07.2013
28.07.2013
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War mit meiner Freundin in Now You see me drin und sie wollte eine Story darüber haben ...
Folgendes ist die Verhörszene mit Daniel Atlas und Dylan Rhodes, aus der Sicht von Daniel.


Wenn es eines gab, dass Daniel hasste, dann war es Langeweile. In der Grundschule schon hatte er den Lehrern Streiche gespielt wenn der Stoff zu dröge wurde, und später, in der Highschool, war er der schulbekannte Clown und Magier gewesen. Er hatte vor staunendem Publikum Stifte und Hefte verschwinden lassen, hatte sie aus fremden Taschen gezogen, unglaubliche Lichtreflexe erscheinen lassen, hatte seine Fans verzaubert - nicht mit Magie, sondern mit seiner Geschicklichkeit und seinem Charme.
Ein Grinsen huschte über seine Lippen, und er ließ es zu, ließ es in ein amüsiertes, überhebliches Feixen ausarten - es würde die Polizisten ärgern und verbergen, woran er wirklich dachte ...
Sein Vater war der beste Magier, den er je gekannt hatte. Klar, er hatte Geschichten über seinen Großvater gehört - über dessen unglaubliche Tricks, seine Geduld, seine Fähigkeit das Auge des Zuschauers abzulenken. Aber er hatte den alten Mann nie persönlich kennen gelernt.
Sein Vater hingegen ... das war jemand, dessen Pläne ihm den Atem stocken ließen, dessen Tricks ihn verzauberten selbst wenn er den Kniff dahinter kannte. Der ein Schauspieler war wie ihn die Welt noch nie gesehen hatte - der das Auge des Publikums auf sich lenkte, damit seine Assistentin den Trick durchführen konnte, und zugleich doch noch ein weiteres Ass im Ärmel hatte. Der sich, anstelle sich der Welt zu beugen, die Welt nach seinen Vorstellungen formte. Derjenige, der Daniel an wahre Magie glauben ließ - denn sicher war es unmöglich ein solches Geschick nur mit Fingerfertigkeit zu erreichen?
Um aber auf die Langeweile zurück zu kommen: Sein Vater war es auch, der ihm den Unterschied gelehrt hatte. Den Unterschied zwischen Langeweile, weil nichts passierte, und der Anspannung zwischen dem Moment, wo eine Idee gepflanzt wird, und dem Augenblick, in dem sie in den Augen des Zuschauers zur Blüte reift.
Und was er im Moment fühlte, was ihn zittern ließ, was ihm einen leichten Schweißfilm auf die Stirn trieb, seinen Mund austrocknete - das war die Anspannung kurz bevor ein neuer Trick sich entweder als Erfolg oder Flop erwies. Und das hier ist kein Trick wie jeder andere ....
Die Tür ging auf und herein kamen eine blonde Frau und ein relativ ungepflegt aussehender älterer Mann. Er lehnte sich gemütlich in eine arrogante Pose zurück - das würde sie schön aufregen - und nahm sich einen Augenblick Zeit, die beiden zu betrachten.
Die Frau war wohl etwa dreißig, kühl, gefasst. Der Anzug, in dem sie dort auf ihrem Stuhl Platz nahm, war makellos, aber nicht gerade kostspielig. Ihr Auftreten sollte Zuversicht ausdrücken, aber das widersprach ihrer Haltung: Die Arme vor der Brust verschränkt, um sich abzusondern, Distanz aufzubauen die sie ganz offensichtlich noch nicht hatte. Er brauchte Merritt nicht um zu wissen, dass er es hier mit einer blutigen Anfängerin zu tun hatte - eine Schreibtischhockerin, die zum ersten Mal von der Kette gelassen worden war.
Das machte ihn vorsichtig. Warum sollte man so jemanden auf diesen Fall loslassen? Es ging um einige Millionen und einen ungeklärten Bankraub - sie würden doch nicht ernsthaft alles vermasseln wollen? Und so früh in dem Fall konnte auch noch niemand wissen, dass diese „Täter“ nicht zu fangen sein würden. Ein Sündenbock wurde also auch noch nicht gebraucht.
Er schob den Gedanken erst einmal zurück ins Hinterstübchen, auf dass er ihn später mit Merritt und den anderen diskutieren konnte - und es würde ein Später geben; kein amerikanischer Polizist konnte ihn unter der Anklage Magie festhalten. Und wenn sie den Trick durchschaut hatten, würden sie schon wieder auf freiem Fuß sein.
Außer natürlich dem fünften Reiter - dem Hintermann, der den Plan entwickelt und sie daran teilzunehmen eingeladen hatte. Ihr Prüfer, wenn man so wollte, für den Initiationsritus des Auges.
Wieder riss er sich aus den Gedanken - sein Pokerface war ganz gut, aber das hieß nicht, dass er es sich erschweren musste indem er an die wichtigen Dinge dachte. Vielmehr sollte er sich auf den erregten Begleiter der Schreibtischtäterin konzentrieren:
Recht durchschnittlich - mittelgroß, mittelalt mit mittelbraunem Haar und leichtem Grau an den Schläfen, gut gebaut ohne ein Muskelprotz zu sein. Wahrscheinlich trainierter als viele seiner Alterskollegen, selbst bei der Polizei, aber zu massig als dass ihm das bei einer Verfolgungsjagd nützen würde. Und dazu Intelligenz in den Augen - intelligente Leute waren immer leichter irre zu führen als Dummköpfe.
Ja, wenn sie denn nun schon einen eigenen Cop bekommen mussten, dann war der hier ideal.
Aus mehr als einem Grund ...
Dann begann das Verhör, und ihm wurde sofort klar, dass sie sich ihn nicht als ersten vorgenommen hatten. Der Mann war erregt, baute sich auf und gab alles in allem eine gute Imitation eines verärgerten Pavians. Die Frau hingegen beobachtete ihn und schien beinahe amüsiert über sein Verhalten.
Über der ganzen Szene stand Merritts Handschrift als wäre sie dort hingedruckt worden.
Mmh ... interessant. Möchte wissen, was er ihnen erzählt hat ...
Den größten Teil der Tirade überhörte er. Wir werden Ihnen auf die Schliche kommen ... wissen Sie, wer vor Ihnen da saß? Mafiabosse, Mörder und Diebe. Und wissen Sie, wie sie dahin kamen? Durch den Kerl der vor Ihnen sitzt ... bla bla bla ... alles ein einziger großer Bluff. Und noch nicht einmal ein gut gespielter.
Merritt - du hast dich selbst übertroffen. Was zur Hölle nur hast du dem Alten erzählt?
Dummerweise weckte das seinen Ehrgeiz. Jaja - sein Vater sagte immer, es wäre sein größter Fehler; in einem Wettbewerb, wer den größten hatte, musste er seinen auch immer rausholen. Originalton sein Vater (zugegeben - er war ziemlich sauer gewesen zu dem Zeitpunkt. Und er hatte einige Zeit mit seinem speziellen Freund verbracht).
Offensichtlich zu erregt um noch weiter sitzen zu bleiben stand der Cop auf und tigerte um Daniels Sitz herum. „Wenn Sie nichts mit dem Raub zu tun haben, wieso erklären Sie uns dann nicht, wie Sie in drei Sekunden nach Paris gekommen sind?“
Er grinste, als er das hörte. Als ob ich dir das erzählen würde. Innerlich die Augen rollend, aber nach außen hin ein Bild arroganter Selbstsicherheit - Tja, Dad, das habe ich mir bei deinem Freund abgeguckt - lehnte er sich wieder zurück. „Wie nennen die Kinder von heute das noch gleich? Ach ja - Magie.“ Er grinste den Cop breit und selbstgefällig an.
Bevor der Cop zu einer neuen Tirade ausholen konnte - und er sah ganz danach aus, als wolle er genau das tun, und die Kopfnuss, die er ihm verpasste, stimmte Daniel da auch nicht optimistischer - beugte er sich wieder leicht vor und sagte: „Sie haben kein, wie wir es in unserem Geschäft nennen, Ass im Ärmel. Denn wenn Sie eines hätten hieße das, Sie und das FBI und Ihre Freunde von Interpol“ - okay, Schuss ins Dunkel, aber die Art wie ihre Augenbrauen hochrutschten bestätigte seine Vermutung. - „Sie glaubten wirklich an Magie.“ Schluck das, Alter. „Und wenn das rauskommt, würde sich die Presse wie ausgehungerte Hunde darauf stürzen, und wir wären noch berühmter als wir es ohnehin schon sind. Und sie würden dastehen wie Idioten - sie natürlich nicht.“ Letzteres zu der Interpol-Agentin, die die Schmeichelei nur hoheitsvoll mit einem Lächeln und einem Nicken entgegennahm. Wow, die Frau gefiel ihm immer besser.
Der Polizist hingegen ließ sich, viel zu leicht!, auf das Spiel ein: „Ich will Sie nur warnen. Ich halte mit meiner Entschlossenheit wesentlich länger durch als Sie mit Ihrer aufgesetzten Arroganz. Und in der Sekunde, in der Sie auch nur den kleinsten Riss auf ihrer glatten Fassade zeigen werde ich da sein. Ich werde an Ihnen kleben wie“
„Ein verschwitztes Hemd?“
Okay, ja, das war ihm nur deshalb eingefallen, weil sein Hemd inzwischen doch an einigen Stellen unangenehm feucht auf seiner Haut auflag. Egal wie sicher er war, dass dieser Trick funktionierte - das Lampenfieber blieb.
Und ruinierte offensichtlich seine Performance. Wieso nur hatte er diese Beleidigung über seine Zunge rollen lassen? Da war bereits ein grünes Flackern in den Augen des Cops, und sie konnten es sich nicht leisten, dass er wegen Angriff auf einen Verdächtigen von dem Fall abgezogen wurde. Außerdem - er, Daniel, war hier derjenige, der obenauf war. Er konnte und sollte hier Großmut zeigen.
„Verzeihung, das war nicht fair.“, fügte er also schnell an. Um dann fortzufahren - denn, okay, ja, Dad, aber das hier hast du dir selbst zuzuschreiben: „Jetzt warne ich Sie. Verfolgen Sie uns ruhig. Egal, was Sie zu wissen glauben, wir sind Ihnen immer einen Schritt, drei Schritte, sieben Schritte voraus. Und wenn Sie glauben, Sie haben aufgeholt, stehen wir plötzlich hinter Ihnen. Sie werden niemals irgendwo anders sein als genau da, wo ich Sie haben will. Also kommen Sie näher, kleben Sie an mir, denn je näher Sie zu sein glauben“ Ja, okay er feixte. Er hatte den Satz immerhin oft genug in seiner Kindheit gehört. „Je näher Sie zu sein glauben, umso weniger werden Sie sehen.“
Und, wow, tickte der Kerl aus. Von einem Moment zum nächsten wurde aus dem ruhigen, überheblichen Cop ein rasender Irrer, der direkt in Daniels Privatsphäre eindrang und nach ihm griff, lauthals ausrufend: „Ich werd dich drankriegen!“
Aber da waren seine Finger auch schon in Bewegung, öffneten die Handschellen wie er es seit seinem vierten Lebensjahr lernte - und, ehrlich, wer war auf den dummen Gedanken gekommen einen Entfesselungskünstler mit solch primitiven Dingern festzuhalten? -, dann ließ er sie nach vorn schießen und um das Handgelenk des Cops zuschnappen.
Einen Moment - einen winzigen Augenblick nur - meinte er die Hände des Mannes zucken zu sehen, aber dann waren seine Handgelenke von Metall umschlossen und er ebenso effektiv - effektiver? - gefangen wie Daniel noch einen Augenblick zuvor.
Und ja, das hatte etwas so befriedigendes an sich: Der weitgeöffnete, entgeisterte Blick des Alten - oh Mann, und der Ärger der in seinen Augen stand und ihm alles Unheil dieser Welt prophezeite - und daneben die Polizistin, die sich kaum das Lachen verkneifen konnte.
Nun ja, er lebte ja davon hübsche Frauen zu beeindrucken.
„Stimmt was mit der Limonade nicht?“, fragte er, lenkte den Blick auf die Cola, die auf dem Tisch stand. In der Hoffnung, dass ihr Mitstreiter diesen Trick wie geplant hatte vorbereiten können - er war gut, aber um einen Schellenschlüssel unbeobachtet in eine verschlossene Getränkedose zu bekommen brauchte er doch ein wenig mehr Zeit als ein paar Minuten in einem Verhörraum. Ganz zu schweigen von diversen Hilfsmitteln.
Der Blick der beiden Polizisten wanderte zu der Dose, und die Frau - Rhodes hatte ja leider keine Hand frei ... - nahm sie in die Hand, schüttelte sie. Befriedigt hörte er das Klappern von Metall gegen die Dosenwand und beobachtete, wie sie den Verschluss öffnete und die Limo einfach auf den Tisch kippte.
Anfängerfehler, dachte er begeistert und griff nach dem Handy des Cops, das diesem bei seinem wenig durchdachten Versuch, Daniel durchzuschütteln, aus der Tasche gefallen war. Natürlich kein selbstloser Akt um die Elektronik vor der Flüssigkeit und ihrem damit einhergehenden Dahinscheiden zu bewahren. Stattdessen tauschte er das Handy rasch aus - es war ja nicht schwer gewesen herauszubekommen, welchen Handytyp die Bullen hier hatten - und ließ das Orginalhandy in seine Potasche gleiten.
Das präparierte Handy reichte er dem Cop, der es - nachdem er endlich aus den Handschellen raus war - mit einer unwirschen Geste entgegennahm. Oh-oh, wenn Blicke töten könnten ...
Was aber vielleicht auch an der Zeile lag, mit der er es ihm zurückgab - zugegebenermaßen eine, die er seit Beginn der Unterhaltung im Kopf hatte - okay, das war gelogen; er hatte sie im Kopf seit er wusste, dass sie bei dieser Show irgendwann einmal von den Cops eingelocht werden würden. Also: „Lektion eins der Magie: Sei immer der schlauste Kerl im Raum.“
Tja, möglicherweise durchaus verständlich.
Wie die beiden ihm den Rücken zukehrten warf er der Kamera ein kurzes Grinsen zu - er lebte halt für die Bühne. Und wenn sie dann irgendwann vielleicht doch auf den Gedanken kamen, den Film zu schauen, würden sie seinen Triumph sehen.
Der Rest war dann eigentlich richtig langweilig: Sie ließen ihn noch eine Stunde sitzen, in der sie wahrscheinlich nacheinander Henley und Jack ausquetschten, aber das war OK. Es verriet ihm nur, dass sie tatsächlich nichts gegen ihn in der Hand hatten. Wie er gesagt hatte - solange sie nicht bereit waren, sie alle unter dem Vorwurf der Magie festzunehmen, waren sie sicher. Und bis die Polizei hier hinter den Trick gekommen war waren sie längst mit Arthur im Flugzeug nach New Orleans, den nächsten Schritt ihres Initiationsritus zu bewältigen.
Endlich kam ein Mann in seine Zelle, und wenn er auch nicht gerade erfreut aussah öffnete er doch die Schellen, mit denen Daniel an den Tisch gefesselt war.
Stümper - das hätte ich ohne Schlüssel schneller geschafft.
Draußen auf dem Gang stand Agent Fuller und warf ihm aus zusammengekniffenen Augen böse Blicke zu, die allerdings noch nichts gegen die Blicke waren, mit denen Rhodes sie bedachte, als sie durch das Tor zurück in die Freiheit traten.
Draußen lachten sie alle auf, trunken und erleichtert nach ihrem Triumph.
„Das war so cool.“, sagte Jack, als sie ein Stück gelaufen waren. „Was habt ihr dem Polizisten nur erzählt? Der war ja vollkommen durch den Wind!“
„Das würde mich jetzt allerdings auch interessieren.“, gab Daniel zu. Er öffnete seine Coladose - Rhodes würde sie schon nicht vermissen ... - und nahm einen tiefen Schluck. „Ich hab ihn zwar auch ein bisschen durchgenommen, aber er wirkte schon ziemlich erschüttert, als er reinkam.“
Merritt zuckte nur mit den Schultern. „Ich hab ihnen bloß die Wahrheit erzählt. Dass sie eine Schreibtischhockerin ist und er Probleme mit seinem Vater hat. Naja, und dass sie beide zu viele Geheimnisse haben und sich einander mehr öffnen müssen, wenn das mit den beiden funktionieren soll. Die Schreibtischtäterin und der Vier-Tage-Bart sind ja nicht gerade das offensichtlichste Pärchen.“
Daniel verschluckte sich und hustete, als Cola in seine Lunge geriet.
Während er versuchte, nicht zu ersticken, dachte er: Jetzt ist wohl kein guter Zeitpunkt um ihnen zu sagen, dass der Vier-Tage-Bart unser Prüfer ist. Und mein Vater, was das angeht ...



Ja, Dylan Rhodes ist Daniel Atlas’ Vater. Erklärt so einiges, und nicht nur die Kopfnuss im Verhörraum ...

Anmerkung: Spielt für die Story zwar keine Rolle, aber das ganze spielt in einer AU in der Dylan Rhodes gleichzeitig Bruce Banner ist. Nur, falls jemand wissen will, wer Rhodes „spezieller Freund“ ist.


Hoffe, es hat gefallen. Würde mich über eine Rückmeldung wie immer sehr freuen.



Nightalp
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