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1200 B.F.

von Rabenherz
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / MaleSlash
27.07.2013
27.07.2013
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1128 BF

„GEBT MIR MEIN VOLK ZURÜCK“,
ihre Stimme drang stark aus ihrem zierlichen Körper.

Ihre Kleidung war altmodisch, ihre Gesichtszüge kalt und unnahbar- in ihren Augen war der blanke Hass, als sie die Faust hob.

„ICH, ÄLTESTE TOCHTER DER FEY VERLANGE MEIN VOLK, MEIN LAND, MEIN KÖNIGREICH ZURÜCK!“


Die Menschen hatten eine Traube um sie gebildet- doch wie von Angst zurückgehalten ließen sie einen 5 Schritt weiten Radius um die Elfin, die weder der Firn, noch den Wald, noch den Steppenelfen angehörig schien.

„HÖRT IHR MICH PRAIOSSKLAVEN?!“

– Ein Raunen ging durch die Masse –

„ICH VERFLUCHE EUCH- IHR DIEBE MEINES VOLKES, MEINES LANDES, MEINER WÜRDE!“

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Es ist nun mehr, als ein ganzes Menschenleben her, dass sich die Schöne aus den Trümmern ihrer Existenz erhob.

Sie stand plötzlich vor unseren Richtersälen, in unseren Städten, in unserer Welt und verlangte ihr Volk zurück. Wir haben sie töricht verlacht. Sicherlich war die Kunde an uns herangedrungen, wen die Helden dort in den Gebirgen wirklich hingerichtet hatten. Uns war zu Ohren gekommen, dass die Dämonenkrone nunmehr in der Hand dieser Verrückten sein musste und wir warfen sie der Praioskirche vor, die in ihr einen Wiedergänger erkannte und sie hinrichten lassen wollte- Doch an dem Morgen ihres Todes erschien nur Eine nicht zur Hinrichtung: Und das war sie selbst.

Als wären ihr Flügel gewachsen, war sie entschwunden- aus den Kerkern, aus der Stadt, aus dem Land- wir sahen nicht wieder, dachten wir- sie wäre zurück in die Berge gegangen, um weiter Menschen und Elfen zu fangen, dachten wir- sie wäre endlich verschwunden, dachten wir- doch wir irrten tragisch, so tragisch, dass wir es kaum ertrugen, als sie wieder vor uns stand.
Es war das Jahr 1132 BF, als sie sich erhoben. Von überallher erklang die Kunde von Völkerwanderungen. Die Elfen, so hieß es würden sich auf den Weg machen. Sie verließen ihre Wälder, ihre Länder, ihre Städte und sammelten sich in einem gar unaufhaltsamen Strom genau hier- in Aventurien- dem Land meiner Väter, dem Land aller Väter – unserem Land. Sie sammelten sich um Donnerbach herum und schlugen dort ihr Lager auf- sie sammelten sich um den alten Gebirgskamm, der keinen Namen mehr besaß, außer Heldenschwelle- seitdem die drei Großen der Geschichten dort tragisch ihr Leben ließen um die Reinkarnation eines hohen „Elfengottes“  – zur Strecke zu bringen.
Gemeinhin war uns keinerlei Gott der Elfen bekannt- die Kunde war von Azanel…. Doch wir verwarfen den Namen, als wir ihn hörten. Es gab keine Elfengötter….. Für die Fey gab es nur Nurti – die Entstehung und Zerzal – die Vergänglichkeit.  
Doch sie hatten die Königin vergessen. Jene tragische Königin, die nie hatte altern gewollt und nun, ewig jung, ewig mächtig auf ihr Werk herabblickte. Bald sah man sie in ihren Reihen- und man hörte die Elfen jubeln, wenn sie vor ihnen sprach. Man hörte sie erzählen, von neuen Göttern und Bildern- ihnen so viel ähnlicher, als den Menschen. Man hörte sie sprechen von der neuen Zeit und dass sie nun an der Reihe waren zu herrschen, denn sie waren so viel mehr, als die Menschen, sie waren zu so viel mehr bestimmt. Sie waren Brüder und Schwestern und niemand würde sie unterdrücken können.
Auch ich war bei den Elfen, da es mir, als Halbelf, zustand bei ihnen zu sein und hörte sie reden. Sie war eine ausgezeichnete Rednerin, sie war wunderschön und sie war eine Herrscherin. Sie war die schimmernde Gestalt, die die Elfen immer gesucht hatten, sie war die, die die Hochkultur der Elfen noch miterlebt hatte und sie war die, die ihnen von jener Zeit erzählte, in denen man Elfen noch nicht diskriminiert und geächtet… sondern gefürchtet hatte.
Sie erzählte ihnen die Geschichte der Macht und die Elfen sahen sich in ihr wieder. Sie sahen ihre Gestalt, sahen ihren Reichtum, sahen ihre Stärke und wollten ihr Volk unter ihr vereint sehen. Sie schrien und johlten- es scholl bis nach Gareth und ließ die Hauptstadt erbeben und erzittern- In dieser einen Nacht.
Der 27. Praios 1132.
Ich setzte mich ab, um Gareth zu berichten. Der Stadthalter – Ivan Irgenthron, der noch vor 5 Jahren hämisch die Elfin verlacht hatte, wurde nun sehr ernst und sehr still. Er blickte mich nur an, als ich erzählte.
Ich erzählte von hunderttausenden der Elfen, die draußen lagerten, von ihrer Königin und von ihrem Streben. Ich redete von ihren Göttern- redete von Faedrun, Bailinor, Sansare, Akorune, Pardona und schließlich von Azanel und seiner Frau- Andrala, die sich dem Elfenvolk verschrieben hatten und sie nun mit neuer Kraft und neuer Macht füttern wollte. Ich sprach von der Hochkultur, den Kuppelbauten im Meer der Alben. Ich sprach von Revolte und ich sprach sogar von ihrem Heer, das sich um die Königin geschart hatte, um ihr zu lauschen. Ich erzählte von Revolte. Ich erzählte vom Krieg.

Ivan, Boron wache über ihn, war entsetzt, doch wahrte sein starres Herrschergesicht. Er sprach nicht, wie erwartet von Überreaktion und unnötiger Panik.

Er sprach von Vorsicht und Verhandlungen. Er sprach nicht mehr über die Verrückte, die ihr Volk zurückgefordert hatte- Er sprach von der Kaiserin der Fey.


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1138 BF

„Das ist keine friedliche Volksversammlung da draußen!“, Ivan war zornig – die Kaiserin Isold IV. von Gareth vermied es ihm in die Augen zu sehen.

„Im Süden sitzen mir die Sklaven im Nacken- im Norden sind es die Elfen die verrücktspielen, was soll ich denn machen?!“, der harte Akzent des Patriarchaten Aslan Kar’nines zerschnitt die angespannte Stille.
„Es ist eure Verantwortung, das unter Kontrolle zu bringen, sonst gibt es ein Unglück…“, mit Unglück… meinte er Handelsverluste…. Und mit Verantwortung…. Meinte er Pflicht.

Das Kalifat war bedroht durch immer wieder aufflammende Sklavenaufstände. Maraskan galt als Herd und Sorgenkind. Al’Anfa hielt sich noch gut, umringt von wütenden Sklaven, die mehr und mehr wurden- je weiter die Wunde des ausblutenden Südreiches klaffte.

„Mein Land ist umstellt- ihr habt Euren Krieg selbst zu verantworten- WIR jedoch nicht!“,  –Rislan III. von Leufurten, Adelsmarshall des Bornlandes ging dazwischen.
Er sah schrecklich müde aus.
„Wenn Gareth nicht hilft, dann sind wir in zwei Jahren überrannt!“, Wut und Verzweiflung mischten sich in seiner Stimme.

Der Patriarch gab ein spöttelndes Lachen von sich.

„Ich erbitte nicht um Hilfe, aber ich gewähre auch keine- ich brauche meine Truppen…“ – „Für das Auslöschen von Bauernsklaven“

– fuhr der Adelsmarshall ihn an.

„Meine Herren….“, die Kaiserin hatte sich erhoben.

„Die Bedrohung ist real- das Bornland wird sich so nicht halten- aber wenn Ihr in den Norden weicht, Rislan, dann solltet ihr ein Unglück verzögern  können….“, man sah die Verzweiflung in den Augen des Mannes, als er sich wieder auf seinen Stuhl zwang- begleitet vom verschlagenen Grinsen des Patriarchaten.

2 Monate, 1 Woche und drei Tage später war das Bornland gefallen- Rislan III. von Leufurten ermordet und sein geschundener Körper öffentlich ausgestellt. Die Kaiserin der Fey ließ verkünden:

„Dies ist der Anfang der Geschichte. Und dieses Land soll heißen: Boden der Fey“


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Donnerbach – verloren. Uhdenberg – verloren. Gashok – verloren. Tiefhusen – verloren. Tjolmar – verloren. Kvirasim – verloren. Gerasim – verloren. Und sogar Riva, das schmerzte besonders – verloren.

Norburg – verloren. Notmark – verloren. Ouvermas – verloren. Rodebrant – verloren. Firunen – verloren. Neersand – verloren. Vallusa – verloren. Und in Festum spießten sie den Adelsmarshall auf Stecken und ließen ihn von den Raben fressen, den Rest der Adelsversammlung zerschmettert zu seinen blutigen Füßen – verloren.

Das Bornland stand unter elfischer Herrschaft. Der Zwölfgötterglaube wurde verboten und sie boten ihnen stattdessen neue Götter an. Auf den weitläufigen Landstrichen kam es zu Sektenbildungen und Widerstandsbewegungen- außerdem schien es, als hätte das mittlerweile so oder so immens zunehmende Elfenvolk Verstärkung bekommen von denen, die wir nur: „Die schwarze Armee“ nannten. Es waren viele, sie waren unmöglich stark und sie waren wie aus dem Nichts gekommen. Andrala schien zu wissen, was sie tat.

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1147 BF

Das Begräbnis war erstaunlich schmucklos, was sicherlich am Krieg lag. Ich trug meine Paradeuniform, die ich als Offizier zu tragen hatte.

Die Kaiserin war gestorben- umgebracht- ermordet.
Von den Fey vermuteten einige – von ihrem Bruder – sagten andere  - von ihrem Sohn – mutmaßten die Dritten.

Mir war es alles gleich. Ich stand bei ihrem Grab und weinte.
Ich weinte um den letzten Frieden im Land.
Ich weinte um die junge Kaiserin.
Ich weinte- und Praios mit mir- denn er schickte den Regen.

Den kalten, unbarmherzigen Regen.

Der Boron-Geweihte der den Segen sprach war ruhig und gelassen, doch auch in seinen Augen war diese Angst. Diese schreckliche, allumfassende Angst dieser Tage.

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Fast 10 Jahre hatten sie gebraucht, um eine über hundert Jahre mühselig hergestellte Ordnung zu vernichten.
Die Elfen waren uns gefährlich nah gekommen-  Thorwal, Andergast und Albernia hatten sich aus schierer Angst zu der sg. Drei-Sonnen-Allianz zusammengerottet und drehten dem Mittelreich, dass mit Almada paktierte nach und nach den militärischen Hahn zu. Die Orklande hatten sich von der Drei-Sonnen-Allianz einspannen lassen und fungierten als Bollwerk gegen die Elfen, die nunmehr an unserer Grenze lagerten- wartend, lauernd, sich seit Wochen nicht bewegend. Als hätten sie auf den Tod unserer Kaiserin nur gewartet. Das Kalifat führte einen weitaus kleineren Krieg gegen einen militärisch unterlegenen, aber unmöglich schlauen Gegner- ihre eigenen Sklaven. Sie kamen aus den Wäldern heraus und machten ganze Landstriche nieder. Wenn das Heer eintraf waren sie wieder fort. Der Patriarch begann nun ganze Waldstücke zu roden, um die elenden Sklaven auszuräuchern- doch ließ außer verbrannter Erde nichts zurück. Al’Anfa hielt sich gut auf Stelzen mit paranoidem Blick- die ersten Sklavenaufstände hatten sie noch gut verkraftet, doch es sollte noch schlimmer kommen.
Dass man mir, als Halbelf, überhaupt noch über den Weg traute war ein Wunder. Die Elfen waren quasi aus unseren Städten und Wäldern verschwunden. Die, die geblieben waren wurden zu Opfern grausamer Wut der Bevölkerung. Nach dem Tod der Kaiserin und den Hetzreden einiger Eiferer wurde wirklich Jagd auf die letzten verbliebenen Elfen gemacht, die sich dazu entschieden hatten ihr Land, ihre Kultur NICHT zu verraten. Das ging irgendwann so weit, dass  ein elfischer Gemüsehändler auf dem Marktplatz von Gareth angezündet wurde und die verbliebene Elfensippschaft unter den Schutz der Praioskirche selbst gestellt wurden. Ich verbarg fernab meine elfische Herkunft so gut ich konnte. Meine Uniform vermochte dies schon gut zu tun-  mein Name auch, da mein Vater mich nach ihm selbst benannt hatte, doch ab und an verriet mich ein Blick aus meinen elfischen Augen, ein Gestus, ein Wort meiner Mutter im Leichtsinn gesagt oder auch nur ein Zurückstreichen meines Haars, was meine Ohren entblößte. Ich war auf der Hut.
 
 
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