Symbole und verstaubte Erinnerungen

GeschichteAllgemein / P12
Bartimäus
26.07.2013
28.07.2013
2
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26.07.2013 977
 
A/N.: Ta-daa! Hier kommt mein Beitrag zu TheDream's Projekt »Was symbolisiert für dich...«, hier der Link zum Forum: http://forum.fanfiktion.de/t/17238/1
Mein erster Versuch in diesem Fandom nachdem ich diese Woche mal wieder die Trilogie verschlungen habe. Den Zeitrahmen habe ich eher lose angesetzt, eigentlich braucht man zum Verständnis auch keine genaueren Angaben diesbezüglich. Spielt aber zwischen (!) den Büchern.
Das mit den Fußnoten ist wieder so eine Sache: da ich zu dämlich bin, um mehr als drei von diesen Hochzahlen(--> ²) mit meiner Tastatur zu erzeugen, habe ich das ganze Desaster jetzt so gelöst.
Genug geschwafelt - ich hoffe, meine Geschichte findet bei Euch Anklang und vielleicht lasst Ihr mir ja sogar ein kleines Review da.

Disclaimer: Alle Charaktere, die "Bartimäus"-Reihe und erkennbare Plotlines gehören nicht mir, sondern Jonathan Stroud.

eine Seifenblase


Übellaunig stapfte ich, die Hände tief in den Taschen der schwarzen Daunenjacke, mit der ich Ptolemäus' Form ausstaffiert hatte, durch die Grünanlage nahe der U-Bahn Station Stonebridge Park.
Überall um mich herum befanden sich lachende Gesichter, die übertrieben große, widerwärtig pink und klebrig aussehende Zuckerwatte-Bäusche mit sich herumtrugen während ein Haufen Gewöhnlicher zu den Klängen eines ziemlich verstimmten klingenden Orchesters tanzte.
Es war irgendeines dieser neuen Feste, die von meinem Herrn und Meister Mandrake ins Leben gerufen worden waren, um die Zivilbevölkerung abzulenken und ihre Gedanken vom schlecht laufenden Feldzug in Amerika abzubringen.
Natürlich ging seine Strategie nicht auf.¹
Nachmittags flanierten die Leute sorglos durch die bunten Buden und erfreuten sich an den arrangierten Künstlern², aber abends saßen sie trotzdem in den Kneipen und wetterten über die Regierung. Nun, wer konnte es ihnen verdenken?
Ich drehte mittlerweile schon meine dritte Runde über den Platz und verfluchte innerlich meinen Herrn.³ Wenn er mich schon nicht heimschickte, was an sich schon eine Unverschämtheit war, sollte er mir wenigstens einen halbwegs sinnvollen Auftrag zuteilen.
Seine heutigen Anweisungen waren uncharakteristisch vage. Ich sollte mich unauffällig unters Volk mischen, keinen Tumult erzeugen und nach 'verdächtigen Anzeichen' Ausschau halten. Wie jetzt, 'verdächtig'?
Bevor ich genauer nachfragen konnte, hatte er mich auch schon losgeschickt. Leider war es mir untersagt, etwas anderes zu unternehmen als hier passiv wartend herumzuhängen, außer in Notfällen. Allerdings hatte der gute Nat es versäumt, diese 'Notfälle' näher zu definieren.
Ich hatte allerdings den schleichenden Verdacht, dass meine Langeweile und steigende Frustration nicht in diese Kategorie fielen.
Nun, vielleicht könnte ich meinen Herrn davon überzeugen, dass die Wampe des Bratwurstverkäufers ein öffentliches Ärgernis war und den Kerl in die Themse tunken.
Nur irgendwie fehlte mir der Ansporn dazu. Ich war müde, meine Substanz pochte aufgrund des viel zu langen Aufenthalts auf diesem verfluchten Planeten und ich wollte nur noch heim.

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¹ Selbstverständlich hatte ich ihn liebenswürdig wie immer darauf hingewiesen, aber der großartige Zauberer John Mandrake (man bemerke die Ironie) war sich offenbar inzwischen selbst zu wichtig, um noch länger auf mich zu hören.
² Die übrigens nicht alle menschlicher Natur waren. Ich verspürte fast so etwas wie einen Hauch von Mitleid mit dem Dschinn, der in in einem grinsenden Clownskostüm Fähnchen verteilen musste. Sowas Unwürdiges hatte ich schon lange nicht mehr gesehen.
³ Was hätte der Kleine nicht für rote Ohren bekommen, wäre er anwesend. Vorausgesetzt er verstünde Altgriechisch.
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Genervt ließ ich mich auf eine fröhlich blau-weiß gestrichene Bank nieder und kokelte diskret eine Koboldfratze in die Rücklehne.¹
Nachdenklich starrte ich die Straßenlaterne mir gegenüber an.² Nathaniel war heute besonders kurz angebunden und eilig gewesen.
Er wusste genau, dass ich immer auf Schlupflöcher in meinen Anweisungen spitzte und alles falsch verstand, was man falsch verstehen konnte.
Der ganze Auftrag war schlampig erteilt worden. Er hatte mich in meinem Pentagramm kaum eines Blickes gewürdigt und die einschränkenden Bedingungen, die mich davon abhielten, Amok zu laufen, auf das Mindeste begrenzt und heruntergeleiert, als wäre er mit dem Kopf schon längst ganz wo anders.
Leider waren seine Patzer nicht schwerwiegend genug, um mich aus dem Auftrag herauszuwinden, und so saß ich nun hier.
Plötzlich flog etwas Schillerndes in meine Richtung. Instinktiv duckte ich mich und durchsuchte die Ebenen. Allerdings war das unbekannte Flugobjekt auch auf der Siebten noch eine Seifenblase.³
Stirnrunzelnd beobachtete ich die unsichere Flugbahn der Seifenblase.
Vermutlich ging hier meine poetische Ader mit mir durch, aber in meinen Augen erinnerte mich die fragile Sphäre an meine eigene Lage.
Freiheit ist wie eine Seifenblase, von außen wunderschön und anziehend, aber sobald man in ihre Nähe kam und sie berührte, zerplatzte die Illusion und ließ einen alleine zurück.

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¹ Allein die Tatsache, dass ich zu schlapp war, um mir einen knalligen Spruch oder ein anspruchsvolleres Kunstwerk einfallen zu lassen, war ein weiterer Grund, dem Kleinen ordentlich den Hintern zu versohlen.
² Komm bloß nicht auf die Idee, da gäbe es irgendetwas Besonderes zu sehen. Die olle Laterne war nur besser, als die feiernden Massen samt schwirrender Foliot zu beobachten. Außerdem war mir der ganze Auftrag peinlich und so war es mir lieber, aus dem Blickfeld meiner Kollegen zu bleiben, auch wenn ich niemanden der diensthabenden Geister persönlich kannte.
³Versteh' mich nicht falsch, ich war keineswegs dabei, bei jedem Schatten panisch in die Luft zu springen. Nur leider war ich kampferfahrener Dschinn nur zu gut an feige Attacken aus dem Hinterhalt ohne Vorwarnung gewöhnt und war entsprechend vorsichtig.
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Am liebsten hätte ich Mandrake eine gescheuert. Ich, Bartimäus von Uruk, saß hier auf einer Bank wie eine alte Oma und dichtete vor mich hin!
Ich knurrte etwas Unhöfliches¹ und hüpfte anmutig von meiner Sitzgelegenheit. Wenn ich schon hier sein musste, konnte ich vielleicht unbemerkt einen der unnütz umherflatternden Foliot verdrücken.

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¹ Keine Angst, ich knurrte auf Sumerisch, so dass die anwesenden Kinder und zierlichen Damen nicht für den Rest ihres Lebens gezeichnet waren. Was bin ich nicht für ein Prachtexemplar von manierlichem, rücksichtsvollen Dschinn?
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