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Goodbye Raiden

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama / P16 / Gen
26.07.2013
26.07.2013
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'I'm afraid of the Night' - Raiden

'Jack, hinter dir!' Ein lauter Knall ertönte. Ein kleiner Junge mit weißen Haaren flog durch die Luft. 'Oh Gott, Junge, geht’s dir gut?' Ein älterer Mann beugte sich über den ihn. Kein Ton mehr. Kein Lebenszeichen. Für einen kurzen Moment schien die Welt still zu stehen, den Atem anzuhalten. 'Jack!' Der Mann rüttelte den Jungen, erst vorsichtig, dann immer schneller. Fast apathisch hatte er ihn in seinem Griff. Ein Husten. Endlich ein Lebenszeichen. 'Jack, du.. Gott sei dank, ich dachte, ich hätte dich verloren'. Der Junge öffnete die Augen. Er war kaum 10 Jahre alt, trug er doch schon die Uniform eines richtigen Soldaten. 'Solidus, was-?' 'Nein, nicht reden.' Solidus hielt ihm den Mund zu. 'Ich bring dich hier weg, Kleiner.' Solidus stand auf, nahm den Jungen, der sich mit letzter Kraft an seinen Schultern zu halten versuchte, auf die Arme und marschierte los. Wieder ein Knall, Schreie. Menschen rannten an den beiden vorbei, Männer und Frauen, Alte und Kinder, alle schmutzig und einige mit Blut bespritzt. Jack zog sich mit aller Mühe an Solidus' Schultern hoch, um zu sehen, was geschehen war. Er riss die Augen weit auf, wollte grade etwas sagen, als ein Schuss genau in seiner Stirn sein Ziel fand.

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Schweißgebadet wachte Jack auf. Er saß senkrecht im Bett, sein Leib zitterte, Mund und Augen weit aufgerissen. Er beugte sich nach vorne, hielt die Hände vors Gesicht, als wollte er sich vor irgendetwas verstecken. Tränen tropften auf seine Bettdecke. Es war wie jede Nacht, wie jede gottverdammte Nacht. Er strich sich die weißen Haare zurück, immer noch zitternd. Er konnte diese Albträume nicht mehr ertragen, diese Qualen nicht mehr durchstehen und niemand konnte ihm helfen. Sein Blick schweifte durch den Raum. Er hatte das Wasser in der Küche vergessen. Aufstehen und riskieren vor Erschöpfung umzukippen oder wieder hinlegen und in den nächsten Albtraum verfallen? Jack hatte die Entscheidung zwischen Pest und Kollera. Grade als er sich dazu entschlossen hatte, vielleicht doch einen Schluck Wasser zu nehmen, stand Rosemary in der Tür, ein Glas in der einen, eine Flasche Wasser in der anderen Hand. 'Ich habe dich gehört, Jack. Du hast geschrien.' Ohne zu zögern ging sie zu seinem Bett, stellte ihm das Wasser auf den Schrank und setzte sich neben ihn. Zärtlich streichelte sie seine Wange. Vollkommen kraftlos lies er seinen Kopf in ihre Hand gleiten. 'Schatz, so kann das nicht weiter gehen. Du kommst nicht mehr zum schlafen und.. ich fühle mich einsam ohne dich neben mir im Bett.' 'Rose, ich kann nicht zu dir kommen, ich brauche das hier. Dieses Bett, dieses Zimmer, dieses', er zögerte einen Moment 'allein sein.' Rose nickte bedächtig, aber sichtlich verletzt. 'Ich habe Morgen einen Auftrag, ich muss fit sein. Ich werde meine Nanomaschinen wieder aktivieren, Schlaf ist für mich eigentlich sowieso uninteressant.' Rose seufzte. 'Du hast versprochen menschlicher zu sein.' 'Ich versuche es doch, wirklich. Aber ich will mich nicht jede Nacht quälen. Ich.. ich weiß einfach nicht, warum ich so etwas träume, warum ich immer und immer wieder.. Ich will einfach nicht mehr schlafen, Rose, ich habe Angst vor der Nacht.' Sie sah ihn an, wollte noch etwas sagen, stockte und nahm ihn in den Arm. 'Ich liebe dich Jack und ich will nicht, dass du dich quälst. Wenn du Morgen auf deine Mission gehst, dann pass bitte auf dich auf, denn ich brauche dich noch.' Sie küsste ihn sachte, strich ihm noch einmal durchs Haar und machte sich wieder auf den Weg in ihr eigenes Zimmer. Jack blieb sitzen, den Rest der Nacht, bis er sich am nächsten Morgen wieder auf den Weg zu einer seinen zahlreichen Missionen machte. Die einzigen Momente, in denen er keine Angst hatte.

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'Raiden, zwei Geckos vor ihnen!' 'Ich kümmere mich darum, Boris.' Mit gekonnten Sprüngen beförderte sich Raiden auf einen der Geckos. Nicht mal 10 Sekunden hatte er gebraucht, schon waren die beiden Geschichte. Raidens VR- Training hatte sich bezahlt gemacht. Seine Angriffe und Bewegungen wurden nahezu eins mit der Umgebung, seiner Hochfrequenz- Klinge konnte kein Gegner ausweichen. Fast keiner. 'Bravo Raiden. Ich bin immer wieder von dir fasziniert!' Applaus hallte durch die Straßen der leeren Stadt. Raiden drehte sich um, das Visier immer noch auf Kampf ausgerichtet. 'Wo bist du!' 'Hinter dir.' Raiden drehte sich wieder um. 'Vamp.' Vor ihm stand ein muskulöser Mann, behaarte Brust, lange Haare und noch längere Zunge. 'Ich hätte es wissen müssen!' Vamp lachte. 'So sehen wir uns nun schon das vierte Mal, Raiden.' 'Ich dachte du wärst bei Shadow Moses umgekommen.' 'Das dachten so einige.' Ohne es kommen zu sehen stieß Vamp Raiden ein Messer in den Bauch, direkt danach eine Spritze in den Hals. 'Es wird Zeit, Cyborg- Junge, dass du den Schmerz, den du vor Jahren vergessen hast, wieder erlebst!' Raiden guckte ihn an, wollte grade das Messer aus seinem Bauch ziehen, als ein stechender Schmerz seinen ganzen Körper durchdrang. Seine Beine konnten ihn nicht halten, unkontrolliert kippte er nach Vorne. Vamp trat ihm ins Gesicht. Er hatte sichtlich Spaß an dem Leid, dass er Raiden zufügte. 'Jack! Jack, was ist passiert!' Rose's Stimme dröhnte in Raidens Ohr, doch er war zu schwach um zu antworten. Immer wieder stach Vamp ihm Messer in die Brust und in den Bauch. Das Blut spritze nur so über den Boden. Raiden war nicht in der Lage sich zu bewegen, geschweige denn sich zu wehren. Auf diesen Tag hatte er immer gewartet. Auf einmal erinnerte er sich. Er erinnerte sich, wie seine Eltern getötet wurden, als er noch ein kleines Kind war, wie Solidus ihn aufgenommen und zu einem der besten Killer der heutigen Zeit trainiert hatte, wie von den Patriots missbraucht und zu einem Cyborg gemacht wurde und er erinnerte sich, was Schmerz bedeutete.
Nach einer schier unendlich langen Tortour hörte der Schmerz plötzlich auf. Was war geschehen? Raiden blickte an sich runter, um ihn herum war eine riesige Blutlache. Sein kompletter Anzug hatte sich rot verfärbt. Vamp lachte immer noch, doch seine Stimme wurde immer dumpfer. Aus der Ferne hörte er Rose. Ein Echo? Eine Einbildung? Er kippte nach vorne, mit dem Gesicht in sein eigenes Blut. Rose rannte zu ihm, blickte sich kurz vorher noch einmal um, doch Vamp war nicht mehr zu sehen. Tränen rannten ihre Wangen entlang, während sie Raiden vorsichtig auf den Rücken drehte. 'Jack, bitte bleib bei mir. Die Leute von Marverick sind gleich da. Du schaffst das, bitte.' Sie hielt seine Hände fest in ihren. 'Nein, Rose. Schon okay. Ich wusste.. dass das passieren würde.' Sie sah ihn an, ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen. 'Rose, ich.. ich liebe dich und ich werde es immer tun. Kümmer dich gut um John. Ich weiß, dass du eine groß.. artige Mutter bist und eine noch bessere Frau.' Sie schüttelte den Kopf, konnte vor Tränen kaum noch etwas erkennen. Marvericks' Leute waren schon fast bei ihnen. 'Jack, du wirst wieder.' Sie schaute ihm in die Augen, merkte aber, dass sie gelogen hatte. Raiden nahm noch einen tiefen Atemzug, bevor er für ein letztes Mal redete: 'Rose, ich muss keine Angst mehr vor der Nacht haben.' In dem Moment schlossen sich seine Augen für immer.

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'Jack, do you remember the day we met?' - Rosemary
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