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Stockholm

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
25.07.2013
27.07.2016
58
76.019
1
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25.07.2013 958
 
Sie duckte sich gerade noch rechtzeitig weg, bevor der Teller, den er nach ihr warf, an der Wand hinter ihr zerschellte.

Sie kauerte sich auf den Boden und fing an zu zittern. Sein Stuhl wurde zurück geschoben und als er näher kam, fing sie noch heftiger an zu zittern. Er packte sie am Arm „Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass ich die Sauce nicht daneben, sondern darauf will?“ „WIE OFT?“, schrie er sie an und packte fester zu.

„Paul, du tust mir weh“, antwortete sie mit Tränen in den Augen, aber er ließ noch immer nicht los. Er drehte ihr den Arm auf den Rücken. „Es passiert nicht wieder, ich verspreche es“, wimmerte sie. „Viermal“, antwortete sie „du hast es mir viermal gesagt. Ich hatte es einfach vergessen. Es tut mir leid.“ Er ließ ihren Arm los.

„VERGESSEN? DU HAST ES EINFACH SO VERGESSEN?!?“ Er holte aus und kurz darauf landete seine Hand in ihrem Gesicht. „DANN MERK ES DIR IN ZUKUNFT“, er holte noch einige Male mehr aus und sie rollte sich schützend zusammen, weinte.

Plötzlich hielt er inne und sah sie an. „Es tut mir leid“, er kniete sich neben sie und streichelte ihr über den Rücken. „Liebes bitte, hör auf zu weinen. Es war ein beschissener Tag und dann...“ Er versuchte weiterhin, sie zu trösten. „Ich wollte das wirklich nicht. Du weißt doch, dass ich dich liebe.“ Sie nickte. Er zog sie in seine Arme.

„Geht es euch beiden gut?“, fragte er, während er eine seiner Hände auf ihren Bauch legte. „Nichts passiert“, gab sie Auskunft und er lächelte glücklich.

Stimmen drangen in ihr Bewusstsein, mal lauter, mal leiser. Sie blinzelte und schüttelte den Kopf. Nachdem sie in die Realität zurück gekehrt war, sah sich nach der Ursache um.

Eine Mitarbeiterin des Supermarktes war bereits herbei geeilt und kehrte die Scherben eines Glases auf, welches ein Kind aus Versehen hatte fallen lassen, wie sie aus der Entschuldigung der Mutter entnahm.

Sie schüttelte über sich selber den Kopf, dass sie so reagiert hatte. Ihre Fingerknöchel traten weiß hervor, da sich ihre Hände um den Griff des Einkaufswagen gekrampft hatten, was sie erst jetzt bemerkte und lockerte diese.

Sie sah sich nach ihrer Freundin um und entdeckte diese an den Tiefkühltruhen, spätestens am Auto würden sie wieder zusammen treffen.

Nachdem sie einige Male durchgeatmet hatte, schob sie ihren Einkaufswagen weiter. „Mommy hat wohl etwas überreagiert“, beruhigte sie sich und schaute das Kind vor sich im Wagen sitzend, kurz an.

Sie musste den Einkaufswagen stehen lassen, denn eine Warenpalette stand mitten im Gang und sie kam mit dem Wagen nicht an dieser vorbei.

Nachdem sie an der Palette vorbei war, griff sie nach dem gesuchten Produkt, als ihr eine andere Hand es aus dem Regal reichte. „Vielen Dank“, bedankte sie sich. Sie wollte sich gerade umdrehen, als  jemand hinter ihr „Gerne Liebes“, antwortete.

Automatisch versteifte sie sich. „Du siehst gut aus, Liebes“, fuhr er fort und umarmte sie von hinten. „Du hast mir gefehlt“, flüsterte er, während er ihren Nacken küsste.

Sie reagierte nicht, aber das schien ihn nicht wirklich zu stören.

„Du bist allein hier?“ „Ja, bin ich.“ „Und unser Kind?“ „Beim Babysitter“, lächelte sie schwach, „da ich direkt von der Arbeit gekommen bin.“

„Dann lass uns doch nach Hause gehen und wieder eine Familie sein“, meinte er und zog sie den Gang entlang.

„Aber zuerst beenden wir den Einkauf“, meinte er und sah sich nach ihrem Einkaufswagen um. „Er steht dort drüben“, sagte sie und zeigte auf einen verlassenen Wagen in einiger Entfernung.

Sie gingen darauf zu, wobei er darauf achtete, sie in seiner Nähe zu behalten und nachdem sie den Wagen erreicht hatten, schob sie ihn weiter.

Er schien es nicht sonderlich eilig zu haben, denn er überprüfte immer wieder den Inhalt des Wagens und machte sie darauf aufmerksam, wenn sie vergaß, etwas in den Wagen zu legen.

Mittlerweile hatte ihre Begleiterin, die sich schon im Kassenbereich befand, nach ihr umgesehen.

Sie entdeckte sie in Begleitung eines fremden Mannes, wie sie in aller Seelenruhe einen fremden Einkaufswagen durch die Gänge schob.

„Liebes, brauchst du keine Windeln?“, fragte er sie und deutete auf ein Regal. „Äh, doch, natürlich“, erwiderte sie und zog willkürlich ein Paket Windeln aus dem Regal.

Der Mann drehte sich nun um und blickte erneut in den Einkaufswagen Der Freundin blieb fast das Herz stehen. Sie nahm ihr Kind aus dem Wagen und sah sich suchend  um, während sie anderen Kunden, an denen sie vorbei kam, eindringlich sagte, dass sie so schnell wie möglich den Markt verlassen sollten, wofür sie aber nur irritierte Blicke erntete. Sie zog ihr Handy aus der Tasche und wählte, als auf einmal alles sehr schnell ging.

Eine Polizeisirene erklang, ein Schuss fiel, Kunden schrien, gingen in Deckung oder versuchten zu flüchten. Kinder hatten angefangen zu weinen. Sie wusste nur, dass der Schuss aus dem hinteren Teil des Marktes kam, da die Kunden von dort Richtung Kasse drängten. Sie sah sich weiter um, während ein Kunde sie mitsamt ihrer Tochter zum Ausgang zerrte.

Als sie draußen war, fiel ein weiterer Schuss. Den Ausgang hatte sie die ganze Zeit im Blick behalten, aber es kam niemand mehr hinaus. Nun sah sie sich auf dem Parkplatz um, konnte aber niemanden entdecken, der ihr bekannt vorkam.

Ihre Tochter weinte weiter noch immer. „Sind sie verletzt?“, fragte der Mann, aber sie reagierte nicht.

„Ich muss dringend telefonieren“, bat sie, nachdem sich der erste Schock gelegt hatte. „Haben Sie ein Handy?“, fragte sie ihr gegenüber. „Ich habe meines wohl fallen lassen“, erklärte sie ihrem gegenüber und er reichte ihr seines.

Während sie erneut wählte, fuhren noch zwei Streifenwagen auf den Parkplatz und begannen bereits mit der Absperrung. Der Anruf landete auf der Mailbox. Sie legte auf und wählte erneut.
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