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If you need help, just say hey!

von kwieen64
GeschichteThriller, Tragödie / P16 / Gen
John Stillman Kat Miller Lilly Rush Nick Vera Scotty Valens Will Jeffries
25.07.2013
07.08.2013
7
6.970
 
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25.07.2013 679
 
Außer sich vor Angst, lief er nun schon seit Stunden rastlos den Flur der Intensivstation auf und ab. Was dauerte denn da so lange? Warum konnte ihm niemand sagen, wie es um Lilly stand? Ob sie es schaffen würde….Warum hatte er das hier nicht verhindern können? Wenn ihm wenigstens jemand etwas über ihren Zustand sagen könnte! Diese Ungewissheit machte ihn noch wahnsinnig.

Wie ein Film lief dieser schreckliche Tag vor seinem inneren Auge ab. Er fing schon so mies an. Lil war nicht zum Dienst erschienen – ein ganz schlechtes Zeichen, sie war normalerweise die Zuverlässigkeit in Person. Da sie ihn nicht angerufen hatte, war er mit einer ganz bösen Ahnung in ihre Wohnung gefahren. Schon als er die Haustür geöffnet hatte, war ihm klar, es musste etwas Furchtbares passiert sein.

Tatsächlich saß sie zitternd, totenblass und verweint auf ihrem Sofa. “Meine Mutter ist letzte Nacht gestorben. Ich fand sie. Sie war alleine als es passierte. Ich saß die restliche Nacht hier mit ihr. Sie hat im Büro angerufen. Ich hatte ihr aber doch gesagt, sie soll auf meiner Mobilnummer anrufen. Sie hatte die Nummer doch!  Sie hätte nicht alleine sterben sollen.“
„Sie wissen, dass es nicht Ihre Schuld war?“ Was für ein lahmer Versuch… er war einfach nicht gut in solchen Situationen, fand nicht die richtigen Worte. „Ich hätte hier sein sollen, Scotty! „Sie haben alles getan, was Ihnen möglich war.“ Er hockte sich auf den Couchtisch „Ich habe mich noch nicht einmal von ihr verabschiedet!“ „Ich bin für Sie da!“ Er legte ihr vorsichtig die Hand auf die Schulter. Nur nicht zu nahe kommen, sonst zog sie sich sofort in ihr Schneckenhaus zurück. „Jederzeit, das wissen Sie?“ Sie nickte. „Ich will einfach nur allein sein jetzt o.k.?“ „O.K. Wenn Sie mich brauchen, sagen Sie einfach "Hey" und ich werde da sein!“

Das musste für Lilly in dieser Situation wie eine Floskel geklungen haben, obwohl er es aus tiefster Überzeugung ehrlich gemeint hatte. Es brach ihm fast das Herz, wie er sie da so völlig aufgelöst auf ihrem Sofa kauern sah. Warum hatte er sie nicht gegen ihren Willen einfach in die Arme genommen und gehalten. Sie sah aus, als wäre sie selbst und nicht ihre Mutter gestorben. Lil hatte so geweint, konnte sich gar nicht beruhigen. Und er, ganz Gentleman, hatte ihren Wunsch respektiert. Manchmal war er ein richtig feiger Vollidiot! Ausnahmsweise hätte er ein einziges Mal mehr auf sein Gefühl hören sollen, aber nun war es vielleicht schon zu spät. Wie so oft in seinem Leben, war er wieder gegangen. Eine ganze Weile hatte er zwar noch vor ihrer Haustür gestanden und überlegt, ob er umkehren sollte. Dann war er aber doch in seinen Wagen gestiegen und weggefahren
.
Er hätte sie nicht alleine lassen dürfen. Dann wäre sie nicht zurück ins Büro und es wäre nicht zu diesem verfluchten Treffen gekommen und das alles hier wäre nicht passiert! Er würde jetzt nicht um ihr Leben bangen müssen.

Eine Hand legte sich von hinten auf seine Schulter. Erschrocken fuhr er herum und hob instinktiv den Arm zum Schlag. Alex zuckte entsetzt zurück. „Was willst du denn hier?“ fuhr Scotty sie heftiger als beabsichtigt an. Traurig sah sie ihm in die Augen: „Scotty, ich glaube es ist besser, wir lassen das. Verstehst du, dass ich nicht mit einem zusammen sein kann,  für den ich nur zweite Wahl bin, weil er ein Trostpflaster braucht. Ich hoffe, dass wir es hinkriegen, auf beruflicher Ebene trotzdem weiterhin wie vernünftige Menschen miteinander umzugehen." Sie kämpfte mit den Tränen und schluckte. "Schade, ich habe dich wirklich geliebt und gedacht, das mit uns hat Zukunft. Leb‘ wohl.“  Im Weggehen drehte sie sich ein letztes Mal um. „Falls sie es schafft, macht endlich reinen Tisch. Das kann ja keiner mehr mit ansehen!“

Scotty schaute ihr fragend nach, runzelte nachdenklich die Stirn und stellte verwirrt fest, dass er sogar erleichtert war. Letztendlich war es nur der Schritt, vor dem er sich insgeheim gedrückt hatte. Darum konnte er sich später auch noch Gedanken machen, denn  jetzt gab es viel Wichtigeres!
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