Run for your Life

KurzgeschichteAbenteuer / P12
Niju OC (Own Character)
24.07.2013
24.07.2013
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24.07.2013 2.412
 
Yaaaay, meine erste Balto-FF!
Ich hoffe nur mich erschießt hierfür keiner. Und stimmt für eine Balto-Kategorie, 3 Geschichten gibts jetzt ja.
Und jetzt, viel Spaß beim Lesen!
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Bäume. Felsen. Spärliches Vogelgezwitscher. Gelegentliches Knacken im Unterholz, wenn ein Tier sich den Weg durchs Dickicht bahnte. Eine eigentlich wunderschöne, bewaldete Landschaft, die an der Küste von schroffen Felsen abgelöst wurde. Er kannte die Gegend hier wie seine Westentasche und hätte viel dafür gegeben, dass die Luft nur vom Rauschen des Meeres und dem Geschrei der unzähligen Seevögel erfüllt gewesen wäre, wie sonst auch. Doch die Vögel, deren Zahl in den letzten Monaten ohnehin schon stark dezimiert worden war, schwiegen. Ebenso die meisten anderen Tiere, die normalerweise den Wald unsicher machten. Einzig das Meer toste und schäumte, was den jungen Wolf, der gerade um sein Leben rannte, zwar einerseits beruhigte, aber angesichts seiner Lage auch etwas Bedrohliches hatte. Die Nässe und der Wind, die ihm immer wieder durch sein schwarzbraunes Fell fuhren, waren momentan auch sein kleinstes Problem. Auch war er darin geübt, mit seinen Pfoten auf dem vom Meerwasser glitschigen Stein Halt zu finden. Das war seine Welt. Auch, wenn sein Rudel ihn verlassen hatte um den Karibus in den Tod zu folgen – ein Fehler, den er selbst niemals zugelassen hätte, wäre er anstelle des Alten und der unerfahrenen, jungen, naiven Schoßwölfin der Leitwolf gewesen – hier hatte sich der Wolf immer sicher gefühlt.
Selbst als Nava, der graue, alte Narr, der von sprechenden Bäumen phantasierte, ihn aufgespürt hatte, um ihn zu überreden, einem anderen Rudel beizutreten, hatte dieser Ort ihn mit all seinen Schlupfwinkeln beschützt. Nava war ihm schon immer unheimlich gewesen, es konnte ihm also niemand zum Vorwurf machen, dass er abgehauen war.
Einige Tage später hatte er seinen ehemaligen, verhassten Rudelgefährten bei der Futtersuche wiedergefunden. Er war am Strand angespült worden, vermutlich ertrunken. Erst ab diesem Moment war er wirklich Niju, der einsame Wolf. Und dieses Schicksal wurde ihm jetzt zum Verhängnis.
Ein Bellen brachte Niju zurück in die Wirklichkeit. Dieses Gebell hatte er in den letzten Tagen viel zu oft gehört. Und es war zu nah, viel zu nah. Er bemerkte, dass er auf dem Felsen stehengeblieben war. Warum zum Teufel hatte er das getan? Plötzlich sah er sie, zwei längliche Punkte, einer braun und einer schwarz, die sich über den felsigen Strand auf ihn zu bewegten. Bereit, ihn grausam zu zerfleischen, dessen war er sich sicher. Barsois. Wolfsjäger.
Seit Tagen schon spürten ihm diese zwei in jedem Versteck, das er sein Leben lang für sicher gehalten hatte, auf. Schon zweimal hatten ihn die Hunde vor die Flinte ihres Menschen getrieben. Beide Male war ihr der schwarzbraune Wolf nur knapp entkommen.
Mittlerweile konnte Niju nicht mehr, aber er zwang sich, weiterzulaufen. Durch das Ausbleiben der Karibus war er enorm abgemagert und ernährte sich nur noch von leichtsinnigen Seevögeln oder Robben und dem Aas anderer Raubtiere. Diese gingen sich aufgrund der Beuteknappheit schon gegenseitig an die Kehle. Selten gelang es ihm noch, einen Schneehasen zu erlegen. Für derartige Sprints hatte er zumeist keine Kraft mehr. Gestern hatte er das Glück gehabt, einer Babyseerobbe zu begegnen, heute jedoch hatte er noch nichts im Magen. Solange diese Hunde ihn verfolgten, konnte er sich nicht erlauben, auf die Jagd zu gehen.
Er zweifelte keine Sekunde an der Tatsache, dass sie ihn früher oder später kriegen würden, doch sein Stolz verbot es ihm, dass er sich einfach ergab. Also hetzte er weiter, über Stock und Stein, gefährlich nah an den rutschigen Klippenrändern. Vielleicht hatte er Glück und einer der Barsois rutschte ab.
Doch nein, natürlich war ihm das nicht vergönnt. Jetzt hatte er nur noch ein Versteck, das ihm den Hintern retten könnte, denn in den angrenzenden kleinen Wald traute er sich nicht mehr, wenn dort der Mensch mit dem Gewehr herumschlich. Wie aufs Stichwort hörte er einen lauten Knall, den er als Gewehrschuss identifizierte. Für einen Moment fragte er sich, welchen seiner Rudelgenossen es wohl erwischt hatte, dann fiel ihm wieder ein, dass sie alle vermutlich unheimlich weit weg und zu einem Großteil sicher schon tot waren.
Da hatte Niju besagtes Versteck auch schon erreicht: Eine Höhle. Weiter in ihrem Inneren war sie wie ein kleines, dunkles Labyrinth für diejenigen, die sich nicht gut genug auskannten. Schnell wie der Blitz war er darin verschwunden und lief zielsicher durch die teilweise sehr engen Gänge. Das verwirrte Bellen seiner Verfolger hallte an den Wänden wider. Offenbar hatten sie gerade festgestellt, dass er mit seinem dunklen Fell in dieser Höhle praktisch unsichtbar und durch die Feuchtigkeit, die sich an den Wänden abgesetzt hatte, praktisch nicht zu wittern war. Anscheinend hatte er sie abgehängt. Der dunkle Wolf blieb stehen, um zu verschnaufen. Sein Magen knurrte. Da ihm die beiden Mörderhunde offenbar nicht mehr auf den Fersen waren, konnte er es sich sicher erlauben, durch den zweiten Höhlenausgang zu verschwinden und sich etwas zu fressen zu suchen. Mit diesem Gedanken machte er sich auf den Weg zum Ausgang, den er ohne größere Schwierigkeiten erreichte. Als er jedoch wieder ans Tageslicht kam, wurde er von einem überaus wütenden Knurren begrüßt.
Niju musste mehrmals blinzeln, um seine Augen an das Licht zu gewöhnen, gleichzeitig wich er beinahe reflexartig zurück. Wo kam dieser Barsoi her? Er hätte in der Höhle sein und sich wie sein Freund in den unzähligen Gängen verirren sollen, verdammt! Die Bestie kam langsam näher, die gelben Augen fest auf ihn gerichtet. In ihnen stand die Blutlust fast schon geschrieben.
Plötzlich jedoch ertönte ein langgezogenes, gequältes Heulen aus dem Inneren der Höhle.
Der graue Barsoi hörte erschrocken auf zu knurren und warf einen besorgten Blick in das Dunkel hinter Niju. Dieser knurrte herausfordernd und fletschte die Zähne. Dann aber geschah etwas völlig Unerwartetes.

„Du,“ sprach ihn der Graue an, „Du kennst dich hier doch aus, nicht?“
Niju wusste nicht was er von dieser Frage halten sollte. War das eine List? Misstrauisch beäugte er den Barsoi, der ihn eben noch umbringen wollte, und der seine Angriffshaltung jetzt völlig aufgegeben hatte. Der Wolf jedoch ließ sich davon nicht täuschen. Andererseits war er aber neugierig, was der Barsoi von ihm wollte.
„Sag schon!“ verlangte der Hund, „Du hast doch eben aus der Höhle gefunden, oder?“
„Nehmen wir mal an, ich würde mich hier tatsächlich auskennen… Warum fragst du?“ gab der dunkle Wolf seiner Neugier schließlich nach.
„Jegor und Jagoda sind da drin…“
„Vergiss es.“ Niju ahnte schon, worauf der Barsoi hinauswollte. „Ich bin doch nicht lebensmüde! Deine beiden Freunde würden mich zerreißen, sobald sie mich kommen hören würden!“ Verächtlich sah er ihn an. Der Graue musste ein wenig jünger sein musste als er selbst, sonst hätte er diese Frage wohl kaum gestellt.
„Ich glaube, da ist etwas passiert! Ich muss ihnen doch helfen!“
„Das ist ja wohl kaum mein Problem.“ Der Wolf wusste, dass noch immer Gefahr von dem jungen Hund ausging, also bewegte er sich langsam weg vom Höhleneingang. Sobald er in freies Feld gelangte, würde er sich umdrehen und rennen.
„Selbst wenn du jetzt abhaust, es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich dich finde.“ knurrte der graue Barsoi. Hatte sich Niju wirklich so auffällig bewegt? „Du wirst mir helfen, mein Rudel zu befreien.“ fuhr der Windhund fort, „Im Gegenzug werden wir dich ziehen lassen. Du kannst dir ein neues Revier suchen und wir werden uns nie wieder begegnen.“
„Ich werde mir kein neues Revier suchen. Woanders lauert der Tod.“ widersprach Niju. Er musste zugeben, dass der Vorschlag gar nicht so schlecht klang. Doch niemals würde er sein Revier aufgeben! In seinem Inneren fragte ein fieses, leises Stimmchen, was ihn eigentlich noch an diesem Ort hielt. Hier gab es weder ein Rudel, noch eine sichere Futterstelle, die ihn zum Bleiben hätten zwingen können.
„Hier lauern Raubtiere, die so aggressiv geworden sind, dass sie Menschen, die sich eine Trophäe schießen wollen, in Scharen anziehen. Wenn Jegor, Jagoda und ich dich nicht töten, werden es sicher andere tun. Was meinst du, wie lange du das noch durchhälst?“ Klang der Hund, der ihn eben noch höchstpersönlich erlegen wollte, da etwa gerade besorgt? Niju würde Hunde wohl nie verstehen. Sie waren naiv und weichherzig, selbst zu ihren Feinden. Treu waren sie auch, doch das war ihm ebenfalls ein Begriff.
Der Wolf überlegte. Dies könnte seine Chance sein, zu überleben. Wenn er es schaffte, von hier wegzukommen – dieser Gedanke behagte ihm absolut nicht, aber er sah ein, dass er in dieser Gegend, die er kannte, seitdem er ein Welpe war, alleine keinerlei Überlebenschance hatte – könnte er endlich wieder mal etwas richtiges Fressen. Er könnte ein Rudel gründen. Er könnte den Wolfsjägern entkommen.
Also schluckte Niju zum ersten Mal in seinem Leben seinen stolz herunter und meinte dann: „Also schön, also schön. Ich werde dir helfen. Dafür überzeugst du deine Freunde davon, mich am Leben zu lassen. Ich werde danach verschwinden und ihr werdet mich nie wieder sehen, wie du gesagt hast.“ Der dunkle Wolf wandte sich dem Höhleneingang zu. Der Windhund, der seit dessen Zusage wie wild mit dem Schwanz wedelte, blieb jedoch, wo er war. Also Niju ihn auffordernd anblickte, legte er die Ohren an, machte sich ein wenig kleiner und winselte. „Komm schon!“ knurrte der Wolf ihn an, „Hast du etwa Angst?“ Was für eine blöde Frage. Dass der graue Barsoi Angst hatte, konnte er sehen und riechen.
„Ich… ich habs nicht so mit Dunkelheit, weißt du?“ Langsam kam er näher. „Sag mal… Wie heißt du eigentlich?“
„Mein Name ist Niju.“ antwortete Niju nach kurzem Zögern. Die plötzliche Vertrauensseeligkeit, mit der der Barsoi auf ihn zuging, empfand er als überaus verwirrend.
„Was für ein seltsamer Name…“ wunderte sich der Hund, „Ich bin übrigens Ozan.“
„Schön, Ozan, in dieser Höhle lebt schon lange nichts Gefährliches mehr. Es gibt also nichts, vor dem du dich fürchten müsstest. Bleib dicht bei mir und mach so wenig Lärm wie nur möglich. Dann sollte es leicht sein, deine beiden Freunde zu finden.“
Dann betraten die beiden das Dunkel der Höhle. Nach wenigen Pfotenschritten kam schon die erste Abzweigung, dann waren sie in völlige Dunkelheit gehüllt. Ozan winselte leise, als er das registrierte. Niju verstand nicht, wie ein so großer Hund so feige sein konnte, aber es sollte ihm auch egal sein. Hauptsache er kam schnell wieder aus dieser Nummer raus.
Bis auf das leise Tapsen ihrer Pfoten und einige Wassertropfen, die mit schöner Regelmäßigkeit auf den Boden fielen, war es absolut still. Ozan drückte sich ängstlich an den Wolf, dieser wiederum überlegte, sich einfach heimlich still und leise aus dem Staub zu machen. Er entschied sich nur knapp dagegen und tastete sich weiter vor.
„Ich höre überhaupt nichts mehr von den beiden.“ bemerkte Niju plötzlich. Ozan neben ihm zuckte zusammen. Dann bellte er. Wie erwartet hallte es von allen Wänden wider, doch es schien sich auch ein anderes Echo darunter zu mischen. Dieses war tiefer und schien von weiter rechts zu kommen. Also schlug der dunkle Wolf diesen Weg ein, nicht ohne Ozan darauf aufmerksam zu machen. Als sie kurz darauf das gleiche Bellen noch einmal hörten, wusste Niju, dass sie richtig waren. Der graue Barsoi neben ihm begann bereits, im Dunkeln mit dem Schwanz zu wedeln, das konnte der junge Wolf deutlich hören. Er verzichtete darauf, ihm einen missbilligenden Blick zu schenken, er hätte ihn ohnehin nicht gesehen. Wieder ein Kläffen, dieses mal von weiter links. Doch dieses war anders als das davor.
„Das war Jagoda!“ flüsterte Ozan aufgeregt.
„Ozan?“ hörten die beiden kurz darauf die Stimme eines älteren Rüden. Der Barsoi antwortete mit einem begeisterten Kläffen. Kurz darauf stieß Niju mit der Pfote gegen etwas Weiches. Offenbar hatten sie Jegor gefunden.
„Wo ist Jagoda?“ fragte Ozan jetzt seinen Jagdgefährten.
„Meine Schwester ist da unten. Sie sagt aber, es geht ihr gut.“
„Ich weiß, dass es von da unten aus einen Ausgang gibt.“ meldete sich da Niju zu Wort. „Ist sogar eine Abkürzung.“
„Wer ist da?“ fragte Jegor aber misstrauisch und knurrte warnend. Der Wolf widerstand dem Drang, zurückzuknurren.
„Das ist Niju.“ erklärte da schon Ozan eifrig, „Er hat mich durch das Labyrinth geführt. Er kennt sich hier nämlich aus. Er wird uns auch wieder rausführen.“
Niju war überrascht, wie schnell sich der Barsoi, der ihn gerade eben noch bedroht und erpresst hatte, in einen kleinen, plappernden Welpen verwandeln konnte. Andererseits schien er der Jüngste und Unerfahrenste der Truppe zu sein, was diesen Nesthäkchenstatus wiederum erklärte.
„Gut,“ entschied Jegor deshalb, „Wir gehen unten lang.“ Danach hörte der dunkle Wolf einen dumpfen Aufprall, kurz danach einen zweiten. Niju zögerte einen Moment, dann sprang auch er das Loch hinunter. Von dort aus war es tatsächlich nur ein kurzer Weg bis ans Tageslicht. Während die Wolfsjagdhunde es nicht erwarten konnten, zurück ans Tageslicht zu kommen, ließ der Wolf sich etwas mehr Zeit. Als er schließlich aus der Höhle trat, wurde er von einem zweistimmigen Knurren begrüßt.
„Nein!“ rief Ozan, der die Lage erkannt hatte, und stellte sich vor Niju. Dieser hatte ebenfalls angefangen zu knurren, Ohren angelegt und Fell gesträubt. „Ich hab ihm versprochen, dass er gehen kann und wir ihn in Ruhe lassen!“
„Ein Wolf? Du lässt dich mit einem WOLF ein?“ knurrte Jagoda, die schwarzweiße Hündin.
„Du solltest keine Versprechen geben, die du nicht halten kannst.“ fiel Jegor mit ein, während sich sein braun geschecktes Fell vor Wut noch mehr sträubte. Ozan winselte.
„Bitte…“ flehte er die beiden Älteren an.
In diesem Moment hörte er ein Knacken hinter sich. Jegor und Jagoda nahmen davon keine Notiz, der jüngere, graue Barsoi aber blickte fassungslos und geschockt hinter seinen Wolfsfreund. Ja, dank dieser Rettungsaktion sah er wirklich so etwas wie einen Freund in Niju. Dieser erkannte die Lage erst, als er hinter sich ein metallisches Klicken hörte. Der Wind stand so ungünstig, dass er den Menschen hinter sich unmöglich rechtzeitig hätte wittern können.
Der Schuss traf ihn im Genick, weshalb er sofort zusammenbrach. Lautlos. Es ging so schnell, dass er den Schmerz fast gar nicht spürte. Das letzte, das Niju, der einsame Wolf, sah, war Ozans reuevolles Gesicht. Dem Kleinen – der Barsoi konnte nicht viel jünger sein als er selbst, doch es kam dem Wolf so vor, als wäre der Hund genau das – schien diese Geschichte wirklich aufrichtig leid zu tun. Er dachte noch daran, dass man Hunden eben doch nicht trauen konnte.
Dann wurde das Bild schwarz und die blauen Augen des schwarzbraunen Wolfes trüb.
Er hatte den Kampf verloren.

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Joah, das wars. Tragisch, ne? xD
Hatts euch gefallen? Und warum? Oder sollte ich den Mist besser in die Tonne treten und mir nen Strick kaufen und mich erschießen? Schreibts in die Reviews!
Tdhudgas und so^^
glg
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