Seine Seele

von DieSammie
KurzgeschichteDrama, Romanze / P12
Damian / Der Verdammte
21.07.2013
21.07.2013
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Es gibt Momente, in denen man weiß, das man zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Wenn man tief einatmet und spürt wie lebendig man doch eigentlich ist. Dieser  Moment, wenn ein wohl überlegter Atemzug zur Ewigkeit wird. Nun war genau so ein Moment.
Der Mann betrat den von Kerzen erleuchteten Raum andächtig, in seinem Herzen riss die Sehnsucht schmerzhaft an ihm, als er den Stein Altar erblickte, der in der Mitte seiner stand. Die Junge Frau, die darauf lag wirkte, als schliefe sie nur. Und sie schlief seit so unendlich vielen Jahren. Es war so lange her, dass er sie dort aufgebart hatte, unter Tränen damals, und erfüllt von unbedigem Hass. Der selbe Hass, der ihn immernoch antrieb. Der ihm die Kraft gegeben hatte immer weiter zu machen. Hass und Liebe, so weit voneinander entfernt, und doch so nah beieinander. So kraftvoll, so mächtig.
Der Verdammte, so nannte man ihn. Aufgezogen vom Göttlichen selbst, sein Sohn, wenn man so sagen wollte. Und doch empfand er  ihm gegenüber nur  Hass, Wut, Enttäuschung und Abscheu. Wie konnte er? Fragte er sich immer wieder. Wie konnte er nur?
Sein Herz, sein Leben hatte er zerstört. Seinen Stern, Seine Seele.
Ygerna.
Hexe hatte er sie beschimpft. Verräterin, Abschaum. Dabei war er es doch selbst, der nicht tiefer sinken konnte. Er hatte sie ihm entrissen, sie verurteilt und enthauptet. Doch er hatte dafür gesorgt, dass sie niemals von ihm ging.
Er hatte ihre Seele mit der Seinen verbunden. Für immer, bis zum heutigen Tag, der sie beide unsterblich werden lassen sollte.
Ygerna. Sein Herz.
Er blieb vor dem Altar stehen und betrachtete sie. Dann beugte der Verdammte sich über den reglosen Körper seiner Geliebten. Selbst jetzt noch, im Tod, war sie so schön. So vollkommen, wie damals, als sie ihm mit vierzehn Jahren all das geheime Wissen gegeben hatte, das ihm seine Macht ermöglichte.
Ygerna. Sein Leben.
Ihre Hände waren auf dem Bauch gekreuzt, er legte seine darauf. "Zeit aufzuwachen, meine Schlafende Schönheit." sagte er sanft. Und tatsächlich schlug die junge Frau auf dem Altar die Augen auf.
Ygerna. Sein Stern.
"Liebster. Endlich!" Er half ihr, sich aufzusetzen. Sie schaute ihn an, aus wunderschönen, braunen Augen, umrahmt von langen, schwarzen Wimpern. So schön...
Er küsste sie. Ein kurzer Kuss, und doch erfüllt mit der Sehnsucht aus vielen hundert Jahren. Sie war wieder bei ihm. Nun konnten sie beginnen, sie beide. Die Vorbereitungen hatte er in all den Jahren getroffen. Sie würde gemeinsam über Rivellon herschen. Er, Damian. Und sie.
Ygerna. Seine Seele.