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Auf Abwegen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
1. DCI Tom Barnaby Cully Barnaby Dr. George Bullard DS Gavin Troy Joyce Barnaby
20.07.2013
30.07.2013
5
4.187
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20.07.2013 1.118
 
Barnaby startete den Motor seines Wagens und bog von der kleinen Dorfstraße in die Schnellstraße nach Causton ein.
Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Seine kriminologische Spürnase juckte ganz gewaltig und seine langjährige Erfahrung sagte ihm, dass er dies nicht ignorieren konnte. Ja, nicht ignorieren durfte. Sein Hirn arbeitete auf Hochtouren.
‚Da war wohl jemand ganz besonders gekränkt‘, hatte Bullard gesagt.
Doch der Inspector war sich nicht sicher, ob es sich wirklich um eine Eifersuchtstat handelte. Im Moment war es noch dunkel in seinem Geist, die große Erleuchtung würde aber gewiss noch kommen. So vertrackt auch manche Fälle in seiner bisherigen Laufbahn gewesen sein mochten, bis jetzt war es ihm doch immer gelungen, den wahren Täter zu überführen.
Tom Barnaby konnte nicht verhindern, dass in ihm ein Gefühl von Stolz und Genugtuung aufkeimte. Leise vor sich hin pfeifend parkte er seinen Dienstwagen vor dem CID und wartete auf seinen Sergeant.

Troy folgte Barnaby, nachdem er einige Minuten still hinter dem Steuer gesessen hatte. Irgendwie war ihm die Gegenwart dieses Rodder mehr als unangenehm. Er konnte dabei nicht einmal sagen, was genau dieses Gefühl in ihm hervorrief, jedoch wollte er der Sache nicht weiter als nötig auf den Grund gehen.
Schließlich machte auch er sich auf den Weg nach Causton. Ihm war klar, dass seinem Chef und ihm von heute an eine Menge Ermittlungsarbeit bevorstand, doch er war voller sprühendem Tatendrang.
Als er auf den Parkplatz einbog, erwartete ihn Barnaby mit einem Becher Kaffee in der Hand.

„Haben Sie sich unterwegs verfahren Troy?“ Er wandte sich Richtung Eingang.

„Sir?“

„Sie brauchen doch sonst nicht so lange - bei ihrem Fahrstil.“, witzelte er Chief Inspector und grinste.
Der junge Sergeant verdrehte die Augen und folgte ihm.

Gemeinsam begannen sie an einer großen Flipcharttafel den Fall zu visualisieren. Die ersten Verbindungen konnten hergestellt werden.

„Im Moment scheint es, als wäre Mr. Rodder zur vorläufigen Tatzeit nicht in der Nähe des Postamtes gewesen. Doch wir sollten ihn trotzdem nach einem Alibi fragen.“ Barnaby versah ein Bild des Mitarbeiters mit einem großen Fragezeichen.

„Was ist mit Southerby’s Frau, Sir?“, Troy dachte mit einem flauen Gefühl an die Überbringung der Todesnachricht. Er mochte so etwas nicht.

„Es gab keinerlei Vermisstenanzeigen. Warum?“, entgegnete der Chief Inspector, ohne wirklich auf Troy’s Frage einzugehen.

„Vielleicht war es nichts Ungewöhnliches, das er zwei Tage nicht im Haus war.“ Gavin zuckte mit den Schultern. Ratlosigkeit erschien auf seinem Gesicht.

„Möglich. Fragen wir sie am besten selbst. Vielleicht haben wir Glück und sie ist zu Hause.“, damit zog er  sein Jackett über und schnappte sich seine Schlüssel.

„Wir nehmen meinen Wagen.“

Keine fünf Minuten später waren sie erneut auf dem Weg nach Midsomer Deverell.
‚Am Tag sieht es hier ja gar nicht mal so übel aus. ‘, dachte Troy und sah aus dem Fenster. Er wusste, Barnaby vertraute ihm seinen Wagen nur ungern an. Mit einem Grinsen kam ihm der Grund dafür wieder einmal in den Sinn.

„Ganz nett hier, oder?“ Tom sah ihn von der Seite an. „Troy?“ Dieser erwachte aus seinen Gedanken.

„Sir?“

„Ich sagte, es ist ganz nett hier, oder was meinen Sie, Troy?“

„Ja, das habe ich auch schon bemerkt, Sir. Um einiges freundlicher - im Tageslicht betrachtet.“

Nach einigem Suchen, hielten sie vor einem kleinen Cottage mit grünen Fensterläden und einem grauen Reetdach. Im Vorgarten wucherten Rosenbüsche in Violett und dunklem Rot.
Barnaby trat einen Schritt zurück, nachdem er an der Tür geklopft hatte. Lange Zeit tat sich im Haus Nichts. Sie wollten schon beinahe zum Wagen zurückgehen, als sich die Tür widererwartend doch noch öffnete.
Eine Frau Mitte 40 erschien und strich sich schnell eine rote Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Ja?“

„Mrs. Sarah Southerby?“ Troy machte auf dem Absatz kehrt und stellte sich schräg hinter dem Inspector auf.

„Ich bin Detective Chief Inspector Barnaby und das ist Detective Sergeant Troy. Wir sind vom CID Causton. “ Der Ermittler verstaute seinen Ausweis wieder in seiner Anzugtasche.

„Polizei?“ Mrs. Southerby sah verblüfft aus. Verblüfft und ein wenig schockiert. Ahnte sie vielleicht etwas?

„Dürfen wir hereinkommen? Wir würden gerne etwas mit Ihnen besprechen.“

Sie zog die Tür gänzlich auf und bat die zwei Polizisten ins Wohnzimmer zu gehen. Sie bot Ihnen Kaffee und Tee an, was jedoch beide ablehnten. Dann setzte sie sich auf ein braunes Ledersofa und legte die Hände in ihren Schoß.
Troy wollte sich gerade in einen Sessel sinken lassen, als ein warnender Blick seines Chief Inspectors ihn in letzter Sekunde davon abhielt.

„Es geht um Ihren Mann Mrs. Southerby.“, begann Barnaby, wurde allerdings sofort unterbrochen.

„Was ist mit Allistair? Hat er etwas angestellt?“ Ihre Stimme klang unsicher.

„Soweit wir wissen, hat er Nichts ‚angestellt‘. Aber es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Mr. Southerby heute Morgen tot im Postamt aufgefunden wurde.“ Ein fast unmerkliches Zittern lief durch den Körper der schlanken Frau. Sie schluckte hart und schloss die Augen.

„Wie ist er gestorben?“

„Ein Schuss direkt ins Herz. Er war sofort tot. Sie haben unser Beileid. Fühlen Sie sich dennoch in der Lage, einige Fragen zu beantworten?“ Diesmal war es Troy, der, nun mit Block und Stift bewaffnet, die Initiative ergriff.
Ein stummes Nicken seines Gegenübers war ihm Antwort genug.

„Wann haben sie Ihren Mann das letzte Mal gesehen?"

„Das war…“, sie brach ab, „das muss am Dienstagvormittag gewesen sein. Adam war im Postamt und mein Mann hatte nachmittags Dienst. Er sagte, er habe noch etwas zu erledigen und meinte, ich solle nicht mit dem Essen auf ihn warten. Ich habe mich nicht weiter gewundert.“ Sie blickte zu dem jungen Sergeant auf.

„Auch nicht, als er nach Schließung nicht auftauchte?“ Barnaby kam diese Tatsache etwas unglaubwürdig vor und dachte an seine eigene Ehe.

„Es war nicht selten, dass er am Abend nicht nach Hause kam. Oft ging er in den Pub und traf sich mit alten Freunden auf ein paar Bier. Ich ging ziemlich zeitig zu Bett. Mittwochs ist das Postamt geschlossen, dann war er meistens beim Cricket. Es kam zwar nicht häufig vor, dass ich ihn fast 48 Stunden nicht sah, dachte mir aber Nichts dabei.“ Mrs. Southerby wich dem Blick des Inspectors aus.

„In welchem Pub traf er sich mit seinen Freunden?“, hakte Troy ein.

„In ‚Jim’s Tavern‘. Es liegt am Dorfrand, kurz vor der Abbiegung nach Causton.“

„Vielen Dank Mrs. Southerby. Falls Ihnen noch irgendetwas einfallen sollte, rufen Sie mich bitte an. Außerdem kann es ein, dass wir Sie noch einmal aufsuchen, wenn sich weitere Fragen ergeben.“

Barnaby reichte ihr seine Visitenkarte und wandte sich zum Gehen.  Sein Sergeant folgte ihm und beide traten in den sonnigen Garten hinaus.
Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, lief der rothaarigen Frau auf dem Sofa eine einzelne Träne über die Wange.
Es hatte so kommen müssen.
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