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Auf Abwegen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
1. DCI Tom Barnaby Cully Barnaby Dr. George Bullard DS Gavin Troy Joyce Barnaby
20.07.2013
30.07.2013
5
4.187
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20.07.2013 996
 
Es war immer noch dunkel, als Sergeant Gavin Troy die Tür seiner Wohnung hinter sich ins Schloss fallen ließ und sich auf den Weg nach Midsomer Deverell machte. Die Kirchturmglocken von Bledlow schlugen halb fünf.

Troy schlug fröstelnd den Kragen seines Mantels nach oben und schritt weiter aus, um endlich seinen Wagen zu erreichen. Bevor er den Motor startete, fuhr er sich mit beiden Händen über sein Gesicht, während er ein herzhaftes Gähnen nicht unterdrücken konnte.
Konnten sich denn diese Irren nicht wenigstens tagsüber gegenseitig umbringen?
Nein, selbstverständlich nicht. Sie schlugen sich lieber bei Nacht und Nebel die Köpfe ein.

Troy schüttelte den Kopf und gab auf der Landstraße nach Causton ordentlich Gas.


Etwa zwanzig Minuten später wiesen ihm die rotierend blinkenden Lichter einiger Einsatzfahrzeuge des CID den Weg zum vermuteten Tatort. Tom Barnaby sprach gerade mit einem jungen Constable, wies ihm aber diverse Aufgaben zu, als er seinen DS ankommen sah. Der DCI wartete bis er ausgestiegen war und schüttelte ihm dann die Hand.

„Guten Morgen, Troy.“ Im blauen Licht der lautlosen Sirenen sah er ein wenig blass aus.

„Das hier hätte nicht noch ein paar Stunden warten können, Sir?“, fragte Troy mit einem Nicken in Richtung des Gebäudes, vor dem sie standen.

„Tut mir leid, aber die Arbeit ruft. Wir haben es hier mit einem Mord zu tun. Bullard untersucht ihn gerade.“ Damit wandte er sich ab und schritt durch die Eingangstür ins Innere.

Der junge Sergeant verweilte noch einen Augenblick und folgte ihm schließlich mit einem tiefen Seufzen.
Das Schild des Postamtes von Midsomer Deverell wankte quietschend im leichten Wind.

Drinnen war es fast genauso kalt wie draußen. Was wohl daran lag, dass ständig Kollegen ein und aus gingen.

Sie fanden den Toten hinter der Theke des Postschalters. Er saß zusammengesunken mit dem Rücken an der Schalterwand auf dem Boden. Leere, tote Augen starrten in die Ferne. Auf seinem hellblauen Hemd war ein roter Fleck. Genau in Höhe des Herzens.

„Den armen Kerl hat es eiskalt erwischt.“, erklärte der Pathologe, als er sich neben den Toten kniete.

„Ein einziger Schuss. Mitten ins Herz. Er war innerhalb von Sekunden tot.“ Er schwieg und betrachtet die Leiche. „Da war wohl jemand ziemlich gekränkt.“

„Ein Mord aus Eifersucht?“, Barnaby runzelte die Stirn.

„Wann ist er denn gestorben?“, klinkte sich auch Troy in das Gespräch der zwei älteren Männer ein. Er hatte bisher einfach schweigend danebengestanden und sich die Szenerie angeschaut. „Und um wen handelt es sich eigentlich bei dem Opfer?“

„Das ist Allistair Southerby. 48 Jahre. Wohnt - wohnte - nur ein paar Straßen weiter. Er ist der Leiter des Postamtes.“ Kurze Stille. Dann: „Die Leichenstarre löst sich langsam. Deshalb würde ich sagen, er liegt mindestens 24 Stunden hier. Genaueres wie immer nach der Obduktion.“ Dr. Bullard erhob sich und streifte seine Latexhandschuhe ab.

„Der Kerl liegt einen ganzen Tag hier herum und keiner bemerkt es?“ Troy kam diese Tatsache ziemlich merkwürdig vor. „Wer hat ihn denn letztendlich nun gefunden?“

„Ein gewisser Adam Rodder. Er arbeitet einige Tage die Woche im Postamt.“, antwortete Barnaby und fügte mit einem Kopfnicken Richtung Tür hinzu: „Er wird draußen betreut. Kommen Sie, Troy, reden wir mal mit ihm. Vielleicht kann er Ihnen Ihre Frage beantworten.“

DS Gavin Troy folgte seinem Vorgesetzten in den kalten Märzmorgen hinaus. Es musste schon nach halb sechs sein, denn die Sonne begann sich hinter dem Horizont hervorzukämpfen.

Adam Rodder saß, in eine braune Wolldecke gehüllt, auf den Heckstufen eines Krankenwagens und wurde von einem Arzt über seinen Zustand befragt. Auf einen Blick des Chief Inspectors hin, ließ er die drei Männer jedoch allein.

„Mr. Adam Rodder?“, trat Barnaby vorsichtig an ihn heran. Der Angesprochene hob den Kopf und für einen Moment huschte ein merkwürdiger Ausdruck über sein blasses Gesicht.
Ein Ausdruck, den Troy nicht deuten konnte. War es nur der Schock über den Tod seines Chefs?
Dann sah er den Inspector lange an. Schließlich nickte er.

„Es tut uns leid, aber wir müssen Ihnen noch einige Fragen stellen, bevor wir sie nach Hause entlassen können. Fühlen Sie sich dazu in der Lage?“
Ein knappes Nicken.
„Weshalb waren Sie schon zu dieser frühen Stunde im Postamt?“, wollte Barnaby wissen.

„Mein Dienst beginnt für gewöhnlich um sechs Uhr morgens. Ich habe aber gern noch ein wenig Zeit, um Ordnung zu schaffen und die Versandlisten zu kontrollieren.“

„Laut unserem Gerichtsmediziner ist Mr. Southerby seit mindestens 24 Stunden tot. Warum hat ihn niemand früher gefunden?“, stellte Troy die Frage, die ihn im Moment am meisten beschäftigte.

„Ich arbeite nur montags und Dienstagvormittag – und natürlich donnerstags hier. Mr. Southerby war am Dienstag ab zwei Uhr allein. Und mittwochs ist das Postamt immer geschlossen.“ Troy notierte geflissentlich die Aussagen des blassen Mannes.

„Und sie sind nur zu zweit im Postamt?“, hakte Barnaby nach. Rodder nickte und starrte an den sich rosarot färbenden Himmel.

„Nur noch eine Frage: Wer hat alles einen Schlüssel, Mr. Rodder?“ Wieder war es der Inspector der sprach.

Eine Weile sah es so aus, als würde er nicht antworten. Doch dann fixierte er Barnaby und ließ seinen Blick anschließend weiter zu Troy wandern. Erneut erschien dieser merkwürdige Ausdruck in seinen Gesichtszügen. Troy brach instinktiv den Blickkontakt ab.

„Mr. Southerby besitzt den Generalschlüssel. Ich habe lediglich einen Schlüssel für die Tür und die Theke. Keine Ahnung, ob seine Frau auch einen hat.“

Tom Barnaby war klar, dass er im Moment keine weiteren Informationen von dem jungen Mann erhalten konnte und beließ es deswegen dabei.

„Vielen Dank, Mr. Rodder. Sie haben es fürs Erste überstanden. Halten Sie sich dennoch bitte zur Verfügung. Wir werden wahrscheinlich weitere Fragen an sie haben. Das Postamt muss leider bis auf weiteres geschlossen bleiben.“

Barnaby bedeutete Troy ihm zu folgen.

Als dieser sich jedoch abwenden wollte, bemerkte er erneut den Blick des jungen Postamtmitarbeiters auf sich. Widerstrebend wandte er sich nochmals um und sah ein Blitzen in dem sich ihm gegenüber befindlichen Augenpaar.
Ein kalter Schauer lief dem mittlerweile wachen Sergeant über den Rücken und er flüchtete mit einem letzten grimmigen Schnauben hinter dem DCI her.
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