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Untod

von Amala
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteMystery, Liebesgeschichte / P16 / Gen
20.07.2013
01.08.2013
14
5.273
 
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20.07.2013 708
 
Und jetzt starrte ich ihn an. Was hatte er gerade gesagt? Er wollte es? Die Verwandlung? Dass ich ihn zu einem von uns machte. Zu einer Kreatur der Finsternis? Tja, Kreaturen der Finsternis konnte man nun wirklich nicht mehr sprechen, wir konnten ja im Sonnenlicht leben. Manche sogar ohne Sonnenbrillen! Ich starrte ihn weiterhin an. Und merkte gar nicht, wie er einen Arm ausstreckte und mich zu ihm herunterzog. Ich hatte nicht einmal die Kraft, mich zu wehren, für einen Vampir war das mehr als nur demütigend. Sich nicht gegen einen Menschen wehren zu können. Und noch dazu, wenn dieser Mensch schon dabei war zu sterben! Das peinlichste, das einem Vampir wie mir passieren könnte.
Doch er hielt mich fest umschlungen und legte meinen Kopf nah an seine Halsbeuge heran. Okay, jetzt wurde es mir zu intim. Ich stemmte ihn weg, doch er hielt mich fest. Wenigstens hatten unsere Oberkörper ein klein wenig Abstand. Vermutlich war ich errötet, oder so, jedenfalls schmunzelte er ein bisschen. Ich schaute weg. Wieso konnte ich mich nicht gegen ihn wehren, ihn wegstoßen, wieso war er so stark? „Mach es!“, sagte er. Ich schloss die Augen und biss die Zähne zusammen. Ich wollte seinen Duft nicht einatmen. Ich wüsste, würde ich es tun, würde meine Selbstkontrolle wie der Mauerfall von Deutschland im Jahr 1989(ich war dabei), niedergerissen werden. Er berührte mich an der Wange und seine Berührung ließ mich zusammenzucken. Er drehte meinen Kopf zu sich und nahm mein Gesicht nun in beide Hände. Ich könnte mich von ihm losmachen, ihn von mir wegstoßen und ich könnte mich aus dem Staub machen. Aber ich wusste nicht wieso es nicht ging. Stattdessen öffnete ich meine Augen. Er schaute sie sich jetzt ganz in Ruhe an, er wurde nicht einmal panisch, außer sein Atem veränderte sich, der ging jetzt etwas schneller. Das machte mich etwas schüchtern, deshalb senkte ich den Blick. „Du bist ganz hübsch, weißt du?“, flüsterte er und komischerweise erreichte seine dunkle Stimme das, was ich für unmöglich gehalten hätte. Vor allem bei einem Menschen. Meine Knie wurden weich. „ Na ja, du bist ein Vampir, also musst du logischerweise hübsch sein!“
„Red keinen Schwachsinn, dummer Mensch!“, sagte ich abfällig, doch es klang eher nach einem verzweifelten Versuch, das Thema zu wechseln. Er lachte leise und hob abermals mein Gesicht an. Seine blauen Augen waren wunderschön, sie erschienen mir fast wie Saphire, die ein schwarzdunkles Herz besaßen. So wie der Ozean. „Tu es!“, wiederholte er. Ich schaute ihn gequält an. „Wieso willst du solch ein Leben?“; fragte ich ihn. Er sah mich verwirrt an. „Glaubst du dieses Leben ist so toll? Glaubst du wirklich, dass du besser dran bist, wenn du einer von Uns geworden bist, glaubst du das wirklich?“ Ich senkte wieder den Blick und krallte mich in sein zerrissenes Hemd. „Glaub mir, dieses Leben hat nichts Gutes an sich! Man schläft nicht, man isst nicht, man trinkt nicht einmal, jedenfalls nicht das, was Menschen trinken würden!“, erklärte ich weiter. „Na ja, das mit dem Schlafen stimmt nicht, du kannst schlafen, aber wenn, dann hast du Albträume!“ Und wieder kamen meine Erinnerungen hoch von damals, als ich von Eveline verwandelt worden war. Ich zitterte leicht. „Dieses Leben ist ein reines Überleben! Man lebt ständig im Schatten, kann nirgends mehr als zehn Jahre leben und man kann auch keine Freundschaften schließen!“ Ich hörte, wie meine Stimme zu verenden drohte. „Dieses Leben ist das Leben eines Nomaden. Man muss ständig einen neuen Wohnort suchen, um nicht entdeckt zu werden.“ Ich spürte seine warme Hand auf meinem Haar. Er streichelte mich zärtlich und ich schaute ihm wieder in die Augen. Seine Haut war blass und sein schwarzes Haar bildete einen krassen Kontrast dazu. Abermals verlor ich mich in seinen Augen. „Du bist auch hübsch, für einen Menschen!“, kicherte ich leicht. Jetzt wurde er rot und wich meinem Blick aus. Und diesmal war ich es, die sein Gesicht umfasste und ihn zwang, mich an zu sehen. „Willst du das wirklich?“, fragte ich ihn. Er schaute mich an und sein Blick wurde ernst. Dann nickte er. Ich nickte ebenfalls. „Aber sei darauf gefasst, dass es schief gehen kann und du am Ende tot sein kannst, okay?“, erklärte ich ihm noch einmal. Er nickte wieder. „Na gut.“
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