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Untod

von Amala
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteMystery, Liebesgeschichte / P16 / Gen
20.07.2013
01.08.2013
14
5.273
 
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20.07.2013 552
 
Alle waren dabei umgekommen, soweit ich es an dem vielen Blut riechen konnte. Jedenfalls konnte ich keinen Herzschlag wahrnehmen, außer dem wild schlagenden neben mir, der dem Jungen gehörte, den ich umklammert hielt. Dieser starrte zu mir herauf und seine wuscheligen dunklen Haare wehten ihm um sein hübsches Gesicht und den strahlend blauen Augen. Eine Weile habe ich ihn so angestarrt und er mich. Aber dann bemerkte ich, dass er blutete, viel. Als ich mit ihm durch das Fenster gesprungen war, hatten große Glassplitter ihm die Seite aufgerissen und einige von ihnen waren stecken geblieben. Er hatte schon viel Blut verloren und er verlor immer noch viel. Ich legte ihn auf den staubigen Boden und er stöhnte vor Schmerz. Vermutlich hatte er auch noch eine Gehirnerschütterung, klar, wie hätte er diesen Aufprall, den ich unbeschadet überstanden habe (zur Anmerkung noch mal ich bin ein Vampir!), ohne jegliche Schrammen oder Brüche überstehen sollen? Das fragte ich mich in genau diesem Moment.

Ich versuchte ihn so wenig wie möglich zu bewegen und untersuchte seine Wunde. Ich beschloss, die weniger gefährlich aussehenden Splitter herauszuziehen, wobei er abermals aufstöhnte. Dann riss ich Streifen meines Mantels ab und verband ihn so gut es ging. Dann hockte ich mich neben ihm hin. Aufheben konnte ich ihn ja schwer, sonst würde er noch mehr Blut verlieren und nach wenigen Minuten sterben, aber alleine lassen konnte ich ihn auch nicht. Und ehrlich gesagt war ich mir nicht so ganz sicher, wo wir uns befanden. Dass wir uns im Grand Canyon befanden war mir durchaus bewusst, nur war es selbst für einen Vampir schwer aus einer Wüste herauszufinden, noch dazu, wenn er hungrig war. Und das war ich. Ich wurde schon immer in den ungünstigsten Momenten hungrig und das ärgerte mich am meisten.

Denn das Blut des Jungen roch verführerischer denn je. In diesem Moment kam es mir so vor, als sei es das Köstlichste, das ich je gerochen hatte. Vielleicht hatte es wirklich so gut gerochen, wie noch kein anderes, oder aber es roch nur in diesem Moment so gut. Egal, ich hielt mich fern von ihm, jedoch nicht weiter als ein paar Meter, ich musste ja schließlich auf ihn aufpassen, sollten irgendwelche Kojoten oder Schlangen oder sonst was vorbei kommen. Man konnte ja nie wissen.

Selbst Vampire sind vorsichtig! Also hockte ich mich selbst in den Staub und beobachtete ihn. Manchmal weinte er, oder schniefte zu mindestens, manchmal schlief er oder nuschelte irgendetwas vor sich her. Dann, am nächsten Morgen, rief er nach mir. Zuerst hörte ich es nur schwach, aber dann wurde seine Stimme immer lauter und stärker. Ich richtete mich auf und ging langsam zu ihm hin. Ich achtete darauf, nicht zuviel einzuatmen um nicht den Duft seines Blutes aufzufangen. Dann stand ich vor ihm. Ich bemerkte, dass er noch mehr Blut verloren hatte. Er schaute mich ruhig an und nickte dann. „Ich hab…nachgedacht.“, begann er. „Und ich denke, dass ich weiß….wer oder was du bist! Ich meine, wer würde einen Sprung aus was weiß ich wie viel Metern unbeschadet überleben?“, sagte er. Dann hat er neben sich in den Sand geklopft und Staubwolken stoben auf. Vorsichtig habe ich mich etwas abseits neben ihm hingesetzt. Er lachte kurz auf. „Okay, das ist also dann die Bestätigung!“, nuschelte er und ich verstand ihn zuerst nicht.
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