No Secret At All

von - Leela -
KurzgeschichteFamilie / P6
Eddie
20.07.2013
20.07.2013
1
2607
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
No Secret At All

Eddy lief die paar Stufen zur Haustür hoch und klingelte. Während er wartete, drifteten seine Gedanken wieder ab. Seit geraumer Zeit schon konnte er an nichts anderes mehr denken als an Tasha, an ihr Lächeln, ihre Umarmungen, ihre ganze Art… jedes kleine Detail, das einzeln schon Herzklopfen in ihm auslöste… Er riß sich schnell in die Gegenwart zurück, als seine Mutter öffnete.
      „Eddy, wie schön!“ freute sich Mabel und nahm ihn mit einem fröhlichen Lächeln in die Arme.
      „Hi, Mom“, begrüßte er sie und erwiderte kurz die herzliche Umarmung.
      Sie nahm sich einen Augenblick um ihn anzusehen. „Du warst viel zu lange nicht mehr hier!“ bekannte sie. Plötzlich musterte sie ihn forschend, was ihn sichtlich irritierte. Diesen Blick kannte er von seiner Mutter bislang nicht. Als sein Lächeln etwas unsicher wurde und er sie fragend ansah, war sie es, die sich ein leichtes Lächeln vernehmen ließ. „Wer ist sie?“
      „Was?“ entfuhr es ihm konsterniert.
      Sie sah ihm in die Augen, und war sich sicher. „Du bist verliebt, Eddy! Das sehe ich dir an!“
      Selbst wenn er es hätte leugnen wollen, die Röte, die ihm in die Wangen schoß war schon Bestätigung genug. Er hatte geahnt, daß er es vor ihr nicht würde verbergen können, daß ein Blick allein allerdings schon genügte, warf ihn jetzt doch aus der Bahn. Er mußte sich erst mal ein wenig sammeln. Es war eine merkwürdige Situation: Er hatte selbst nie konkret darüber nachgedacht, daß er verliebt war, auch wenn er es eigentlich wußte – die Worte jetzt allerdings so direkt aus dem Mund seiner Mutter zu hören, mit denen sie den Kern der Wahrheit genau traf, schickte ihm einen Schauer durch den Körper.
      „Komm’ rein!“ erlöste sie ihn schließlich und gab ihm einen Wink.
      Er atmete durch und folgte ihr in’s Haus.
      In der Küche setzte Mabel Wasser für Cappuccino auf. „Also, erzähl’ mal von deiner Auserwählten!“ begann sie neugierig. „Wie heißt sie?“
      Sie wußte genau, daß sie bei Eddy damit genau das richtige Thema traf – und auch wenn sie tatsächlich vor Neugierde platzte, genoß sie es gerade um so mehr, das Leuchten in seinen Augen zu sehen, als er zu erzählen begann: „Sie heißt Tasha, und sie ist ein wahrer Engel! Es fehlen nur noch die Flügel!“
      Mabel konnte nicht anders als herzlich zu lachen, als er so atemlos begann. „Da ist aber jemand sehr beeindruckt! Wie habt ihr euch denn kennengelernt?“
      „Sie ist Jakes Cousine und wohnt vorübergehend bei uns!“
      Mabel stockte erstaunt. „Ach? Das ist ja ein netter Zufall! Dann seht ihr euch ja auch recht häufig!“
      „Ja!“ Eddys Lächeln war bestechend.
      „Beschreib’ sie mal!“ bat Mabel, während sie sich an die Küchenzeile lehnte.
      Eddy atmete durch. „Sie ist etwas größer als ich - was ja nicht allzu schwer ist - hat ungefähr Jakes Statur, ist also auch recht schlank, hat kurze blonde Haare, blaue Augen und das bezaubernste Lächeln der Welt!“
      Mabel lachte. „Okay, der letzte Punkt war jetzt nicht objektiv!“
      „Vielleicht, aber es stimmt!“ setzte Eddy von Herzen nach.
      Mabel konnte nicht anders, als amüsiert den Kopf zu schütteln. „Okay, das gestehe ich dir zu. Und hat es gleich so richtig gefunkt?“ forschte sie weiter.
      „Irgendwie schon…“ meinte Eddy etwas verlegen. „Zumindest bei mir. Und irgendwie wird es immer schlimmer, je mehr wir uns kennenlernen.“
      Mabel konnte nicht anders, selbst sie spürte einen leichten wohligen Schauer, und sie war sich nicht sicher, ob es seine Worte, oder sein Tonfall gewesen war, der ihn ausgelöst hatte. Vermutlich war es die Kombination aus beiden; die Botschaft, die ihr ganz deutlich zeigte, daß es schon sehr ernst war. „Na, so soll es ja auch sein“, kommentierte sie beeindruckt.
      Eddy wußte vor Verlegenheit gerade nicht, wie er antworten sollte und war daher ganz froh, daß Mabel nun erst mal die Tassen vorbereitete, und ihm dann eine in die Hand drückte.
      „Und wie kommt das, daß sie bei euch wohnt?“ erkundigte sich Mabel weiter.
      „Sie studiert an der Uni in New York“, erklärte er, überlegte kurz, und verschwieg seiner Mutter bewußt das Studienfach. Er wußte, daß seine Mutter mit der ganzen Geisterthematik nicht viel anfangen konnte. Das mußte er ihr noch nicht erzählen, zumindest nicht, solange sie nicht danach fragte. Dafür konnte er sich ein Seufzen nicht verkneifen. „Da habe ich mal wieder ganz schön hoch gegriffen.“
      Mabel sah ihn überrascht an. „Wie meinst du das?“
      „Naja, eine ehrgeizige Studentin von ihrer Klasse… Das ist ja eigentlich nicht gerade meine Spielebene…“ meinte er etwas verzagt.
      „Blödsinn!“ entfuhr es Mabel entgeistert. „Solange ihr euch versteht, ist alles andere völlig unwichtig. – Mag sie dich denn auch?“
      „Ich glaube schon“, erwiderte Eddy verträumt.
      „Du »glaubst«?“ schmunzelte Mabel ungläubig.
      „Ich… hab’ immer Angst, daß ich etwas mit Wunschdenken verwechsle und zu viel reininterpretiere“, meinte er.
      Mabel seufzte. „Dein altes Problem?“
      „Vielleicht.“
      „Was interpretierst du denn im Augenblick? Sag’s mal, frei heraus!“
      Eddy sah sie verunsichert an, dann wich er ihrem Blick aus und meinte: „Das würde ziemlich… selbstherrlich klingen.“
      Mabel machte eine beifällige Geste. „Meinetwegen!“
      Eddy zögerte noch einen Moment, atmete durch und meinte dann, fast wie mehr für sich: „Sie muß mich schon richtig gern haben. Ich habe noch nie erlebt, daß sie nicht strahlt, wenn wir zusammen sind. Sie will so oft etwas mit mir unternehmen, obwohl sie im Studium ist, und dort eigentlich auch neue Freunde gewonnen hat. Sie kuschelt gerne mit mir, ähem… Naja, es gab da mal eine Situation…“ Er spürte erneut die Verlegenheitsröte aufsteigen und versuchte, den Aspekt zu umschiffen. „Sie hat immer eine Umarmung für mich über, und sie sagt es auch immer wieder, daß sie mich mag.“
      „Beantwortest du dir deine Fragen bitte selbst?“ fragte Mabel unerbittlich. „Meine sind jedenfalls beantwortet!“
      Eddy mußte unwillkürlich lachen.
      Mabel maß ihn mit einem abschätzenden Blick. „Ich glaube, es dauert gar nicht lange, bis ihr zusammen seid.“
      „Naja, sie will während ihres Studiums keine Beziehung“, warf Eddy ein. „Ich weiß nicht, ob ich wirklich Chancen hätte, aber im Augenblick steht das für sie ohnehin nicht einmal zur Debatte.“
      „Oh…“ Mabel hielt ein wenig betroffen inne. „Naja gut, das ist nachvollziehbar.“
      Eddy nickte. „Im Augenblick bin ich nur froh, daß ich sie um mich haben darf. Und wenn es bei einer einfachen Freundschaft bleibt, dann ist es so; ich nehme alles, was ich kriegen kann.“
      „Richtige Freundschaften sind ganz viel wert, Eddy!“ sagte Mabel ernst. „Das weißt du ja selbst aus deiner Freundschaft mit Jake. Und wenn du das gleiche mit Tasha hast, dann hast du auch etwas unzertrennliches, auch wenn es keine Beziehung ist.“
      „Ich weiß, und ich werde mir sicher nichts kaputt machen, nur weil ich einen Schritt zu weit gehe. Wenn sie wirklich irgendwann mehr will, dann muß das Signal schon von ihr ausgehen. Ich will sie nur nicht ganz verlieren.“
      „Na, dafür habt ihr ja nun die besten Voraussetzungen, wenn sie bei euch wohnt!“ schmunzelte Mabel. „Besser hätte es doch gar nicht kommen können! Das genießt du bestimmt richtig, oder?“
      „Und ob!“ stimmte er mit einem tiefgründigen Blick zu. „Obwohl ich trotzdem noch das Gefühl habe, daß wir uns viel zu selten sehen.“
      Mabel lachte. „Das liegt in der Natur der Sache. Stell dir einfach vor, sie würde nicht bei euch wohnen!“
      „Das wäre ja schrecklich!“ entfuhr es Eddy erschrocken, und er schüttelte vehement den Kopf. „Lieber nicht!“
      „Siehst du? Du hast schon mehr als andere! Man muß es nur von der richtigen Seite betrachten! Und vielleicht ist es ja Bestimmung, daß alles so gekommen ist, und sie bei euch eingezogen ist. – Da freut Jake sich bestimmt auch, oder?“ fragte Mabel mit einem Augenzwinkern.
      Eddy verzog mißmutig den Mund. „Im Moment sperrt er sich komplett gegen sie.“
      Mabel sah ihn erstaunt an. „Tatsächlich? Warum das?“
      „Wenn wir das so genau wüßten… Zuerst lief alles supergut, und dann hat er plötzlich angefangen, sich ihr gegenüber reserviert zu verhalten. Wir können es aber nicht so richtig an irgend etwas festmachen! Es kamen nur noch zynische Bemerkungen, bis es sich zwischen den beiden richtig aufgeschaukelt hat. Es hat auch schon richtig heftig zwischen den beiden geknallt. Mittlerweile ignorieren sie sich komplett.“
      „Oh…“ bemerkte Mabel betroffen. „Kommst du denn mit der Situation klar, wenn du so zwischen den Stühlen stehst?“
      „Jake ist mir egal!“ feuerte er raus. „Der soll bloß von seinem hohen Roß erst mal wieder runterkommen! Solange Tasha nur bei uns bleibt. – Sie hatte zwischenzeitlich sogar schon angedacht, auszuziehen. Das war echt schlimm. Aber seit ihrem Geburtstag hat sie das ad acta gelegt.“ Er lächelte verlegen. „Ich glaube, wegen mir. Zumindest hat sie das so gesagt…“
      Mabel lächelte fasziniert. „Du scheinst auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben! Wenn sie soweit schon war, ist es sicher keine Entscheidung aus einer Laune heraus, das nicht zu tun. Du mußt ihr viel bedeuten, wenn sie lieber die Kontroverse mit Jake aushält, anstatt auf dich zu verzichten!“ Sie musterte ihren mittlerweile völlig nervösen Sohn mit einem liebevollen Lächeln. „Worum machst du dir eigentlich Sorgen?“
      Eddy konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Dann fügte er gedankenvoll an: „Ich habe trotzdem Angst, sie irgendwann gehen lassen zu müssen. Ich weiß, daß sie im Moment keine Beziehung will, und ich weiß auch nicht mal, ob sie überhaupt eine Beziehung mit mir haben wollen würde, oder lieber eine Freundschaft. Ich meine, sie sagt, daß sie mich sehr mag, aber das muß nicht unbedingt etwas heißen. Und ehe ich zu viel da reininterpretiere… Und sie ist ja nun mal nur während der Studienzeit bei uns. Dazu kommt der Streß mit Jake gerade… Da sind so viele Faktoren, die mir Angst machen. Ich möchte nur ihre Freundschaft nicht verlieren, und ich weiß nicht, was ich machen soll, wenn wir irgendwann…“ Er setzte kurz ab um durchzuatmen, bevor er fortfuhr: „… nicht mehr so viel Zeit miteinander verbringen können.“
      Mabel musterte ihn forschend. „Wie lange studiert sie noch?“
      „Fast zwei Jahre!“
      Mabel grinste. „Wenn Jake sie in der Zeit nicht abschreckt, hast du noch eine Menge Zeit, etwas daraus zu machen!“
      Eddy mußte unwillkürlich lachen, bei ihrer aufmunternden Art.
      Mabel sah ihn derweil wieder ernst an. „Ich weiß, es klingt jetzt leicht gesagt, aber versucht mal, irgendwie den Konflikt mit Jake aufzulösen. Wegen irgend etwas muß er ja so reagieren. Ihr werdet es beide nicht lange aushalten, wenn das immer unterschwellig mitschwingt; und Jake vermutlich auch nicht.“
      „Das versuchen wir ja auch. Aber im Augenblick kommen wir an Jake einfach nicht ran. Eine Theorie, die wir schon hatten ist, daß Jake nicht darauf klarkommt, daß sie in seinem Fachbereich studiert. Aber das ist nun mal so, und sie provoziert ihn damit auch nicht, es sei denn, er fängt damit an!“
      „Gut, aber es ist eine Möglichkeit, die man mal näher beleuchten könnte. Vielleicht findet ihr da ja einen Ansatzpunkt, ihm klarzumachen, daß sie weder eine Gefahr für ihn ist, noch daß es ihn in irgend einer Weise herabstuft!“ Mabel schmunzelte kurz. „Du weißt, wie schon gesagt, darauf kommt es nicht an!“
      Eddy grinste ertappt.
      „Daran solltet ihr beide vielleicht mal arbeiten!“ kommentierte Mabel. „Anscheinend ist das für euer beider Selbstwertgefühl eine gute Lektion. So wie du Tasha beschreibst, scheint sie jedenfalls eine vernünftige Einstellung dazu zu haben.“
      „Für sie ist das alles wirklich nicht wichtig!“ bestätigte Eddy. „Das merkt man auch ganz deutlich. Sie ist jemand, für den Werte wie Charakter und Freundschaft etwas zählen.“
      Mabel nickte. Mehr brauchte sie darauf nicht zu antworten.
      „Ich sagte ja, sie ist ein Engel!“ schmunzelte Eddy. „Nur daß sich Jake im Augenblick alles selbst verbaut.“
      „Setzt ihn nicht zu sehr unter Druck, aber versucht mal, irgendwie an ihn ranzukommen. Es wäre schade, wenn eure Freundschaft darunter leiden würde, und vor allem auch für Tasha, wenn sie ihn als Freund verliert, und die Zeit mit dir nicht richtig genießen kann“, meinte Mabel.
      Eddy nickte.
      „Ihr schafft das schon!“ meinte Mabel zuversichtlich und nahm die leere Tasse von Eddy entgegen, um sie in die Spülmaschine zu stellen.
      Eddy war derweil mit seinen Gedanken schon wieder weit weg.
      „Was wünschst du dir zum Geburtstag?“ fragte Mabel unvermittelt.
      Eddy stockte ob dieser Frage und hielt schweigend inne. Sein Blick kehrte sich in weite Ferne. Ja, er hatte einen Wunsch, einen tiefen, innigen, doch den würde sie ihm kaum erfüllen können…
      „Eddy?“ hakte Mabel nach.
      Er holte sich schnell in die Wirklichkeit zurück. „Ich weiß nicht. Ähm… Nichts spezielles…“
      Mabel musterte ihn stumm. ‚Etwas zu spezielles’, übersetzte sie still für sich. „Ich überlege mir mal etwas schönes!“ versprach sie. Sie folgte seinem Blick zur Uhr. „Du mußt schon wieder los, oder?“
      Er nickte.
      „Wie schade. Aber gut, ich gönne es dir. Du freust dich sicher auf Tasha, oder?“
      Eddy grinste. Das reichte als Antwort.
      Mabel begleitete ihn noch zur Tür und verabschiedete ihn herzlich. „Grüß Jake von mir, und schau bald mal wieder vorbei! Am besten mit Tasha!“
      Eddy schmunzelte verlegen. „Ja, mal sehen.“
      „Hey, ich will sie kennenlernen!“ gab sie ihm strikt mit auf den Weg. „Ich möchte immerhin wissen, wer meinem Sohn so den Kopf verdreht. Oder bin ich dir zu peinlich dafür…?“ setzte sie provozierend nach.
      Eddy lachte. „Nein, das ganz sicher nicht! Ich möchte nur nicht, daß sie es falsch auffaßt. – Aber das kriege ich schon hin, sie ist ja für alles mögliche zu haben.“
      „Ich freue mich drauf!“ erwiderte sie, dann verabschiedeten sie sich, und Eddy ging hinunter zum Ghostbuggy.
      Er war nur froh, daß Mabel nie nach dem Studienzweig gefragt hatte. Er wußte, wie seine Mutter auf Geistergeschichten reagierte…


(Anm. d. Aut.: Bezüge zu »Unter Schock« [noch nicht geuploaded])
Review schreiben
 
 
'