Mitchell

GeschichteMystery, Fantasy / P16
18.07.2013
19.09.2013
12
24.054
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18.07.2013 2.999
 
Hallöchen, das ist meine Erste ff, also seit bitte gnädig :-)

Ich befasse mich mit der englischen Serie Being Human, hier geht es um John Mitchell, er wurde im Ersten Weltkrieg zum Vampir gewandelt. Er trinkt kein Blut und weil das in der Serie nie richtig verdeutlicht wird. Sehe ich mich inspiriert eine Vorgeschichte zu schreiben :-)

Leider sind weder Mitchell noch Harrick auf meinem Mist gewachsen, nur meine OC´s. Daher hab ich keine Rechte dran und verdiene auch kein Geld damit.

Die Altersbeschränkung ist 16, da es schon was blutig ist und es auch zur Sache geht...Außerdem liebäugel ich mit einer Foltersequenz....
So, nun aber genug von mir, ich wünsche Euch viel Spaß beim lesen!!!!

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Mitchell war hungrig. Er war gerade erst in London angekommen und nur sehr wenig Zeit gehabt, bis Harrick ihn hatte sprechen wollen. Harrick. Der machthungrige Anführer der Vampire in England ging ihm schon gewaltig auf die Nerven. Er hatte sich in den letzten paar Jahrhunderten zwar eine solide Basis für seine Macht geschaffen, war skrupelos und verschlagen, aber doch wie jeder Tyrann paranoid, jemand würde kommen und ihm seine Position streitig machen. Dumm nur, das er dabei ausgerechnet an Mitchell dachte.
Aber er hatte nicht die geringste Lust, sich um eine Anhängerschaft zu kümmern, er wollte sich nähren, Beute schlagen. `Das schwärzeste Herz von allen` ,so hatte er ihn in dieser Nacht genannt, Mitchell war klar geworden, so sehr der Alte ihn fürchtete, noch größer war seine Bewunderung für ihn. Harrick lebte quasi durch Mitchells Freiheit.

Idiot, für seine bescheuerten Lobgesänge und Scheiß Geschichten musste ich auf Nahrung verzichten, Mitchells Gedanken waren düster, sein Hunger nagte an ihm, ebenso wie seine Lust. Eine Frau die sich vor Lust unter ihm wandt, stöhnte, nur um zu erkennen, das sie sich den Tod ins Bett geholt hatte. Schon der Gedanke allein ließ seine Augen schwarz werden.
Es wurde Zeit das er zur Tat schritt. Und so lies er dem Vampir wie so oft den Vortritt und der Jäger verschmolz mit der Nacht.

Keanen hatte den beschissensten Tag der Woche hinter sich und einfach das Bedürfnis sich zu verkriechen und richtig zu heulen. Oder sich erst volllaufen zu lassen und dann zu heulen.
Also fand sie sich trübsinnig in einem schmuddeligen Pub nahe Camden Town, alles etwas dunkel und runtergekommen, passend zu ihrer Stimmung. Ihre Sozialarbeiterin hatte ihr mitgeteilt, das ihr kleiner Junge während ihres Entzuges adoptiert worden war, eine geschlossene Adoption. Also keine Chance etwas zu erfahren oder den Kleinen wiederzubekommen.
Keanen hatte wirklich alles getan um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen! Sie hatte sich mit ihrem Sohn in eine Kirche gerettet, vollgedröhnt und zusammengeschlagen. Nicht vom Vater des Kindes, sondern von seinem Cousin, einem Zuhälter.
Die Schwestern hatten sie ins Krankenhaus gebracht und versprochen sich um ihren kleinen Evan zu kümmern. Er war doch erst wenige Monate alt, ein unschuldiges Opfer!
Aber dann war alles zerbrochen.
Sie wurde in den Entzug gesteckt und Evan kam in eine Pflegefamilie und war schnell danach adoptiert worden. Keanen hatte nichts tun können, hinter ihrem Rücken war ihr ein Vormund gestellt worden und alles war bereits vorüber, bevor sie auch nur ihr halbes Leben wieder im Griff hatte.

Als Keanen den Kopf von ihrem Bier hob und ihren Blick leer über die Gäste schweifen lies, blieb ihr Blick augenblicklich an einem jungen Mann hängen. Er war groß, schlank aber unter dem Mantel sah sie das er muskulös war, er hatte schwarze, lockige Haare und braune Augen. Er trug eine lässige aber ungemein anziehende Haltung zur Schau, als gehöre ihm die Welt. Aber das war es nicht, das Keanens Herz stolpern lies. Sie war sich sicher das sie ihn irgendwoher kannte.
Der Mann drehte den Kopf und sah ihr direkt in die Augen.

Mitchell hatte sich in einen kleinen lausigen Pub zurück gezogen, hier würde er garantiert fündig. Eine junge ahnungslose Frau die von einem Typen aufgerissen wird, fällt heutzutage keinem mehr auf. Er lächelte in sich hinein, ja, er hatte schon immer einen Schlag beim schönen Geschlecht gehabt. Das war sogar seiner kleinen Schwester aufgefallen, und die war erst knapp sieben als er in den Krieg gezogen war. Damals als Mensch.

Mitchell sog den Gestank der Kneipe ein und filterte einzelne Gerüche heraus, Alkohol, Schweiß, Parfüm und Sex. Ja, er war hier richtig.
Dann hörte er das stolpern eines Herzens. Er war also aufgefallen...Er drehte sich zu dem unregelmäßigen Herzschlag um und blickte einer blassen jungen Frau in die Augen. Ein etwas helleres braun als seine Eigenen. Feine Gesichtszüge, sinnliche Lippen, sie sah aus wie...Er konnte es nicht greifen. Lag sicherlich am Hunger. Egal.
Hübsch, ihr Blick war etwas seltsam, aber sie würde genügen. Der Vampir setzte ein charmantes Lächeln auf und schlenderte zu ihrem Tisch.

„Darf ich fragen was du hier so alleine machst?“
Eine Stimme wie Samt. Keanen blinzelte und schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter.
„ Einen Scheiß Tag ertränken. Und du?“
„So was ähnliches. Aber trinken ist die Kernaussage. Ich darf mich doch setzten?“ Mit einem Lachen in der Stimme hatte er sich den Stuhl gegenüber herangezogen und nahm Platz.
Verflucht! Der Kerl bedeutet sicher Ärger. Wenn ich nur wüsste woher ich den kenne! Keanen zermarterte sich das Hirn, fand aber keine Antwort. Aber sie würde einfach mal ehrlich zu ihm sein, das würde ihn schon verscheuchen. Dummerweise bekam sie über ihre Grübelei den Anfang des Gespräches nicht mit...
„ ...so also bin ich hier gelandet. Aber genug von mir. Was ist deine Entschuldigung für ein Besäufnis innerhalb der Woche?“
„Ähm, ich..sorry...Wo waren wir gerade?“ Mist!
„Also, Mitchell, das bin übrigens ich, hat dir gerade erklärt, das er heute weit mehr als ein Bier braucht um sich zu trösten. Du hast mir überhaupt nicht zugehört, stimmt´s?“ Er schenkte ihr ein herausforderndes Lächeln, das jede Frau zum schmelzen gebracht hätte.
„ Hör zu, es tut mir leid, ich bin heute einfach am Ende. Ich hab heute erfahren das ich meinen Sohn wahrscheinlich niemals wieder sehen werde...ich...“  
Ihre Stimme brach und die junge Frau senkte den Blick.
Perfekt. Bestimmt Drogen, niemand würde Fragen stellen. Mitchell musste tief Luft holen um sich zu beruhigen. Er hatte wirklich verfluchten Durst.
„ Oh, das ist furchtbar. Kein Wunder das du dringend Trost brauchst. Ich werde dich ablenken, so gut ich kann, ok? Ich schlage also vor, dass....“
Mitchells Blick wurde automatisch zum Nachbartisch gezogen, während er sprach, hatten ein paar Polizisten sich zum Feierabend Bierchen hingesetzt. Großartig! Sein Magen schmerzte ja nicht schon genug! Jetzt musste er auch noch aufpassen, das konnten ja Harricks Lakaien sein.
„... das du mir einmal erzählst was denn passiert ist, schöne Fremde.“ Scheiße! Jetzt brauch ich ein wenig Zeit bis sie lächelnd mit mir geht, dann merken diese Trottel nichts. Oder Harrick.

„Keanen.“ Konnte es sein, das er ehrlich an ihrer Geschichte interessiert war? Er musterte sie mit freundlichen Augen, der Kerl war fast zu gut um echt zu sein. Aber was soll´s?  Obwohl Keanen das komische Gefühl einer Verbindung nicht loswurde begann sie zu erzählen. Von allem, auch den unschönen Dingen, den Schlägen, wie der Cousin ihres Ex sie zur Hure machen wollte  auch von ihrer Familie, ihrer geliebten Nana und was diese ihr von ihrem Bruder erzählt hatte, der, der im ersten Weltkrieg gefallen war. Er hörte ihr geduldig zu, warf hier und da etwas passendes ein. Mitchell, vielleicht hatte sie mit ihm ja endlich einmal etwas Glück. Keanen beschloss, alles auf eine Karte zu setzten, außerdem war sie ja betrunken:
„ Also, Mitchell, du scheinst mir ein toller Kerl zu sein. Ich mach so was eigentlich nicht, aber...also...nur wenn du möchtest, wollen wir nicht vielleicht woanders hingehen?“
Sie errötete und lächelte ihn schüchtern an. Na wundervoll.
Mitchells Sinne explodierten, da war es! Das Signal auf das er die letzten beiden Stunden gewartet hatte. Gewartet und die Polizisten beobachtet. Was hatte die ihm nicht alles erzählt?! Er wusste es nicht. Hatte seine Aufmerksamkeit nur vorgetäuscht.
Doch nun war das vorbei, er lächelte sie an, nickte und winkte der Kellnerin um zu bezahlen.

Das einzige, was die Bobbies an diesem Abend sahen, waren ein Mann der eine Frau tröstete, nachdem sie ihm ihr Herz ausgeschüttet hatte. Gut für sie!

Es bereitete Mitchell schon körperliche Schmerzen Keanen nicht im Taxi die Kehle rauszureißen! Für gewöhnlich waren die Abstände zwischen seinen Beutezügen nicht so groß, aber dieses Mal- er war kurz davor die Kontrolle zu verlieren. Eigentlich hatte er vorgehabt der Kleinen erstmal das Hirn rauszuvögeln um sich dann zu holen, was ihn wirklich interessierte, aber er war sich nicht sicher, ob er den Hunger noch solange im Zaum halten konnte.
Die Fahrt im Taxi hatte er genauso wenig mitbekommen, wie die Ankunft in ihrer Wohnung in der Castle Rd. Solche Aussetzer waren normal in so einem Zustand, aber sehr gefährlich. Sie hatte sich ihre Jacke ausgezogen und ihn mit nicht mehr ganz sicheren Schritten durch einen kleinen Flur in ihr Schlafzimmer geführt. Ihr Pullover war bereits auf einer Kommode voller Bilder gelandet. Darüber hing ein Spiegel, also hatte Mitchell sie ein kleines Stück voran gehen lassen, und dabei seinerseits die Jacke ausgezogen. Das er kein Spiegelbild besaß, brauchte sie jetzt auch nicht mehr zu kümmern.

Als er das Zimmer betrat, machte Keanen einen zögerlichen Schritt auf ihn zu, sie strich ihm sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht, mein Gott, sie könnte schwören das sie sein Gesicht kannte! Es war ihr so vertraut.
Sie sog seinen Duft ein, holzig, aromatisch, aber irgendwie süß, sehr anziehend. Sie biss sich auf die Unterlippe und ihr Blick fiel auf seine Brust, die sich schnell hebte und senkte. Sein Puls musste rasen wie eine Basstrommel. Keanen hörte ihn leise keuchen, vorsichtig ließ sie ihre Hand an seiner Schläfe vorbei, hinunter zu seinem Kinn gleiten. Seinen Hals entlang bis zu seinem Herzen. Wieder vernahm sie dieses Stöhnen. Seine Atmung ging nun noch schneller, doch unter Keanens Hand rührte sich – nichts. Keanen stutzte, kein Herzschlag.
Bleierne Angst kroch ihre Kehle hinauf, dennoch hob sie ihren Blick und begegnete seinen Augen. Sie waren schwarz, vollkommen ausgefüllt und schwärzer als jede Nacht. Aber dieses Schwarz brannte sich in ihre Seele. Und sie sah, Reißzähne. Weiße, messerscharfe Reißzähne. Und der Schleier in ihrem Geist lichtete sich. Seine Leiche wurde nie gefunden...
„Mitchell, hör mir zu, ich......“  Das Ende jedoch wurde von ihrem Schrei verschluckt.

Sie stand vor ihm, so süß und unschuldig, jede Bewegung von ihr fachte seinen Hunger nur noch mehr an, steigerte ihn ins unermäßliche! Es war verrückt, etwas an ihr zog ihn an, anders als Frauen es sonst taten. Sein Magen verkrampfte sich und Mitchell konnte sich ein stöhnen nicht mehr verkneifen. Die Nachbarn spielten laute Musik. Das war gut. Er würde sich nicht mehr lange zurück halten können.
Sie hob eine blasse Hand und strich ihm sanft eine Strähne aus der Stirn, sie war nervös, biss sich auf die Unterlippe, eine kleine süße Geste die etwas Tief in ihm anrührte, aber das war unerheblich, sich zu nähren war das Einzige was zählte. Sie hatte ihren Blick gesenkt, ihre Hand strich weiter sein Gesicht hinab, vorbei an seinem Kinn, hinunter an seinem Hals. Weiter runter bis sie auf seinem Herzen zum liegen kam. Mitchell stöhnte, er wurde fast wahnsinnig, der Durst bereitete ihm furchtbare Schmerzen, das Monster in ihm brüllte und schlug gegen seine Ketten.
In dem Moment als sie seinen Blick erwiderte und er die blanke Angst erkannte, war es aus.
Er packte ihre Haare und riss ihren Kopf brutal nach hinten, um seine Reißzähne in ihren zarten Hals zu schlagen. Die Kleine wehrte sich nach Leibeskräften, versuchte sogar noch etwas zu sagen, doch ihr Schrei ertickte die Worte. Mitchell war so ausgedörrt, das er mit aller Kraft zubiss, ihr heißes Blut schoss ihm in den Mund, lief über, floss sein Kinn hinab. In wilden Zügen trank er, wurde irgendwann ruhiger, wieder mehr er selbst.
Er betrachtete den leblosen Körper in seinem Arm, eine riesen Sauerei. Er hatte ihr glatt die Kehle zerrissen. Kein Wunder das sie so schnell still geworden war.
Ein Jammer, sie wäre bestimmt gut gewesen. Und irgendetwas hatte sie an sich gehabt.
Ein leises Stimmchen regte sich in Mitchells Geist. Sie hatte etwas gesagt, aber nicht gefleht, wie sie es sonst tun.
Na ja,  egal.

Mitchell ging langsam durch den kleinen Flur, der Pullover auf der Kommode kam ihm gerade recht. Er begann damit sich das Kinn und den Hals zu säubern, sein Blick fiel auf den Spiegel, kein Bild.
Aber dafür viele Bilderrahmen davor. Meist sah er einen kleinen Jungen, niedliches Kerlchen, sie hatte was über ihn gesagt, nicht?
Mitchells Blick schweifte gelangweit weiter und fiel auf eine alte Fotografie, ein junger Mann in Uniform mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm, das sich ganz fest an ihn kuschelte. Beide lachten herzlich in die Kamera. Erster Weltkrieg.  Mitchells Seele erfror, ein unglaublicher Schmerz fuhr ihm ins Herz, als er in das Gesicht des jungen Soldaten sah und darin sich selbst erkannte.
Er erinnerte sich noch gut an diesen Tag, es war der Tag an dem er einberufen wurde. Dies war das letzte Bild das jemals von ihm gemacht werden sollte. Von ihm und seiner kleinen Schwester Elisabeth.
Elisabeth, sie war so süß, so fröhlich, so aufgeweckt und der größte Schatz der Familie. Er hatte sie so unglaublich geliebt.
Auf einem weiteren Bild war sie etwas älter, einem weiteren erwachsen und – nein!- Das durfte nicht sein, konnte nicht sein!
Eine alte Frau mit einem Mädchen auf dem Schoß, braune Augen, heller als seine, feine Gesichtszüge.
Darunter stand: Nana und ich



Mitchell brach an der Wand zusammen, sie hatte ihn erkannt, versucht es ihm zu sagen...aber der Hunger.

Was hatte er nur getan?


Zusammen gekauert hockte er nun schon seit Stunden an der Wand, das Bild von ihm und Elisabeth fest an sich gepresst. Und weinte. Ihm war gar nicht bewusst gewesen das er das noch konnte, doch der Schmerz war einfach zu groß. Warum hatte er ihr nicht zugehört?
Sie hatte es ihm doch sagen wollen? Mitchell schluchzte, er war wie betäubt, weigerte sich die Realität zu akzeptieren.
Er war ein Monster. Ruchlos. Ehrlos. Die Euphorie der Jagd und des Tötens waren wie weggewischt. Er war vollkommen leer.

Als die Sonne schließlich den Flur erhellte, hatte Mitchell sich immer noch kein Stückchen bewegt. Er konnte es nicht, seine Kraft hatte ihn verlassen.
Langsam aber sicher kroch die Sonne über den Himmel, Türen gingen auf und zu, die Bewohner des Hauses hielten sich an ihre Tagesabläufe. Wie eh und je. Die junge Frau hatte keiner vermisst. Würde auch niemand, sie war Einzelgängerin gewesen.
Als es schließlich wieder zu Dämmern begann, regte Mitchell sich, er hatte einen Entschluss gefasst. Er musste dem allen ein Ende setzten. Zumindest das war er Keanen schuldig.
Also versuchte er vorsichtig wieder ein wenig Gefühl in seine verkrampften Glieder zu bekommen, er musste aufstehen, alles was er bräuchte war ein einfaches Stück Holz, vielleicht ein Stuhlbein.
Mittlerweile verließen nur noch stumme Schluchzer seine Kehle, es war keine Träne mehr übrig.
Was er jetzt tun wollte, würde Keanen nicht zurückbringen, aber es war das einzig Richtige. Vorsichtig stelle er das Bild wieder auf die Kommode. Elisabeth. Oh Gott, was würde sie von ihm denken? Sie würde ihn natürlich hassen, so wie er sich selbst verabscheute.
Sein Blick glitt wieder über die anderen Bilder. Der kleine Junge. Sie hatte einen kleinen Sohn gehabt. Evan. Aber wo war er? Warum war niemand gekommen um ihn zu seiner Mutter zurück zubringen? Mitchell zermarterte sich das Hirn, sie hatte es ihm erzählt?

...ich war gerade erst aus dem Entzug entlassen worden, als ich die Wahrheit erfahren hab. Das Sozialamt hat Evan bei den Schwestern abgeholt und ihn in ein Heim gesteckt. Einfach so! Und da haben ihn irgendwelche Leute adoptiert. Mir hat man nichts gesagt! Nichts! Verstehst du? Und heute sagt mir dieses Miststück, ich kann mir mein Kind abschminken, es war eine geschlossene Adoption und es sei ja wohl jeder besser als ich,.....

Verdammt! Als Mitchell sich an die Worte der jungen Frau erinnerte, kochte Wut in ihm hoch. Wie hatte man nur so grausam sein können? Sollte der Kleine jetzt niemals erfahren, wie sehr seine Mutter ihn geliebt hatte? Was sie für ihn durch gemacht hatte? Mitchell presste die Lippen fest aufeinander, er hatte etwas Unverzeihliches getan, aber dieses Kind war die wahrscheinlich letzte Verbindung zu seinem alten Leben, seiner Familie.
Er lies seine Finger sachte über eines der Bilder des Jungen gleiten. Die Augen seiner Schwester. Den seinen so ähnlich.
Ich könnte ja wenigstens herausfinden wo er gelandet ist. Nur aus der Ferne schauen. Es ist das Geringste, was ich Keanen schuldig bin.

Noch einmal atmete Mitchell tief durch, dann schnappte er sich eine Tasche, packte die Bilder ein und machte sich daran in der Wohnung nach Hinweisen zu suchen, alles was ihm helfen würde das Kind zu finden. Und er musste feststellen, dass die junge Frau wirklich nicht untätig gewesen war.
Sie hatte akribisch alles dokumentiert, was man ihr angetan hatte. Eine dicke Akte. Als Mitchell sie aufschlug blickte er auf die Bilder die von Keanen gemacht worden waren in der Nacht, als sie sich zu den Schwestern gerettet hatte.
Ihm wurde augenblicklich schlecht. Vor Wut transformierten sich seine Augen und seine Eckzähne drückten ihm ins Fleisch. Sobald er Evan gefunden hätte, würde Mitchell sich einmal ausführlich mit diesen beiden Pennern unterhalten...

Mitchell hatte es alle Überwindung gekostet das Schlafzimmer noch einmal zu betreten, aber er musste auch hier suchen. Und Schlussendlich fand er die Gasleitung, riß einmal daran und lies das Gas sich in der Wohnung verteilen.
Er fand auch noch eine Flasche mit Feuerzeugbenzin, die er schweren Herzens über Keanans Leiche schüttete. Er zündete eine Kerze im Flur an und kletterte auf ein Fensterbrett das zum Hinterhof führte. Er schaffte es gerade noch das Fenster zu schließen und zu springen, als das Gas die Kerze erreichte und die Wohnung explodierte.

Mitchell schwang sich die Tasche über die Schulter und ohne sich noch einmal umzusehen verschmolz er mit der Nacht.

Er hatte nun eine Aufgabe.
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