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[AU/Fantasy / Captain Future] Battle Cries

von cortez11
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Curtis Newton / Captain Future Joan Landor
15.07.2013
20.07.2013
4
6.072
1
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Dieses Kapitel
1 Review
 
15.07.2013 1.381
 
Kapitel 2 – cave servas dona ferentes… (4)
oder: “A Knife in the Dark” (5)

Der Hof war ruhig geworden.
Von hier oben hatte Margun den denkbar besten Überblick über das Anwesen – das war mit ein Grund, warum er sich für die Wache am Südturm entschieden hatte.
Der andere Grund war, dass er Verständnis und Sympathie für seinen Burgherrn, Lord Kaēa, hegte – für ihn und auch für seine junge Frau.
Er mochte Lady Joy, deren terranischer Name „Göttin“ bedeutete (6), ganz einfach. Er mochte ihre freundliche Art, den Anblick ihrer goldenen Locken. Genauso, wie er eine tiefe Loyalität und Zuneigung zu ihrem terranischen Mann fühlte, der auf seine gewinnende und ungestüme Art einerseits so fremd und andererseits aber auch so kh’elvanisch sein konnte.
Oft genug hatte er Kh’andarh in den letzten Wochen hier stehen gesehen, vergeblich versuchend, mit Lady Joy zu reden und sie zur Rückkehr zu bewegen. Sie hatte stets abgelehnt.
Er hatte die Veränderung beobachtet, die in seinem Burgherrn vor sich ging, obwohl dieser sich bemühte, es vor allen anderen zu verbergen. Er hatte ihn härter werden sehen, verschlossener, unberechenbarer. Der Streit zwischen Lady Joy und ihrem Mann war schmerzhaft, er lag wie ein dunkler Schatten über Kh’andarh alh-Kaēa (7), und er beeinflusste auch das Leben aller anderen Bewohner der Burg.
Was hätte er, Margun, an seiner Stelle getan?
...Aber was tat das zur Sache? Kh’andarh und Joy waren Terraner, keine Kh’elvaner. Sie waren mit anderen Sitten und Gebräuchen aufgewachsen als er.

Schritte.
Er hielt seine Fackel seitwärts, um durch den Lichtschein nicht geblendet zu werden, und erkannte eine der Dienerinnen auf den Stufen, es war Shireeya. Sie trug einen Krug, der sicherlich für Lady Joy bestimmt war.
Schließlich war sie nah genug herangekommen und grüßte ihn.
„Margun, laß’ mich durch – ich bringe Wein für meine Herrin.“ Sie hielt ihm den Krug unter die Nase, und der verführerische Duft eines schweren, goldnen Weines stieg ihm in die Nase.
„…und an mich denkst Du nicht, Shireeya?“ neckte er sie im Gegenzug.
„Säufer,“ gab sie ungerührt zurück. „Du sollst hier Wache halten, nicht Dich betrinken.“
Der Wachmann grinste. „Nur einen winzigen Schluck… nur so zum Probieren.“ Er musterte die Dienerin von Kopf bis Fuß, so gut das flackernde Licht der Fackel dies zuließ. „Schließlich könnte der Wein ja vergiftet sein.“
„Margun…“ schalt sie ihn, wie man mit einem begriffsstutzigen Kind spricht. „Wer sollte Lady Joys Wein vergiften? Wenn er für Lord Kh’andarh bestimmt gewesen wäre, dann vielleicht, aber… - “
„Du hast ja recht,“ gab Margun zu. „Trotzdem – ein Becher, ein winziger Becher, kann nicht schaden.“ Sein Blick war verschmitzt. „Sagen wir, um alter Freundschaft willen…?“
Shireeya seufzte.
Aus den Falten ihres Gewandes zauberte sie einen Becher, füllte ihn bis zum Rand mit Wein aus dem Krug und reichte ihn dem Wachmann.
„Auf das Wohl unserer Herrin,“ prostete dieser ihr zu und stürzte das kühle Getränk die Kehle hinunter.
„Auf das Wohl unserer Herrin,“ nickte Shireeya ihm zu.
„…Ahh – das tat gut…“ Der Wachmann lehnte sich zurück an das noch warme Mauerwerk und wischte sich den Mund mit dem Ärmel ab. Nachdenklich betrachtete er den leeren Becher, dann den Krug, als wäre er mit dem niedrigen Füllstand des einen und dem hohen des anderen nicht zufrieden. Zögernd reichte er ihr das Trinkgefäß, stockte jedoch plötzlich in seiner Bewegung, versteinerte, dann sackte er in sich zusammen.
Shireeya hatte gerade noch Zeit gehabt, den Krug beiseite zu stellen und Marguns Speer aufzufangen, bevor dieser klirrend zu Boden fiel, dann zog sie den Besinnungslosen geräuschlos an die Seite, wo sie ihm den Becher aus der Hand nahm und ihn fesselte und knebelte.
Schließlich erinnerte sie sich wieder an den Krug, nahm ihn in die Linke, strich sich mit der Rechten die Haare glatt und klopfte an die Tür.

Das Turmzimmer lag in einem weichen, warmen Licht, das wenige Lampen verströmten, und sah so gemütlich und friedlich aus wie damals, als sie es mit Curtis zusammen eingerichtet hatten – wenn nicht dieser entsetzliche Streit zwischen ihnen wäre...
Joan stand am Fenster. Sie wischte ihre Tränen ab und ließ ihren Blick über die Einrichtung schweifen. Es schien so lange her zu sein... ihre Gedanken begannen zu wandern, zurück zu dem Zeitpunkt, als ihr Streit begonnen hatte.
Es war kurz danach gewesen, nachdem sie dieses Zimmer fertiggestellt hatten – als Refugium für sie beide, als Fluchtpunkt, wenn das Leben mit den restlichen Mitgliedern des Hauses ihnen zu nah kam, zu aufdringlich wurde.

Er hatte es ihr erzählt, zerknirscht, unsicher. Beinahe, als hätte er sie um Rat gefragt.
Hatte er das?
Sie wischte den Gedanken beiseite, konnte und wollte es immer noch nicht fassen. Das er ihr das antun konnte!
Er hatte wiederholt seine Liebe zu ihr beteuert.
Hohle Worte...
Und dann hatte es Streit gegeben, heftigen Streit zwischen ihnen.

Wieder kamen ihr die Tränen.
Sie griff nach dem Taschentuch, wischte sich die Augen.
Draußen im Hof war inzwischen alles wieder dunkel, nach und nach waren alle Lichter gelöscht worden.
Nachdem er gegangen war, hatte sie noch eine ganze Weile gebraucht, bis sich der Aufruhr tief in ihr drinnen wieder beruhigt hatte und sie wieder klar denken konnte. Währendessen hatte sie am Fenster gelehnt, nach unten gestarrt, auf den Hof
Seine Schlacht war also geschlagen.
Schön für ihn.
Ihr Kampf war noch lange nicht zuende.

Warum hatte er dieses Flittchen nicht gleich von Anfang an zurück in die Wüste geschickt?
Nurya. Ihr wurde schon schlecht bei dem bloßen Gedanken an den Namen – er erinnerte sie an Nurara.
Warum überhaupt das alles - ?
Diese ganzen endlosen Komplikationen, diese Stammesfehden – warum?
Irgendwie hatte sie sich ihr Leben auf Kh’elvarh anders vorgestellt...
Irgendwie hatte sie die Hoffnung gehabt, dass endlich einmal nicht sein Job, wie gewohnt, die erste Stelle in ihrem gemeinsamen Leben einnehmen würde, sondern dass er mehr Zeit für sie haben würde.
Falsch gedacht.
Als sie noch bei Ilanyr gewohnt hatten, war es tatsächlich anders gewesen – so, wie sie es sich immer erträumt hatte. Doch kaum hatten sie die Speicherburg in der Oase bezogen, begann auch schon die Politik sich in ihr Leben einzumischen. Und er, voll des ihm so sehr zu eigenen Verantwortungsgefühls, hatte sich da hineinziehen lassen – widerwillig zunächst, aber dennoch hineinziehen lassen.
Zunächst waren es nur die unmittelbaren Angelegenheiten der Oase und ihrer Nachbarn gewesen, die geregelt werden mussten, dann kamen die endlosen Sitzungen im Hohen Rat, an denen er teilnahm, und schließlich galt seine Sorge nur noch dem Aufstand der Zehn Stämme und dieser Verschwörung.
Das war der Punkt gewesen, an dem Nurya ins Spiel kam.
Nurya. Er hatte sie geheiratet – nach kh’elvanischem Recht war so etwas möglich, er durfte mehrere Frauen haben. Und keiner hatte daran Anstoß genommen – Ilanyr war es sogar, der ihm den Vorschlag unterbreitet hatte zu dieser – zu dieser ganzen Aktion... Eine politischer Schachzug, um des Friedens willen.
Politik! Ihr Leben mit Curtis wurde von Politik bestimmt!
Wieder einmal war alles andere wichtig gewesen, nur sie nicht.
Alles weitere war dann die logische Konsequenz seines Handelns gewesen: Es hatte einen erbitterten Streit gegeben, und sie war in den Turm gezogen.
Dann hatte er Nurya geheiratet.
Die Tränen liefen ihr die Wangen hinunter, und sie schluckte. Warum tat es bloß so weh?
Klopfgeräusche.
Sie zuckte zusammen, horchte.
Tatsächlich, jemand klopfte an die Tür. Dem Klang nach konnte es jedoch nicht Curtis sein…
„Wer ist dort?“ Schnell wischte sie ihre Tränen ab.
„Ich bin es, Shireeya.“
„Einen Moment – “ Joan warf einen kurzen prüfenden Blick auf das Zimmer, dann öffnete sie die Tür.

- + -

(4) latein. für „traue keinen Dienerinnen, die Geschenke bringen…“ (abgeleitet von „cave danaos dona ferentes“ – hüte Dich vor den Danaern, wenn sie Geschenke bringen)
(5) Kapitelüberschrift aus LotR Band 1, ohne freundliche Genehmigung von J. R. R. Tolkien
(6) kh'elvan. "joanh" = Göttin
(7) voller Name: Kh'andarh alh-Kaēa, wobei „Kaēa“ die geografische Bezeichnung des Gebiets rund um die gleichnamige Oase ist und zugleich auch der Name der dortigen Festung. „kh'andarh“ (kh'elvan.) - Zukunft. Das „alh“ entspricht in etwa unserem Adelsprädikat „von“ oder „zu“. Als Territorialfürst steht im die Anrede „Herr“ oder „Lord“ zu, die absolute Gerichtsbarkeit über Leben und Tod aller seiner Untertanen und Gefolgsleute, diverse damit verbundene Gefolgschaftsdienste sowie das ius primae noctis (von dem er, sehr zu Joans Erleichterung, allerdings keinen Gebrauch macht...)
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