[AU/Fantasy / Captain Future] Battle Cries

von cortez11
GeschichteDrama, Fantasy / P16
Curtis Newton / Captain Future Joan Landor
15.07.2013
20.07.2013
4
6.072
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15.07.2013 1.849
 
Kapitel 1 - victor devictus (1)
oder: "every step that I take is another mistake” (2)

„Macht das Tor auf!“
Der Wächter auf den Zinnen traute seinen Augen nicht. „Es ist Kh’andarh“, schrie er über den Hof – „Kh’andarh alh Kaēa ist zurück!“
Sofort bemühten sich etliche Hände, das schwere Tor zu öffnen. Die Angeln ächzten, dann schwangen die Flügel einen Spalt breit auf.
Sofort lenkte Future sein Yaka durch die Öffnung.
Der Ruf hatte den Hof in Aufregung versetzt, obwohl es stockdunkel war. Alle Mitglieder des Haus­halts strömten zusammen, einige hielten Fackeln und Öllampen, und das Yaka scheute vor der aufgeregten Menge, die sich inzwischen versammelt hatte.
Jemand hielt ihm die Zügel, dann sprang Future zu Boden und schüttelte den Sandstaub ab. Sofort wurde er umringt.
„Was ist passiert?“
Er blickte in die fragenden Gesichter um ihn herum. „...Wir haben gewonnen,“ sagte er müde, „die Allianz der Zehn ist geschlagen. Es wird endlich wieder Frieden sein.“
Einen Moment herrschte atemlose Stille.
Sein Blick fiel auf das Schwert seines Feindes, das er immer noch mit der Linken umklammert hielt, doch er merkte nicht, wie das Metall der Klinge in seine Hand schnitt. Impulsiv reckte er die erbeutete Waffe nach oben.
„Wir haben gesiegt!“ schrie er heiser, bevor das allgemeine Johlen und die Freudenrufe ihn übertönten.

Schließlich hatte er sich den Weg durch die Menge zum Haupthaus gebahnt. Auf dem Weg dorthin entledigte er sich seines Umhangs, drückte ihn dem erstbesten in die Hand, der ihm gefolgt war, ebenso das erbeutete Schwert.
Eine Hand fasste ihn an der Schulter. „Wo wollt Ihr hin, Kh’andarh – ?“
„Lasst mich...“ erwiderte er grimmig, ohne sich umzusehen, und rieb seine Hand.
„Aber – “
Jetzt drehte er sich um. Es war Arca, der ihm gefolgt war.
„Du meinst es gut, Arca,“ erwiderte er ruhig, doch der Zorn brannte deutlich in seinen Augen, „trotzdem – lass’ mich einfach alleine...“
Arca wich zurück, er hatte begriffen.
Future hatte inzwischen die Küche erreicht, wo er sich die Hände wusch, Wasser ins Gesicht spritzte und mit dem nächstbesten Tuch, was er finden konnte, abtrocknete, dann warf er das Tuch beiseite und wählte den Weg zur Treppe, während Arca die Nachfolgenden aufhielt.

Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, hatte er den ersten Stock erreicht und betrat nun den Übergang zum Turm.
Die Wächter am Übergang begrüßten ihn, doch er ignorierte sie und stürmte die Treppe hinauf. Schwer atmend hielt er schließlich oben an.
Der Eingang war geschlossen und wurde, wie üblich, bewacht.
Als der Wächter ihn im Licht der Fackel erkannte, trat er scheu zur Seite.
„Kh’andarh – “ begann er verlegen, „...sie will Euch nicht sehen...“
„Das weiß ich,“ erwiderte Future grimmig und holte tief Luft. „Laß’ mich allein.“

Future wartete, bis die Schritte des Wächters auf der Treppe nach unten verklungen waren, dann trat er vor und klopfte hart mit der Faust gegen das Holz. „Mach bitte auf, Joan, ich möchte mit Dir reden.“
Eine Weile passierte gar nichts.
Erneut donnerte er gegen die Tür. „Joan, lass' mich bitte 'rein...“
Schließlich konnte er Schritte hören.
„Lass’ mich in Ruhe, Future,“ war die Antwort.
Es war zum verzweifeln... „Joan – bitte – können wir nicht einfach darüber reden...?“
„Verschwinde!“ Joans Stimme klang wütend.
Future suchte nach Worten, versuchte, ruhig zu bleiben. „...Ich – ich wollte Dir nur sagen, dass die Geschichte mit Nurya vorbei ist. Du hast ja vielleicht mitbekommen, dass ihr Vater zur Allianz der Zehn gehört, die sich gegen den Hohen Rat aufgelehnt hat und auch hinter dem Mord an Senator Keyrion steht. Der Kampf ist beendet – die Allianz ist geschlagen.“ Er hielt inne.
„...Schön für Dich,“ war Joans Antwort.
Er holte tief Luft. „Joan – ich habe Nurya nach Hause geschickt, zurück zu ihrem Vater.“
Von drinnen kam keine Reaktion.
Future wusste nicht, ob er über die Kälte, die ihm entgegenschlug, nur wütend oder nur getroffen, oder beides zugleich sein sollte. Andererseits hasste er sich selbst für das , was er getan hatte – dass er nachgegeben und mit dieser verfluchten politischen Heirat ein paar Monate Frieden erkauft hatte. Und im Gegenzug Krieg mit Joan.
Auf dem Schlachtfeld hatte er gesiegt, wieder einmal. Hier jedoch, wo es ihm wirklich wichtig war, hatte er verloren, weil er die Bedürfnisse der Öffentlichkeit über sein Privatleben gestellt hatte.
Der Krieg mit Joan war der viel entsetzlichere, fand er, und die Wunden, die er schlug, die weitaus schlimmeren.

„Joan,“ begann er erneut, leise. „Es – es tut mir so leid. Ich weiß, dass ich Dich sehr verletzt habe. Bitte, gib' mir eine Chance, es wieder gut zu machen...“
Keine Antwort, nur Stille.
Er wartete eine Weile, horchte schließlich an der Tür, doch er konnte nichts wahrnehmen.
„Joan, bitte...“
Er stieß die Luft, die er angehalten hatte, geräuschvoll aus. Ihr Schweigen machte ihn rasend, und er fühlte, wie der Zorn erneut in ihm hochstieg.
„Joan!“ Er donnerte erneut an die Tür.
„Geh weg! Lass mich alleine!“ schrie sie zurück.
Einen Moment lang überlegte er, ob er sich gegen die Tür werfen, sie gewaltsam aufbrechen sollte, während Wut, Schmerz und Enttäuschung um die Vorherrschaft über seine Gefühle rangen. Dann hielt er inne – sie würde ihn dafür noch mehr hassen...
Seine Gedanken rasten.
Und wenn er hierbleiben würde? Hier vor ihrer Tür? So lange, bis sie irgendwann mal herauskommen musste – doch dann verwarf er den Gedanken sofort wieder.
Es war sinnlos.
Er starrte auf die massive Holztür, als könnte er sie mit seinen Blicken durchdringen, schließlich wandte er sich abrupt um und ging.

Am Übergang wartete Arca auf ihn, doch er ignorierte ihn und lenkte seine Schritte ungeduldig in Richtung seiner Wohnräume. Gefolgt von dem Kh’elvaner, riss er die Türflügel auf, einen um den anderen, marschierte quer durch das Wohnzimmer, betrat den Gang und blieb erst vor dem Schlafzimmer stehen.
Die Hand auf dem Riegel, hielt er inne, drehte sich um.
Ein Blick genügte, um Arca zum Rückzug zu bewegen, dann schob Future langsam die Tür auf und betrat sein Schlafzimmer.
Joans und sein Schlafzimmer. Zu glücklicheren Zeiten.

Nachdem er die Tür wieder verschlossen hatte, ließ er seine Blicke wandern, blieb an dem großen Bett hängen. Langsam, mühsam, machte er ein paar Schritte vorwärts, ließ sich auf der Bettkante nieder.
Eine bleierne Müdigkeit überfiel ihn, und er fühlte sich elend, verspannt, seine Muskeln begannen zu schmerzen. Stück für Stück begann er, die kh’elvanische Rüstung abzulegen, die er immer noch trug, entledigte sich des Kettenhemdes, doch das Gewicht der Panzerung schien nicht von seinen Schultern zu weichen.
Seine linke Hand hatte wieder zu bluten begonnen, und er suchte nach einen Stoffstück, dass er als Verband benutzen konnte. Die Schnittwunde mehrmals umwickelt, stand er schließlich wieder auf und ging zum Spiegel.
Das Bild, das ihn im Spiegelglas entgegenblickte, war auch nicht dazu angetan, seine Stimmung zu bessern. Die Haare zerrauft, verklebt, eine lange blutige Schramme, die sich von der linken Augenbraue aus über die Stirn bis zum Haaransatz zog, dunkle Ringe unter den Augen, in denen eine Mischung aus Zorn und Schmerz loderte. Diverse blaue Flecken und Kratzer überall dort, wo die kh’elvanische Rüstung den Körper nicht vollständig abdeckte, Spuren des Kampfes und eine Anspannung, die nicht nachlassen wollte. Außerdem war er magerer geworden.
Er zuckte die Schultern und ging ins Bad.

Das warme Wasser hatte nicht, wie erhofft, die Anspannung gelöst, sondern den dumpfen Schmerz in den Muskeln und das Gefühl der Zerschlagenheit verstärkt. Frustriert schlang er sich ein großes Handtuch um die Hüften, nachdem er sich abgetrocknet hatte.
Auf dem Sims über dem Bett hatte Arca in der Zwischenzeit einen Tonkrug mit Wein sowie zwei Kelche abgestellt.
Er griff nach dem einen, schenkte sich ein und stürzte die kühle Flüssigkeit die Kehle herunter, dann betrachte er den Kelch in seinen Händen, während seine Gedanken wieder zu wandern begannen.
Stilisierte Blumenranken waren um die Wölbung des Gefäßes eingeritzt.
Wüstenblumen.
In einem plötzlichen Impuls schleuderte er den Kelch zornig gegen die Wand, wo er splitternd zerbarst (3).

Die Decke greifen, die Tür hinter sich zuschlagen und den Gang betreten, war die Sache eines Augen­blicks, dann hatte er sein Arbeitszimmer erreicht, in dem eine schmale Liege stand. Durch das Fenster drang das fahle Licht des kh’elvanischen Mondes.
Zunächst zögerte er noch. Eine Weile blieb er am Fenster stehen, schaute hinaus in die Nacht und lauschte den Geräuschen in der Dunkelheit.
Er war müde. Heute war viel passiert, und nicht alles, was geschehen war, war gut. Auch wenn er die heutige Schlacht gewonnen hatte, fühlte er sich als Verlierer, war kurz davor, die Hoffnung aufzugeben.
In diesem Moment riß ihn das Signal des Televisors aus seinen Gedanken, und er machte Licht und schaltete das Gerät an.

Auf dem kleinen Bildschirm erschien Ilanyr alh-Ansha und erkundigte sich nach dem Ausgang des Kampfes.
Future rieb sich die Schläfen; eigentlich hatte er keine Lust mehr, die Details zu diskutieren. „In den nächsten Tagen fangen die Verhandlungen an, um den Frieden vertraglich zu verankern,“ erwiderte er. „Hat der Hohe Rat Dich noch nicht informiert?“
Der Kh’elvaner schüttelte den Kopf, und Future fuhr fort: „Jetzt, nachdem die Allianz der Zehn offiziell vernichtet ist, wird auch Bandarakh Schwierigkeiten haben, je wieder einen Fuß auf den Boden zu bekommen...“
Ilanyr nickte. „Wenn er nicht sogar ausgestoßen oder zum Exil verurteilt wird. Oder Beides.“
„Ich wusste gar nicht, dass diese Strafe heute noch angewandt wird,“ erwiderte Future. „Ausstoßen und Brunnenvergiften – ist das nicht lange vorbei?“
„Das scheint nur so.“ Hinter dem Humor, der in Ilanyrs Augen blitzte, war der alte Kh’elvaner ernst. „Du glaubst gar nicht, wozu wir auch heute noch fähig sind – die Kruste der Zivilisation, die uns von der Barbarei trennt, ist äußerst dünn...“
„Wem sagst Du das... Ich kenne das zur Genüge. Auch die Geschichte der Menschheit ist voll von Grausamkeiten.“
„Um so besser, dass jemand wie Du sich um den Frieden kümmern,“ gab der Kh’elvaner zurück. „Was macht eigentlich Dein privater Streit – wenn ich fragen darf...?“
Futures Stimme klang resigniert. „Frag’ mich nicht, Ilanyr...“
Die Augen Ilanyrs forschten fragend im Gesicht ihres Gegenüber, und was dort zu sehen war, reichte als Antwort völlig aus. „Jetzt hast Du doch allen Grund, diese Frau nach Hause zu schicken.“
„Danke – das war das leichter zu lösende Problem von beiden, Ilanyr.“ Future atmete geräuschvoll aus, unwillig, dieses Thema ausgerechnet mit demjenigen zu diskutieren, der an der Sache maßgeblich beteiligt war.
Sein Gegenüber verstand. „Na, dann wünsche ich Dir weiterhin viel Glück...“ Ilanyr nahm die Gelegenheit wahr, sich zu verabschieden und das Gespräch zu beenden.

Future blieb nachdenklich eine Weile am Schreibtisch sitzen, schließlich löschte er das Licht, wickelte sich in seine Decke und fiel bald darauf in einen unruhigen Schlaf.

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(1) latein. für „besiegter Sieger“
(2) Textzeile aus „Numb“, ohne freundliche Genehmigung von Linkin Park
(3) diese Reaktion ist ohne Erklärung nicht ganz einfach zu verstehen, denn an sich sind "Blumenranken" ja etwas harmloses, sollte man meinen. Die dargestellten Blüten erinnen Future jedoch an eine Spezies von Wüstenrosen, die auf kh'elvanisch gemeinhin "joy" genannt wird. Und "Joy" ist Joans kh'elvanischer Vorname - ergo der Wutanfall... ("joy", kh'elvan., „Gelbe Wüstenrose“, botanisch: opuntia fragilis kh'elvana var. aureola)