120 X

von Nenaisu
GeschichteAllgemein / P18
14.07.2013
26.10.2014
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15.251
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14.07.2013 465
 
32. Words – Wörter (FC)


Charles war stolz. Heute hatte er den fünften Abschlussjahrgang seit der Gründung seiner Mutantenschule verabschiedet. War der Anfang auch schwer gewesen und hatte er nur wenige Schüler gehabt, umso froher war er jetzt, da er sich mit seiner Schule schon einen Ruf erarbeitet hatte. Zwar nur im Verborgenen, da die meisten Menschen noch immer nichts von ihnen wussten, doch immerhin gab es noch Mund-zu-Mund-Propaganda, so dass er immer mehr Schüler hatte. Am liebsten würde er seine Schüler ja alle bei sich behalten, aber er wusste, dass er nicht immer alle beschützen konnte und jeder seiner Schützlinge irgendwann seinen eigenen Weg gehen musste.

Er sah auf, als es klopfte und nachdem er ihn hereingebeten hatte, betrat einer seiner derzeitigen Absolventen sein Büro. Er lächelte in die Erinnerung daran, wie er Stefan gefunden hatte. Er war damals ziemlich verängstigt gewesen, doch mittlerweile hatte er sich zu einem selbstbewussten Neunzehnjährigen entwickelt.
Stefan hatte, wie die meisten anderen auch, damals nicht verstanden, was mit ihm geschah. Er sprach zunächst kein Wort, bis er ihm erzählte, dass alles, was er sagte, wahr würde.

Er hatte es ihm demonstriert: wenn er auf einen blauen Ball deutete und sagte, er solle rot werden, so lag kurze Zeit später ein roter Ball vor ihnen. Und das funktionierte praktisch mit allem. Daher auch die Angst: in einem Wutanfall hatte er gesagt, dass er sich wünschte, sein Bruder sei tot und dieser dann tatsächlich tot umgefallen war.
Mittlerweile konnte er diese Kräfte kontrollieren und seine Kräfte von seinen Worten trennen, wenn er nicht wünschte, dass das wahr wurde, was er sagte und sich nur genaue Befehle erfüllten.

Stefan lächelte seinen Mentor an. Er wollte sich persönlich verabschieden und dem Professor vor allem noch ein Geschenk machen.
Er deutete auf Charles‘ Unterleib und sagte: „Heilen.“
Und plötzlich fühlte Charles dieses Kribbeln in seinen Beinen. Er hatte seit über zehn Jahren nicht mehr seine Beine gespürt, nicht seit dem Unfall auf Kuba. Er war perplex, sie wieder zu spüren und er wusste, dass es noch ein langer Weg sein würde, bis er sie wieder würde benutzen können, denn seine Muskeln waren dadurch, dass er sie nie gebraucht hatte, zu schwach. Er würde sie erst wieder aufbauen müssen.

„Danke,“ stammelte er an Stefan gewandt, doch der grinste nur, bevor er das Büro wieder verließ.

Zurück blieb Charles, der nicht wusste, was er fühlen sollte. Er hatte sich nie Gedanken darüber gemacht, was sein würde, wenn er jemals wieder würde laufen können. Selbst in all der Zeit, die er Stefan gekannt hatte, hatte er nie daran gedacht, dass es diesem vielleicht möglich wäre, ihn zu heilen.

Er hatte sich immer verboten, sich in irgendeiner Weise Hoffnungen zu machen, weil er wusste, dass es nie passieren würde. Doch jetzt war es geschehen.
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