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von Nenaisu
GeschichteAllgemein / P18
14.07.2013
26.10.2014
41
15.251
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14.07.2013 550
 
3. Rain – Regen (FC)


Es war ein ungemütliches Wetter. Es regnete, der Wind peitschte das Wasser unerbittlich gegen die Fensterscheiben, an denen es in breiten Strömen hinabrann. Hinter einer dieser Fensterscheiben stand Hank, verborgen in den Schatten, den die großen schweren Vorhänge bildeten. Er sah nach unten, in den Hof, der in dem kalten Nass fast schwamm.

Dort unten tanzte ein blondes Mädchen barfuß auf den kalten Steinplatten, auf denen das Wasser stand, die Hände nach oben gereckt, genauso wie das blasse Gesicht dem Regen zugewandt.

Er bewunderte Clara für ihren Mut, sich so zu zeigen, wie sie war. Denn im Regen, oder im Wasser generell, bildeten sich Schwimmhäute zwischen ihren Fingern, zwischen ihren Zehen. Es schien ihr nichts auszumachen. Genauso wenig, wie die blauen und grünen Schuppen, die sich dann an manchen Stellen ihres Körpers bildeten, oder die Augen, deren Augäpfel dann ganz schwarz-golden wurden.

Hank selbst haderte noch immer mit seinem Aussehen. Jetzt mehr denn je. Früher waren es ‚nur’ die missgebildeten Füße gewesen. Heute war seine Haut blau, er trug ein Fell und hatte gelbe Augen. Es war unerträglich für ihn, auch wenn er sich stets an Ravens Abschiedsworte erinnerte.

„Mutant – und stolz!“

Er konnte nicht stolz darauf sein, ein Mutant zu sein. Ein Monster. Das Einzige, worauf er stolz sein konnte, war sein Intellekt. Daher war er auch, obwohl er selbst noch so jung war, nun Lehrer an Charles’ Schule. Während dieser Biologie unterrichtete und die neu zu ihnen gestoßenen Mutanten darin unterstützte, dass sie ihre Kräfte zu akzeptieren und zu beherrschen lernten, war er der Lehrer für Mathematik, Physik und Chemie, denn auch die geistige Bildung ihrer Schüler durfte nicht vernachlässigt werden.

Charles nahm abwechselnd Sean und Alex mit, wenn er neue Mutanten gefunden hatte, um diese zu einer Teilnahme an seiner Schule einzuladen. Er war der Meinung, dass es einfacher wäre, jemanden in dem betreffenden Alter dabei zu haben, als wenn er alleine als Erwachsener Kontakt aufnehmen würde, da die meisten Kräfte sich in jungen Jahren entwickelten. Manche fassten schnell Vertrauen zu Charles. Andere waren erst einmal geschockt, wenn sie Hank sahen. Und manchmal machte er alles nur noch schlimmer, statt besser. Wenn die Kinder Angst vor ihm hatten, ihn mieden, zu Lachen aufhörten, sobald er in ihre nähe kam.

Dabei war er doch einer von ihnen. Oder?

Vielleicht auch nicht. Denn auch wenn Charles ebenfalls ein Lehrer war, sogar der Erwachsene, die Autoritätsperson, die Kinder hatten ein ganz anderes Verhältnis zu ihm.

Hank sah noch einmal kurz zu Clara hinunter. Charles ermutigte die Mutanten, ihre wahre Gestalt zu akzeptieren. Denn er wollte den gleichen Fehler, den er mit Raven begangen hatte, nicht noch einmal wiederholden. Und er hatte ihm erklärt, dass wenn er, Charles, es früher akzeptiert hätte, dass nicht alle Mutanten einfach unter Menschen leben konnten, dann hätte er, Hank, jetzt sicherlich ebenfalls ein anderes Verhältnis zu seinem Äußeren. Charles hatte sich bei ihm entschuldigt. Aber es war gar nicht seine Schuld. Er hatte sich schon immer verachtet.

Vielleicht sollte er einfach gehen. Das würde es allen erleichtern. Den Kindern, die ihn dann nicht mehr würden sehen müssen. Ihm selbst, weil er, sofern er nicht in den Spiegel sah, nicht an seine derzeitige Gestalt erinnert werden würde.

Er wandte sich von dem Fenster und somit von der Szene draußen ab.
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