120 X

von Nenaisu
GeschichteAllgemein / P18
14.07.2013
26.10.2014
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14.07.2013 544
 
15. Suicide – Selbstmord (FC)

Das Haus war still. Hank hatte sich in den Tiefen seines Labors vergraben, Alex und Sean waren einkaufen, um den leeren Kühlschrank aufzufüllen, denn jeder von ihnen aß jeweils so viel, wie Hank und Charles zusammen. Charles selbst saß in seinem Rollstuhl am Fenster seines Zimmers im Erdgeschoss und sah hinaus auf die sonnenbeschienen Ländereien. Heute war wirklich ein schöner Tag. Blauer Himmel, Sonnenschein, die Wiese schimmerte saftig grün und die Tropfen der Fontaine des Brunnens im Hof glitzerten im Sonnenlicht.

Charles seufzte leise und wandte seine roten Augen von dem Anblick, der einem Bilderbuch entsprungen sein mochte, ab. Er war müde. Nachts hatte er Alpträume, tagsüber riss er sich für die anderen zusammen. Aber es war so anstrengend. Er fühlte sich ausgelaugt.

Er hatte alles verloren. Erik war gegangen, sein bester Freund. Raven hatte ihn begleitet, seine Schwester. Moira hatte er weggeschickt, auch wenn er erste ernsthafte Gefühle für sie entwickelt hatte. Doch was sollte sie auch mit einem Krüppel? Denn das war er jetzt und dieser Verlust traf ihn besonders hart: er hatte seine Beweglichkeit verloren. Nach mehreren Operationen, einer Reha und etlichen Stunden Physiotherapie hatte er endlich eingesehen, dass es einfach keinen Zweck hatte.

Er war nutzlos.

Abermals seufzte er leise. Dann drehte er seinen Rollstuhl und kehrte dem Leben draußen in der Welt den Rücken zu. Heute war ein guter Tag, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Denn niemand würde ihn stören oder sich um ihn kümmern; auch wenn sie sich normalerweise sehr viel Mühe mit ihm machten. Doch er wollte einfach niemandem mehr zur Last fallen. Zwei Monate waren genug.

Langsam rollte er zum Bad. Er hatte lange überlegt, wie er es tun würde und wo. Lange hatte er gebraucht, doch hier kam ihm seine Behinderung zugute. Sein Bad war riesig und luxuriös, wie der Rest des Anwesens, so dass er bequem seinen Rollstuhl hineinmanövrieren konnte. Die Wanne war nur halbvoll, denn ertränken wollte er sich nicht, obwohl das auch eine Option gewesen wäre. Er hatte einige Mühe, sich von seinem Gefährt ins Wasser zu hieven, doch schließlich war es geschafft; und das ganz ohne Hilfe. Worauf er aber nicht stolz sein konnte, das hatte er längst aufgegeben. Er hatte sich aufgegeben.

Charles legte sich zurück und griff nach dem großen scharfen Küchenmesser, das er bereit gelegt hatte. Kurz sinnierend betrachtete er die silberne Klinge, die verführerisch im Licht der Deckenleuchte schimmerte. Dann senkte er die Schneidefläche zu seinen Beinen.
Er hatte zunächst überlegt, es mit Tabletten zu tun, aber das Risiko, das zu überleben, war zu groß gewesen. Dann hatte er überlegt, es einfach auf seinem Bett zu tun. Doch das würde eine schöne Schweinerei geben, dass konnte er den Jungs wirklich nicht antun. Also die Badewanne. Sie würden einfach nur das Wasser mit dem Blut abfließen lassen müssen. Er trug sogar noch seine Unterwäsche, damit sie ihn nicht nackt sehen mussten.

Er ließ die Klinge über die Schlagader an seinem Oberschenkel schneiden. Immerhin spürte er seit dem Unfall am Strand von Kuba rein gar nichts mehr dort. Er spürte seine Beine nicht mehr, auch die Haut war unsensibel. Er fühlte keinen Schmerz. Wenig später fiel ihm das Messer aus der Hand und seine Sinne schwanden.

Heute war ein schöner Tag zum Sterben.
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