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GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Collins David Kai Miyagusuku Lewis OC (Own Character)
14.07.2013
14.07.2013
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Aston Collins war wütend, enttäuscht und verzweifelt. Vor allem aber, war er verletzt. Er wollte Julia erschießen, weil Amshel Goldsmith sie ihm vorgezogen hatte.
„Verdammt, es war doch mir bestimmt, Diva zu untersuchen, die weitere Entwicklung eines Chiropterans zu erforschen.“ dachte er wütend.
Aber von diesem Rückschlag würde er sich nicht unterkriegen lassen. Er würde seine Forschungen fortsetzen.
„Ich habe alle Daten die ich brauche, und auch mehrere Proben von Delta 67 aus den Labors gestohlen. Damit kann ich in Ruhe weiterarbeiten. Egal, wie lange es auch dauern mag.“ dachte er.
Dass ließ sich der Wissenschaftler von seinem Auto zu Boden sinken. Er öffnete den Wagen und holte den Verbandskasten heraus. Damit verband er eher schlecht als recht die Schnittwunde, die ihm David im Kampf zugefügt hatte.
„Eines Tages“ dachte er noch, „Eines Tages werde ich berühmt und reich sein. Eines Tages.“

Rund 16 Jahre später

Kai blickte stolz auf die beiden Mädchen die im Garten spielten. Er liebte die beiden Mädchen wie seine Töchter, und so hatte er sie in all den Jahren auch aufgezogen. Er lächelte noch einmal, und wandte sich dann wieder seiner Zeitung zu.
Kanade und Liam warfen sich gegenseitig den Ball zu. Das war ein Spiel, welches sie schon seit der Grundschule spielten. Jeder warf den Ball so, dass der jeweils andere ihn nur mit größter Mühe fangen konnte. Obwohl es ein einfaches Spiel war, und obwohl die beiden Freunde es schon oft gespielt hatten, machte es immer noch riesigen Spaß.
Liam war der Sohn von David und Julia. Er sah seiner Mutter deutlich ähnlicher. In Davids Familie war es schon seit langer Zeit Tradition, die Chiropterans und Diva zu besiegen. Jeder David hatte seinen Sohn ebenfalls so genannt, ähnlich wie es bei Joel war. Doch Diva war besiegt worden, und die Chiropterans stellten keine Gefahr mehr dar.
„Wann kommt eigentlich Hibiki?“ erkundigte sich Liam.
Die Frage ärgerte Kanade ein wenig. Einen kurzen Moment lang fragte sie sich, ob Liam Hibiki mehr mochte als sie. Dann beruhigte sie sich wieder. Der Junge war mit den beiden Mädchen befreundet. Mehr steckte wohl nicht dahinter. Die Mädchen kamen langsam in ein Alter, in dem sie sich von einem Jungen mehr als nur Freundschaft wünschten. Und beide Schwestern hatten etwas für Liam übrig. Umgekehrt schien er kein Interesse an den Mädchen zu haben.
„Hibiki bekommt wieder ihre Transfusion. Meine hatte ich schon heute morgen. In einigen Minuten sollte sie eigentlich wieder da sein.“ antwortete Kanade.
„Wie wäre es mit einem neuen Spiel?“ wechselte Liam das Thema. Er kam nur ungern auf die Infusionen der Mädchen zu sprechen. Er war jemand, der einfach kein Blut sehen konnte.
„Was möchtest du denn spielen?“ wollte Kanade wissen.
„Siehst du den großen Baum dort drüben?“ fragte Liam überflüssigerweise, denn der große Ginkobaum war nur schwer zu übersehen, „Was meinst du, wer von uns kann schneller hochklettern?“
Kanade grinste: „Ich hoffe, es verletzt nicht deinen Stolz, gegen ein Mädchen zu verlieren.“
Die beiden Freunde rannten zum Baum. Jeder stellte sich auf die gegenüberliegende Seite de Baumes und sah erwartungsvoll nach oben. Kanade grinste Liam an und fragte: „Bist du bereit?“
„Schon lange. Ich warte nur auf dich, langsames Mädchen.“ antwortete dieser und erwiderte ihr Grinsen.
Gleichzeitig begannen sie hochzuklettern. Liam gab sich große Mühe, doch Kanade war schneller. Er klammerte sich an jedem Ast fest, und zog seinen Körper mühsam weiter nach oben. Nach einigen Minuten war er schon ziemlich erschöpft, doch das Mädchen zeigte keinerlei Anzeichen von Ermüdung. Sie streckte ihm die Zunge heraus, als sie an ihm vorbeikletterte, und weiter nach oben gelangte. Inzwischen waren die Freunde schon hoch in die Krone des Baumes geklettert, mehr als zehn Meter über dem Erdboden.
„Kanade, die Äste oben werden immer dünner“ warnte Liam sie vor, „Du solltest aufpassen, dass du nicht herunterfällst.“
„Das sagst du nur, weil ich besser klettern kann als du.“ behauptete Kanada scherzhaft und kletterte noch weiter nach oben.
Liam sah nervös den Baumstamm herunter. Es war wirklich ein weiter Fall nach unten. Und der Junge wollte nicht, dass ihm oder seiner Freundin etwas passierte.
„Also gut, ich gebe mich geschlagen.“ sagte er schließlich und kletterte nicht mehr weiter.
„Ha, ha, ich habe gewonnen.“ triumphierte das Mädchen und griff nach einem weiteren Ast. Doch plötzlich passierte das, was Liam befürchtet hatte. Der Ast an dem sich Kanade festgehalten hatte brach ab, und das Mädchen fiel schreiend in die Tiefe.
„Kanade, nein!“ brüllte Liam und kletterte so schnell herunter wie er nur konnte.
Der Aufprall war hart. Kanade spürte, wie mehrere Knochen in ihrem Körper brachen und schrie vor Schmerz laut auf. Das Mädchen spuckte einen Schwall Blut aus und wimmerte vor Schmerzen. Doch plötzlich ließen die Schmerzen nach.
Das Mädchen wunderte sich, denn sie fühlte wie ihre Knochen, Muskeln und Organe wieder verheilten. Sie setzte sich vorsichtig auf und tatsächlich spürte sie in ihrem Rücken keine Schmerzen mehr. Neugierig betrachtete sie ihren linken Arm, den sie sich beim Sturz übel aufgeschrammt hatte. Die Wunde verheilte praktisch im Zeitraffer. Die Blutung hörte auf und neue Haut wuchs nach. Kanade bewegte ihre Finger, aber sie taten nicht mehr weh. Ihr rechtes Schienbein war gebrochen, und das Bein stand in einem seltsamen Winkel ab. Doch wie von Geisterhand richtete es sich selbst und verheilte.
Verwirrt stand Kanade auf und betrachtete ihren Körper. In diesem Moment war auch Liam am Boden angekommen. Er rannte eilig auf seine Freundin zu... und erstarrte für einen Moment. Dann ging er weiter und sah sie besorgt an.
„Soll ich einen Krankenwagen rufen?“ fragte er, „Du könntest dich ziemlich übel verletzt haben.“
„Nein, es ist schon okay“ antwortete Kanade mit zittriger Stimme, „Ich denke, ich sollte jetzt lieber Nachhause gehen.“
„In Ordnung, gehen wir.“ sagte Liam und stützte Kanade.
Das Mädchen sagte nichts, obwohl sie ihre Verletzungen nicht mehr spürte. Es gefiel ihr, dass Liam ihr so nahe war. Und wenn sie nicht verwirrt über das geschehene gewesen wäre, wäre sie wohl errötet.
Doch auch Liam hing seinen Gedanken nach: „Ich könnte schwören, dass ihre Augen für einen Moment blau aufgeleuchtet haben. Ob ich mich wohl getäuscht habe?“

Kai war zuerst entsetzt, als er die blutüberströmte Kanade sah. Er bat Liam in der Bar zu warten, während er Kanade ins Badezimmer brachte. Nachdem sie sich gewaschen hatte, sah Kai dass sie vollkommen unverletzt war.
„Hat er es gesehen?“ fragte Kai schließlich.
Kanade schüttelte den Kopf und antwortete: „Nein, die Heilung war zu schnell. Ich wusste schon immer, dass kleine Verletzungen bei mir und Hibiki schnell heilen. Aber sogar derart große Verletzungen machen mir scheinbar nicht viel aus.“
Kai hatte es den Mädchen schon von kleinauf erklärt. Niemand durfte sehen, über welche Kräfte sie verfügten. Offiziell gab es seit vielen Jahren keine Chiropterans mehr, und Kai wollte, dass die USA das auch weiterhin glauben würden.
In diesem Moment läutete es an der Tür.
„Das wird wohl Hibiki sein“ meinte Kai, „Ich werde euch beiden heute etwas sehr wichtiges erklären müssen.“

„Wir sind was?“ fragte Hibiki, „Chiropterans?“
Kanade war ebenso überrascht, doch Kai verzog keine Miene. Man sah es ihm an, dass er jedes Wort vollkommen ernst meinte.
„Ihr seid keine Menschen!“ bekräftigte er, „Ihr seid Wesen die wie Menschen aussehen, aber ihr seid keine. Ich habe meiner Schwester, eurer Tante, vor vielen Jahren geschworen, dass ich auf euch achtgeben werde, dass ich euch beschützen werde. Niemand darf wissen, was ihr wirklich seid.“
„Ich kann das nicht glauben“ klagte Hibiki und ihre Augen leuchteten vor Zorn rot auf, „Das ist bestimmt nur ein Scherz von dir. Hör damit auf, Onkel Kai.“
„Schwester, es ist wahr.“ sagte Kanade leise und senkte den Blick.
„Mach du jetzt nicht auch noch mit!“ fauchte Hibiki und stand auf.
Kanade nahm eine Schere, die neben ihr auf dem Tisch lag, und schnitt mit einer der scharfen Seiten über Hibikis Handrücken. Das junge Mädchen schrie auf und hielt sich die Hand auf ihre Wunde.
„Warum hast du...“ begann sie, doch Kanades Stimme unterbrach sie: „Sieh hin!“
Hibiki sah auf ihren Handrücken... und innerhalb weniger Sekunden verschwand die Verletzung.
„Aber... das ist doch...“ hauchte das Mädchen erstaunt und starrte auf ihre Hand, als wäre sie ein fremdes Objekt, etwas, was nicht zu ihrem Körper gehörte.
„Es ist wahr“ sagte Kanade noch einmal, „Aber jetzt würde ich gerne wissen, woher wir kommen. Wer sind unsere Eltern? Waren sie auch schon Chiropterans? Gibt es noch andere Wesen wie uns?“
„Ja, eure Eltern waren auch wie ihr“ antwortete Kai, „Mehr kann ich euch zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Woher ihr kommt, das konnte noch nicht einmal der Wissenschaftler herausfinden, der eure Mutter und eure Tante bei sich aufgenommen hat, um mit ihnen zu forschen. Aber außer euch gibt es nur noch eure Tante, die jetzt ihren langen Schlaf hält, und ihren Begleiter. Ein Mann namens Hagi.“
Die drei sprachen noch lange weiter. Keiner von ihnen wusste, dass sie beobachtet wurden.

Aston Collins saß in seinem Auto und schaute auf das hell erleuchtete Fenster über dem Gasthaus. Er hatte solange nach den Kindern von Diva gesucht, dass er die Hoffnung sie zu finden, fast aufgegeben hätte. Aber eben nur fast. Zu groß war sein Bestreben, den Nobelpreis zu gewinnen und ein wirklich berühmter Forscher zu werden, als dass er jemals hätte aufgeben können. Erst vor Kurzem war ihm der rettende Einfall gekommen. Er wusste, dass Kai Miyagusuku auf Okinawa lebte. Und so war auch er hierhergekommen und hatte sich umgesehen. Die beiden Mädchen sahen ihrer Mutter wirklich ziemlich ähnlich, was es ihm umso leichter machte, sie zu finden. Der Forscher zeigte ein freudloses Lächeln. Bald schon würde er seinen lange erhofften Durchbruch erzielen. Denn bald schon würde er den entscheidenden Schlüssel für seine Forschungen in den Händen halten. Die beiden Mädchen.

Am nächsten Morgen saßen Kanade und Hibiki im Stadtpark und schlenderten gemächlich über die Wiese. Für gewöhnlich würden sie jetzt mit Liam spielen, oder mit dem erst zehnjährigen Sohn von Akihiro und Mao, häufig spielten sie sogar zu viert. Doch die Informationen, welche die beiden Schwestern am Vortag bekommen hatten, gaben ihnen zu denken.
„Wie sollen wir mit den anderen Leuten umgehen?“ fragte Kanade, „Immerhin müssen wir ihnen nun etwas vormachen. Sie werden uns für Menschen halten, obwohl wir keine sind.“
„Das sehe ich als geringes Problem“ entgegnete Hibiki, „Schließlich waren wir schon immer Chiropterans, und sind nicht erst letzte Nacht zu welchen geworden. Können wir so wie bisher leben? Was ist, wenn unser Geheimnis irgendwann herauskommt? Wenn eine von uns eine Weile lang keine Infusionen mehr bekommt, und dann... ja, was passiert dann eigentlich? Wie lange dauert es, bis auffällt, dass wir nicht älter werden?“
„Müssen wir jetzt jeden Tag aufpassen, dass keiner jemals unser Geheimnis erfährt? Onkel Kai sagte doch, dass das US-Militär schon einmal Chiropterans als Waffen benutzen wollte.“ gab Kanade zu bedenken.
„Autsch“ meinte Hibiki plötzlich, „Ich glaube, mich hat etwas gestochen.“
„Mich auch, Schwester.“ sagte Kanade und tastete nach der schmerzhaften Stelle.
Ungläubig zog sie einen Betäubungspfeil aus ihrem Oberschenkel. Hibiki tastete nach ihrer Schulter und zog auch da einen Betäubungspfeil heraus.
„Was hat das zu bedeuten?“ fragte Hibiki und wurde ohnmächtig.
Zugleich schwanden auch Kanade die Sinne.

„Kanade, Kanade, wach auf“ hallte Hibikis Stimme durch das Bewusstsein ihrer Schwester, „Du musst aufwachen, schnell.“
Langsam kam die junge Chiropteran wieder zu sich. Kanade wollte sich bewegen, doch dann merkte sie, dass ihre Hände mit schweren Ketten gefesselt waren. Hektisch sah sich das Mädchen um. Offenbar befand sie sich in einer kleinen Privatwohnung. Nur dass diese überhaupt nicht wohnlich eingerichtet war. In dem Raum in dem sie sich befand, stand zwei große, schwere Holztische. Eben jene, an denen Kanade und Hibiki gefesselt waren. An der Wand befand sich noch ein kleines Regal, auf welchem sich Operationsbesteck befand, zusammen mit einigen Reagenzgläsern und anderen Behältnissen.
„Sieh an, nun ist auch schon die zweite Königin aufgewacht.“ stellte ein Mann fest, der soeben das Zimmer betrat.
Er hatte einen strengen, zugleich aber auch abfälligen Blick. Außerdem trug er einen feinen Anzug. Er machte einen überaus gepflegten Eindruck, was aber nicht darüber hinwegtäuschte, dass er nicht mehr der Jüngste war. Sein Haar wirkte angegraut und sein Gesicht zeigte erste Falten.
„Was haben Sie mit uns vor?“ schrie Hibiki und zerrte an ihren Ketten, doch diese gaben nicht nach.
„Nur die Ruhe, kleine Königin“ antwortete er und grinste höhnisch, „Die Ketten sind stark genug, um einen Chiropteran zu bändigen. Ich habe nichts dem Zufall überlassen, um an euch heranzukommen.“
„Was haben Sie denn mit uns vor?“ erkundigte sich Kanade. Sie versuchte, mutig zu klingen, doch Hibiki hörte, dass ihre Stimme zitterte.
„Ihr werdet mir helfen, meine Forschungen voranzutreiben. Ihr werdet der Schlüssel sein, der mir schließlich zum Durchbruch verhilft. Darauf solltet ihr stolz sein. Ich, Aston Collins, werde berühmt werden. Und diesen Ruhm werde ich lange genießen dürfen.“ redete der Entführer.
„Wir sind nur zwei ganz normale Mädchen“ sagte Hibiki, „Sie sind wohl verrückt. Wozu können Sie uns schon brauchen?“
„Versuch es gar nicht erst“ meinte Collins, „Denkt ihr, ich weiß nicht Bescheid? Ihr beide seid Chiropterans. Die beiden bösen Königinnen der neuen Generation.“
Die beiden Mädchen schwiegen. Dann ergriff Kanade das Wort: „Wir sind nicht böse. Wir haben noch nie irgendwem etwas zuleide getan.“
„Oh, das werdet ihr aber“ entgegnete der Wissenschaftler, „Darauf könnt ihr wetten! Das liegt eben in eurer Natur. Das Beste wäre es also, wenn ihr gar nicht erst dagegen ankämpft. Eure Tante und eure Mutter waren da nicht anders.“
„Was wissen Sie denn schon über sie?“ schrie Kanade aufgebracht.
„Oh, so einiges“ kam die Antwort, „So einiges.“
Die Mädchen sagten nichts. Aston ließ einige Momente verstreichen, und sagte dann mit hämischem Tonfall: „Eure Mutter, Diva, war eine grausame Mörderin. Sie hatte niemals Mitleid mit ihren Opfern, sie hat dutzende Menschen gnadenlos umgebracht. Das Töten hat ihr Spaß gemacht. Selbst wenn einer ihrer Vertrauen starb, jemand, den sie selbst zu einem Chiropteran gemacht hatte, hat ihr das wenig bedeutet. Sie hatte mehrere Männer, was natürlich nichts Verwerfliches ist. Doch nicht jeder von ihnen hat sich freiwillig auf sie eingelassen. Der Junge der euch gezeugt hat, hat es jedenfalls nicht.“
Als Kanade und Hibiki noch immer nichts sagten, fuhr er fort: „Eure Tante hingegen hat sich wenigstens um dem Anschein bemüht, kein Monster zu sein. Sie war die meiste Zeit über eigenwillig und idealistisch, nein, sagen wir besser, selbstgerecht. Sie hat viele Chiropterans – ihre eigenen Artgenossen – getötet. Allerdings tötete sie im Wahn auch viele Menschen, damals während des Vietnamkriegs. Und sie war es auch, die eure Tante überhaupt erst aus ihrem Käfig befreite. Ohne die Hilfe von Saya, wäre Diva niemals freigekommen, und hätte auch niemals zahlreiche Menschen töten können.“
Hibiki sagte nichts. Doch Kanade blieb nicht still: „Das glaube ich nicht! Das ist eine Lüge!“
„Vielleicht solltest du darüber nachdenken, warum ich euch das überhaupt erzählt habe“ erwiderte Collins, „Für meinen Plan ist es nicht von Bedeutung, was ihr glaubt und was nicht, oder ob ihr freiwillig mitmacht.“
Der Wissenschaftler wartete noch einen Moment. Dann holte er eine Spritze aus seiner Tasche und stach diese in Hibikis Bein. Das Mädchen schrie auf, doch Collins nahm ihr Blut ab und verließ den Raum. Kaum dass die Spritze nicht mehr im Bein war, verheilte die Wunde auch schon.
„Das Blut von nur einer Königin reicht vollkommen aus“ rief er über seine Schulter zu den Mädchen, „Allerdings könnt ihr beide euch darauf einstellen, viel Zeit in Labors zu verbringen. Kreaturen wie ihr müssen schließlich gründlich erforscht werden.“

Die beiden Schwestern hörten, wie er sich in einen anderen Raum begab. Sie selbst blieben gefesselt zurück. Plötzlich ertönte ein heftiges Pochen an der Tür. Es wurde immer stärker, und schließlich gab die Tür nach. Kai sprang in den Raum, dicht gefolgt von David. Er überblickte schnell die Situation, dann trat er an die Tische, auf welchen die beiden Schwestern gefesselt lagen. Er zielte mit seiner Pistole auf die Ketten und schoss diese entzwei. Zuerst befreite er Kanade, dann Hibiki. Kaum dass die Mädchen frei waren, fielen sie ihm schluchzend um den Hals.
„Wie hast du uns gefunden?“ wollte Hibiki schließlich wissen.
„Ihr beide habt Handys“ erklärte Kai, „Und Lewis ist ein Experte darin, sich in bestimmte Systeme einzuhacken. Nur ein Funkturm in der Nähe ist notwendig, und schon kann ein Handy praktisch zum Peilsender werden.“
„Sie schon wieder!“ schrie Collins, nachdem er – angelockt durch den Lärm – in das Zimmer zurückkam, in welchem er die Mädchen gelassen hatte. Er starrte dabei David an, und seine Miene versprach pure Mordlust.
„Ich hätte es wissen müssen, dass Sie dahinterstecken“ sagte David und zog seine Waffe, „Wer sonst würde zwei Mädchen entführen, nur um seine Pläne in die Tat umzusetzen?“
„Sie sind zu spät“ höhnte der Wissenschaftler, „Ich habe aus dem Blut eines der Mädchen ein Präparat produziert, welches Delta 67 noch weit in den Schatten stellt. Alle Vorteile der Chiropterans, ohne sich in ein Monster verwandeln zu müssen. Sie können nicht gewinnen, David, diesmal nicht.“
David schoss auf ihn, und Collins unternahm keinen Versuch, in Deckung zu gehen. Die Kugeln schlugen in seine Schulter ein, und Collins schrie vor Schmerz auf. Dann lachte er. Die Kugeln fielen aus seinem Arm, und die Wunden schlossen sich. Der Wissenschaftler sprang auf David zu, so schnell, dass dieser ihn nicht kommen sah. Mit einem heftigen Schlag stieß er ihn gegen die Wand, und der ehemalige Agent sackte zu Boden.
„Jetzt werde ich dich erledigen“ drohte Collins und tat auf Kai zu, „Und die Mädchen werden mich reich und berühmt machen.“
Doch plötzlich krümmte er sich wie unter Schmerzen. Sein Körper wuchs, und seine Kleidung platzte auf. Seine Augen leuchteten rot auf, und seine Glieder verlängerten und wanden sich.
„Das darf nicht wahr sein!“ brüllte Collins mit einer Stimme, welche nur noch zur Hälfte menschlich war, „Ich habe in der Formel einen Fehler gemacht. Wie konnte das nur passieren?“
Dann ging die Veränderung weiter. Seine ganze Kleidung zerriss, und dem Wissenschaftler schwanden die Sinne. Seine menschliche Intelligenz wurde durch die wilden Instinkte eines Chiropterans ersetzt. Und auch sein Körper hatte sich nun vollkommen verwandelt.
Knurrend ging er auf Kai und die Mädchen zu. Kai richtete seine Pistole auf den neu entstandenen Chiropteran. Er schoss vier Kugeln in dessen Brust, die ihn jedoch nicht stoppen konnten. Dann legte er weitere Kugel in den Lauf, die anders gefärbt war, als die vorherigen, und schoss ein weiteres Mal. Einige Sekunden nach dem Treffer explodierte der Oberkörper des Monsters, und der Chiropteran fiel auf den Boden.
Doch er war nicht tot. Chiropterans verfügten über sehr starke Selbstheilungskräfte, und die Wundränder wuchsen bereits wieder zusammen. Die Klauen zuckten wieder, und der Chiropteran fing an zu stöhnen.
„Wessen Blut hat er genommen?“ fragte Kai die Schwestern eilig.
„Was?“ erwiderten diese wie aus einem Munde.
„Das Blut einer Königin kann die Geschöpfe der anderen Königin töten“ antwortete Kai, „Aber nur, wenn es mit deren Blut in Kontakt kommt.“
Die beiden Schwestern nickten sich zu und machten sich kampfbereit. In diesem Moment erhob sich der Chiropteran wieder. Er war nun vollkommen geheilt und brüllte zornig auf.
Hibiki sprang auf ihn zu und nahm eine der Ketten, mit denen sie und ihre Schwester zuvor gefesselt worden waren. Sie sprang auf den Rücken des Monsters, und band die Ketten um sein Maul. Doch der Chiropteran tobte und warf sie herunter. Kanade schlug das Fenster ein, und griff sich eine der Scherben. Sie umklammerte sie so fest, dass das Glas in ihre Hand schnitt und ihr Blut an der Scherbe hinunterlief.
Noch während der Chiropteran mit Hibiki beschäftigt war, griff Kanade ihn an. Sie rammte die blutige Glasscherbe in seinen Bauch. Er schrie schmerzerfüllt auf, dann warf der Chiropteran sie herunter und tobte weiter. Doch die von der Glasscherbe verursachte Wunde verheilte nicht. Sie versteinerte. Und die Versteinerung breitete sich über den Körper des Chiropterans aus. Es dauerte nur wenige Sekunden, dann war das Monster vollkommen versteinert. Kai schoss auf ihn, und die steinerne Gestalt zersprang in Dutzende Stücke.
Nun kam auch David wieder zu sich. Er sah auf die Reste des Chiropterans, und Kai nickte ihm zu. David verstand es.
Kanade sah auf ihre Hand. Nachdem sie die Scherbe losgelassen hatte, war ihre Wunde auch schon verheilt. Nachdenklich glitt ihr Blick immer wieder von ihrer Hand zu dem toten Chiropteran.
„Er wollte uns für Experimente benutzen, nur weil wir keine Menschen waren“ sagte sie leise, dann sah sie zu Kai und fuhr fort: „Kai, wer sind wir? Was sind wir?“
„Ich habe versprochen, dass ihr niemals als Waffe benutzt werden würdet“ antwortete Kai, „Und dieses Versprechen werde ich auch halten. Mir ist egal, was ihr seid. Ich weiß aber, wer ihr seid. Ihr seid meine Nichten. Und ihr seid menschlicher als solche Leute wie Collins es jemals sein könnten.“
„Ich höre schon Sirenen“ bemerkte Hibiki plötzlich, „Klar, dass die Schüsse von irgendwem gehört worden waren. Was sollen wir nur der Polizei sagen?“
„Besser, wir müssten das hier überhaupt nicht erklären“ meinte David, „Wir sollten von hier verschwinden!“
Und zu viert verließen sie den Ort schließlich.
Während die Sirenen immer näher kamen.

ENDE
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