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- Leseprobe - Nur eine Frage der Liebe

Kurzbeschreibung
LeseprobeLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
14.07.2013
03.08.2014
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14.07.2013 908
 
Er wollte sich mit Anna vor dem leerstehenden Haus treffen, in dem die Ausstellung stattfinden sollte. Andere aus ihrer Gruppe hatten keine Zeit, Bo hatte lose zugesagt, was sein Erscheinen unwahrscheinlich machte.
Anna stand schon vor dem Haus, als er näher kam. Sie trug einen knielangen, knallroten Mantel, der zu ihren langen dunklen Haaren passte. Als er sie erreicht hatte, sah er, dass ihre Lippen passend zum Mantel in feuerwehrrot glänzten. Er umarmte sie und Anna küsste ihn auf die Wange.
“Na toll, was sollen die Leute jetzt denken?”
“Kussecht, keine Sorge.”
“Küss doch lieber …”, er sah sich um, “die da.” Er deutete zu einer Frau in einem schwarzen Kleid, die dazu ein weinrotes Mieder und hohe Stiefel trug.
“Kein schlechter Geschmack.” Anna hakte sich bei ihm ein und warf der Frau ein strahlendes Lächeln zu. “Und wo ist dein Herzbube?”
“Du weißt doch, dass Seth …”
“… nie nach Berlin kommt.”
“Das stimmt so nicht.”
“Naja. Ich meinte allerdings den Galeristen. “
“Red doch keinen Quatsch.”
“Wir werden ja sehen”, Anna lachte und hängte sich bei ihm ein. Sie betraten das Gebäude und sahen sich um. Die Wände des leerstehenden Hauses waren mit unterschiedlichen Farbschichten und Tapetenresten überzogen. Von den Fensterrahmen splitterte der mürbe Lack. Die Räume waren mit Baulampen und Kerzen erleuchtet, an den Wänden hingen Bilder und Fotos, auch einige Skulpturen standen herum.
Sie holten sich ein Glas Sekt und gingen dann weiter. Durch eine offene Schiebetür sah er Christoph in einem anderen Raum stehen. Er stieß Anna an, die seinem Blick folgte. “Da ist er.”
“Nicht schlecht”, sagte sie.
“Vor allem will er uns eine Ausstellung vermitteln.” Sie gingen hinüber, Christoph sah ihn und kam auf sie zu.
“Guten Abend”, er gab Christoph die Hand, “das ist Anna.”
“Freut mich sehr. Schön das ihr kommen konntet.”
“Wie gefällt Ihnen die Ausstellung?”, fragte er Christoph.
“Wir können doch du sagen.”
“Gern, Phillip”, er hielt Christoph sein Sektglas hin und sie stießen an. Christoph trug ein violettes Hemd, das gut zu sein grauen Haaren passt.
“Habt ihr euch schon umgesehen?”
“Nein, wir sind gerade erst gekommen.”
“Bisher gefallen mir die Fotos da am besten”, Christoph deutete hin und sie folgten ihm, “ein brasilianischer Fotograf.” Phillip betrachtete die Fotos. Sie zeigten junge Menschen in einem Hotelzimmer, allein, zu zweit, zu viert. Die Bilder waren in ein warmes Licht getaucht und von Melancholie durchzogen.
“Ja, sehr natürlich, keine Models oder so. Irgendwie erinnern sie mich an einen Film aus Südamerika”, sagte Phillip.
“Kann sein”, Christoph nippte an seinem Sekt und sah ihn von der Seite an.
“Stellst du so etwas auch bei dir aus?”, fragte Anna ihn.
“Nein, ich bin auf Malerei spezialisiert. Zeitgenössische Künstler. Was sagst du zu diesen Bildern?” Christoph führte sie weiter und blieb vor großen Bildern mit leuchtenden Farben stehen. Ein grünes faunisches Wesen, dem eine Frau über die Schulter blickte. Eine blaue Schimäre mit kleinen Brüsten und fesselndem Blick. Zwei afrikanische Mädchen, deren Zöpfe sie umschlangen und miteinander verbanden. Phillip betrachtete jedes einzelne Bild, während Christoph dicht bei ihm stand. Anna las die Angaben über die Künstlerin.
“Entschuldigt mich, ich muss noch mit jemandem reden”, sagte Christoph nach einer Weile, “Seht euch um, es ist eine fantastische Ausstellung. Nachher stelle ich euch vor.”
“Ist das der Stil, den er in seiner Galerie zeigt?”, fragte Anna, als er gegangen war.
“Nein, überhaupt nicht. Zumindest was da zur Zeit hängt ... frag mich nicht. Strichmännchen und abstrakte Linien.”
“Verstehe.” Anna betrachtete fasziniert die Gemälde, ging dann langsam weiter. “Ob die Malerin hier ist?”
“Kann schon sein. Vielleicht weiß Christoph das.”
“Er ist nett jedenfalls.”
“Sag ich doch.” Sie gingen langsam durch die Räume. Bei den Gemälden und Zeichnungen waren sie sich meistens einig, aber bei den Fotos hatten sie unterschiedliche Ansichten. Schließlich blieben sie vor einer filigranen Skulptur stehen, in der sich Metall und polierte Holzschiffchen zu einer schwebenden Konstruktion verbanden.
Christoph trat leise neben sie. “Das hat eine Freundin von mir gemacht, Eva Wanjak.”
“Es gefällt mir sehr”, sagte Anna, und fuhr mit dem Finger über den Sockel.
“Ist diese Malerin da?”, Phillip deutete auf die Bilder, die sie zuvor betrachtet hatten.
“Ich glaube schon, wir suchen Sie dann. Aber jetzt kommt erstmal.”
Sie folgten Christoph, der sie zwei junge Typen mit Bärten und Pflöcken in den Ohren vorstellte. Sie zeigten ihnen den Flyer und einiges Material zu den Arbeiten ihrer Gruppe.
“Davon können wir sicher einiges in die nächste Ausstellung nehmen”, sagte der eine. Sie tauschten Kontaktdaten und verabredeten, dass Phillip einige Bilder bei Christoph vorbeibringen würde.
“Cool”, sagte Anna, als sie gegangen waren, und umarmte Phillip. Er überlegte kurz, auch Christoph zu umarmen, so sehr freute er sich, ließ es aber.
“Danke, das ist toll”, sagte er stattdessen.
“Keine Ursache. Eure Sachen sind wirklich gut.” Sie holten sich noch einmal Sekt und stießen an. Anschließend gingen sie herum und suchten die Malerin der großformatigen Gemälde, aber sie war nicht zu finden. Also sprachen sie über einige Ausstellungsstücke, bis Christoph sich verabschiedete, weil er gehen wollte.
“Wir kommen mit”, sagte Phillip.
“Ach so?”, meinte Anna.
“Bleibt nur noch ein bisschen.” Christoph gab Anna und ihm die Hand und verabschiedete sich.
“Das war unhöflich”, sagte er, als Christoph verschwunden war.
“Ja, von dir, du wusstest doch gar nicht, ob ich gehen will. Komm, die Frau, die wir vor dem Eingang gesehen haben, ist noch da.” Anna hielt ihm die Hand hin.
“Die mit dem Mieder?” Er nahm die angebotene Hand und folgte Anna in einen anderen Raum.
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