- Leseprobe - Nur eine Frage der Liebe

LeseprobeRomanze / P16 Slash
14.07.2013
03.08.2014
7
9052
1
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82 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
 
Die Geschichte wurde von 7/2013 bis 8/2014 auf Fanfiktion veröffentlicht und stand bis 11/2014 komplett online.

Der Roman ist im August 2014 erschienen, u.a. bei Amazon: http://www.amazon.de/Nur-eine-Frage-Liebe-Walther-ebook/dp/B00S3VMRFY/

"Nur eine Frage der Liebe" ist eine Fortsetzung meines dritten Romans "Phillips Bilder", es geht aber um ein neues Thema und das Verständnis der Geschichte ist auch ohne die Vorgeschichte problemlos möglich.

Als der junge Fotografiestudent Phillip den 26 Jahre älteren Galeristen Christoph kennenlernt, wird aus Sympathie schnell Freundschaft. Doch eigentlich ist da ein Knistern zwischen ihnen, eine Anziehung, der sich beide auf Dauer nicht entziehen können. Vor allem Phillip hat Bedenken - gibt er ihrer ungewöhnlichen Liebe eine Chance?

Viel Spaß!



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Phillip betrachtete sich in der Glastür eines vornehmen Hauseingangs, seine schwarzen Chinos, die graue Caban-Jacke, es stand ihm. Er schob die große Sonnenbrille hoch in seine Locken, die üppig sein Gesicht umrahmten. Er sah gut aus und er konnte das Selbstbewusstsein brauchen, das er aus seinem Anblick zog. Er nickte sich selbst zu und ging weiter, schnell an einigen Häusern vorbei. Da war es, ein großes Fenster, weiße Wände und Gemälde.
Ohne zu verweilen betrat Phillip die Galerie und warf einen flüchtigen Blick auf die Bilder im ersten Raum. Kräftige Farben, die sich in mäandernden Linien über groben Untergrund wanden. Er gelangte in einen zweiten Raum, der sich lang nach hinten erstreckte. Am anderen Ende saß ein Mann an einem Schreibtisch, der kurz aufblickte und Hallo sagte.
“Hallo”, er betrachtete die Bilder in diesem Raum, teerschwarze Flächen, aus denen Strichmännchen ausgekratzt waren. Im Augenwinkel musterte er den Mann, der jetzt wieder in seinen Laptop tippte. Er war älter, vielleicht fünfzig oder Mitte vierzig, aber attraktiv, mit sehr kurzen grauen Haaren und einem Dreitagebart.
Phillip stellte sich vor ein weiteres Bild und warf noch einen Blick auf den Mann. Ein helles Hemd, eine modische Brille, aber das war alles egal. Der Mann sah nett aus und Phillip sollte ihn jetzt ansprechen. Er atmete tief ein und ging zum Schreibtisch. “Hi.”
Der Galerist schaute auf. “Was kann ich für Sie tun?” Er lächelte, sah wirklich freundlich aus.
“Ich vertrete eine Künstlergruppe, hauptsächlich Studenten.” Phillip zog einen Flyer aus der Umhängetasche und hielt ihn hin. “Wir suchen eine Ausstellungsmöglichkeit.” Der Flyer sah professionell aus, das wusste er, eine Grafikstudentin hatte ihn gestaltet. Er hoffte, dass er sich nicht lächerlich machte.
“Malerei, Grafik und Fotografie”, las der Mann vor. “In welchem Semester sind Sie?”
“Im dritten”, antwortete er kleinlaut. “Die Malerin hier”, er deutete auf den Flyer, sie ist keine Studentin mehr, sie malt schon lange.”
“Sind Sie auch online?”
“Nein, noch nicht”, sein Optimismus sank.
“Welche sind von Ihnen?”
“Diese Fotos”, er tippte sie auf dem Flyer an. “Ich habe auch eine Website.”
“Zeigen Sie.” Der Galerist drehte den Laptop ein Stück und machte eine einladende Geste. Phillip stellte seine Tasche auf den Boden und trat an die Seite des Tisches. Schnell tippte er seine Adresse ein.
“Phillip Wedekind”, las der Mann.
“Ja.”
“Christoph Lauterbach”, er schob eine Visitenkarte über die Glasfläche des Tisches.
“Danke”, die Karte war schlicht gestaltet, aber auf schweres, edles Papier gedruckt. Christoph betrachtete die ersten Fotos, die alte Fabrik und ein paar Naturaufnahmen. Nicht sehr beeindruckend, diese Fotos waren auch schon zwei Jahre alt. Christoph warf ihm einen kurzen Blick zu, den er nicht deuten konnte, dann klickte er weiter.
Seth, Seth auf der Wiese, mit nacktem Oberkörper, seine blonden Dreads zurückgebunden, dann in der Hängematte. Christoph betrachtete die Bilder in Ruhe, jedes einzelne. Vielleicht war er ja … Phillip warf einen neugierigen Blick auf ihn. Er war attraktiv und sehr gepflegt, kein Ehering. Nicht, dass das viel zu heißen hatte, aber er könnte es versuchen. Er trat näher zu Christoph, sein Unterarm streifte seine Schulter.
“Das ist Seth”, sagte er betont.
“Ah ja.” Christoph klickte schnell weiter. Anna, in einem fließenden türkisblauen Kleid, mitten in der hohen Wiese.
“Das ist Anna, die Malerin, die mit in der Gruppe ist.” Und seine verdammten Schnappschüsse würden bestimmt keinen Galeristen beeindrucken. Vielleicht wenn Seth ganz nackt gewesen wäre, er grinste.
Christoph betrachtete das nächste Foto. Anna in der Fabrik zwischen ihren Bildern. “Sie arbeitet sehr grafisch. “
“Ja, sie sagt, es ist ihr Medium. Dass es nicht so angesehen ist, aber sie kann nicht anders.“ Was für Mist er redete. Christoph sah ihn forschend an und Phillip lächelte möglichst verführerisch und sah ihm in die Augen.
“Ich weiß, was Sie meinen“, sagte Christoph leise und schaute zu den Bildern an der Wand. Dann klickte er weiter.
Kühle Großstadtfotos, die er im ersten Semester gemacht hatte. Nicht schlecht eigentlich.
“Hm”, Christoph betrachtete noch einmal den Flyer. “Sehen Sie, ich kann so etwas nicht hier machen, nicht in der Galerie. Aber ich kooperiere mit einer Initiative, sie organisieren Ausstellungen in leerstehenden Gebäuden. Hier”, er zog einen Flyer aus der Schreibtischablage, “da werden ganz unterschiedliche, vor allem junge Künstler ausgestellt.”
“Klingt toll.” Er schlug den Flyer auf.
“Am Samstag ist eine Vernissage. Warum kommen nicht Sie und ein paar aus der Gruppe hin? Dann können Sie mit den Organisatoren sprechen. “
“Das wäre super”, er lächelte Christoph offen an und war einen Moment versucht, ihm die Hand auf die Schulter zu legen. Nicht um seine unbeholfenen, strategischen Flirtversuche fortzusetzen, sondern weil es sich passend angefühlt hätte.
“Die Adresse steht im Flyer. Ich mache sie dann bekannt.”
“Wir kommen auf alle Fälle.” Immer noch dieser Drang, die Hand auf seine Schulter zu legen. Christoph war ja auch sehr nett gewesen. Er erhob sich. Phillip bemerkte, dass er fast genauso groß war. Sie sahen sich an, Christoph gab ihm die Hand.
“Also, danke. Bis Samstag!” Er nahm seine Tasche und ging. Als er die Galerie verlassen hatte, lief er bis zu einer kleinen Parkfläche. Er hielt sein Gesicht in die Sonne, die Aprilsonne wärmte endlich, die Bäume zeigten zartes Grün. Als er sich auf eine Bank gesetzt hatte, rief er Anna an.
“Hey, wie ist es gelaufen?”, begrüßte sie ihn.
“Ganz gut. In der Galerie nicht, hätte mich auch gewundert, aber er kennt da eine Gruppe, die Ausstellungen macht. Er will vermitteln.”
“Klingt gut.”
“Samstag haben die eine Vernissage. Kommst du mit?”
“Klar, Phillip. Das war mutig.”
“Ich habe ein bisschen mit dem geflirtet.”
“Echt? Ist er …”
“Keine Ahnung. Vielleicht.”
“Du solltest doch nur fragen.”
“Was heißt geflirtet. Hab’s versucht …”
“Wie alt ist er denn?”
“Ach, fünfzig oder so, vergiss es. Aber er sieht gut aus für sein Alter. Keine schlechte Figur.”
Anna lachte leise. “Hat er ‘ne Schwester?”
“Vielleicht ist er eine.”
Anna lachte lauter. “Wir werden das in Augenschein nehmen.”
“Jedenfalls ist er sehr nett.”
“Ist gut, ich bin gespannt, Süßer.”
Er stimmte Anna zu und verabschiedete sich von ihr. Dann ging er um den Platz, in dessen Beeten Tulpen wuchsen, und genoss die Sonne. Er schob seine Sonnenbrille wieder auf die Nase und schlenderte durch einige Straßen, müßig und zufrieden mit sich. Er blickte in Schaufenster, aber er betrat kein Geschäft. Die Preise in Charlottenburg waren eindeutig über seinem Studenteneinkommen.
Nachdem er sich einen Kaffee zum Mitnehmen geholt hatte, steuerte er die U-Bahn an, um zurück nach Prenzlberg zu fahren.