Düstere Herzen

GeschichteDrama, Thriller / P16 Slash
Akira Albitro Gunji Keisuke Rin Shiki
13.07.2013
03.07.2014
3
6.009
 
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13.07.2013 2.356
 
Akira sah sich ein wenig verwirrt im Kolosseum um. Er begriff nicht wirklich, wieso er hier war. Von der Loge aus, sahen Arbitro und sein üblicher Anhang auf ihn hinunter, erwartungsvoll und ein wenig ungeduldig, so, als würde er mit etwas trödeln. Schließlich klatschte der blonde Anführer lautstark in die Hände und lächelte ihn ein wenig väterlich an.
„Also, Akira, bist du bereit?“
Akira stemmte eine Hand in seine Hüfte und hob eine schmale, silbrige Augenbraue.
„Bereit? Wofür bereit?“
Nun sah ihn Arbitro an, als hätte er ihn gefragt, ob die Erde rund sei. „Bereit für deine Prüfung! Schließlich müssen wir überprüfen, ob du für unser kleines Spiel auch wirklich geeignet bist. Nun“, er wandte sich an Gunji und Kiriwar. „Wer von euch möchte das übernehmen?“
Akira blieb spontan die Spucke weg. Er wurde geprüft? Von einem dieser beiden Verrückten? Super. Ganz großes Kino. Am besten fing er schon einmal an seine Körperteile zu nummerieren.
Arbitro lächelte seine beiden Schergen an und verengte mit einem Mal die Augen.
„Oder machen wir uns einen Spaß und rufen Shiki?“
„Willst du den Kleinen umbringen?“, fragte Kiriwar und warf einen etwas abschätzigen Blick auf den jungen Mann, in der Mitte der Arena. „Der besteht doch keine Sekunde gegen Shiki.“
Akira spürte wie seine Wangen heiß wurden, und er sah schnell zu Boden. Allein der Gedanke an die gnadenlosen, blutroten Augen verursachte ihm eine Gänsehaut, und ein nagendes Schamgefühl in seiner Brust, wenn er daran dachte, wie er bei dem Kampf gegen den Schwarzhaarigen versagt hatte.
„Nein, umbringen will ich ihn nicht!“ Der Blonde klang gerade entsetzt. „Nein, da wäre ja eine Verschwendung seines schönen Körpers.“
Nun klang er eher verträumt als entsetzt.
Gunji grinste breit. „Lass mich gegen ihn kämpfen, Boss! Wenn er verliert, bekommst du ihn als neues Haustier.“
Bei diesen Worten schnellte Kaus Kopf empor. Bis jetzt hatte er ruhig neben Arbitros Thron gesessen, doch bei dem Gedanken, dass sein Meister, sein geliebter Meister, jemand anderen als ihn lieben würde, fing sein Blut an zu kochen.
Hastig stupste er seinen Meister an, verlangte nach seiner Aufmerksamkeit, die Arbitro ihm auch bereitwillig schenkte.
„Was ist denn mein Schatz?“ Liebevoll tätschelte er den Kopf seines Lieblings. „Was willst du denn?“
Kau wies mit dem Kopf in die Richtung, aus der Akiras Geruch am stärksten drang und wimmerte leise, das einzige Geräusch, das er mit seinen zerstörten Stimmbändern noch zuwege brachte.
Nun schien Arbitro zu verstehen. „Willst du gegen Akira kämpfen, mein Augenstern?“ Kau nickte heftig, und sein Meister gab ihm einen sanften Klaps auf seine gefesselten Arme. „Gut, wenn du das möchtest.“
Gunji schüttelte den Kopf. „Gerade hast du noch gesagt, du willst ihn nicht umbringen, und jetzt willst du Tama auf ihn loslassen? Macht irgendwie keinen Sinn.“

Akira lauschte der Konversation mit hochgezogenen Augenbrauen. Das einzige, was für ihn keinen Sinn ergab war, dass nun Arbitros seltsames Lack-und Leder-Haustier gegen ihn kämpfen sollte. Wollten sie ihn veräppeln? Wie sollte dieser verstümmelte Junge gegen ihn auch nur den Hauch einer Chance haben?
Das erschien ihm eher eine Beleidigung seiner Kampfkünste zu sein, als eine Vorzugsbehandlung. Währenddessen leckte sich Gunji erwartungsvoll die Lippen.
„Dein kleines Schoßtier gegen diese Straßenkatze! Das wird ein Spaß!“
Arbitro packte Kaus Leine fester und zog ihn vorsichtig in Richtung der Treppe, die von der Loge zur Arena führte. Kau folgte ihm bereitwillig, ja geradezu begeistert, während Akira das seltsame Pärchen mit misstrauisch zusammengekniffenen Augen beobachtete.
Er traute der ganzen Sache nicht. War das eine Falle? Arbitro musste doch wissen, dass sein kostbares Haustier gegen ihn keine Chance haben konnte, gegen ihn, den Bl@ster-Champion. Allerdings schien das den blonden Drogenbaron nicht zu kümmern. Er stand am Rand der Arena, Kaus Leine lose in der Hand, und bedeutete seinen Handlangern zu ihm zu kommen.
Gunji und Kiriwar folgten der stummen Aufforderung, ohne zu zögern, und stellten sich ein, zwei Schritte hinter Akira auf, so als wollten sie ihn an der Flucht hindern. Der Grauhaarige dachte jedoch gar nicht daran zu fliehen; das was gerade geschah war viel zu interessant für ihn.
Arbitro zog eine dünner Silberkette aus seinem Ausschnitt, nicht unähnlich den Ketten für die Spielmarken, an der ein kleiner Schlüssel hing. Damit öffnete er die Schlösser an Kaus Kandare und Ärmeln, sodass er sie nun wieder frei bewegen konnte. Als nächstes öffnete er die Schnallen an seinem Oberteil und half ihm es abzustreifen. Akiras Augen weiteten sich als er sah, wie stark sich Rippen und Schulterblätter unter der blassen Haut abzeichneten, besonders als er sich bewegte, langsam und etwas unsicher aufstand und den Rücken gerademachte. Als er das tat knackte es so laut, dass Akira befürchtete, er habe sich das Rückgrat gebrochen, doch es ging ihm anscheinend gut.
Kaus Lederhandschuhe und sein Gürtel fielen achtlos zu Boden, genauso wie seine Stiefel. Langsam wurden Akiras Ohren warm. Er würde doch nicht etwa…? Doch, er würde. Und er tat es gerade. Völlig ungeniert streifte sich Arbitros Haustier seine enge Lederhose ab, obwohl ihm vier Menschen dabei zusahen, von denen er einen nicht mal wirklich kannte.
Ehe Akira jedoch irgendetwas Verfängliches sehen konnte, legte ihm Gunji eine Hand auf die Augen und flüsterte ihm ins Ohr: „Das ist privat Kitty. Da darf nur der Boss hingucken.“
Ergeben fügte sich Akira seinem Schicksal und wartete ab. Er hörte das leise Rascheln von Kleidung, sowie ein Klirren, das wahrscheinlich entstand als Arbitro Kaus Lederkleider wegräumte. Als Gunji schließlich seine Hand wegnahm keuchte Akira überrascht auf. Kau stand barfuß am Rand der Arena, nur mit einem schwarzen T-Shirt und weiten Shorts bekleidet, die ihn verdächtig an die von Rin erinnerten. Arbitro stand hinter ihm und nestelte an seiner Augenbinde herum, die schließlich denselben Weg nahm wie den Rest seiner Kleider und einfach zu Boden fiel.

Langsam hob Kau den Kopf, drehte sein Gesicht in die Richtung in der er Akira vermutete, und öffnete die Augen. Sie waren von einem milchigen Grün, ein Grün in dem die Pupille praktisch nicht zu erkennen war. Als er sich abermals streckte und erneut das Knacken von Knochen erklang, wurde Akira erst bewusst wie sehnig und geschmeidig Kaus Körper war.
Erwartungsvoll leckte sich der Schoßhund die Lippen und wollte sich anscheinend auf Akira stürzen, doch eher er das tun konnte packte ihn Arbitro am Kragen.
„Na na, nicht so ungeduldig mein Liebling.“ Er ließ ihn los und wandte sich einem Schrank zu, der halb vom Schatten der Loge verdeckt wurde und deswegen von Akira noch nicht bemerkt worden war. „Wir sind hier schließlich bei Igra, nicht bei Bl@ster. Hier wird nicht ohne Waffen gekämpft.“
Die Schranktüren schwangen lautlos auf und enthüllten etwas, dass Akiras Augengröße beinahe verdoppelte: eine elegant geschwungene Sense, deren fast ein Meter lange, elegant geschwungene Klinge im Lampenlicht glitzerte.


Akiras Mund war staubtrocken. Endlich begriff er vollkommen, wieso Gunji Kau für so gefährlich hielt, und ihm gefiel der Gedanke überhaupt nicht, dass er gegen so jemanden kämpfen sollte. Hätte er wählen können, hätte er nun am liebsten Gunji herausgefordert. Der Blonde war zwar verrückt und unberechenbar, doch wahrscheinlich ein angenehmerer Gegner, als Arbitros aggressives Haustier. Kau wog die schwere Sense in den Händen, schien das Gefühl, seine Waffe endlich wieder tragen zu können, regelrecht zu genießen. Arbitro beugte sich vor, schob ihm das Haar aus dem Gesicht und küsste ihn zärtlich auf die Stirn. „Verletz dich nicht mein Liebling. Und lass Akira bitte am Leben.“ Mit diesen Worten zog er sich zurück, gefolgt von Kiriwar und Gunji, die das Spektakel von der Loge aus verfolgen wollten. Kau legte den Kopf schief und lauschte. Seine toten Augen waren dabei immer noch weit offen und schienen Akira direkt anzustarren, obwohl sie vollkommen unfokussiert waren. Schnell zog der Grauhaarige sein Messer und stellte sich in Position, bereit für Kaus Angriff. Inzwischen war sein Mund wieder etwas feuchter, trotzdem umklammerte er den Griff seiner Waffe etwas fester als gewöhnlich. Kau war ihm eindeutig nicht geheuer.


Die zierliche Stupsnase des menschlichen Schoßhundes kräuselte sich unmerklich, als er langsam den Kopf drehte und versuchte Akira eindeutig zu orten, was nicht allzu schwer war. Die meisten Menschen waren sich gar nicht bewusst wie sehr sie stanken, oder, wenn sie nicht stanken, wie sehr sie rochen. Akira stank nicht, was zumindest eine Erleichterung war, doch er roch so stark nach Haselnüssen, Schweiß und dieser eigenartigen Substanz, die er nicht identifizieren konnte, dass es absolut kein Problem für ihn war seinen Standpunkt zu bestimmen.
Lächelnd packte Kau seine Sense fester und machte einen Ausfallschritt in Akiras Richtung. Dieser hatte den Angriff bereits vorausgeahnt und schaffte es problemlos auszuweichen.

Die massive Stahlklinge der Sense krachte in den Betonboden des Kolosseums und zog eine tiefe Scharte in den grauen Stein. Ein wenig enttäuscht drehte Kau den Kopf und versuchte zu begreifen wieso er ihn verfehlt hatte. Ehe er das jedoch tun konnte, verpasste ihm Akira einen Tritt in den Rücken, der sich gewaschen hatte, sodass er nach vorne stolperte und beinahe gefallen wäre.
Arbitro schrie auf, als hätte der Tritt ihn getroffen und umklammerte die Armlehnen seines Thrones etwas fester. Kau gab Akira jedoch keine Gelegenheit seinen Angriff auszubauen, sondern zog seine Sense mit beinahe übermenschlicher Geschwindigkeit aus dem Boden. Nur durch eine etwas ungeschickte Hechtrolle konnte Akira verhindern, dass ihn die nächste Attacke sauber in zwei Hälften teilte. Der Blinde stand nun praktisch vor ihm, die schwere Waffe locker in den schlanken Händen und den Kopf neugierig zur Seite gelehnt.
Immer noch waren seine Augen weit aufgerissen und seine Lippen zu einem verträumten Lächeln verzogen. Wohlwissend, dass Kau wahrscheinlich selbst seinen Herzschlag deutlich hören konnte, versuchte Akira gar nicht erst leise zu sein, als er einen erneuten Gegenangriff startete. Seine einzige Chance war, diesen Kampf so schnell wie möglich zu beenden, ansonsten würde er entweder als Arbitros neues Haustier, oder gleich als Gulasch enden. Keine schöne Vorstellung. Anscheinend hatte Kau unterschätzt wie schnell Akira war, denn er schaffte es nicht seine Sense schnell genug zu heben, um den wohlplatzierten Schlägen und Messerstichen des Älteren auszuweichen.
Die meisten konnte er blocken, doch eine geschickt platzierte Messerattacke riss den Stoff über seiner Brust und die darunterliegende Haut zentimetertief auf. Blut spritzte über seine nackten Füße und den Boden und er riss den Mund auf, als wollte er schreien, doch kein Ton kam über seine Lippen. Beinahe hätte er vor Schreck und Schmerz seine Sense fallen lassen, doch bevor das passieren konnte, hörte er seinen Meister schreien.
„Tu ihm nicht weh!“ Arbitro stand mittlerweile am Rand der Loge, die Hände fest um das polierte Holz des Geländers gekrampft und starrte auf seinen Schützling hinunter. „Kau, zeig ihm was du kannst! Mach mich stolz!“
Die blinden Augen des Silberhaarigen begannen zu leuchten, als er diese Worte hörte. Wenn sein Meister wollte, dass er sich anstrengte, dann würde er das auch tun. Heftig rammte er Akira sein knochiges Knie in die Magengrube und stieß mit dem Griff seiner Sense in die Richtung in der er dessen Kopf vermutete. Zufällig landete er einen Volltreffer.
Der harte Holzgriff traf Akira an der Schläfe und ließ ihn Sterne sehen. Benommen taumelte er zurück und versuchte seine Orientierung wiederzugewinnen, während sich Kau bereits auf seine nächste Attacke vorbereitete. Die Sehnen an seinen Händen und Armen traten hervor als er das komplette Gewicht der Waffe über seinen Kopf stemmte und genug Schwung holte, um eine hundertjährige Eiche mittig zu spalten. Akira sah das Blitzen der Klinge nur aus dem Augenwinkel, doch seine Reflexe waren gut genug, dass er sich spontan zu Boden fallen ließ.
Auf diese Weise rasierte ihm die Sense nur ein paar Haarsträhnen ab, ließ ihn aber ansonsten unverletzt. Der Aufprall auf dem Betonboden hatte ihm alle Luft aus der Lunge gepresst, so dass er erst mal wieder zu Atem kommen musste.

Währenddessen stand Kau völlig regungslos vor ihm und versuchte zu begreifen was eigentlich passiert war. Seine Welt bestand aus Gerüchen, Geräuschen und dem was er fühlen konnte, und im Moment war sein Gegner schlichtweg von seinem Radar verschwunden. Jedoch nur für einen Moment, denn als Akira wieder einatmete, wusste er sofort wieder, wo er war.
Der Blinde lächelte zufrieden und stürzte sich auf ihn. Akira konnte gar nicht so schnell aufstehen, wie Kau bei ihm war. Kurzentschlossen setzte er sich auf die Brust des Grauhaarigen und pinnte seinen Oberkörper mit seinem reinen Körpergewicht am Boden fest. Den Griff seiner Sense packte er mit beiden Händen und nutzte ihn um Akiras Arme unten zu halten.
Sein Blut tropfte auf dessen dunkle Jacke und färbte sie langsam aber sicher rot, während sich sein Gegner heftig wehrte, doch ohne seine Arme einsetzen zu können, war er relativ wehrlos. Er schlug mit den Beinen aus, versuchte den Quälgeist von seiner Brust zu bekommen, der jedoch gar nicht daran dachte, sich zu bewegen. Kau beugte sich langsam vor und schob auch seine Hände vorsichtig nach oben, so lange bis Akiras Arme zwar wieder frei waren, doch der Griff der Sense nun direkt über seiner Kehle war und ihm, als Kau den Druck erhöhte, langsam aber sicher die Luft abdrückte. Doch da er seine Arme nun endlich wieder bewegen konnte…


Der Blinde zuckte schmerzerfüllt zusammen als Akiras Messer seinen Weg zu seiner Seite fand und ihn um einen weiteren, nicht besonders tiefen, aber langen Schnitt bereicherte. Kaus Aufmerksamkeit war für einen Moment abgelenkt, eine Gelegenheit die er sofort ausnutzte. Akira warf sich heftig herum, heftig genug, um die Last auf seiner Brust, samt Waffe, fortzuschleudern. Zu seinem Leidwesen kam sein Gegner jedoch fast sofort wieder auf die Beine, seine Sense fest umklammert und die Augen blitzend vor Zorn.
Wütend riss Kau den Mund auf, anscheinend um einen stummen Kampfschrei loszulassen, ehe er sich wieder in Position stellte und seine Waffe fester packte. Akira sah sich hastig um. Ihm musste schnell etwas einfallen, sonst war er Geschichte, das war klar wie Wasser. Das er überhaupt noch lebte war, wie bei dem Kampf gegen Shiki, wahrscheinlich nur der Tatsache zu verdanken, dass er einfach mehr Glück als Verstand hatte.
Eins wusste er sicher: er würde nicht mehr vielen Attacken standhalten können, jedenfalls nicht mit seiner momentanen Bewaffnung. Gegen Kaus Sense sah sein Messer aus, wie ein besserer Zahnstocher! Nachdem er das festgestellt hatte, konzentrierte er sich wieder auf seine unmittelbare Umgebung.
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