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Der Kuss des Kjer - Mordans Sicht des Geschehens

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Lijanas Mordan
10.07.2013
14.07.2013
6
7.073
 
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10.07.2013 1.207
 
Sie hatte es tatsächlich gewagt! Kurz nachdem Corfar mal für einen Moment zwischen den Bäumen verschwunden war, hatte er leises Rascheln von ihrer Seite des Bettes gehört und ihre hastigen Atemzüge wahrgenommen, die verrieten, wie aufgeregt sie war. Er hatte nur die Augen verdrehet. Noch auffälliger konnte sie doch kaum versuchen zu fliehen. Aber sie zeigte Mut, und Mut war aus seiner Sicht keine geringe Tugend!
Er hatte abgewartet und gelauscht, während die Heilerin sich für ihre Verhältnisse relativ lautlos aufgerappelt hatte und sich dann Richtung Wald sich gedreht hatte. In seine Richtung... Sie hatte beim ersten Schritt im letzten Moment noch einen grßen Schritt machen müssen, sonst wäre sie auf das blanke Schwert zwischen ihnen getreten. Er hörte wie sie die Luft zischend einzog. Der nächste Schritt würde sie über ihn bringen und dann auf und davon, aber soweit würde er es nicht kommen lassen!

Blitzschnell lies Mordan seine Hand vorschnellen und umfasste ihren Knöchel, worauf sie mit einem erschreckten und wahrscheinlich auch verzweifelten Keuchen aus dem Gleichgewicht kam und direkte neben ihm auf Händen und Knien unsanft auf den Bettfellen landete. Er stützte sich auf einen Ellenbogen ohne die Heilerin loszulasen, während sie sich abmühte sich aus ihrer unbequemen Position heraus zu ihm umzudrehen. Er grinste schamlos. „Wohin, Heilerin?“, erkundigte er sich ungerührt und beobachtete ihre hilflosen Gesten als sie stammelnd nach einer Erklärung suchte. Sie wusste, dass er erkannt hatte, was sie vorgehabt hatte. Es war ja auch sehr offensichtlich gewesen. Nun würde er sie etwas zappeln lassen, denn ganz ungestraft kam sie damit auch nicht davon. „Ah!“, er rappelte sich auf und bemerkte mit Genugtuen ihr verstäöndnisloses Gesicht. „Ich werde euch begleiten!“, teilte er ihr mit und lies sie los um kurz seine Stiefel anzuziehen. „Begleiten?“ Noch immer tappte die junge Frau im Dunkeln über das, was er vorhatte. „Natürlich! Es wäre doch unverzeihlich von mir euch alleine gehen zu lassen, auch wenn ihr nur eure Notdurft verrichten wollt.“, erklärte er ungerührt, während er sein Schwert von den Fellen auflas und in die Scheide schob, die er sich dann um die Hüften gürtete.

Nun sah er Erkennen und Verständnis in ihren Augen aufblitzen. „Ich kann doch auch alleine.. ich gehe nur eben zwischen die Bäume...“ wehrte die Heilerin ab. „Nein!“, bafahl Mordan und zerrte sie auch schon hinter sich her zwischen die Bäume. „So“, er zeigte auf ein Gebüsch „Ich zähle bis fünfzig, dann komme ich euch holen!“, bafahl er und sties sie leicht in Richtung des gezeigten Busches.Schon wieder begann sie zu protestieren, aber das war ihm egal, ihre Meinung zählte nicht! „Eins!“, knurrte er spöttisch und beobachtete, wie sie ihn noch einmal wütend anfunkelte und sich dann zu dem Busch vorantastete. Sie wusste, dass er von ihrem Plan zu fliehen wusste und sie nun absichtlich demütigte. Geschah der Zankhexe recht, mal was einstecken zu müssen! dachte Mordan mit Zufriedenheit.

Vielleicht sollte ich sie doch wieder fesseln und knebeln? Dann könnte ich wenigstens mal ein paar Stunden ungestört schlafen? überlegte er. Aber dann muss ich mir wieder tausende von Vorwürfen von Brachan und Levan anhören..

Er wurde erprupt von einem Geräusch neben sich aus den Gedanken gerissen und der Gruch nach Verwesung hing plötzlich in der Luft. Ein Schnüffeln und Gurgeln neben ihm und ein Huschen vor ihm ließen ihn zu seinem Schwert greifen und zu dem Busch mit der Heilerin hasten.
Die Heilerin kauerte schreckensstarr am Boden und er bemerkte, wie sie sich unmerklich an ihn drückte, als er sich mit ihr aufrichtrete. „Still!“ zischte er sie an, obwohl das unnötig war, denn in ihrem Schreck hätte Lijanas eh kein Wort rausgebracht. Er bemerkte ihr empörtes Luftschnappen, als er sie fester an seine Brust presste und zischte sie nochmal an, ehe er sich ganz langsam rückwärts mit ihr zu einem nahen Baum bewegte.Ganz langsam lies er sie an seiner Brust nach unten gleiten und hört sie schon zu einem Protest ansetzen, aber sie verstummte, als sie der Schatten zwischen den Bäumen gewahr wurde, die er schon die ganze zeit im Auge hatte. Er schob sie in einer fließenen Bewegung hinter sich und zog sein Schwert.

Die ersten der sich wie Hunde auf vier beinen bewegenden Gestalten nährte sich und die grünen Augen aus seinem Knochen-Schädel bohrten sich direkt durch ihn hindurch zu der Heilerin.
Seelenfresser..ich dachte die gibt es nur in Legenden und kindermärchen? dachte er. Und was wollen sie jetzt hier..?! fragte er sich ehe er hinter sich horchte und erschrocken bemerkte, wie die junge Frau ohne zu atmen am Baumstamm nach unten rutschte und sich vor Qualen windend auf dem Waldboden am Stamm des Baumes zu liegen kam.
Wie auf ein stilles Kommando verschwanden die unheimlichen Wesen wieder in die Nacht und mit einem letzten gruseligen Heulen, das ihm die Nackenhärchen aufstellen lies verschwandt auch der Leichengestank der Wesen langsam mit ihnen.

Er drehte sich zu der jungen Frau um, die immernoch unbeweglich, aber mit weit aufgerissenen Augen, die vor Angst glänzten, dalag. Er sank neben sie auf die Knie und tastete nach ihrem Puls. Sie lebte noch, aber die Lebenszeichen wurden schwächer... Was war bloß geschehen?! Sie durfte nicht stereben!!
Er senkte den Kopf und legte die Lippen auf ihre und zwang ihr grob seinen Atem in die Lungen, bis sie sich hustend krümmte. Maßlos erleichtert zog er sie hoch und rückte die kraftlose Gestalt der Heilerin an sich. Ihre Hand strich suchend über seine Brust und mit einem Luftanhalten bot er ihr seine Hand an, die ie sofort mit ihren Fingern umschlang. Beruhigend murmelte er und strich ihr dann unbeholfen über die Haare. Sie bagann sofort haltlos zu schluchtzen und nachdem er sie etwas von sich weggehalten hatte hob er die junge Frau auf seine Arme. Ihre Tränen benetzten seine Schulter, während er mit langen Schritten dem Lager zustrebte. Hoffentlich war dort alles in Ordnung! Mit diesem Gedanken konnte er den Schmerz in seinem Herzen, wenn er die Heilerin weinen sah verdrängen. Dieses Gefühl von Mitleid kannte er nicht und konnte es auch nicht gabrauchen!

Corfar stand sofort auf und sah sich alarmiert um, als Mordan mit der jungen Heilerin auf dem Arm aus dem Schatten der Bäume trat. Er beachtete den wacghposten aber erstmal gar nicht, sondern ging mit der heilerin zu seinen Bettfellen und setzte sie dort ab.

„Legt euch hin und schlaft!“, befahl er und drückte die Heilerin, als sie ihn nur entsetzt ansah einfach rücklings in die Felle und deckte sie sorgsam ganz dick zu. „Schlaft jetzt, was auch immer das für Kreaturen waren, hier am Feuer kann euch nichts passieren.“, versicherte er ihr und ging dann zu Brachan rüber, um ihm alles zu berichten. Er hoffte, dass er recht behalten sollte, was die Sellenfresser anbelangte. Dass sie sich dem Feuer nicht nähren würden..

Die junge Frau unter war inzwischen eingeschlafen und bewegte sich unruhig unter den Decken. Nachdem er lange mit Brachan geredet hatte, hatten sich dieser und Corfar noch den Rest der Wache geteilt, während er die ganze Nacht bei der Heilerin verbracht hatte und ihr immer wieder beruhigend zugemurmelt hatte, wenn sie von einem Alptraum aufgeschreckt war und dies war ziemlich häufig der Fall gewesen in dieser Nacht. Er konnte es ihr nichtmal verübeln, denn auch ihn ließen die Gedanken an die Seelenfresser nicht los.
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