Radikale Ehrlichkeit

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Dr. Cal Lightman Eli Loker
09.07.2013
09.07.2013
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09.07.2013 1.561
 
Radikale Ehrlichkeit

Worte: ~ 1.500
Inhalt: ”Also, Eli”, meinte Cal, ”würden Sie gerne mit mir schlafen?”
Charaktere: Cal Lightman, Eli Loker, Gillian Foster
Pairing: Cal/Eli
Rating: R
Setting: vor der Serie
Warnungen: sexuelle Situationen
Anmerkungen: Prequel zu meiner Story Selbsttäuschung, aber kann separat gelesen werden. Geschrieben für einen 5_prompts Table und den Prompt #4 – Um etwas Zeit totzuschlagen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Lie To Me und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Wenn es eine Sache gab, auf die Cal immer stolz gewesen war, dann war es sein Instinkt. Er konnte jemandem Talent ansehen. Deshalb war es nicht seine Entscheidung gewesen, Eli Loker anzustellen, sondern Gillians.

”Er hat kein Talent. Keinen Instinkt”, meinte Cal zu ihr, nachdem Loker wieder einmal auf der Suche nach einem Job in ihrem Büro aufgetaucht war und Gillians Aufmerksamkeit erlangt hatte.

”Aber er hat Ehrgeiz”, antwortete Gillian. ”Er hat jede einzelne deiner Vorlesungen besucht und er hat aufgepasst. Er will diesen Job. Er schafft das.”

”Nicht mal der beste Theoretiker kann puren Instinkt ersetzen.”


Daraufhin hatte Gillian ihm ihr hübschestes Lächeln geschenkt und er hatte zugestimmt, Loker eine Chance zu geben.

Der Junge war vom ersten Tag an ein Problem gewesen. Obwohl Gillian Recht gehabt hatte – er war gut, sehr gut sogar für jemanden, der ihre Arbeit aus Büchern gelernt hatte –, war er auch eine Herausforderung. Er stellte ständig Cals Entscheidungen in Frage, als wolle er beweisen, dass er mindestens genauso gut wie er war … oder vielleicht sogar besser. Cal hätte geglaubt, dass Eli ein arroganter kleiner Besserwisser war, hätte er nicht ab und zu Hinweise darauf gesehen, dass Loker unsicher war und ihn nur beeindrucken wollte.  Und er sah noch etwas, wenn er mit Loker arbeitete: Erregung. Sexuelle Erregung. Und war das nicht interessant?

Nicht, dass es Cal etwas ausmachte. Eli war recht niedlich; dunkle Locken, schmale Hüften, lange Beine und große, blaue Augen in einem jungenhaften Gesicht. Aber Gillian wäre dagegen und Cal hasste es, sie zu verärgern. Auf der anderen Seite musste sie ja nie etwas erfahren.

Cal seufzte und lehnte sich in seinem Bürostuhl zurück, legte die Füße auf den Tisch. Vielleicht lag darin die Wurzel von Elis Autoritätsproblem begraben. Vielleicht wollte er seine Aufmerksamkeit und führte sich deshalb so auf. Cal grinste. Es wäre nur fair, ihn wissen zu lassen, dass seine Mühen geschätzt wurden.

***

Er lockte Loker in eine Falle. Es war eigentlich ganz einfach. Er ging sicher, dass Emily über das Wochenende bei einer Freundin übernachtete und lud Loker ein, ihm mehr über sein Leben mit Radikaler Ehrlichkeit zu erzählen. Allerdings hörte Gillian, wie er Loker einlud und folgte ihm in sein Büro, wo sie ihn mit dem niedlichen Stirnrunzeln anblickte, das sie immer trug, wenn ihr etwas nicht passte.

”Was ist?”, fragte Cal. ”Du wolltest doch, dass ich ihm eine Chance gebe. Also lerne ich ihn etwas besser kennen.”

Gillian senkte den Blick und sah einen Moment zur Seite – Unglaube –, dann verschränkte sie defensiv die Arme. ”In deinem Haus? Das ist nicht wirklich professionell.”

Er sah sie nur an. Er hatte nicht die Absicht, darauf zu antworten.

Sie kniff die Lippen zusammen und ihr Stirnrunzeln vertiefte sich einen Moment, doch dann glätteten sich ihre Gesichtszüge und sie verbarg jegliche Eifersucht hinter einer neutralen Maske. Sie schüttelte den Kopf. ”Sei nur vorsichtig”, flüsterte sie.

”Du kennst mich doch.”

Sie seufzte tief.

Cal lachte leise. ”Ich werde keinen Ärger machen. Geh schon nach Hause, mach dir keine Gedanken.”

Sie zögerte. “Mir gefällt das nicht.”

Cal machte eine scheuchende Handbewegung. ”Alec wartet.”

Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus und dieses Mal fühlte Cal die Eifersucht aufsteigen, doch er versteckte sie. Er hatte sich versprochen, nie wieder darüber nachzudenken. Gillian war nicht wie Zoe, mit der ihn irgendwann nur noch Emily und das gemeinsame Dach über dem Kopf verbunden hatte. Sie war nicht Loker, der nur als Ablenkung dienen würde – als Zeitvertreib.

Gillian war gefährlich, denn sie kannte ihn.

Er sah ihr nach, als sie sich zur Tür um wandte und seufzte tief.

Und dennoch konnte er immer auf sie zählen.

***

Cal schenkte Loker ein Glas Cola ein – guter Gott, er war wirklich zu jung für ihn! – und brachte es ins Wohnzimmer, wo Eli sich die DVDs ansah. Cal beobachtete ihn einen Moment. Das gute an Loker war, dass er nicht nur mit seinen Worten, sondern auch mit seiner Körpersprache so ehrlich war. Und was Cal gerade sah – Elis Hände hinter dem Rücken verschränkt, wie er sich immer wieder durch die Haare strich – zeugte von Nervosität und Unsicherheit. So eifrig er die Einladung auch angenommen hatte ... jetzt fürchtete er sich beinahe.

Eli wandte sich um und lächelte. Cal antwortete mit einem schwachen Grinsen und kam näher. ”Etwas Interessantes gefunden?”

Eli nahm das Glas an und antwortete: ”Nein. Die meisten sind langweilig.” Er nippte an der Cola und sah sich um. ”Ein schönes Haus, aber es braucht einen neuen Anstrich. Ist schon eine Weile her.”

Cal ließ sich auf seine Couch fallen und faltete die Hände hinter dem Kopf, spreizte etwas die Beine. Er bemerkte, wie Eli ihn unauffällig musterte, wahrscheinlich seine Körpersprache las und sie richtig deutete: Cal hielt die Zügel in der Hand, kontrollierte die Unterhaltung. Er hob die Augenbrauen. ”Lebt es sich gut mit Radikaler Ehrlichkeit?”

”Es ist okay. Letzte Woche hat mich ein Kerl zusammengeschlagen.”

”Haben Sie seine Freundin angemacht?”

”Eher das Gegenteil. Ich sagte ihm, dass ihre Freundin hübscher sei und er sah das als Beleidigung.”

Cal lachte. ”Und trotzdem werden Sie das Experiment fortsetzen?”

”Es ist inzwischen beinahe so etwas wie ein essentieller Teil meines Lebens.”

”Das ist gut. Beeindruckend”, sagte Cal. Eli lächelte, eindeutig erfreut über das Kompliment. ”Also, Eli”, meinte Cal, ”würden Sie gerne mit mir schlafen?”

Er hatte eine bestimmte Reaktion erwartet und Eli enttäuschte ihn nicht: Er erstarrte, dann wich er rasch seinen Augen aus und leckte sich die Lippen. Seine Körpersprache verriet, dass es ihm unangenehm war, aber es war nicht die Art von peinlicher Berührtheit, die eine sexuelle Belästigung hervorrief. Eher die Art, die ein ertappter Lügner zeigte.

Eli räusperte sich und setzte das Glas auf dem Kaffeetisch ab. Er rang mit sich. Radikale Ehrlichkeit oder Lüge … etwas zugeben, das ihm peinlich zu sein schien oder sein Experiment verraten. Cal ließ ihm Zeit. Er lehnte sich vor, stützte die Ellbogen auf den Knien ab und faltete die Hände.

Schließlich blickte Eli zu ihm auf. ”Ja.”

”Interessant”, sagte Cal. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. ”Ich hätte angenommen, dass Sie lügen würden. Ich bin beeindruckt, Loker.”

Eli schluckte und obwohl er versuchte, Cal weiterhin direkt in die Augen zu sehen, gelang es ihm nicht – er schämte sich.

Cal war noch nicht fertig. ”Schwul oder bisexuell?”

Eli verschränkte die Arme.

Cal hob die Augenbrauen – forderte ihn heraus. Wenn Eli nicht stark genug war, dieses Gespräch zu führen, ohne seine Ideale zu betrügen, dann war er es nicht wert, noch mehr Zeit mit ihm zu verbringen.

Eli räusperte sich. ”Bisexuell.”

”Theoretisch?”

”Was?” Die Frage war ernst gemeint, keine geheuchelte Verwirrung.

Cal lehnte sich in seinem Stuhl zurück und neigte den Kopf zur Seite. ”Ich nehme an, Sie hatten bereits Sex mit Frauen. Haben Sie es schon mal mit einem Mann getan? Oder fangen Sie gerade erst an?”

”Ich hatte Freundinnen und einen Geliebten während dem Studium.”

”Das ist eine interessante Wortwahl. 'Geliebter'.” Er stand auf und ging auf Eli zu. ”Sie nennen die Frauen 'Freundinnen', aber der Mann – er war ein 'Geliebter'.” Eli öffnete den Mund, doch Cal hob eine Hand. ”Nein, ich würde das gerne selbst entschlüsseln.” Er grinste. ”'Geliebter' unterscheidet sich von 'Freund' insofern, dass er um einiges älter gewesen sein könnte als Sie, vielleicht sogar verheiratet oder vergeben.”

”Es ist doch nur ein Wort.” Ein nervöses Lachen, die Augenbrauen gehoben und die Atmung leicht beschleunigt.

Cal stemmte die Hände auf die Hüften. ”Loker, lügen Sie mich an?”

Elis Augen weiteten sich. ”Nein!”

”Dann lassen Sie Dinge aus?”

Eli schluckte und antwortete nicht.

Cal grinste. ”Also, war er es?”

”Was?”

”Älter als Sie.”

Eli starrte ihn einen langen Moment an. Cal begriff langsam, dass es eine wichtige Regel gab, wenn man mit ihm über intime Details sprach: Eli brauchte Zeit. Geduld. Intimität machte ihm Angst. Interessant. Eli holte tief Luft. ”Einer meiner Dozenten.”

”Für wie lange?”

”Ein halbes Jahr.”

”Hat er den ersten Schritt gemacht oder Sie?”

”Warum all diese Fragen?”, wollte Eli wütend wissen. ”Das ist meine Privatsphäre geht Sie nichts an.”

”Schon, wenn ich wissen will, wie ich das hier angehen soll.”

Eli starrte ihn einen Moment an, dann straffte er die Schultern und fragte: ”Wollen Sie mit mir schlafen?”

Cal lächelte schief. ”Es wäre ein recht sinnloser Fall von sexueller Belästigung, wäre es nicht so.”

”Sie könnten mich reinlegen wollen.”

”Tun Sie das immer?”

”Was denn?”, fragte Eli verwirrt.

”Reagieren.”

Cal beobachtete, wie sich Eli eine Antwort verbiss.

”Sie müssen immer das letzte Wort haben, oder? Ich frage mich, wie sich das im Bett auswirkt.”

”Finden Sie es doch heraus”, meinte Eli und Cal bewunderte die Schnelligkeit, mit der er in dieser für ihn unangenehmen Situation die Kontrolle zumindest teilweise zurückgewonnen hatte.

Er grinste. ”Ja”, sagte er und trat näher. ”Das sollte ich.”


ENDE
03/13