Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Mor'ak und Ari - Rückkehr zum Blauen Berg (Bergelfen - zwischen IV und V)

von SilviaK
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
OC (Own Character) Winnowill
09.07.2013
22.08.2013
7
23.996
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
09.07.2013 3.564
 
**Es riecht ... seltsam hier.** Ari konnte den unbekannten Geruch nicht einordnen. **Alt ... nur noch schwach .. aber Elfen waren das nicht!** Sie runzelte die Stirn, glitt nach oben, warf gleichfalls einen mißtrauischen Blick in die Runde und landete neben Mor’ak. **Danke.** sendete sie und fragte sich im gleichen Moment, warum er schon wieder so brüsk reagierte. **Ob das Menschen waren? Ich hab zwar noch nie welche gesehen, aber ...**
*Aber was? Sicherlich waren es Menschen** sagte er aufbrausend und ließ sich in die Höhe gleiten in Richtung des Seeufers, welches nicht so weit entfernt lag. Eine ernste Falte hatte sich in sein Gesicht gegraben und ließ ihn kalt wirken. Mor'ak drehte sich zu Ari um. **Kommst du?** Sein Senden klang jetzt weicher.
**Warum wirst du gleich so wütend?** Ari folgte ihm, nun ebenfalls etwas verstimmt. **Kann ich etwas dafür, daß ich noch nie Menschen begegnet bin und ihren Geruch nicht kenne? Das letzte Mal, daß ich Geschichten über die gehört habe, ist schon eine halbe Ewigkeit her. Bei uns zu Hause gibt es keine - gab es noch nie welche.**
Mor'ak wollte etwas dagegenhalten, blieb jedoch abrupt in der Luft stehen, drehte sich um und spähte in den Wald hinein. Ein leises Knurren kam von seinen Lippen und er setzte schnell den Weg fort. **Thenirl?** Suchend sah er sich um und konnte den Falken nirgends erblicken. Seufzend glitt er auf den Boden und drehte sich zu Ari um. **Entschuldige.** Es klang eher gefühllos, doch eine gewisse Ehrlichkeit lag darin.
**Du bist schon mal welchen begegnet - oder?** Ari glaubte seine Reaktion zu verstehen. Schließlich waren die Geschichten, die man sich über Menschen erzählte, alles andere als freundlich. Sie landete neben ihm, blickte ebenfalls Richtung Waldrand.
**Was ist?**
Mor'ak seufzte leicht. **Ich bin mir nicht sicher, ob wir noch alleine sind.** Wieder blickte er in den Himmel und suchte nach seinem Vogelfreund. Sie waren ungeschützt an diesem See und er hoffte, daß der Falke bald auftauchen würde. Thenirl kam über die Bäume geschossen und landete staubaufwirbelnd in der Nähe der beiden. **Laß uns woanders essen** sendete Mor’ak wieder kühl und stapfte schon zu dem Falken
‘Na das fehlte mir noch - ich bin auf der Suche nach meinem alten Zuhause und falle vielleicht noch Menschen in die Hände...’ Ari krauste die Stirn - der Gedanke gefiel ihr nicht. Eine leichte Unruhe überkam sie. Sie suchte nun auch den Himmel nach dem Falken ab und war froh, als dieser auftauchte und bei ihnen niederging.
**Ist mir auch recht.** antwortete sie, bemühte sich, unbeteiligt zu klingen. Sie blickte auf den Bogen in ihrer Hand, löste die Sehne aber sicherheitshalber noch nicht, sondern hängte ihn sich um und folgte Mor’ak zu Thenirl.
Schnell ließ dieser sich in das Geschirr des Falken gleiten und wartete ungeduldig auf Ari. Die Federschwänze legte er in die Taschen des Geschirrs, verschloß diese und tauschte dann die Bolzen in seiner Armbrust ... ein starkes Gift statt des leichten Schlafmittels schien ihm sicherer zu sein. Etwas am Waldrand weckte seine Aufmerksamkeit, doch er konnte es nicht erkennen. Selbst Thenirl wurde nervös und schlug unruhig mit den Flügeln
Ari bemerkte die Unruhe des Vogels. Wahrscheinlich wäre es klüger gewesen, sich sofort auf seinen Rücken zu schwingen, aber es gefiel ihr nicht, nicht zu wissen, vor was genau sie da eigentlich flohen. Dummerweise hatte der Wind gedreht, wehte jetzt Richtung Wald, so daß Ari keinen Geruch aufnehmen konnte von dem, was ihnen womöglich gefolgt war. Ein paar Augenblicke blieb sie reglos stehen und beobachtete aufmerksam die Umgebung.
Schnell kamen die Gestalten am Waldrand näher. Die ersten Pfeile gingen bereits auf sie nieder. **Brauchst du vielleicht eine Extraeinladung?!** knurrte Mor'ak und sprang von Thenirl hinunter, riß Ari herum und zog seine Armbrust nach oben, als ein Pfeil sich direkt in die Stelle, wo Ari vorher stand, hineinbohrte. Mor’ak schoß ebenfalls und schob Ari zu Thenirl, ließ sein Schild aufleben, so groß er es nur ziehen konnte, was ihn sichtlich anstrengte.
Ari vergaß beinahe Luft zu holen, als sie diese Wesen näherkommen sah. Das war das erste Mal, daß sie Menschen ... eine Hand riß sie zur Seite, sie starrte den Pfeil an, der sich bebend in den Boden bohrte, und verstand das einfach nicht.
**Warum tun sie das?!** fragte sie verstört, während sie auf Thenirls Rücken hinaufschwebte und besorgt zu Mor’ak hinabsah, der einen Bolzen in Richtung der Angreifer abschoß. **Wir haben doch gar nichts ... aber ... willst du sie etwa töten?**
Thenirl erhob sich soweit in die Lüfte, daß sie keine Pfeile oder Sperre trafen, als Ari Platz nahm. Mor'ak sah ihnen kurz nach, antwortete Ari aber nicht, sondern ging ruhig auf die näherkommenden Menschen zu. Sein Schild verkleinerte sich und er lud seine Armbrust nach. "Dreckiges Gewürm", knurrte er und schoß einen der sieben, die näherkamen, kaltblütig ab.
Ari starrte den Elf nun fast genauso geschockt an wie eben noch die Menschen. Doch diesmal faßte sie sich schneller.
**Hör auf! Wieso tust du das?! Wir sind doch in ihr Gebiet eingedrungen, also sollten wir auch verschwinden!**
Ihr gefiel es zwar so auch nicht, aber bei Tieren war es ja ähnlich - sie verteidigten ihr Revier gegen Eindringlinge. Und einen anderen Vergleich mit diesen Menschen fand Ari in diesem Moment einfach nicht, um das zu begreifen, was da geschah. Aber was Mor’ak da tat, das wollte ihr nicht in den Kopf hinein. Elfen töteten doch nicht einfach so andere Lebewesen, wenn es nicht auch anders ging!  
**Hör auf, bitte!** wiederholte sie eindringlich.
*Nein, das sind wir nicht! Es ist eher umgekehrt!** sendete er kraftvoll, ja beinahe schmerzhaft zurück und ließ sich nicht dazu überreden, aufzuhören. Bald hatte er seine Armbrust nachgeladen, als die anderen schon bei ihm waren und ihn umkreisten. Mor’aks Augen glitzerten seinen ersten Angreifer kühl an. Er bewegte seine Hand nach oben und trennte mit seinem Dolch dessen Kehle durch. Lächelnd wandte er sich zu den anderen, die auf ihn einzustechen versuchten, doch an seinem Schild kläglich versagten. Unsicher traten die Menschen zurück, murmelten unverständliche Worte
Ari zuckte zusammen, von der Kraft seines Sendens getroffen, das sie an etwas erinnerte, das sie lieber vergessen wollte, und mehr noch von seinem Handeln. Sie sah, daß Mor’ak eine Art magischen Schild nutzen mußte, der ihn vor den Angreifern schützte, so daß er selber sich kaum in Gefahr befand, verletzt zu werden. Ja, es schien ihm sogar Spaß zu machen, einem nach dem anderen das Leben zu nehmen! Das war so wider ihre Natur, daß Ari die Gefahr für sich selber fast vergaß, als sie aufgebracht Thenirls Federn losließ und sich in die Luft erhob.
**Hör auf!!** Zorn lag in ihrem Senden und Fassungslosigkeit. **Du ... du bist ja noch schlimmer als sie!** Sie glitt im Sturzflug nach unten, auf Mor’ak zu, hätte ihn am liebsten an den Schultern oder am Umhang gepackt, um ihn mit sich fortzuziehen.
Einer der Menschen drehte sich um, als Ari auf sie zustürzte. Er murmelte einige unverständliche Worte, zielte auf sie und schoß sogleich.
**Du hast keine Ahnung!** begehrte Mor’ak auf. Er knurrte, riß denjenigen herum und schlug ihm ins Gesicht, während die anderen die Flucht ergriffen. Zitternd wurde der Jüngling zurückgeschleudert und fiel hart auf den Boden. Mor'ak packte ihn am Hals und drückte zu, kalt leuchteten seine Augen
Ari war zwar innerlich auf Überraschungen gefaßt, reagierte aber in ihrem Zorn nicht schnell genug. Als sie auswich, streifte der Pfeil sie schmerzhaft am linken Arm. Aber trotzdem konnte sie nicht wütend auf den Schützen sein - der fühlte sich wahrscheinlich nur von noch einem Elfen angegriffen, als sie näherkam.
Ari bemühte sich, nicht zu dem Toten mit der aufgeschlitzten Kehle hinzusehen, als sie landete und fieberhaft überlegte, wie bei den Hohen sie Mor’ak davon abbringen konnte, auch diesen Menschen zu töten. Denn nichts anderes hatte er vor. Aber ihr fiel nichts ein - sie konnte ihm ja schlecht den eigenen Dolch von hinten an die Kehle setzen! Er würde wissen, daß sie ihn nicht einmal verletzen konnte, so etwas war ihr nun einmal einfach unmöglich.
Dann kam ihr ein Gedanke. Mit einer raschen Bewegung griff sie in den Sand, holte aus und warf dem Elfen zwei Handvoll direkt ins Gesicht, um ihn abzulenken und damit er endlich die Hände von der Kehle des jungen Mannes nahm.
Mor'ak drückte immer fester zu, während der Jüngling wild mit den Armen ruderte und versuchte, sich zu befreien. Ein Knurren verließ Mor'aks Kehle, als Ari in seiner Nähe auf den Boden glitt. Schnell war sie bei ihnen und ehe er sich’s versah, warf sie bereits mit Sand. Wütend schleuderte er den Mensch von sich, direkt vor die Füße Aris und griff sich ins Gesicht, versuchte, den Sand aus den Augen zu wischen. Es brannte so sehr, daß er einige Schritte zurücktaumelte und über einen der anderen geschlagenen Angreifer stolperte, jedoch nicht hinfiel.
Ari hatte fast selbst nicht geglaubt, daß sie ihn aufhalten könnte. Aber anscheinend hatte er sein Schild fallengelassen, sonst hätte ihn der Sand wohl kaum gestört. Einen Moment lang hatte sie fast ein schlechtes Gewissen, aber die Erinnerung an seine gnadenlose Art unterdrückte das. Als der junge Menschen vor ihren Füßen landete, hatte Ari instinktiv ihren Dolch zur Verteidigung gezogen, machte aber keine Anstalten, ihn einzusetzen. Statt dessen bohrte sich ihr Blick in seinen, sie streckte die freie Hand mit einer energischen Bewegung Richtung Waldrand aus.
„Verschwinde! Und komm ja nicht wieder, wenn dir dein Leben was wert ist!“ fuhr sie ihn an. Sie wußte, daß er sie nicht verstehen würde, aber die Geste und der Klang ihrer Stimme würden ausreichen. Hoffentlich verstand er schnell genug, bevor Mor’ak sich wieder gefangen hatte.
Der Mensch war nach vorne getaumelt und blieb direkt vor Ari liegen, sah sie verwirrt an und schaute nach dem anderen, dunkel Gewandeten. Unschlüssig, was er tun sollte, krabbelte er von beiden weg, vernahm die seltsamen Laute, die der Geist sprach, und stand dann auf. Er griff nach einem Bogen und hielt ihn zitternd vor sich, sah zwischen den beiden hin und her.
Mor'ak schüttelte den Kopf und konnte wieder etwas sehen, doch verschwommen. **Verdammt!! Was soll das?!** fuhr er Ari an und blickte zu dem jungen Mensch, der sich von ihnen entfernte und sich bewaffnete. Sein Schild erwachte zum Leben, und er ging knurrend auf Ari zu, hob dabei seine Armbrust wieder auf und spannte sie erneut. Kalt funkelten seine Augen, fixierten die Elfe.
**Du hast schon genug von ihnen getötet!** erwiderte Ari energisch. Sie blickte von ihm weg zu dem Menschen, der sich einen Bogen gegriffen hatte, aber noch unsicher schien, ob er fliehen oder erneut angreifen oder überhaupt irgend etwas tun sollte. Und Mor’ak hatte schon wieder die Armbrust schußbereit.
‘Warum muß mir sowas passieren?!’ dachte Ari flüchtig. ‘Weite des Himmels, ich  bin Jägerin, kein Krieger!’ Aber da war sie schon in der Luft, auf den Menschen zugesaust, der mit so einem „Frontalangriff“ nicht mehr gerechnet hatte, und hatte ihm den Bogen aus den Händen gezerrt. Einen Pfeil hatte er noch nicht aufgehoben gehabt. Sie funkelte ihn an, den Dolch in der erhobenen Faust, auf ihn gerichtet.
„Ver-schwin-de! Aber so-fort!“
Wieder zeigte sie auf den Waldrand. Endlich schien er verstanden zu haben, obwohl Angst in seinen Augen stand. Noch einmal irrte sein Blick zu seinen toten Gefährten, dann fuhr er herum und versuchte, Hals über Kopf den rettenden Waldrand zu erreichen.
Silbern blitzten Mor’aks Augen auf. Er ging ruhig auf Ari zu. Das Knurren war verschwunden, mit einer kalten Miene blickte er sie an. Mor'ak blieb stehen, als sie in die Luft glitt, rief im Stillen seinen Falken, der bald im Sand landete und nervös wirkte. Mor'ak packte seine Waffe weg und ließ sich ebenfalls in die Lüfte gleiten. Er wartete noch einen kurzen Moment und schoß schnell zu Ari herab, packte sie an den Schultern und riß sie herum. Seine Blicke bohrten sich in die ihrigen und ließen nur Kälte und reine Boshaftigkeit entweichen.
**Es ist nicht genug.** sendete er ruhig, schleuderte sie dann grob von sich, ließ sich hinab auf den Boden gleiten und verschränkte die Arme vor der Brust.
Als Mor’ak sie herumzerrte und Ari in seine Augen sah, spürte sie plötzlich fast so etwas wie Angst. Oder war es doch nur Erschrecken vor der Kälte und Grausamkeit, die von ihm ausgingen? Bevor sie sich darüber klar werden konnte, gab er ihr einen Stoß, daß sie mit dem Rücken auf der Erde aufgeprallt wäre, hätte sie sich knapp über dem Boden nicht gerade noch in der Luft abfangen können. Sie landete schwankend, um sich im nächsten Moment wieder mit blitzenden hellblauen Augen zu ihm herumzudrehen.
**Und ob es das ist! Ich kenne diese Menschen nicht, aber die hier haben gehandelt wie Tiere, die sich angegriffen fühlen und ihr Territorium gegen Eindringlinge verteidigten! Bis auf einen hast du sie ja alle ... einfach so getötet! Und dieser eine wird seine Leute schon deutlich davor warnen, daß sie noch mal hierherkommen, nach dem, was den anderen geschehen ist. Wenn wir gleich aufgebrochen wären, dann wäre das alles gar nicht nötig gewesen!**
Mor'ak sah sie leicht belustigt an. **Glaubst du etwa tatsächlich, daß sie uns nicht angegriffen hätten, wenn wir gleich aufgebrochen wären?** Er lachte auf und schüttelte den Kopf, ging einige Schritte auf sie zu und musterte sie mit einem schwer zu deutenden Lächeln. Langsam wurde er wütend auf diese Elfe, pfuschte sie doch in sein Tun hinein, doch er sagte nichts darüber, sondern wandte seinen Kopf in Richtung Waldrand, wo der Jüngling verschwunden war. **Mal sehen, wie lange sie brauchen.** sendete er sarkastisch und ließ Ari dann einfach stehen, stapfte gemütlich zu Thenirl.
Aris Miene verfinsterte sich noch etwas - lachte er da wirklich über sie?!? **Allenfalls hätten sie uns ein paar Pfeile nachgeschickt, aber dein Falke wäre weit genug weg gewesen, die hätten uns nicht erreicht.** Auf seinen zweiten Satz hin folgte sie seinem Blick, musterte gleichfalls den Waldrand und wurde plötzlich unsicher. Vielleicht war der junge Mensch ja auch gleich zum Rest seines Stammes gerannt und holte ihn nun her, um Vergeltung zu üben für die Toten? Oder dies war sein ganzer Stamm gewesen, was hier um sie verstreut lag, und er als einziger noch übrig ... was wußte sie schon?
Sie drehte sich zu Mor’ak um, der auf seinen Vogelfreund zuging. Bei den Hohen, sie verstand ihn einfach nicht, diesen Elf, der so kaltblütig mit dem Leben anderer umging. Und verstand dabei nicht mal sich selbst - was er tat, stieß sie ab, aber die Frage nach dem Warum war mindestens genauso stark. Fraglich nur, ob sie eine Antwort darauf erhalten würde.
Ari erhob sich ein paar Fußbreit in die Luft und folgte Mor’ak, bis sie auf gleicher Höhe mit ihm schwebte. **Ich schätze, du legst jetzt wahrscheinlich keinen Wert mehr auf meine Begleitung. Obwohl ich dich noch einiges fragen wollte ... Ich kann mich nicht darüber freuen, daß du sie alle umgebracht hast, aber du hast mich auch beschützt dadurch. Dafür wollte ich dir noch danken.**
Abrupt blieb Mor'ak stehen und drehte sich zu ihr, musterte sie kurzen Blickes und wandte sich wieder zum Waldrand. In der Ferne waren Hunde zu hören und er knurrte wieder leicht auf. **Ich habe meine Gründe, weshalb ich so handle.**
Thenirl wurde immer unruhiger und wirbelte mit seinen riesigen Schwingen den Staub um ihn herum auf. Instinktiv griff Mor’ak zu seiner Armbrust und verweilte mit seiner Hand darauf. **Es wäre besser, wenn wir hier verschwinden ... das sind keine gewöhnlichen Menschen.** sendete er eindringlich, ging nicht darauf ein, was sie gesagt hatte, sondern versuchte, ruhig zu bleiben. Er war in dieser Gegend aufgewachsen und wußte, daß sie bald hier waren.
**Keine gewöhnlichen ... ?**
Was meinte er damit? Ari runzelte die Stirn, sah aber ein, daß Warten und Diskutieren jetzt wohl das Falscheste war. **In Ordnung. Nichts wie weg hier.** Davon, daß er sie weiterhin auf Thenirl mitfliegen ließ, hatte er nichts gesagt. Also würde sie wohl wieder selbst fliegen.
Mor'ak glitt ebenfalls in die Lüfte und ließ sich auf dem Geschirr seines Falken nieder, sah zu Ari. **Beeil dich!** drängte er und behielt den Waldrand im Auge. Die ersten Kampfschreie waren zu hören und bald brachen einige Menschen durch das Unterholz. Schnell kamen sie näher und gingen zu ihren toten Stammesmitgliedern, um ihnen ihre Waffen zu nehmen. Schmuck und Bekleidung wurden ebenfalls entwendet. Einer der Menschen ragte über die Köpfe der anderen hinweg und sah zu Mor'ak und Ari.
Ari schluckte, als sie die neue Gefahr erkannte. Sie landete hinter Mor’ak, der anscheinend doch nichts dagegen hatte, wieder auf Thenirls Rücken und ließ die Menschen unten nicht aus den Augen. Verdammt, sie hatte sich geirrt, die Angst dieser Wesen überschätzt. Aber es tat ihr trotzdem nicht leid, daß sie den letzten vor dem Schicksal seiner Gefährten bewahrt hatte.
Der große Mensch zog einen Dolch und trat zu demjenigen, der von Ari gerettet wurde. Der Jüngling schrie verzweifelt auf und versuchte zu fliehen, wurde aber festgehalten und bekam den Dolch zwischen die Rippen. Der Anführer hantierte noch eine Weile, stocherte etwas und zog dann etwas vom Kopf des Jünglings mit einem Ruck ab.
Thenirl erhob sich schnell in die Lüfte, wartete nicht einmal ab, in welche Richtung es gehen sollte, sondern flog in die, aus der sie vor einer Weile gekommen waren. Mor'ak beobachtete das Treiben des Großen und wandte den Blick bald ab.
Ari hatte nach der Gestalt desjenigen gesucht, der das Geschehen überlebt hatte - und konnte schon wieder nichts anderes tun als fassungslos die Luft anzuhalten. Dafür, daß er am Leben geblieben war, wurde er von seinem Anführer hingerichtet?
**Warum ... warum tut er das?!** Aris Senden zitterte. Sie merkte kaum, daß ihr eine Träne über das Gesicht lief. Wie sinnlos kam ihr der Zusammenstoß mit Mor’ak jetzt vor. Sie hatte nicht gewollt, daß noch jemand starb, und damit seinen Tod nur aufgeschoben. Durch die eigenen Leute ... Was war das hier für ein Landstrich? Taten Menschen das immer?
Ein leichtes Seufzen war von Mor’ak zu hören und er strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Seine Armbrust nun festmachend, drehte er den Kopf leicht zu Ari. **Keine Ahnung, weshalb die das machen.** Leichte Gleichgültigkeit schwang in seinem Senden mit. Schließlich waren es nur Menschen ... Mor'ak wies Thenirl eine andere Richtung und der Falke drehte einen großen Kreis, darauf achtend, dem See nicht mehr nahe zu kommen.
**Das ist doch ... widersinnig! Seine eigenen Leute umzubringen!** Ari konnte es einfach nicht begreifen. Mit Gewalt riß sie ihren Blick von dem See los. **Du hast es gewußt, oder? Daß er sowieso keine Chance hatte ...**
*Ich bin in dieser Gegend aufgewachsen und als ich diesen Stamm kennenlernte, habe ich schnell verstanden: wenn einer von ihnen uns nicht töten konnte, so wurde dieser getötet.** antwortet er ihr. Ein kühler Luftzug streifte ihn und ließ ihn seinen Kopf etwas einziehen.
**Warum sind Menschen nur so versessen darauf, Elfen umzubringen?** Ari kannte die alten Geschichten, aber ohne es selbst erlebt zu haben waren sie ihr immer fremd und wie Märchen erschienen, die längst keine Bedeutung mehr hatten. Bis heute.
**Aber dir scheint es ja auch ... Freude zu machen, sie zu töten.**  
Mor'ak zuckte mit den Schultern "Menschen sind nur Spielzeuge..." murmelte er, aber ob Ari es durch den Flugwind verstand, wußte er nicht. Es war ihm auch gleich.
Nach einer Weile kamen in der Ferne einige Berge zum Vorschein. **Hmm, sieht so aus, als wäre es nicht mehr so weit** bemerkte Mor’ak kurz.
**Spielzeuge?!? Meinst du das ernst?** Beinahe hätte Ari ihn an der Schulter gepackt. Sie ärgerte sich, daß sie hinten saß und sein Gesicht nicht sehen konnte. Aber sie ließ es dann doch lieber, wollte ja nicht riskieren, vom Falken geworfen zu werden.
**Menschen sind auch nicht viel anders als du oder ich!** Obwohl sie jetzt nicht mehr ganz sicher war - Mor’ak hatte jetzt schon ihr Bild von den normalen Elfendenkweisen auf den Kopf gestellt mit seiner Art und Weise - und von Menschen wußte sie ja wirklich nicht viel.
Sie wollte noch etwas hinzufügen, aber dann sah sie auch die Berge am Horizont, kniff die Augen zusammen, um sie zu betrachten und fragte sich, ob sie sie noch kannte. Aber es war zu lange her, daß sie in dieser Gegend war. Und damals war es auch zu Fuß gewesen.
Langsam hatte Mor’ak das Gefühl, daß diese Elfe viel zu viel Mitleid mit diesen Barbaren hatte. Ob sie wohl eine Kostprobe bräuchte? 'Nein' schalt er sich in seinen Gedanken, dazu hatte er irgendwie keine Lust. Er achtet nicht darauf, was Ari sagte, sondern konzentrierte sich lieber auf die Berge vor ihnen. Irgendwie waren sie verändert.
**Seltsam..** entfuhr es Mor’ak, während er den größten der Berge auszumachen versuchte. **Irgendwas ist anders.**
**Anders? Was meinst du damit?**
Ari lehnte sich zur Seite, um an Mor’ak vorbeisehen zu können. Ja, sie erinnerte sich wieder. Diese Silhouette hatte sie gesehen, als es damals endlich Tag wurde und sie schon ein ganzes Stück vom Blauen Berg entfernt gewesen waren. Langsam begann die Aufregung in ihr hochzukrabbeln.
**Da ist er! Nein ... Da war er ...** Verdutzt blickte sie auf das Loch, das an der Stelle prangte, an der sich eigentlich der Sitz der Gleiter erheben sollte. **Was ist da bloß passiert?!**
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast